Rationalität ?
Verfasst: 27.06.2026, 04:31
Guten Morgen,
woher kommt die Ansicht, der Orthodoxie wäre weniger rational als der Katholizismus?
Meinem Empfinden nach ist die "katholische Rationalität" im praktischen Leben kaum relevant. Es gibt zwar viele Formeln, die sich in ihrer Sprache einem Vokabular bedienen, das die Menschen heutzutage kaum noch verstehen, weil sie mit griechischer Philosophie nicht vertraut sind.
Oftmals hatte ich den Eindruck, die katholische Intellektualität erklärt vor allem die eigenen dogmatischen Formeln, aber nicht den eigentlichen Glaubensinhalt. Man übersetzte die biblischen Modelle aus apologetischen Gründen in philosophische Modelle, um den Glauben erklären und verteidigen zu können, fing dann aber an, diese philosophischen Modelle zum Glaubensinhalt zu machen.
Manchmal bemühte man sich um Einfügungen, um Sachverhalte klarer zu machen und Irrlehren abzuwehren - so die Begründung für das Filioque als Abwehr des Arianismus -, gleichzeitig erinnere ich mich an ein Interview mit Kurt Kardinal Koch, der erklärte, dass die Mehrheit der Christen aus seiner Sicht heute Arianer sind. Das Anliegen ist also missglückt.
Ich finde es gut und richtig, dass man den eigenen Glauben rational durchdringen und begründen kann, aber ich kann die Wahrheit selbst nicht rational durchdringen. Selbst einer der klassischen (philosophischen) Gottesbeweise, die am Ende auch nur Versuche sind, den Geist zu beruhigen, kennen die Idee, dass Gott das ist, über das nicht höheres hinausgedacht werden kann - es ist immer das, was oberhalb des Denkbaren liegt. Die Idee, Gott denken und erklären zu können, ist aus meiner Sicht die menschliche Hybris, die Erkenntnis der Wahrheit als das Produkt meiner Erkenntnis zu sehen, nicht aber als Geschenk der Offenbarung.
Daher bin ich nicht sicher, wie ich den Vorwurf der fehlenden Rationalität gegenüber der Orthodoxie verstehen soll, ohne im Katholizismus eine Überbetonung des Rationalen zu sehen. Die Schlüssigkeit eigenen Denkens und Handelns auf der einen Seite, aber Gott selbst entzieht sich unseren rationalen Begriffen, die ihn immer greifen wollen. Gott hat sich für mich erst in Jesus Christus greifbar und erkennbar gemacht, indem er in die Endlichkeit hineingebrochen ist. Jenseits dieser Offenbarung hilft die Rationalität nicht weiter.
Wie seht Ihr das?
woher kommt die Ansicht, der Orthodoxie wäre weniger rational als der Katholizismus?
Meinem Empfinden nach ist die "katholische Rationalität" im praktischen Leben kaum relevant. Es gibt zwar viele Formeln, die sich in ihrer Sprache einem Vokabular bedienen, das die Menschen heutzutage kaum noch verstehen, weil sie mit griechischer Philosophie nicht vertraut sind.
Oftmals hatte ich den Eindruck, die katholische Intellektualität erklärt vor allem die eigenen dogmatischen Formeln, aber nicht den eigentlichen Glaubensinhalt. Man übersetzte die biblischen Modelle aus apologetischen Gründen in philosophische Modelle, um den Glauben erklären und verteidigen zu können, fing dann aber an, diese philosophischen Modelle zum Glaubensinhalt zu machen.
Manchmal bemühte man sich um Einfügungen, um Sachverhalte klarer zu machen und Irrlehren abzuwehren - so die Begründung für das Filioque als Abwehr des Arianismus -, gleichzeitig erinnere ich mich an ein Interview mit Kurt Kardinal Koch, der erklärte, dass die Mehrheit der Christen aus seiner Sicht heute Arianer sind. Das Anliegen ist also missglückt.
Ich finde es gut und richtig, dass man den eigenen Glauben rational durchdringen und begründen kann, aber ich kann die Wahrheit selbst nicht rational durchdringen. Selbst einer der klassischen (philosophischen) Gottesbeweise, die am Ende auch nur Versuche sind, den Geist zu beruhigen, kennen die Idee, dass Gott das ist, über das nicht höheres hinausgedacht werden kann - es ist immer das, was oberhalb des Denkbaren liegt. Die Idee, Gott denken und erklären zu können, ist aus meiner Sicht die menschliche Hybris, die Erkenntnis der Wahrheit als das Produkt meiner Erkenntnis zu sehen, nicht aber als Geschenk der Offenbarung.
Daher bin ich nicht sicher, wie ich den Vorwurf der fehlenden Rationalität gegenüber der Orthodoxie verstehen soll, ohne im Katholizismus eine Überbetonung des Rationalen zu sehen. Die Schlüssigkeit eigenen Denkens und Handelns auf der einen Seite, aber Gott selbst entzieht sich unseren rationalen Begriffen, die ihn immer greifen wollen. Gott hat sich für mich erst in Jesus Christus greifbar und erkennbar gemacht, indem er in die Endlichkeit hineingebrochen ist. Jenseits dieser Offenbarung hilft die Rationalität nicht weiter.
Wie seht Ihr das?