Archimandrit Dionysios über das Ego

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Hanna
Beiträge: 168
Registriert: 16.12.2008, 18:17

Archimandrit Dionysios über das Ego

Beitrag von Hanna »

Der innere Feind

Ein Interview mit Archimandrit Dionysios

von Craig Hamilton

http://www.wie.org/de/j4/dionysios.asp?page=2
[color=#FF0040]Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet![/color]
Aleks

Beitrag von Aleks »

Fantastischer Text liebe Schwester Hanna, mir hat das viel inneren Frieden gegeben den ich in den letzten Tagen gesucht habe. Ich bin unserem Schöpfer sehr dankbar dafür.

En Christo
Aleks
Zuletzt geändert von Aleks am 03.05.2010, 23:56, insgesamt 1-mal geändert.
danadoina
Beiträge: 158
Registriert: 15.12.2008, 19:53
Religionszugehörigkeit: orthodox

Beitrag von danadoina »

Liebe Hanna ,
Gott vergelt`s :P ! Ich habe es schon weitergeleitet und muß jetzt einen großer " Danke schön " dir weitergeben.... :P
Liebe grüße,
daniela
Nassos
Beiträge: 4433
Registriert: 18.12.2008, 21:43

Beitrag von Nassos »

wenn das so weiter geht, werde ich Schwierigkeiten bekommen, das Wort "ich" auszusprechen...

Nee, das geht eigentlich auch in die Richtung des Threads "was ist ein Christ". Das Element der Liebe aber auch der Selbstaufopferung für den anderen. Gibt es eine größere Tat, sein Ego an letzter Stelle zu setzen?

Aber: was ist denn der Unterschied zwischen dem Ego und der Persönlichkeit? Ist das ein innerer Mr. Hyde und Dr. Jekyll?

Nassos
Loukia
Beiträge: 982
Registriert: 17.12.2008, 01:34
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Beitrag von Loukia »

Ein wirklich schöner Artikel, sehr lehrreich. Besonders der Schluss ist schön!
Ἡ χάρις τοῦ Κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ μεθ' ὑμῶν. 1. Korinther 16,23
Loukia
Beiträge: 982
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Beitrag von Loukia »

Ich habe früher nicht verstanden, warum Neid schlecht ist. Fakt ist, Neid macht vieles kaputt, er führt womöglich sogar zu einer nächsten Sünde, dem stehlen. Das alles aber wegen...? Des Egos!

"Wir begreifen nicht, dass dieser Feind, den wir in uns tragen, nicht unser Selbst oder unsere Persönlichkeit ist. Er ist nur eine Versuchung. Darin liegt auch der Keim des Problems des Ego. Wir vereinigen unsere Persönlichkeit, die ein unschätzbar wertvolles Begebnis ist, mit unseren Fehlern. Wir verwechseln unsere Persönlichkeit mit unserer Sünde; wir verknüpfen diese beiden Dinge miteinander und haben einen ganz falschen Eindruck von dem, was wir sind. Wir wissen nicht, was wir sind, und wir brauchen jemanden, der uns zeigt, wer wir sind; wir brauchen jemanden, der uns die Augen öffnet, sodass wir zumindest in der Lage sind, unsere Dunkelheit zu sehen."

Christus zeigt uns, wer wir sind. Seine Heiligen haben ihn erkannt und folgen ihm und sind von ihm erhellt. Sie blicken auf ihn und auf den Vater und den heiligen Geist. Gott ist Zentrum und, wäre das für alle von uns so... wäre es wohl schon das Paradies...


"Reue. Das Erkennen unserer Fehler und unserer Sünden ist das Höchste, was wir tun können, und zwar nicht, weil wir bei irgendetwas Erfolg haben wollen, sondern nur, um die Wahrheit über uns selbst zu erkennen. Der Heilige Isaak, der große Mystiker der Kirche, sagt, dass jemand, der seine Sünden im Angesicht des Herrn annimmt, der sie versteht und erkennt, tatsächlich der Höchste ist. Er ist größer als jemand, der die ganze Welt gewonnen hat, alle Menschen ernähren kann, Wunder tut, die Toten zum Leben erweckt. Dieser Mensch, der allererste, ist größer, weil er nie abstürzen kann. Er besitzt eine Stabilität und eine Festigkeit und hat eine Stufe und einen Platz erreicht, die es ihm erlauben, zum Herrn zu sprechen. Er befindet sich an einem Ort, an den er mit seinen Tränen, mit seiner Reue, mit seinem Begreifen, etwas Falsches getan zu haben, den Herrn einladen kann. Und dann wird er sofort klar. Das Licht kommt aus ihm. Er wird zu einem spirituellen Arzt, zu einem spirituellen Lehrer oder Vater, weil er keine Angst hat, seine Sünden zu erkennen. Es ist kein Problem für ihn, zu sagen: „Entschuldigung, das war mein Fehler.” Das ist der Schlüssel, um allen Fallstricken des Teufels aus dem Weg zu gehen. "

Das ist einfach eine so wunderschöne und wahre Aussage...



"Es ist Liebe. Liebe ist mehr als ein Gewissen. Das Gewissen ist etwas, das uns sagt: „Tu dies, tu das, mach jenes!” Das gleicht einem ständigen persönlichen, inneren Gericht. Liebe jedoch ist viel mehr. Liebe macht uns bereit, für die Sünden anderer zu bezahlen, und es ist eine viel höhere Stufe, wenn wir nicht nur unsere eigenen Sünden erkennen, sondern in der Lage sind, für Sünden zu bezahlen, die wir gar nicht begangen haben, so wie Christus es tat. Das ist Liebe."



Unfassbar schön...




"Der Herr ruft uns zur Verwandlung auf. Er will uns unsere Wirklichkeit, unser wirkliches Selbst, das wir verloren haben, wiedergeben. Und im spirituellen Leben und ganz besonders im Leben eines Mönches kann das Ego tatsächlich transformiert werden, genau wie bei den Jüngern, die Christus auf den Gipfel des Berges Tabor folgten und Zeuge wurden, dass sich sein Körper in Licht verwandelte. Viele Kirchenväter versuchten zu erklären, dass der Leib Christi nicht tatsächlich auf diese Weise verwandelt wurde, sondern dass dies nur für die Augen seiner Jünger so aussah. In jenem Moment verwandelte sich nämlich ihr Sehen, und die Jünger konnten erkennen, was Christus immer schon gewesen iststrahlend und voller Licht. Durch ihre Demut und weil sie Christus folgten, wurden sie auf den Gipfel dieses Berges geführt, um sich an dieser Wirklichkeit zu erfreuen. Und jeder von uns kann diesen Segen erfahren. Unser Wesen lässt sich transformieren."


Theosis?



"WIE: Im Westen gibt es heutzutage viele spirituelle Autoritäten, die versuchen, die Ideen der westlichen Psychologie auf den spirituellen Weg anzuwenden. Tatsächlich wird jetzt häufig die Ansicht vertreten, dass wir zunächst ein starkes Ego, ein starkes Gefühl von uns selbst entwickeln müssen, um es mit den Schwierigkeiten auf dem spirituellen Weg aufnehmen zu können. In vielen spirituellen Kreisen ist die Behauptung „Wir müssen erst jemand sein, bevor wir ein Niemand werden können” fast so etwas wie ein Glaubenssatz. Was halten Sie von diesem Gedanken?

AD: Das wäre so, als ob wir sagen würden: „Wir müssen zuerst zum Chef der Mafia werden, bevor wir Präsident werden können.” Oder: „Ich werde zuerst mit dem Teufel zusammenarbeiten und mit ihm engen Umgang pflegen, sodass er mir alles gibt, was ich brauche. Weil ich aber schlauer bin als er, werde ich meine Macht dann für das Gute einsetzen.” "






In Christus
Ἡ χάρις τοῦ Κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ μεθ' ὑμῶν. 1. Korinther 16,23
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