Was darf man dem Priester erzählen?

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Honigbiene
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Registriert: 27.01.2026, 19:32
Religionszugehörigkeit: orthodox

Was darf man dem Priester erzählen?

Beitrag von Honigbiene »

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben,

falls meine Frage besser zu einem bereits eröffneten Forumsthema passt, bitte ich um Verschieben.

Noch relativ neu und grundsätzlich sehr glücklich in der orthodoxen Kirche, habe ich folgende Frage:

In der Beichte geht es darum, weder die Sünden anderer zu beichten, noch seine eigenen begangenen Sünden durch irgendwelche Umstände zu rechtfertigen, sondern eben so pur wie möglich vor Jesus - bezeugt vom Beichtvater - zu bekennen.

So weit so klar.

Auch habe ich verstanden, dass man über widerfahrene Ungerechtigkeiten idealerweise Stillschweigen wahren sollte, da man sie dann als Einzahlung auf sein himmlisches Konto betrachten kann.

Die Beichtsituation in unserer Kirche gestaltet sich so, dass fast jeder, der vor dem Priester steht, ein längeres Gespräch führt. Dementsprechend lange dauert der gesamte Vorgang, und dementsprechend hart muss das für den Priester sein.

Deshalb habe ich mich beim Beichten jeweils bewusst kurz gefasst. Merkwürdigerweise hatte ich schon mehrmals nach der Beichte kein Gefühl der Erleichterung, sondern eher einer inneren Irritation im Sinne von "war das eigentlich überhaupt zu Beichtendes?"

Der Priester ist auch nach dem offiziellen Ablauf oft von einer großen Ansammlung von (im Kern immer den gleichen) Personen umringt, so dass ich auch hier mich nicht auch noch aufdrängen bzw. andere nochmal wieder länger warten lassen will.

Jetzt habe ich dem viel beschäftigten Priester eine ausführliche e-mail zu den Hintergründen einer bestimmten an ihn gerichteten Frage gestellt. Er hat mich während der bisher stattgefundenen Gespräche von sich aus nie etwas gefragt oder mich ausdrücklich eingeladen, ihm von mir zu erzählen. Einerseits schätze ich diese Zurückhaltung, andererseits gibt diese mir aber doch auch den Rahmen vor, aus Respekt mich selbst auch zurückzuhalten?

Daher meine Frage:
War das jetzt unmöglich von mir im Sinne von distanzlos? Ist es evtl. ein Mangel an Demut, dass mir das oben beschriebene Setting in der Kirche "nicht gut genug" ist und ich (vor mir selbst unbewusst) nach einer Extrabehandlung vom Priester verlange? Oder war es richtig, auf diese Weise auf den Priester zuzugehen? Denn woher soll er wissen, dass ich Fragen habe, wenn ich sie nicht stelle? Liege ich ihm menschlich einfach nicht so?
Oder ist der Priester der Gemeinde einfach zum Abhalten der Liturgie und zur Abnahme der Beichte da, und ich sollte ihm nicht mit irgendwelchen langatmigen Details aus meiner Lebensgeschichte lästig fallen? Ist vielleicht meine Intention, vom Priester verstanden werden zu wollen, grundfalsch und liegt genau hierin der Grund meines Gefühls, irgendetwas ist komisch?

Ich habe auch jetzt wieder (wie nach der Beichte) hinsichtlich der e-mail ein merkwürdiges Gefühl, jedenfalls keine Erleichterung.

Mein Gedanke war schon, ob ich parallel noch andere Gemeinden besuchen sollte, um dort einen geistlichen Vater zu finden, mit dem ich Persönliches bespreche, während ich beim Gemeindepriester nur beichte, um zur Kommunion zugelassen zu werden. Ich weiß von Gemeindemitgliedern, die so verfahren, es scheint durchaus üblich zu sein.

Ich respektiere den Priester unserer Gemeinde, meine Gedanken richten sich in keiner Weise gegen ihn.

Jetzt warte ich in Ruhe seine Reaktion auf die e-mail ab. Wenn ich auch hier weiterhin ein komisches, peinlich-berührtes Gefühl habe, werde ich so vorgehen. Vielleicht stimmt einfach die "Chemie" nicht, und ich sollte darüber nicht weiter nachdenken.


Über Gedanken dazu würde ich mich freuen, auch Kritik an meinem Verhalten (wenn höflich formuliert 😅), nehme ich dankbar entgegen.

Eine gesegnete Große Fastenzeit wünscht Eure Honigbiene
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