G-H-W wie Große und Heilige Woche

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Sinaitis
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G-H-W wie Große und Heilige Woche

Beitragvon Sinaitis » 06.04.2009, 21:33

Liebe Freunde, hier habe ich eine kurze Beschreibung der Großen und Heiligen Woche, die ich einmal einem nicht orthodoxen Athospilger zur Orientierung zusammengestellt habe. Die ist natürlich sehr lückenhaft und für unsere Orthodoxieexperten kritikwürdig. Aber im Forum gibt es ja Manche, die noch nicht so vertraut sind mit dem Leben, Beten und Glauben von uns Orthodoxen. Möge es in bescheidenem Rahmen hilfreich sein.

Wir könnten uns aber gerne darüber austauschen, welche Gottesdienste uns am intensivsten bewegen, was die Höhepunkte der Großen und Heiligen Woche sind.

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Am Freitag endet die Fastenzeit der 40 Tage. Es gibt noch einmal die Liturgie der vorgeheiligten Gaben (ein Esperinos mit Kommunionausteilung der Eucharistie vom vergangenen Sonntag, da an Werktagen der Fastenzeit keine Göttliche Liturgie gehalten wird, die immer auch österlich geprägt ist).
Dann folgt der Lazarussamstag mit dem Gedächtnis der Auferweckung des Lazarus, zugleich gewissermaßen ein Vorzeichen für die kommende Passionswoche, Große und Heilige Woche genannt.
Vor und über allem Tod leuchtet bereits die Auferstehung. Und der Lazarussamstag zeigt, daß es bei allem Geschehen um unseren Herrn Jesus Christus letztlich um UNS geht: "Um uns und unseres Heiles Willen", oder wie Paulus sagt: unser Glaube, sogar der Glaube an die Auferstehung unseres Herrn, wäre sinnlos, wenn nicht auch wir auferstehen würden.
Wir wünschen schon jetzt Kaló Pás'cha oder auch jetzt, wo wir uns Ostern stark nähern Kalí anástasi. Aber in keinem Fall Christos anesti, das sagen wir erst nach der Osterverkündigung, genauer zu dem Doxastikon der Lobpsalmen im Pas'cha-Orthros.
Der folgende Sonntag ist der Palmsonntag, es gibt eine Segnung der Palmzweige (eigentlich nach der Doxologie des Orthros), dieser Sonntag ist der einzige, an dem nichts österliches im Gottesdienst vorkommt. Aber es ist trotzdem ein fröhlicher Tag, es darf Fisch gegessen werden.
Mit dem Sonntagabend beginnt die Karwoche, die Große und Heilige Woche, die Woche der Passion, Trauer, der langen Gottesdienste. Abends wie auch an den darauf folgenden drei Tagen gibt es den sogenannten "Nymphios", eigentlich ein auf den Vorabend gerutschter Morgengottesdienst, also ein klassischer "Orthros" Nach dem Sechserpsalm (Hexapsalmos), mit dem jeder Orthros beginnt, wird statt des "Gott ist der Herr und er ist uns erschienen ...) ein feierliches mehrfaches Alleluia gesungen (in der Orthodoxie ist das Alleluia kein Ostergesang, sondern ein Fastenzeitsgesang). Darauf folgt der Gesang: Siehe, der Bräutigam kommt ..., weshalb der ganze Gottesdienst "Nymphios" (Bräutigam) heißt. In diesem Gottesdienst wird auch eine lange Passionsperikope gelesen. Insgesamt werden in diesen Tagen alle Passionsevangelien incl. der Abschiedsreden bei Johannes mehr als zweimal gelesen.
Dieser Gottesdienst wiederholt sich an jedem Abend bis Mittwoch. Dafür ist an diesen Tagen schon am Vormittag die Vesper mit Kommuniongottesdienst (Liturgie der Vorgeheiligten Gaben, Proijiasmeni) wie eingangs beschrieben. Am Mittwoch kommt zudem noch die Krankensalbung (Sakrament des Evchelion) (für alle (Orthodoxen)). Sieben Kerzen, sieben Apostellesungen, sieben Evangelien, sieben Gebete, möglichst sieben Priester.
Am Donnerstagfrüh ist wieder Vesper, diesmal mit göttlicher Liturgie, es ist der "Abendmahlsgottesdienst". An manchen Orten gibt es auch eine Fußwaschung.
Am Donnerstagabend wieder ein Morgengottesdienst des nächsten Tages, also des Freitags. Es ist der wohl längste des Kirchenjahres. 12 Passionsevangelien werden gelesen, ergreifende Gesänge gesungen, vor allem die Milde unseres Herrn und das Verbrechen des Judas vor Augen gestellt. Dabei wird auch das Kreuz in die Kirche getragen und aufgestellt. Es gibt im Gottesdienst auch eine Kreuzverehrung aller.
Der Freitag ist ein liturgiefreier Tag, also es gibt keine Eucharistie, auch keine Kommunion. Strenger Fasttag. Es gibt kein gekochtes Essen, die Küche bleibt kalt. Ein bißchen Brot, vielleicht Chalva, etwas Obst, Tee.
Statt dessen werden die sogenannten kleinen Stunden, Erste, dritte, sechste, neunte Stunde feierlicher als sonst gestaltet (normalerweise werden sie nur rasch gelesen). Sie heißen Vasilikes Ores, königliche Stunden. Jede Stunde (alle werden nacheinander in Serie gehalten) werden drei Psalmen gelesen, 5 herrliche Hymnen, Prophetenlesung, Apostellesung, Evangelium und die normalen Gebete der jeweiligen Stunden. Zur neunten Stunde wird gesungen: "Heute hängt am Kreuz, der den Himmel über den Wassern aufgehängt hat ..." Spätestens bei diesem Gesang dürfte die Passion in jedem Herzen angekommen sein.
Anschließend oder nach einer Pause kommt die Vesper (Esperinos) mit der Kreuzabnahme während des entsprechenden Evangeliums. Joseph von Arimathäa nahm den makellosen Leib vom Kreuz, hüllte ihn in reines Linnen und legte ihn in ein neues Grab. Das wird durch Priester nachgeahmt, der gemalte Korpus wird vom Kreuz genommen, in ein weißes Tuch gelegt und auf den Altar gebracht. Das leere Kreuz bleibt zurück.
Abends dann wie gewohnt der Morgengottesdienst des nächsten Tages, des Karsamstags. Dabei dann die Klagelieder (genannt: Engómia) der Frauen in drei Abschnitten mit jeweils anderer Melodie. Dabei dann eine Prozession mit dem bestickten Grabtuch Christi um die Kirche mit einem blumengeschmückten Baldachin. Diese Prozession ist in den Dörfern zum Höhepunkt der Passion. Alle ziehen am Schluß unter dem Tuch durch. Die Auferstehung kündigt sich schon an, das Dämmern des Ostertages.
Am Samstag vormittags wieder bereits die Vesper, es ist schon die Ostervesper. Gelesen werden 15 alttestamentliche Texte, die sich auf die Auferstehung beziehen. Während der Apostellesung kleidet sich der Klerus um von schwarz auf weiß, er tritt aus dem Altarraum und verstreut Blätter im ganzen Kirchenraum. Ostern kündigt sich an. Das Evangelium ist schon österlich. Aber der Tag ist noch Fasttag, ein ruhiger Tag ohne Aktion, ohne Arbeit (außer der Vorbereitungen in der Kirche und der Küche), ohne Trapeza. Man duscht, schläft, zieht sich sauber an.
Abends dann der Pas'cha-Gottesdienst. Um 23 Uhr eine Stunde lang Hymnen und Gebete (wieder ein Orthros). Dann wird die Kirche verdunkelt, alle !! Lichter gelöscht. Der Abt zündet im Altarraum am Altar (mit Segen) ein neues Öllicht an und daran seine Osterkerze. Mit der tritt er aus dem Altarraum und reicht allen das Osterlicht. Dann ziehen alle hinaus, im Freien wird das Osterevangelium verkündet und zum ersten mal Christos anesti gerufen. Danach folgt in der hell erleuchteten Kirche der Osterorthros und die Göttliche Liturgie. Zum Schluß werden Käse und Eier gesegnet, die Eier verteilt und gegenseitig aufgeschlagen (Christos anesti, alithos anesti) und alle ziehen in den Salon zum ersten Essen von Käse, Eiern, Milch, Butter im Osterbrot usw. nach der langen Fastenzeit.
Nach dem Schlafen gibt es die Ostervesper, genannt Vesper der Liebe. Da halten alle wieder die Osterkerzen, es ist alles hell, fröhlich, die Vesper ist kurz (vieles fällt weg), aber sie zieht sich dann doch ein wenig, weil das Evangelium in vielen Sprachen gelesen wird. Danach gibt es dann die richtige Trapeza, Osteressen mit Fisch, Käse und fantastischen Essen. Das ist dann Ostern, eine ganze Woche lang. Denn jeder Tag der Woche ist Ostertag mit dem Ostergottesdienst jeweils am Morgen und keinem Fasten.

spwybn

Beitragvon spwybn » 08.04.2009, 12:53

Hab vielen Dank, P. Martinos, für diese Handreichung.

strabsi
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Re: G-H-W wie Große und Heilige Woche

Beitragvon strabsi » 07.04.2018, 11:16

Christus ist auferstanden!
Lieber P. Martinus!
Wir feiern morgen in der Rum.-Orth. Kirche die Panorthodoxe "Vesper der Liebe" (Panorthodoxe Ostervesper mit Lesung des Evangeliums in 12 Sprachen): http://parohia-salzburg.ro/de/gottesdienste/
Pr. Dumitru (Viezuianu) hat mich gebeten, ein entsprechendes Formular (Ablauf) auf DEUTSCH zu suchen. Bislang habe ich nichts geeignetes gefunden. Können Sie mir helfen? Einen Link nennen, wo ich Geeignetes herunterladen kann, oder eine maschinenlesbare Datei an meine Adresse senden? mailto:[url]andreas-petrus-werk@kirchen.net[/url]
Danke und Καλή Ανάσταση! Χριστός Ανέστη!

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Igor
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Re: G-H-W wie Große und Heilige Woche

Beitragvon Igor » 07.04.2018, 18:30

XB!

Die Abfolge dürfte :arrow: im Maltzew - Fasten- und Blumentriodion (Blumentriodion, 4. PDF-Datei) enthalten sein bzw. im Buch :arrow: Der Gottesdienst am Ostersonntag - Pas'cha des Herrn.

In Christo
Igor
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: G-H-W wie Große und Heilige Woche

Beitragvon strabsi » 07.04.2018, 19:31

Danke! -
Воистину воскрес!


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