rafaella hat geschrieben:Es gibt also doch keine richtige Übersetzung des Ausdruckes, sondern nur Umschreibungen, wie ich sie schon in meinem Beitrag benutzte.
Gibt es schon; kleiner Auszug aus Wikipedia (so steht es aber auch in jedem etymologischen Wörterbuch):
Das griechische Wort, das im Neuen Testament mit
Buße übersetzt wird, ist
μετάνοια metanoia, von
νοεῖν noein,
„denken“ und
μετά meta,
„um“ oder
„nach“, wörtlich also etwa:
„Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“.
Also kann den Begriff schon auch mit einem Wort wiedergeben.
Gehen wir weiter:
Der hebräische Begriff
schub, der in der Septuaginta mit
metanoia übersetzt wird, umfasst eine Umkehr zu Gott nicht nur im Denken sondern in der ganzen Existenz, was die Veränderung des Verhaltens vor allem, aber auch Gehorsam gegenüber Gott, neues Vertrauen zu ihm ebenso einschließt wie die Abkehr von allen bösen und widergöttlichen menschlichen Neigungen und Schwächen.
Ins Lateinische wurde
metanoia mit
paenitentia,
„Reue, Buße“, übersetzt, häufig abgeschliffen zu
poenitentia und unzutreffend abgeleitet von
poena,
„Strafe“.
Im Deutschen wurde das Wort
Buße verwendet, das sprachlich mit
baß,
besser verwandt ist und ursprünglich
„Nutzen, Vorteil“ bedeutet. Es bezeichnete also die Genugtuung des Sünders gegenüber Gott. Luther betonte wieder mehr den „Schrecken und gläubige Reue“, woraus sich die jetzige (untheologische) Bedeutung „von außen auferlegte Strafe oder Wiedergutmachung, die unabhängig von der inneren Einstellung ist“ entwickelt.
Man kann also gut erkennen, dass die römische Kirche dadurch dass sie das Wort mit
paenitentia, dass lautlich schnell rübergerutsch war zu
poenitentia, den Unterschied berwirkte.
Das geschah aber schon zu orthodoxen Zeiten.
rafaella hat geschrieben:Es ist merkwürdig, dass es nach so vielen jahren des Christentums im Westen (erst orthodox, dann vom wahren Weg abkommend), keine richtigen Übersetzungen für grundlegende Begriffe gibt.
Ist es nicht; auch zu gesamt-orthodoxen Zeiten Europas hat es unterschiedliche Interpretationen zu bestimmten Begriffen gegeben. Man war sich nie in allem total einig. Auch nach den Konzilien, und die Dinge existierten paralell.
Nach dem Schisma haben sich mit der Zeit die Fronten von heute gebildet.
Es ist eigentlich nicht realistisch die Zustände von damals mit der orthodoxen Sicht von heute zu interpretieren, da das nicht die wahren Verhältnisse wiedergibt.
rafaella hat geschrieben:Wäre jedoch dabei nicht der Ausdruck Reue richtiger als Busse? Denn, wie schon gesagt, suggeriert das Wort Busse eher das Bezahlen einer Sünde und nicht den inneren Schmerz und die Reue um das eigene Tun (wie auch natürlich auch die Umkehr), wie es das Wort Metanoia tut?
Wie du ja oben ersehen kannst, hat man im Lateinischen das Wort erst mit
Paenitentia übersetzt was ja Reue bedeutet und erst im Laufe der Zeit hat sich der Begriff, durch die Lautähnlichkeit, in Busse (
Poenitentia) umgewandelt.
So war es halt.
Am besten ist es, den Leuten den Begriff erstmal zu übersetzen und dann orthodoxerseits zu erklären was man darunter zu verstehen hat.
Z.B. so:
In den orthodoxen Kirchen wird unter der metanoia vor allem eine Änderung der Lebenseinstellung verstanden, die durch die freiwillige Zusammenarbeit des Heiligen Geistes auf der einen Seite und des einzelnen Menschen auf der anderen Seite zustande kommt. Ziel ist dabei, die Vergebung Gottes anzunehmen, den Zorn gegen Gott und die Mitmenschen hinter sich zu lassen, und so von einer widernatürlichen, unmenschlichen „Todeshaltung“ zu einer natürlichen, menschlichen Lebenshaltung zu gelangen. Die im Sündenfall verdorbene Welt zieht den Menschen jedoch immer wieder in die falsche, seiner eigentlichen Natur als Bild und Gleichnis Gottes zuwiderlaufende Richtung, sodass die metanoia eine lebenslange Anstrengung gegen das eigene geistlose Mitläufertum ist. Die Mysterien (Sakramente) sowie Fasten und Beten helfen dabei, indem sie schon im „hier und jetzt“ ein Gegenbild zur gefallenen Welt darstellen.
Quelle: (übrigens mit Abstand der beste von allen Wikiartikeln die ich in mehreren Sprachen gelesen habe)
LG Songul