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Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 28.06.2026, 13:25
von isaias
Ich war heute bei einem deutschsprachigen Orthodoxen Gottesdienst, gefeiert wurde die Chrysostomos Liturgie. Für mich war vieles ungewohnt. Die römischen Gottesdienste sind sehr dialogisch auf Interaktion ausgerichtet. Hier fand Austausch wesentlich zwischen Chor und Zelebranten statt. Mich hatte es verwundert, dass nicht einmal das "Amen" von der Gemeinde gesagt wird, ist es doch die Bestätigung dessen, was zuvor gesagt wurde. Dafür war allerdings das Bekreuzigen mehr als ausgeprägt, gefühlt 300 mal. Es wirkte so, als würde das sich bekreuzigen die eigentliche Interaktion sein, ist der Eindruck richtig? Das war für mich sehr ungewohnt. Andere Elemente habe ich von anderen christlichen Gottesdiensten wieder erkannt, das finde ich jedesmal faszinierend, wie sich "Konfessionsübergreifend" immer wieder Ähnlichkeiten sehen lassen.
Habe auch mit zwei, drei Gemeindemitgliedern gesprochen. War auf jeden Fall interessant.
Re: Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 28.06.2026, 17:45
von Elias70
Zwischen welchen "Akteuren" sollte bei einem Gottesdienst sinnvoller Weise die meiste Interaktion stattfinden?
Während Klerus und Chor die vorgesehenen Gebete darbringen, sollen die anderen Gläubigen in der (inneren) Haltung des Gebetes den ("ihren") Gottesdienst vollziehen. Dabei können die Texte, die Bekreuzigungen, die Verbeugungen ... helfen.
Bei den Serben, zumindest in meiner Gemeinde ist dezentes Mitsingen nicht verpönt, während anderswo nur auf Aufforderung des Diakons, bzw. Priesters ausschließlich Glaubensbekenntnis und Vaterunser gemeinsam gebetet und gesungen werden.
Möglicherweise ein weiterer Aspekt von Theorie und Praxis aus dem Thema "Rationalität".
Elias.
Re: Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 28.06.2026, 19:27
von Thuja
Lieber Isaias,
die von Dir gesuchte "Interaktion" ist auch bei den unterschiedlichen Kirchen (serbisch, rumänisch, griechisch, russisch etc.) etwas unterschiedlich ausgeprägt, was das Mitsingen oder laute Mitbeten angeht... Die Chrysostomus-Liturgie ist die gebräuchlichste Liturgieform bei den russisch-orthodoxen. Hattest Du ein Büchlein mit den Texten, so dass Du genau hast mitlesen können oder hast Du allein "nach dem Gehör" teilgenommen? Wenn Du mitgelesen hättest, hättest Du sicher noch mehr "Hintergrund" verstanden, es wird ja einiges nicht laut gebetet vom Priester, aber das steht in den Texten mit drin. Und wie Elias sagte, der innere Gottesdienst geschieht dabei bei den Gläubigen, da sind das Verbeugen und Bekreuzigen "nur" Konzentrationshilfen bzw. Ausdruck der Demut (und ein bisserl Bewegung im sonstigen langen Stehen).
Meiner Meinung nach ist es irrelevant, nach Gemeinsamkeiten mit den Gottesdienstformen der ev. oder röm.-kath. Kirchen zu suchen, das eine oder andere ist natürlich vorhanden, aber im orthodoxen Bereich ist alles innere Miterleben viel intensiver - klar, es dauert auch länger, aber das ist auch positiv, man ist viel mehr ganzheitlich "dabei", mit allen Sinnen! Man muss sich aber drauf einlassen - vielleicht probierst Du's demnächst nochmal, dann spürst Du vielleicht auch etwas vom Gefühl des "Zuhause seins", das mich wie viele andere im orth. Gottesdienst erfüllt...
Viele Grüße
Thuja
Re: Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 28.06.2026, 20:08
von isaias
Elias70 hat geschrieben: 28.06.2026, 17:45
Während Klerus und Chor die vorgesehenen Gebete darbringen, sollen die anderen Gläubigen in der (inneren) Haltung des Gebetes den ("ihren") Gottesdienst vollziehen. Dabei können die Texte, die Bekreuzigungen, die Verbeugungen ... helfen.
Diesen Ansatz kann ich nachvollziehen.
Thuja hat geschrieben: 28.06.2026, 19:27
Hattest Du ein Büchlein mit den Texten, so dass Du genau hast mitlesen können oder hast Du allein "nach dem Gehör" teilgenommen?
Nur dem Gehör nach... ich bin rein und habe es auf mich zukommen lassen. Habe es mir angeschaut. Bei den Teilen der Liturgie, die ich von den Römern her kannte, habe ich mich entsprechend verhalten, wie ich es kenne (Kreuzzeichen, Verbeugungen...), bei allen anderen Sachen habe ich es auf mich wirken lassen. Ich bin das recht entspannt angegangen, gerade weil ich es auf mich wirken lassen wollte.
Vor der Kommunion, als Glaubensbekenntnis und Vater Unser gesungen wurden, hat jemand aus der Gemeinde Heftchen ausgeteilt.
Meiner Meinung nach ist es irrelevant, nach Gemeinsamkeiten mit den Gottesdienstformen der ev. oder röm.-kath. Kirchen zu suchen, das eine oder andere ist natürlich vorhanden, aber im orthodoxen Bereich ist alles innere Miterleben viel intensiver
Es ging mir auch gar nicht so sehr um ein bewusstes Suchen nach Gemeinsamkeit. Es ist mir nur aufgefallen.
Viele Grüße
isaias
Re: Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 28.06.2026, 22:44
von holzi
Hallo Isaias,
vielleicht wäre es ein Anfang, wenn du dich mit der tradtitionellen kath. Liturgie beschäftigst. Dann werden die Parallellen zur ostkirchlichen Liturgie viel deutlicher. Die reformierte Liturgie seit 1970 weist hier einige Brüche auf.
Grüße
Konrad (Holzi)
Re: Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 29.06.2026, 05:18
von isaias
Hallo Holzi,
Interessanter Ansatz, das ist ein guter Hinweis. Ja, die Liturgiereform, da wurde ein bisschen was auf dem Klemmbrett gebastelt, um es mal so auszudrücken.
Viele Grüße
Isaias
Re: Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 29.06.2026, 07:59
von Sascha
holzi hat geschrieben: 28.06.2026, 22:44
Hallo Isaias,
vielleicht wäre es ein Anfang, wenn du dich mit der tradtitionellen kath. Liturgie beschäftigst. Dann werden die Parallellen zur ostkirchlichen Liturgie viel deutlicher. Die reformierte Liturgie seit 1970 weist hier einige Brüche auf.
Grüße
Konrad (Holzi)
Reformiert trifft es gant gut. Calvinistische Mahlsfeier
Auch wenn du es wahrscheinlich anders gemeint hast.
Re: Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 29.06.2026, 11:37
von isaias
Ihr habt ja Humor

Re: Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 29.06.2026, 11:59
von Sascha
Das sind die Spätfolgen von mittlerweile 16 Jahren Kreuzgang.

Re: Chrysostomos Liturgie
Verfasst: 29.06.2026, 14:28
von isaias
Sascha hat geschrieben: 29.06.2026, 11:59
Das sind die Spätfolgen von mittlerweile 16 Jahren Kreuzgang.
Du nimmst das Forum beim Namen
