Glaube hat Hoffnung

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Anastasis+
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Glaube hat Hoffnung

Beitrag von Anastasis+ »

Habe soeben folgenden Artikel mit einer interessanten Einschätzung der Orthodoxie gefunden:

Quelle: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091008_OTS0233

Bartoszewski: Glaube hat Hoffnung ...(2)

utl: Zulehner: Neue Verbindung von Religion und Moderne? =

Der Wiener Pastoraltheologe em.Prof. Paul Zulehner skizzierte bei der Tagung das Verhältnis von Moderne und Religion; sowohl in West- als auch in Osteuropa seien die Religionsgemeinschaften unter
"Modernisierungsstress" gekommen. Es sei aber denkbar, dass sich im
einstigen kommunistischen Herrschaftsbereich eine neue Art der
Modernität entwickelt habe, in der sich - anders als in Westeuropa -
Religion und Moderne nicht feindlich gegenüberstehen.
Während Westeuropa eine "Säkularisierung von innen" erlebt habe,
erfolgte die Säkularisierung in "Osteuropa" von außen, erklärte
Zulehner. Das totalitäre kommunistische Regime habe mit massivem
Druck versucht, die kommenden Generationen von der Religion
abzuschneiden. Das Ergebnis sei je nach Konfession völlig
unterschiedlich ausgefallen, erklärte der Pastoraltheologe.
Katholisch geprägte Bereiche waren demnach gegen den
Modernisierungsstress des Kommunismus deutlich resistenter als
protestantische. Grund dafür sei die Ekklesiologie der katholischen
Kirche: "Die Gemeinschaft, die Vernetzung ist die Stärke des
Katholizismus. Glaube ist Netzwerk und das hilft gegen
Modernisierungsstress".
Die Situation in Ostdeutschland, der Tschechischen Republik und in
Estland und Lettland zeige, dass die Resistenz protestantischer
Kulturen am geringsten war. Zulehner verwies im Hinblick auf die
geringe Resistenz des Protestantismus auf das Paradoxon, dass
christliche Gemeinschaften umso korrosionsanfälliger sind, "je
moderner sie sind". Auffällig sei in diesem Zusammenhang auch, dass
nur im christlichen Europa "vollständig durchatheisierte Kulturen"
existieren, sagte Zulehner, ohne auf die Situation in China
einzugehen: "Man hat den Eindruck, dass nur das Christentum bislang
in der Lage gewesen ist, Atheismus in diesem Ausmaß hervorzubringen".
Während in allen protestantischen Kulturen auch heute alle Zeichen
auf einen weiteren Niedergang der Religion deuten, laufe die
Entwicklung der Religion in allen orthodoxen Ländern in eine völlig
andere Richtung, sagte Zulehner. Dort entstehe ein "Sog", durch den
das orthodoxe Christentum an Boden gewinnt.
Eine mögliche Ursache dafür könnte laut Zulehner in der "völlig
anders gestalteten Form von Gläubigkeit, Frömmigkeit, dem Verhältnis
von Kirche und Staat und der Präsenz der Religion in der
Öffentlichkeit" liegen. Hier stehe man jedenfalls mit der
religionssoziologischen Forschung noch am Anfang.
Für die Zukunft des Verhältnisses von Moderne und Religion im
einstigen kommunistischen Machtbereich präsentierte Zulehner zwei
Hypothesen: Es sei erstens möglich, dass im Zuge der Öffnung die
westliche Form der Säkularität nach und nach in Osteuropa
einsickert. Gegen die meisten Prognosen wäre es aber auch denkbar,
dass Ostmittel- und Osteuropa durch seine Geschichte ein neues
Verhältnis von Religion und Moderne im Sinne einer
"religionsverträglichen Modernität" entwickelt haben, meinte
Zulehner: "Dann gibt es Hoffnung, dass nicht die westliche säkulare
Modernität nach Osten zieht, sondern dieses neue versöhnte
Verhältnis von Moderne und Religion in den Westen".
Meine Hoffnung ist der Vater,
meine Zuflucht der Sohn,
mein Schutz der Heilige Geist.
Heilige Dreiheit, Ehre sei dir.
Loukia
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Beitrag von Loukia »

Danke, lieber Bruder! Sehr interessant!
Ἡ χάρις τοῦ Κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ μεθ' ὑμῶν. 1. Korinther 16,23
Ehemaliger

Beitrag von Ehemaliger »

Lieber Anastasis,

dieser Artikel löst in mir Wachsweiches und Fragendes aus.

Ganz bestimmt NICHT ist er, meiner Meinung nach, dazu geeignet der Orthodoxie irgendwelche 'Sonderstellungen' bezüglich der Anfälligkeit gegen säkulare Einflüsse zu geben. Die werden uns auf die eine und andere Art erreichen, hier im Westen und auch in Sibirien. Und der Widersacher wird, so wie er für den 'Westen' eine erfolgreiche Methode gefunden hat, auch eine massgeschneiderte für den Osten finden.

Glaube ist ja doch weit mehr als eine widerstandserhöhende Methode gegen Stress indem wir Netzwerke einrichten. Nein: 'Einer trage des Anderen Last' ist keine Methode sondern eine innere Haltung, die in nichts anderem beruht als der Befolgung der Worte des Herrn 'auf dass wir selig werden', nicht auf dass es uns jetzt besser geht, oder? Diese religionssoziologischen Erwägungen klingen mir allzusehr nach meinen medizinischen Artikeln: Antibiotikum A ist bei Befall mit Streptokockus X besser als Antibiotikum B.

Wenn es denn so ist, dass Orthodoxie noch nicht soooo schrecklich mit der Krankheit der Glaubenslosigkeit/Unkirchlichkeit befallen ist dann gilt es zu fragen: Was kann ich in meiner Gemeinde tun um die Resistenz gegen das Virus der Gottesverneinung zu erhöhen? Und nicht: Geschieht denen recht, den Häretikern. (Diese Meinung unterstelle ich dir überhaupt nicht!!!) Mir geht es eigentlich immer mehr darum zu verbreiten: Die Kirche ist missionarisch (nach aussen UND INNEN) oder sie wird nicht sein. Und dann hätten wir den Auftrag/die Chance den/die der Herr Jesus uns ermöglicht hat verhunzt (Wie die Frau des Lot und die Leute zur Zeit Noahs), oder?

LG Benedikt
Zuletzt geändert von Ehemaliger am 09.10.2009, 06:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Joseph
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Beitrag von Joseph »

Amen...!
Was kann ich in meiner Gemeinde tun um die Resistenz gegen das Virus der Gottesverneinung tun?

Danke Benedikt
Wenn die Menschen gottlos werden, sind die Regierungen ratlos, die Lügen grenzenlos, die Schulden zahllos, die Besprechungen ergebnislos, die Aufklärung hirnlos, die Politiker charakterlos, die Christen gebetslos, die Kirche kraftlos, die Völker friedlos, die Verbrechen maßlos
(Antoine de Saint-Exupery)
Anastasis+
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Beitrag von Anastasis+ »

Lieber Benedikt, ich sehe die Sache so wie du. Die traurigen Zustände des Glaubens hier im Westen sind kein Grund, dass wir uns zurücklehnen, sondern sollten viel mehr eine Warnung an uns sein, dass wir auf unseren Glauben und unsere Kirche besser als auf unsere Augäpfel aufpassen müssen.
Weiters gibt es eine gewisse veränderte Wahrnehmung der Orthodoxie durch manche im Westen. Von einer traditionellen Überheblichkeit und Geringschätzung der Orthodoxen Kirche gegenüber scheint eine gewisse Bewunderung oder sogar die Hoffnung für die eigenen Glaubensprobleme geworden zu sein.
Schließlich weiß ich nicht, ob religionssoziologische Erforschung der orthodoxen Kirche, so wie von Herrn Zulehner angedacht, fruchtbringend für den Westen sein kann - scheint jedoch eine gängige Herangehensweise hier zu sein.
En Christo
Meine Hoffnung ist der Vater,
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holzi
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Beitrag von holzi »

Liebe Freunde,

kennt ihr Zulehner näher? Er ist einer der Vertreter dieser wachsweichen "Wir-haben-uns-alle-lieb"-Linie im Katholizismus. Er weiß, dass seit Papst Benedikt wieder verstärkt auf die Grundlagen des christlichen Glaubens geachtet wird. Zulehner ist sozusagen mit schuldig an den von ihm jetzt festgestellten Zuständen!
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)
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Joseph
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Beitrag von Joseph »

Anastasis+ hat geschrieben:....
Schließlich weiß ich nicht, ob religionssoziologische Erforschung der orthodoxen Kirche, so wie von Herrn Zulehner angedacht, fruchtbringend für den Westen sein kann - scheint jedoch eine gängige Herangehensweise hier zu sein.
En Christo
Anastasis, alles wo das Wort "Soziologie" drin vorkommt kannst Du in 99.9% aller Fälle ungesehen in den Mülleimer werfen... Fruchtbringend für den Westen wird die Orthodoxie durch den von uns vorgelebten Glauben, nicht als soziologische Novitätenkiste...

Gruß
Joseph
Wenn die Menschen gottlos werden, sind die Regierungen ratlos, die Lügen grenzenlos, die Schulden zahllos, die Besprechungen ergebnislos, die Aufklärung hirnlos, die Politiker charakterlos, die Christen gebetslos, die Kirche kraftlos, die Völker friedlos, die Verbrechen maßlos
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Ehemaliger

Beitrag von Ehemaliger »

Lieber Joseph,
ich habe 6 Semerster Mülleimerscheisse studiert und ich bescheinige dir einen Nachholbedarf. Sir Dahrendorff hatte mehr drauf als du und ich zusammen. Lass es langsam angehen.
Dass gelebter Gaube ES ist, ja das ist keien soziologische Fragestellung, sondern URALT: WER MEINE GEBOTE HÖRT UND TUT.....
Benedikt
Nassos
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Beitrag von Nassos »

Ich schätze, Du gehörst dann wohl zu den 0.1% :mrgreen:
Ehemaliger

Beitrag von Ehemaliger »

Yupp,
ich wähle sogar sowas soz :blumenbeet: Verpöntes.
Grade gemacht :cry:
war nicht so dolle
Benedikt
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Allons
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Beitrag von Allons »

Hm hm hm, ich füchte Zulehner blendet da einiges aus in seiner Einschätzung aus.

"Zulehner verwies im Hinblick auf die geringe Resistenz des Protestantismus auf das Paradoxon, dass christliche Gemeinschaften umso korrosionsanfälliger sind, "je moderner sie sind"."

Die Protestbewegung in Ostdeutschland zur Wende ging von den protestantischen Kirchen aus und führten zu den Demos und diese zum schnellen Zusammenbruch des Systems. Kein sehr gutes Beispiel für eine Schwäche. Eigentlich eher im Gegenteil.

"Auffällig sei in diesem Zusammenhang auch, dass nur im christlichen Europa "vollständig durchatheisierte Kulturen" existieren, sagte Zulehner, ohne auf die Situation in China einzugehen: "Man hat den Eindruck, dass nur das Christentum bislang in der Lage gewesen ist, Atheismus in diesem Ausmaß hervorzubringen"."

Eine interessante Aussage, die den typischen Fehler begeht, in Bezug auf "Ostdeutschland" Atheismus und reine Unkenntnis in einen Topf zu werfen. Wo eine "vollständig durchathiesierte Bevölkerung" in Westeuropa besteht müssten wir dann auch noch klären. Ich kenne jedenfalls kein Land in dem das der Fall ist.

"Während in allen protestantischen Kulturen auch heute alle Zeichen
auf einen weiteren Niedergang der Religion deuten.."

und sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der katholischen Kirche liefern....

"Dort entstehe ein "Sog", durch den das orthodoxe Christentum an Boden gewinnt."

zumindestens den Boden gutmacht, den es früher hatte, afaik waren die Repressionen in Rußland ja ergeblich stärker als im Westen, es ist also kein Wunder, dass die Kirchen dort auf dem Boden des Bedürfnisses nach Spiritualität fleissig ackern. Aber da kenne ich mich zuwenig aus. Wie waren denn die Bevölkerungsanteile in Rußland vor Glasnost und Perestroika? Kann mich da mal jemand aufklären?

Grüße, Allons!
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songul
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Beitrag von songul »

Allons hat geschrieben:
zumindestens den Boden gutmacht, den es früher hatte, afaik waren die Repressionen in Rußland ja ergeblich stärker als im Westen, es ist also kein Wunder, dass die Kirchen dort auf dem Boden des Bedürfnisses nach Spiritualität fleissig ackern. Aber da kenne ich mich zuwenig aus. Wie waren denn die Bevölkerungsanteile in Rußland vor Glasnost und Perestroika? Kann mich da mal jemand aufklären?

Grüße, Allons!
Welche Bevölkerungsanteile meinst du?
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Allons
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Religionszugehörigkeit: evangelisch-uniert

Re: Glaube hat Hoffnung

Beitrag von Allons »

Hallo Songul, sorry, habe länger nicht mehr reingeschaut, mich interessiert wie hoch der Anteil aktiver Christen in der Bevölkerung vor der Revolution (ok, im Zweifel 100%) bzw. vor Glasnost/Perestroika war.
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