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Realität im Kosovo

Verfasst: 24.09.2006, 22:51
von Walter
Weil es ja zur Diskussion um das Gewaltpotential des Islams ganz gut passt: ;)

Gerade habe ich zufällig einen aktuellen Zeitungsartikel gefunden, der die Probleme auf beiden Seiten, sowie des zwangsweisen Zusammenlebens zwischen Serben und Albanern ganz gut darstellt (vor allem, ohne dabei Propaganda für eine bestimmte Seite zu machen). Es geht um die nordkosovarischen Stadt Mitrovica. Hier ein Ausschnitt:
Die Wiener Zeitung hat geschrieben:In der nordkosovarischen Stadt Mitrovica verläuft seit nunmehr sieben Jahren die Demarkationslinie zwischen den beiden Landesteilen mitten durch das Zentrum. Nirgends treffen die beiden nach wie vor verfeindeten Bevölkerungsgruppen so unmittelbar aufeinander wie hier, wo auch die blutigen März-Unruhen im Jahr 2004 mit 19 Toten, 900 Verletzten und 4000 Vertriebenen ihren Ausgang genommen hatten ? trotz der Präsenz von landesweit 18.000 Soldaten der Kosovo Force. In Mitrovica ist die KFOR vor allem an der Brücke über den Ibar postiert, der den serbischen Nordteil vom albanischen Südteil trennt. Auch orthodoxe Kirchen in der albanischen Stadthälfte sowie Moscheen in der serbisch kontrollierten Zone sind Orte regelmäßiger Patrouillen der internationalen Sicherheitskräfte, zumal die Zerstörung von Sakralbauten zu den bevorzugten Feindseligkeiten beider Lager zählt.

Das Dilemma der ? für kosovarische Verhältnisse ? einst wohlhabenden Stadt besteht darin, dass ein Miteinander nach wie vor nicht möglich zu sein scheint, die beiden Stadthälften aber unabhänig voneinander ebenso wenig funktionieren. Im albanischen Teil mit dem traditionellen Zentrum befinden sich neben dem Markt auch das Rathaus, die Post- und Radiostation, Bahnhof und Busterminal und das Sportstadion. Vor allem aber die ausgedehnten, mittlerweile stillgelegten Bergbau- und Industrieanlagen, die bis zum Krieg das wirtschaftliche Rückgrat Mitrovicas bildeten.

Im serbischen Teil der Stadt liegen das Krankenhaus, die Feuerwehr, Gericht und Gefängnis sowie die überwiegende Zahl der Hochschulfakultäten. Die Serben sperrten den Albanern in den vergangenen Jahren mehrmals das Trinkwasser ab. Diese revanchierten sich, indem sie die Telefonverbindungen in den Nordteil kappten. Die Konfliktparteien blockieren einander immer wieder die Stromversorgung.
Hier der komplette Artikel (und hier noch ein anderer ganz interessanter Artikel der selben Zeitung, der andererseits den Konflikt Serbien-Europa behandelt).

Viel Spaß beim Lesen
Walter

Verfasst: 25.09.2006, 17:51
von Ehre sei Dir oh Herr
Hallo Walter,

vielen Dank für Deine interessanten Beiträge. Ich achte sehr Deine Mühe Dich um Frieden und gegenseitige Achtung zu bemühen.

Ich kann nicht leugnen, dass ich dem Islam gegenüber ein sehr gespaltenes Verhältnis habe.

Da sah gerade im Fernsehen einen Beitrag aus der Türkei, öffentliche Demonstration mit brennenden Puppen und Sprechchören, den Papst umzubringen, wenn er die Türkei besucht...

Ich bin kein Freund des Papstamtes, aber wie kann denn so etwas sein?

Nächster Beitrag, als man die Ausgabe Frankfurter Allgemeinen verbot, seitens der arabischen Regierung, weil man auf die vergangenen Folterungen und Verfolgungen usw... von Moslems gegenüber Christen aufmerksam machte... natürlich flogen auf das Gebäude auch Steine und Brandsätze...
Die historischen Tatsachen sind halt so. Wieviele Martyrer wurden Opfer der Türken? Muss man da sofort mit Zerstörung reagieren?

Dann denke ich an den Vergleich dort und hier bei uns. Wie sieht die Realität aus? Islamischer Integrationsgipfel auf hoher politischer Ebene, Vorschläge den Islam hier als Staatsreligion anzuerkennen (was ja auch gewisse staatliche Leistungen in sich birgt, wie man im Radio berichtete) und gleichzeitig denke ich an das Verbot Kreuze aufzuhängen...

Tägliche Erlebnisse in der U- und S-Bahn in Berlin, wo arabische (nach dem Aussehen) junge Menschen ständig andere Menschen anmachen (Männer, Frauen...), belästigen und provozieren, gegen Bahn-Wände schlagen und treten, herumschreien, ähnlich amerikanischen Filmen in denen Straßenbanden die Hauptrolle spielen...
Natürlich weiß ich nicht, ob es Türken sind oder Araber... aber wo sind hier noch Relationen? Ich will das nicht gleich auf die religiöse Schiene schieben, aber manche Worte und Gesten lassen auch darauf schließen...

Diese Dinge kann ich nicht einfach alle unter den Teppich kehren.
Darum habe ich in dem anderen Beitrag von einem gewissen vorhandenen Gewaltpotential geschrieben. Und die Berichte sieht doch jeder im Fernsehen oder in der Zeitung, wenn nur die Hälfte stimmt, schlimm genug.

Natürlich, ist Serbien und Umgegend ein besonders heikles Gebiet und die Berichte jeweils etwas einseitig gefärbt, keine Frage.
Ich gestatte mir trotzdem meine eigene Meinung zum Islam zu haben, auch wenn das zugegebener Maßen dem einfachen Gläubigen Unrecht tut.

Ich denke, wir sollten alle für den Frieden beten, für den Frieden in der Welt aber auch für den Frieden in unseren Herzen.

herzliche Grüße René

Verfasst: 25.09.2006, 19:01
von Sebastian
Thema: Kosovo

Hallo,

gestattet mir kurz meine Gedanken zu äussern:
beim Kosovoproblem sollte man den Glauben komplett aussen vor lassen, und auch gar nicht zu Debatte stellen, denn mit Glauben haben und hatten die dortigen Geschehnisse nichts zu tun. Auf der einen Seite verbinden die Serben mit dem Kosovo einen historisch begründbaren Nationalstolz (man denke an die Bedeutung des Amselfeldes, die Verjagung der Besetzer!), der allerdings vom Nationalstolz hin zu einem gewalttätigen Nationalismus (wieder ein -mus Wort) mutierte bzw in diese Richtung bewusst gesteuert wurde. Die andere Seite ist auch nicht besser: Kontraproduktive Hegemonialbestrebungen von Teilen der Albaner für ein "moslemisches Großalbanien" (Beispiel dafür ehm. UCK) . Wie gesagt mit (zumindest christlichen) Glauben hat dies nichts zu tun. Einzig bei Lösungsansätzen zur Problematik sollte und müsste -vor allem der christliche Glaube - eine starke Gewichtung erfahren.

Beide Volksgruppen haben ein Anrecht auf das Kosovo. Ein geeintes Kosovo unter serbischer Souveränität - das ist meine Meinung dazu.

Euch grüssend

Sebastian

Verfasst: 25.09.2006, 22:21
von protopeter
Lieber Sebastian !

Leider ist die Sache so einfach nicht - die Frage des religiösen Bekenntnisses und der daraus abzuleitenden Identifikation spielt gerade auch in der nationalen Diskussion eine wesentliche Rolle. Von serbischer Seite vernimmt man schon seit längerem ziemliche Verbitterung über die Haltung des "christlichen Westens", dessen Öffentlichkeit bis auf den heutigen Tag nicht müde wird, die angebliche Anhänglichkeit an längst vergangene "Mythen" und "Großmachtphantasien" des serbischen Volkes (und eben nicht nur einiger Politiker !) zu brandmarken und damit gleichzeitig einen Kollektivschuldvorwurf erhebt.

Ich konnte mich mit eigenen Augen von der Situation in der unsere serbischen Glaubensgeschwister (ich verwende hier die Zusammenspannung von Ethnos und Glaube ganz bewußt !) im Kosovo heute sind, überzeugen - sie sind gegenwärtig im Prinzip Gefangene in ihrem eigenen Land, denn der Weltöffentlichkeit wird nach wie vor suggeriert, das Kosovo sei doch eigentlich "albanisches Territorium", auf dem die serbische Bevölkerung - wenn überhaupt - lediglich Minderheitenrechte wahrnehmen dürfe; daß die Albaner im Staat Serbien auf das Gesamte gesehen eine (wenn auch zahlenmäßig sehr starke) Minderheit darstellen, läßt man im Gegensatz dazu kaum verlauten !

Die Rolle und der Einfluß der Orthodoxen Kirche ist zu einem wesentlichen Teil vom Gutdünken der KFOR abhängig - seitens dieser Strukturen ist die Möglichkeit einer konstruktiven Zusammenarbeit in einem beträchtlichen Ausmaß durch die jeweilige persönliche Gesinnung geprägt: So ist als eines der negativsten Beispiele in diesem Zusammenhang bekannt, daß der ehemalige Kommandant des deutschen Kontingentes es - trotz anderer angebotener Möglichkeiten - für angebracht hielt, sein Hauptquartier im orthodoxen Priesterseminar von Prizren (das dann ausquartiert wurde) aufzuschlagen; man kann sich denken, daß dies von nicht wenigen (auch durchaus Gemäßigten) als offene Provokation gegenüber der Kirche und der serbischen Bevölkerung aufgefaßt wurde.

Der orthodoxe Oberhirte des Kosovo, Bischof Artemije und Metropolit Amfilohije von Montenegro bemühen sich schon seit nahezu einem Jahrzehnt (also noch vor der Eskalation der Situation im Jahre 1999!) um entsprechende Vermittlung; leider wurde im Hinblick auf eine Kooperation wenig bis nichts von Seiten führender KFOR-Vertreter unternommen - man setzt in diesen Kreisen weiterhin auf eine vorgeblich "politische Lösung". Als Bischof Artemije im Frühjahr 1999 bei der Konferenz von Rambouillet als Vermittler zwischen den Volksgruppen tätig werden wollte, wurde ihm dies mit der Bemerkung, er sei Theologe und kein Politiker, von der Konferenzleitung untersagt.

In diesem Sinne kann die Kirche versuchen, ihren Aufgaben in sehr beschränktem Rahmen nachzukommen, wobei dies mitunter mit nicht geringen Gefahren verbunden ist - es werden nach wie vor Kirchen und Klöster zerstört, Geistliche und Gläubige massiv attackiert (mir selbst wurde etwa geraten, Zivilkleidung zu tragen, um mich nicht "unnütz zu gefährden"). Allzu oft hat es den Anschein, daß die "Ordnungskräfte" der KFOR solchen Geschehnissen gegenüber blind sind und hier mit zweierlei Maß gemessen wird - über den Grund dafür mag ein jeder selbst Vermutungen anstellen.

Ich bedauere, wenn Ihnen dieser Beitrag zu "subjektiv" geraten sein mag - ich gebe zu, er ist subjektiv vor dem Hintergrund des mit eigenen Augen Wahrgenommenen, selbst Erlebten und an Ort und Stelle Berichteten - alleine, er ist kein Auswuchs irrealer Phantasie; gerade um der Notwendigkeit, einen dauerhaften modus vivendi zu finden, mögen diese Realitäten nicht unbeachtet bleiben !

In der Liebe Unseres Herrn Jesus Christus grüßt
Erzpriester Peter

Verfasst: 26.09.2006, 07:40
von Sebastian
Lieber Vater,

nein, Ihr Beitrag ist sehr wertvoll und ich gebe Ihnen in großen Teilen recht.

melde mich später nochmal.

Lieben Gruss in Christi Jesu
Sebastian

Verfasst: 26.09.2006, 12:01
von Milo
Grüß Gott miteinander...

Bewußt wollte ich als Serbe nicht gleich zu diesem Thread schreiben, da ich aus meiner Schwäche heraus auch nicht ganz objektiv bleiben kann.

Eins ist aber immer objektiv: die Geschichte.

Ich wollte also anmerken das das albanische Volk zur Zeiten der Islamisierung, hauptsächlich katholisch christlich war. Als solche haben sie in der Symbiose mit Serben gelebt..sie hielten sogar wichtige Positionen im serbischen Königshaus inne, zB. Schatzmeister, oder beteiligten sich bei der schaffung des Staatsgesetzes des Keisers Dusan (neben Griechen, Bulgaren,etc,). Das Volk an sich hat sich in der Kulturellen entwicklung immer schwer getan, warum, das steht zur Diskussion. So hat das albanische Volk als (vor)letztes eurpäisches Volk ihr Alphabet im letzen Jahrhundert festgelegt.
Damalige Konfrotationen mit Serben wurden teilweise vom Papst, dh. von der r-k Kirche angestiftet. Sie sollten sich ja schließlich von den "schismatischem Machthaber" befreien.
Als dann der Islam Albaner für sich gewann, wurden Serben für diese Hauptfeind.
Es würde zu weit gehen wenn ich die Geschichte im Detail hier wiederholen würde, wer sich aber interessiert der kann sich ein Bild davon machen wer, wen , wann ethnisch "verdrängt" hat.

Das ist beweisbare Geschichte und kein Mythos. Der letzte albaniesierungs Zug wurde zur Zeit Titos unternommen. Auch hierfür gibt es reichlich Dokumentation zu deren Subventionierung.
Es war der größte Fehler des verst. Milosevic das er meinte das ungleiche Verhältniss das durch die 4-5 Jahrhunderte entstanden ist in diesem Teil Serbiens, mit Gewalt zurückholen zu müssen.

Was aber gilt ist: man muss vergeben damit uns unser Vater in Himmeln vergiebt , aber man muss/darf nicht vergessen.

Mich stört es unheimlich wen die Geschichte um Kosovo, die auch den Westen seht betrifft, geleugnet wird. Es gelten eben nicht nur die letzten 10,20,30 Jahre sondern auch 100,200,300...

In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr Objektivität und christlichen Mut den Dialog auf Wahrheit zu bauen, damit das zukünftige miteinander Leben in gemeinsamen Europa in Liebe und Achtung möglich ist.

Euer schwächerer br. milo

Verfasst: 26.09.2006, 13:00
von Sebastian
Hallo Milo!

falls du mich meintest, ich wollte nichts leugnen! Vielleicht habe ich mich ungenau ausgedrückt... :oops: Ich melde mich später noch einmal genauer, wollte aber wirklich keinem auf die Füsse treten. Ich wollte nur Gott aus der Gewaltspirale herrauslassen...

Lieben Gruß
Sebastian
+

Verfasst: 26.09.2006, 13:34
von Milo
Lieber Sebastian,

ich meinte natürlich nicht explizit dich!

Das war bezogen auf das allgemein verbreitete Verständniss im Westen, vor allem in den Politikerkreisen.
Man sollte vielleicht manchmal die Meinung anderen Völker wahrnehmen, die auch unmittelbar von dem selben Problem betroffen sind, wie zB. Griechen, Russen, Mazedonier, Zyprioten, Armenier, usw.
Die Serben sind da nicht alleiniger Faktor.

Schönen Tag,

dein milo

Verfasst: 26.09.2006, 14:18
von protopeter
Lieber Sebastian !

Im Wesentlichen möchte ich den Ausführungen Br. Milos zustimmen - vor allem, was die geschichtliche Entwicklung in dieser Region und die erschreckende Ignoranz, die in den "westlichen" Zivilisationen diesbezüglich verbreitet ist, anbelangt. Willen und Fähigkeit zum Dialog setzen vor allem gewisse Grundkenntnisse voraus; werden diese nicht vermittelt (oder bewußt manipuliert - wie es in den letzten Jahren von Seiten angeblich "freier" Medien immer wieder geschieht !), ist wohl jegliche Dialogbereitschaft a priori in Frage gestellt !

Es ist sehr löblich, daß Sie - wie Sie sagen - "Gott aus der Gewaltspirale herauslassen" möchten; diese Absichten verfolgten vorgeblich auch sogenannte "ökumenische Gebetsinitiativen" , die 1999 "Nachtwachen für die Opfer (=Albaner) im Kosovo" organisierten - und mit größtem Unverständnis oder sogar ablehnend reagierten, wenn sie darauf verwiesen wurden, daß zur selben Zeit in Serbien und Montenegro (mit internationalem "Segen") Bomben fielen, wobei zahlreiche unschuldige Zivilisten getötet wurden (die aber eben serbischer Herkunft waren....) !

Ich erinnere mich in jenen Jahren - 1999 oder 2000 - auch eines Vortrages, den auf Einladung römisch-katholischer Kreise ein sogenannter "Experte" des ÖRK zum Thema "Christentum in Südosteuropa" mit Schwerpunkt auf der Orthodoxen Kirche hielt. Dabei fiel unter anderem eine Bemerkung bezüglich "kultureller Unterschiede" zwischen dem abendländischen Christentum und der Orthodoxie, die letztlich darauf hinauslief, daß die Orthodoxe Kirche in gewisser Weise in "primitiven Ideenwelten" verharren würde, da an ihr weitere geistesgeschichtliche Entwicklungen wie Humanismus und Aufklärung im Großen und Ganzen ohne tiefere Auswirkung vorübergegangen wären !

Der Vortragende fühlte sich sodann bemüßigt, aufgrund des seiner Ansicht nach "offensichtlichen Mangels an kultureller Entwicklung" die Orthodoxe Kirche zu einem wesentlichen Teil mitverantwortlich für die Ereignisse zwischen 1991 und 1999 zu machen, da sie es ja gewesen sei, die in einem "Anfall von nationalreligiöser Hysterie" die Pläne der seinerzeitigen Machthaber vorgeblich mitunterstützt hätte ! Ich erinnere mich auch, daß die Zuhörerschaft (darunter auch Professoren zweier theologischer Fakultäten) dies alles im Wesentlichen wohlwollend-unkommentiert hinnahm.

Soweit zur allgemeinen Absicht, Gott aus der Diskussion "herauszulassen": In diesem Zusammenhang ist es auch interessant, daß von "westlicher Seite" die albanischen Ansprüche nur äußerst selten mit religiösen Vorwänden in Beziehung gesetzt werden; dagegen ist es dort längst zu einem Gemeinplatz geworden, sogenannt "großserbische" Ideen mit Billigung und Segen der Orthodoxen Kirche zu verknüpfen ! Wiederum gilt, daß es sich hierbei um Tatsachen handelt, die ein jeder, der sich einen entsprechend offenen Geist bewahren konnte, nicht ignorieren sollte - gerade um einen "Dialog der Wahrheit" führen zu können.

Mit besten Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

Verfasst: 26.09.2006, 18:59
von Sebastian
Lieber Erzpriester Peter!
Segnen Sie!

protopeter hat geschrieben: Es ist sehr löblich, daß Sie - wie Sie sagen - "Gott aus der Gewaltspirale herauslassen" möchten; diese Absichten verfolgten vorgeblich auch sogenannte "ökumenische Gebetsinitiativen" , die 1999 "Nachtwachen für die Opfer (=Albaner) im Kosovo" organisierten - und mit größtem Unverständnis oder sogar ablehnend reagierten, wenn sie darauf verwiesen wurden, daß zur selben Zeit in Serbien und Montenegro (mit internationalem "Segen") Bomben fielen, wobei zahlreiche unschuldige Zivilisten getötet wurden (die aber eben serbischer Herkunft waren....) !
Wie Sie zurecht sagen, kamen bei den Angriffen der NATO (vor allem nachdem das Kriegsgebiet auf ganz Serbien ausgeweitet wurde) viele Zivilisten ums Leben. An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich persönlich an einer ev. Friedenskundgebung im Jahre 1999 teilnahm, die sich mit einem großen Schwerpunkt gegen die NATO Angriffe auf Serbien richtete. Dies nur am Rande, da ich eine andere Wahrnehmung der Proteste erfuhr.
Die Medien -und das möchte ich bei Ihrem Schreiben einmal deutlich unterstreichen- glänzten in dieser Zeit vor allem durch Objektivlosigkeit. Ich sah jeden Kriegstag irgendwelche NATO Generäle/Sprecher, die mir versuchten, anhand von Bildschirmpräsentationen, die Genauigkeit der NATO-Waffen zu verdeutlichen. Als dann nach und nach, die "Patzer" (schreckliches Wort für Aktionen bei denen Menschenleben gelöscht wurden) dieser Militäraktionen ans Licht kamen, wurde es etwas stiller, aber bei weitem nicht kritischer. Im Fernsehen sah man fast nur noch einen. Milosovic. Man bekam beinahe das Gefühl, als liefen in Serbien nur kleine Milosovices und Schergen durch die Gegend. Helden waren für mich die Frauen und Männer die sich Nacht für Nacht auf die Brücken in Novi Sad und Belgrad stellten und auf ihren T-Shirts die Bezeichnung "Target" hatten. Sie taten niemanden etwas und protestierten still. Wahr ist aber leider auch, dass viele paramilitäre Einheiten (z.B. Die "Weißen Tiger" - bekannt aus Bosnien) dieses Menschen names Milosovic (wobei es richtig ist dies nicht zu sehr alleine auf die Person Milosovic zu fokusieren)Leid über die Bevölkerung brachten, welches eben in keinster mit dem christlich - orthodoxen Glauben in Verbindung gebracht werden sollte - Das war Intention meines -zugegebenermaßen zu kurz geratenem- oben stehenden Beitrag
Ich erinnere mich in jenen Jahren - 1999 oder 2000 - auch eines Vortrages, den auf Einladung römisch-katholischer Kreise ein sogenannter "Experte" des ÖRK zum Thema "Christentum in Südosteuropa" mit Schwerpunkt auf der Orthodoxen Kirche hielt. Dabei fiel unter anderem eine Bemerkung bezüglich "kultureller Unterschiede" zwischen dem abendländischen Christentum und der Orthodoxie, die letztlich darauf hinauslief, daß die Orthodoxe Kirche in gewisser Weise in "primitiven Ideenwelten" verharren würde, da an ihr weitere geistesgeschichtliche Entwicklungen wie Humanismus und Aufklärung im Großen und Ganzen ohne tiefere Auswirkung vorübergegangen wären !
Nun, dem Experten hätte ich nach dem Vortrag geraten sich bezl. seiner Wortwahl bewusst zu werden, was er da von sich selbst offenbart. Die OK defacto als primitiv darzustellen zeugt von der eigenen Primitivität sich a) auszudrücken und b) den (angeblich gewollten) innerchristlichen Dialog voranzubringen.
Der Vortragende fühlte sich sodann bemüßigt, aufgrund des seiner Ansicht nach "offensichtlichen Mangels an kultureller Entwicklung" die Orthodoxe Kirche zu einem wesentlichen Teil mitverantwortlich für die Ereignisse zwischen 1991 und 1999 zu machen, da sie es ja gewesen sei, die in einem "Anfall von nationalreligiöser Hysterie" die Pläne der seinerzeitigen Machthaber vorgeblich mitunterstützt hätte ! Ich erinnere mich auch, daß die Zuhörerschaft (darunter auch Professoren zweier theologischer Fakultäten) dies alles im Wesentlichen wohlwollend-unkommentiert hinnahm.
Ob sie dies wohlwollend hinnahmen? Jedenfalls sind die Herrn Professoren nicht aufgesprungen und haben Protest geschrien, bei dem Bockmist, welcher ihnen zu Ohren drang.

Lassen Sie mich kurz mit einem persönlichen "Erzählung" abschließen:

Ich war lange Zeit in einer Kindertagesstätte tätig. Dort hatte ich die Freude mich mit einer albanischen Kosovarin (einer Mutter) anzufreunden. Ihre ganze Familie musste aus dem Kosovo fliehen. Paramilitärs brannten ihr Haus nieder. Auf der Flucht begegnete ihre Familie (Sie und ihr Sohn Ali waren zum Glück schon in Mazedonien) einem serbischen Truppenkonvoi. Ein Mitte 30 Jahre alter Berufssoldat kam der Großmutter+Vater, Schwester und dem Onkel und Cousin von Ali entgegen. Der Soldat lächelte sie freundlich an und versuchte zu beruhigen. Er erklärte ihnen, dass sie die Strasse nicht weiter fahren könnten, da die Schergen alle Strassen nach Prizren blockiert hätten und jeden kampffähigen Mann und Frau festnahmen. Hilflos fragten sie nach einem Ausweg. Der Soldat sah nur einen Ausweg. Er entfernte die Tarpulinmatte von seinem LKW und lud die gesamte Familie rein. Eingefercht zwischen serbischen Soldaten und so unauffällig wie es nur ging, fuhren diese an den Kontrollposten der Paramilitärs vorbei bis kurz vor die mazedonische Grenze, über die sie weiterflüchteten und letztendlich nach Deutschland kamen. Im Jahre 2004 besuchte meine Freundin nach langer Suche den serbischen Offizier, der ihrer Familie so viel Gutes tat. Glücklich kehrte sie von der Reise, die sie bis nach Novi Sad führte zurück. 2005 bekam ich die "Info", dass sie aus Deutschland abgeschoben wurde.

Verfasst: 26.09.2006, 19:55
von protopeter
Lieber Sebastian, die Gnade Unseres Herrn sei mit Ihnen !

Zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre ergänzenden Worte und kurze Erzählung, die den immer wieder kolportierten Stereotypen eine deutliche Absage erteilen !

Zu der Geschichte mit dem Vortrag noch eine kleine persönliche Ergänzung: Ich gestattete mir damals - zur großen Verwunderung und teilweise auch Empörung des Auditoriums - dem als "Fachmann" Ausgewiesenen gelegentlich der nachfolgenden Diskussion massiv zu widersprechen. Als Antwort stellte man an mich die Gegenfrage, ob ich denn "persönlich Betroffener" (im Sinne von familiären Bindungen) wäre; dies verneinte ich, fügte dann aber hinzu: "Als orthodoxer Christ bin ich angesichts solcher Aussagen in einer für Sie vermutlich niemals nachzuvollziehenden Weise betroffen !"

In diesem Sinne grüßt brüderlich
Erzpr. Peter

Verfasst: 28.09.2006, 11:12
von Sebastian
Lieber Vater Peter!

ich möchte noch eine kleine Ergänzung zu meiner Erzählung anfügen.
Ich hatte einmal ein sehr ernstes Gespräch mit einem Kosovoalbaner, der meine obige Widergabe als "wirklichkeitsfremd" darstellte und versuchte diese Begebenheit als "Ausnahme" klein zu reden. Ebenso dasselbe mit einem Freund, der so nicht "betroffen" von den Geschehnissen im Kosovo war und nach eigenem Ermessen mich wohl "aufklären" wollte.

Natürlich ist es leicht dies als "Ausnahme" darzustellen. Ich hingegen hörte von vielen serbischen Soldaten, die Albaner holfen; durch den Kosovo vorbei an den Milizen lotsten, Albaner beschützten; ich hörte von serbischen Familien, die Albaner (Nachbarn) in ihren Häuser beherbergten etc. Diese Seite wurde von den Medien hier kaum aufgegriffen. Das UCK Kämpfer Serben beschützten, als diese dann flohen hörte ich hingegen nicht. Will nicht sagen, dass es soetwas nicht gab, aber gerade bei aller Grausamkeit lohnt es sich genau hinzuschauen.

Verfasst: 05.10.2006, 20:26
von Walter
Heißer Herbst im Kosovo
Boris Kanzleiter 05.10.2006

Die Verhandlungen über einen Kompromiss für den völkerrechtlichen Status des Kosovo stehen vor dem Scheitern

Das diplomatische Tauziehen währt schon Monate. Bereits seit Februar treffen sich in Wien unter Vermittlung des von UN-Generalsekretär Kofi Annan bestellten finnischen Unterhändlers, Martti Ahtisaari, Delegationen der serbischen und albanischen Seite um über die Zukunft des Kosovo zu verhandeln. Zur Debatte steht der völkerrechtliche Status der umstrittenen Provinz. Während die albanische Bevölkerungsmehrheit mit Nachdruck die vollständige Unabhängigkeit der Provinz fordert, will die serbische Regierung Kosovo lediglich eine weit reichende Autonomie einräumen. Nun zeichnet sich ein Scheitern der Diplomatie ab. Gewaltdrohungen von beiden Seiten sorgen für Angst vor einem heißen Herbst.
(weiter)

Dokumentarfilm

Verfasst: 07.10.2006, 08:34
von Milo
Hallo,

ich habe erst jetzt diesen Film der ARD entdeckt und gesehen. Kann nur empfehlen sich mal diesen anzuschauen, um szs. den Blick für sich etwas zu öffnen. Lüge und Wahrheit haben sehr wohl was mit Glaube/Religion zu tun.

http://video.google.com/videoplay?docid ... 0221762301

Grüße ,

Milo

Ist schon traurig

Verfasst: 07.10.2006, 08:55
von Sebastian
Danke Milo,

:cry:

Grüsse
Sebastian