Glaube hat Hoffnung
Verfasst: 08.10.2009, 20:26
Habe soeben folgenden Artikel mit einer interessanten Einschätzung der Orthodoxie gefunden:
Quelle: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091008_OTS0233
Bartoszewski: Glaube hat Hoffnung ...(2)
utl: Zulehner: Neue Verbindung von Religion und Moderne? =
Der Wiener Pastoraltheologe em.Prof. Paul Zulehner skizzierte bei der Tagung das Verhältnis von Moderne und Religion; sowohl in West- als auch in Osteuropa seien die Religionsgemeinschaften unter
"Modernisierungsstress" gekommen. Es sei aber denkbar, dass sich im
einstigen kommunistischen Herrschaftsbereich eine neue Art der
Modernität entwickelt habe, in der sich - anders als in Westeuropa -
Religion und Moderne nicht feindlich gegenüberstehen.
Während Westeuropa eine "Säkularisierung von innen" erlebt habe,
erfolgte die Säkularisierung in "Osteuropa" von außen, erklärte
Zulehner. Das totalitäre kommunistische Regime habe mit massivem
Druck versucht, die kommenden Generationen von der Religion
abzuschneiden. Das Ergebnis sei je nach Konfession völlig
unterschiedlich ausgefallen, erklärte der Pastoraltheologe.
Katholisch geprägte Bereiche waren demnach gegen den
Modernisierungsstress des Kommunismus deutlich resistenter als
protestantische. Grund dafür sei die Ekklesiologie der katholischen
Kirche: "Die Gemeinschaft, die Vernetzung ist die Stärke des
Katholizismus. Glaube ist Netzwerk und das hilft gegen
Modernisierungsstress".
Die Situation in Ostdeutschland, der Tschechischen Republik und in
Estland und Lettland zeige, dass die Resistenz protestantischer
Kulturen am geringsten war. Zulehner verwies im Hinblick auf die
geringe Resistenz des Protestantismus auf das Paradoxon, dass
christliche Gemeinschaften umso korrosionsanfälliger sind, "je
moderner sie sind". Auffällig sei in diesem Zusammenhang auch, dass
nur im christlichen Europa "vollständig durchatheisierte Kulturen"
existieren, sagte Zulehner, ohne auf die Situation in China
einzugehen: "Man hat den Eindruck, dass nur das Christentum bislang
in der Lage gewesen ist, Atheismus in diesem Ausmaß hervorzubringen".
Während in allen protestantischen Kulturen auch heute alle Zeichen
auf einen weiteren Niedergang der Religion deuten, laufe die
Entwicklung der Religion in allen orthodoxen Ländern in eine völlig
andere Richtung, sagte Zulehner. Dort entstehe ein "Sog", durch den
das orthodoxe Christentum an Boden gewinnt.
Eine mögliche Ursache dafür könnte laut Zulehner in der "völlig
anders gestalteten Form von Gläubigkeit, Frömmigkeit, dem Verhältnis
von Kirche und Staat und der Präsenz der Religion in der
Öffentlichkeit" liegen. Hier stehe man jedenfalls mit der
religionssoziologischen Forschung noch am Anfang.
Für die Zukunft des Verhältnisses von Moderne und Religion im
einstigen kommunistischen Machtbereich präsentierte Zulehner zwei
Hypothesen: Es sei erstens möglich, dass im Zuge der Öffnung die
westliche Form der Säkularität nach und nach in Osteuropa
einsickert. Gegen die meisten Prognosen wäre es aber auch denkbar,
dass Ostmittel- und Osteuropa durch seine Geschichte ein neues
Verhältnis von Religion und Moderne im Sinne einer
"religionsverträglichen Modernität" entwickelt haben, meinte
Zulehner: "Dann gibt es Hoffnung, dass nicht die westliche säkulare
Modernität nach Osten zieht, sondern dieses neue versöhnte
Verhältnis von Moderne und Religion in den Westen".
Quelle: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091008_OTS0233
Bartoszewski: Glaube hat Hoffnung ...(2)
utl: Zulehner: Neue Verbindung von Religion und Moderne? =
Der Wiener Pastoraltheologe em.Prof. Paul Zulehner skizzierte bei der Tagung das Verhältnis von Moderne und Religion; sowohl in West- als auch in Osteuropa seien die Religionsgemeinschaften unter
"Modernisierungsstress" gekommen. Es sei aber denkbar, dass sich im
einstigen kommunistischen Herrschaftsbereich eine neue Art der
Modernität entwickelt habe, in der sich - anders als in Westeuropa -
Religion und Moderne nicht feindlich gegenüberstehen.
Während Westeuropa eine "Säkularisierung von innen" erlebt habe,
erfolgte die Säkularisierung in "Osteuropa" von außen, erklärte
Zulehner. Das totalitäre kommunistische Regime habe mit massivem
Druck versucht, die kommenden Generationen von der Religion
abzuschneiden. Das Ergebnis sei je nach Konfession völlig
unterschiedlich ausgefallen, erklärte der Pastoraltheologe.
Katholisch geprägte Bereiche waren demnach gegen den
Modernisierungsstress des Kommunismus deutlich resistenter als
protestantische. Grund dafür sei die Ekklesiologie der katholischen
Kirche: "Die Gemeinschaft, die Vernetzung ist die Stärke des
Katholizismus. Glaube ist Netzwerk und das hilft gegen
Modernisierungsstress".
Die Situation in Ostdeutschland, der Tschechischen Republik und in
Estland und Lettland zeige, dass die Resistenz protestantischer
Kulturen am geringsten war. Zulehner verwies im Hinblick auf die
geringe Resistenz des Protestantismus auf das Paradoxon, dass
christliche Gemeinschaften umso korrosionsanfälliger sind, "je
moderner sie sind". Auffällig sei in diesem Zusammenhang auch, dass
nur im christlichen Europa "vollständig durchatheisierte Kulturen"
existieren, sagte Zulehner, ohne auf die Situation in China
einzugehen: "Man hat den Eindruck, dass nur das Christentum bislang
in der Lage gewesen ist, Atheismus in diesem Ausmaß hervorzubringen".
Während in allen protestantischen Kulturen auch heute alle Zeichen
auf einen weiteren Niedergang der Religion deuten, laufe die
Entwicklung der Religion in allen orthodoxen Ländern in eine völlig
andere Richtung, sagte Zulehner. Dort entstehe ein "Sog", durch den
das orthodoxe Christentum an Boden gewinnt.
Eine mögliche Ursache dafür könnte laut Zulehner in der "völlig
anders gestalteten Form von Gläubigkeit, Frömmigkeit, dem Verhältnis
von Kirche und Staat und der Präsenz der Religion in der
Öffentlichkeit" liegen. Hier stehe man jedenfalls mit der
religionssoziologischen Forschung noch am Anfang.
Für die Zukunft des Verhältnisses von Moderne und Religion im
einstigen kommunistischen Machtbereich präsentierte Zulehner zwei
Hypothesen: Es sei erstens möglich, dass im Zuge der Öffnung die
westliche Form der Säkularität nach und nach in Osteuropa
einsickert. Gegen die meisten Prognosen wäre es aber auch denkbar,
dass Ostmittel- und Osteuropa durch seine Geschichte ein neues
Verhältnis von Religion und Moderne im Sinne einer
"religionsverträglichen Modernität" entwickelt haben, meinte
Zulehner: "Dann gibt es Hoffnung, dass nicht die westliche säkulare
Modernität nach Osten zieht, sondern dieses neue versöhnte
Verhältnis von Moderne und Religion in den Westen".