Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

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Florianklaus
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Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Florianklaus » 15.09.2018, 21:08

Moskau will die Autokephalie der Ukraine mit allen Mitteln verhindern und riskiert die Spaltung der Orthodoxie:

http://katholisch.de/aktuelles/aktuelle ... el-auf-eis

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Igor
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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Igor » 17.09.2018, 17:51

Grüß Gott!

Vorab:

Das, was gerade in der Ukraine passiert ist zutiefst bedauernswert.

Die Bestrebungen zur Autokephalie werden vor allem von einigen politischen Kreisen der Ukraine forciert, das lässt sich aus den einschlägigen Nachrichtenmeldungen bestätigen.

Eine Autokephalie würde allerdings voraussetzen, dass es dort eine einzige orthodoxe Kirche gäbe, die Autokephalie anstrebt und welche dann von dem Patriarchat, zu dessen kanonischen Gebiet diese Kirche gehört, gewährt würde.

Status quo ist, dass die einzige kanonische orthodoxe Metropolie in der Ukraine (und das ist von allen anderen kanonischen orthodoxen autokephalen Kirchen so anerkannt – inkl. Patriachat von Konstantinopel) die zum Moskauer Patriarchat gehörende ist. Alle anderen Metropolien, die sich dort als orthodox bezeichnen, müssten sich also erst einmal mit diesem vereinigen, bevor man überhaupt über eine Autokephalie sprechen könnte.

Zu der Entsendung von Bischöfen des Patriarchats von Konstantinopel als Exarchen in die Ukraine sei darauf verwiesen, dass so etwas nur unter Einholung der Zustimmung des Patriarchat, zu dessen kanonischen Gebiet diese gehört, zulässig ist – was hier offensichtlich nicht geschah.

Damit ist die eingangs gestellte These, dass Moskau eine Spaltung der Orthodoxie „riskieren“ würde, so nicht zu halten.

Mehr Details dazu in den letzten Ausgaben der Zeitschrift „Orthodoxie Aktuell“ der OBKD, in denen umfangreiche Artikel dazu erschienen sind.

Im Übrigen:

Im Moskauer Patriarchat sind nun alle Gemeinden gehalten, in den Ektenien (Litaneien) folgende Fürbitten zusätzlich zu beten (Entscheid Nr. 70 der letzten Synode vom 14.09.2018):
Wir beten auch zum Herrn und zu unserem Erretter, dass wir Einheit und Treue in der Einheit der orthodoxen Kirche auf der ganzen Welt bewahren und ihr Frieden und Ruhe, Liebe und Harmonie schenken, Herr, höre und erbarme dich.

Wir beten auch um Wohlgefallen und Barmherzigkeit für die Heilige Orthodoxen Kirche und bewahre uns vor Spaltungen und Schismen, vor Feindschaft und Unordnung, damit ihre Einheit nicht nachlässt und nicht geschwächt wird, sondern die Dreiheit deines Namens darin gepriesen wird, Herr, höre und erbarme dich!


Im Original:

Еще молимся Господу и Спасителю нашему о еже сохранити в единении и правоверии Церковь Православную во всем мире пребывающую и даровати ей мир и безмятежие, любовь и согласие, рцем вси, Господи, услыши и помилуй.

Еще молимся о еже благосердием и милостию призрети на Святую Церковь Православную и сохранити ю от разделений и расколов, от вражды и нестроений, да не умалится и не поколеблется единство ея, но да славится в ней Трисвятое имя Твое, рцем вси, Господи, услыши и помилуй.


Quelle: https://rokmp.de/svyaschennyj-sinod-pri ... triarhata/

Etwas mehr dazu auch in englisch: https://mospat.ru/en/2018/09/14/news163803/

Lasst uns beten für die Einheit der Kirche!

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Asperges_me » 18.09.2018, 11:41

Auf der Grundlage der englischen Fassung komme ich zu folgendem Wortlaut:

Abermals beten wir zu unserem Herrn und Heiland, dass Er die Orthodoxe Kirche in Einheit und Frömmigkeit bewahre und ihr Frieden und Ruhe gewähre, Liebe und Eintracht: lasst uns alle rufen: O Herr, höre und erbarme dich.

Abermals beten wir, daß Er herabschaue auf die Heilige Orthodoxe Kirche mit Wohlgefallen und Barmherzigkeit und sie bewahre vor Spaltungen und Schismen, vor Feindschaft und Zwietracht, auf daß ihre Einheit weder geschmälert noch erschüttert werde, sondern daß in ihr Dein dreifach heiliger Name verherrlicht werde, laßt uns alle rufen: O Herr, höre und erbarme dich!

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Nikolaj » 19.09.2018, 10:14

Igor hat geschrieben:Zu der Entsendung von Bischöfen des Patriarchats von Konstantinopel als Exarchen in die Ukraine sei darauf verwiesen, dass so etwas nur unter Einholung der Zustimmung des Patriarchat, zu dessen kanonischen Gebiet diese gehört, zulässig ist – was hier offensichtlich nicht geschah.


Das ist die Sichtweise des Moskauer Patriarchats. Der Ökumenische Patriarch sieht das aber anders, denn er zählt die Ukraine zur Jurisdiktion des Patriarchats von Konstantinopel. Wegen der Unmöglichkeit, dies vor langer Zeit nicht selbst verwalten zu können (wegen der osmannischen Herrschaft) wurde es dem Patriarchen von Moskau gewährt, den Metropoliten von Kiew zu weihen. Der Metropolit von Kiew hatte aber weiterhin die Pflicht, den Ökumenischen Patriarchen als sein Haupt zu sehen und seinen Namen bei der Liturgie zuallererst zu nennen, was nicht geschah.

Übrigens ist diese Begründung die gleiche, wie auch zur Gewährung der Autokephalie der orthodoxen Kirche von Polen und der Aufnahme der Gemeinden in Estland. Wobei bei letzterem Oikonomia an die Gemeinden gewährt wurde, welche beim Moskauer Patriachat verweilen wollten.

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Florianklaus
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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Florianklaus » 20.09.2018, 10:36

Es drängt sich der Eindruck auf, daß sich die ROK hier zum verlängerten Arm Putins macht, der die Ukraine politisch und kirchlich als Bestandteil Rußlands ansieht und sich nie mit deren Selbständigkeit abgefunden hat.

Ein Zitat aus https://www.vaticannews.va/de/welt/news ... irche.html:

"Übrigens zeichne sich nach den zunächst recht einhelligen Bedenken in der orthodoxen Kirchenfamilie gegen eine autokephale Ukraine nun ein „Überdenken“ ab.

Die polnische orthodoxe Kirche hat schon ihre frühere Ablehnung gemildert und nun dafür plädiert, sich mehr Zeit zu lassen. Auch in den anderen bisher abweisenden orthodoxen Kirchenzentren habe, so sieht man es in Istanbul, das „energische Auftreten“ von Bartholomaios dem russischen Patriarchen Kyrill I. gegenüber Eindruck gemacht und ein Umdenken eingeleitet. Dazu beigetragen haben auch drei vom Phanar am Vorabend der Moskauer Synod-Sitzung bekannt gemachte Dokumente.

Aus ihnen geht hervor, dass fast der gesamte ukrainische Episkopat Anfang November 1991 und erneut am 21. Januar 1992 vom damaligen russischen Patriarchen Alexij II. die Autokephalie erbeten hatte."

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Allons » 21.09.2018, 09:26

Liebe Brüder und Schwestern,

mein letzter Besuch hier war in 2012, aber durch die Berichterstattung in den Medien über die laufenden Entwicklungen wollte ich hier mal wieder vorbeisehen und entsinne mich bei dieser Gelegenheit an viele freundliche und fröhliche Unterhaltungen mit BenutzerInnen aus älteren Zeiten, von denen allen ich hoffe, das es ihnen gut geht. :loveit:

Es wäre schön, näheres erfahren zu können über den Prozess bzw. die dahinter stehenden kirchlichen Fragen. Ich habe im Netz den folgenden Link gefunden, aber vielleicht gibt es ja noch mehr? https://www.ukrainian-church.de/autokep ... erkennung/

Ich bete dafür, dass alle Entscheidungen den Geist der Liebe und Brüderlichkeit untereinander zeigen werden, den wir uns als Christen auch als Selbstanspruch auferlegen und das die Beteiligten in aller verständlichen Auseinandersetzung und Polarisierung das Verbindende immer im Blick behalten.

Herzliche Grüße Euch allen, Allons!

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Greg » 21.09.2018, 18:18

Allons hat geschrieben:
Es wäre schön, näheres erfahren zu können über den Prozess bzw. die dahinter stehenden kirchlichen Fragen. Ich habe im Netz den folgenden Link gefunden, aber vielleicht gibt es ja noch mehr? https://www.ukrainian-church.de/autokep ... erkennung/


Nun ja, die Verlautbarungen der "UOK sind doch eher der aktuellen politischen Situation geschuldet, als dass diese Ausdruck der Kirchengeschichte sind. Im Eifer des Gefechts fällt das z. B. folgender Satz: "Angesichts der 1030jährigen Geschichte des orthodoxen Christentums hat die UOK den Anspruch, den Status des Patriarchats zu erlangen." Nun, die Geschichte des orthodoxen Christentums hat sicherlich nicht Ihren Beginn vor 1030 Jahren.

Zu berücksichtigen ist historisch auch, dass der Metropolitensitz von Kiew im Jahr 1299 zunächst nach Wladimir und im Jahr 1325 schließlich nach Moskau verlegt wurde. Die ROK ist daher historisch betrachtet weder Tochterkirche einer wie auch immer gearteten ukrainischen Kirche, noch ist sie Mutterkirche einer solchen ukrainischen Kirche. Vielmehr war die ROK und die ukrainische Kirche im Jahr 1325 vollständig identisch. Zu diesem Zeitpunkt war diese Kirche noch Teilkirche des Patriarchats von Konstantinopel.

Eine interessante Persönlichkeit war der vom Patriarchen von Konstantinopel zum Metropoliten von Kiew und ganz Russland ernannte Bischof mit Sitz in Moskau war Isidor von Kiew, welcher aufgrund seiner Zustimmung zur Kirchenunion von Florenz 1441 abgesetzt wurde um sodann in der Folgezeit in der römisch-katholischen Kirche "Karriere" zu machen. Nur kurze Zeit später, im Jahr 1448 wählte die Synode der russischen Bischöfe Iona von Rjasan zum „Metropoliten von Kiew und ganz Russland“ was zu einem Bruch mit Konstantinopel führte, welcher im Jahr 1590 überwunden wurde und das Moskauer Patriarchat anerkannt wurde.

Nachdem sich 1596 die meisten Bischöfe der Ukraine (welche nicht mit dem Gebiet der heutigen Ukraine identisch ist) der römisch-katholischen Kirche unterwarf, wurde erst 1620 mit der Erneuerung der orthodoxen Hierarchie in der Ukraine begonnen. Im Jahr 1686 wurde die Unterordnung der ukrainischen Orthodoxie unter das Moskauer Patriarchat erreicht.

Zu diskutieren wäre, ob die Unterordnung im Jahr 1686 unter das Moskauer Patriarchat kanonisch war oder eben nicht. Bis auf Äußerungen des Patriarchats von Konstantinopel im Jahr 1912 hat das bis zu diesem Jahr faktisch keinen interessiert, da selbst das Patriarchat von Konstantinopel ausschließlich Kirchengemeinschaft mit der vom Moskauer Patriarchat anerkannten Ukrainischen Orthodoxie pflegt.

Meiner bescheidenen Meinung nach handelt es sich bei dem schwelenden Streit ausschließlich um weltlich-politisch motivierte „Unabhängigkeitserklärungen“. Man bedenke überdies, dass treibende Kraft der kirchlichen Unabhängigkeit der „UOK“ Filaret Denyssenko ist, welcher sich 1990 noch Hoffnungen darauf machte, die Leitung des Moskauer Patriarchats zu übernehmen, welche er kommissarisch für kurze Zeit inne hatte.

Gott hat schon so viele Spaltungen überwunden und zur Einheit in der orthodoxen Kirche geführt, so dass wir hoffen dürfen, dass wenn wir ihn nur wirken lassen, es auch dieses Mal wieder gelingen wird.

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Igor » 21.09.2018, 19:25

Grüß Gott!

Florianklaus hat geschrieben:Aus ihnen geht hervor, dass fast der gesamte ukrainische Episkopat Anfang November 1991 und erneut am 21. Januar 1992 vom damaligen russischen Patriarchen Alexij II. die Autokephalie erbeten hatte."


Das stärkt eher die These von den weltlichen Beweggründen, denn das geschah unmittelbar nach dem Zerfall der Sowjetunion und steht damit in direktem Zusammenhang.

Allons hat geschrieben:Ich bete dafür, dass alle Entscheidungen den Geist der Liebe und Brüderlichkeit untereinander zeigen werden, den wir uns als Christen auch als Selbstanspruch auferlegen und das die Beteiligten in aller verständlichen Auseinandersetzung und Polarisierung das Verbindende immer im Blick behalten.


Dem stimme ich voll zu, Allons!

Greg hat geschrieben:Gott hat schon so viele Spaltungen überwunden und zur Einheit in der orthodoxen Kirche geführt, so dass wir hoffen dürfen, dass wenn wir ihn nur wirken lassen, es auch dieses Mal wieder gelingen wird.


Danke, Greg, für die detaillierte Abhandlung der Historie! Ich trage die gleiche Hoffnung, wie sie von Dir geäußert wurde.

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Allons » 22.09.2018, 15:37

Danke Igor und @all,

die Neue Züricher Zeitung berichtet verhältnismäßig ausführlich:

https://www.nzz.ch/international/der-br ... ld.1421274

Finde ich schon bemerkenswert, das die diese Angelegenheit offensichtlich ziemlich genau auf dem RADAR haben, anders als ZEIT oder FAZ. Ich habe btw selten jemand so mürrisch dreinschauen sehen wie Patriarch Bartholomaios.

VG, Allons!

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Lazzaro » 26.09.2018, 09:10

Da so viel über die Kanones geredet wird, hier ist der entsprechende Passus:
Kanon 17 des Konziles von Chalkedon sagt:
Die je zu einer Kirche gehöhrenden Land- oder Dorfsprengel verbleiben unumstößlich bei den Bischöfen, die sie besitzen, zumal wenn sie diese über einen Zeitraum von 30 Jahren ... verwaltet haben. Wenn aber innerhalb der 30 Jahre ein Streit um sie entstanden ist ..., können die, die sich ungerecht behandelt sehen, die Angelegenheit vor die Provinzsynode bringen. Sollte jemand vom eigenen Metropoliten unrecht erleiden, sucht er ... beim Exarchen des Verwaltungsgebietes oder beim Stuhl von Konstantinolel sein Recht. Ist durch Kaiserliche Anordung eine Stadt gegründet worden ..., so folgt die Ordnung der Kirchklichen Sprengel dem Staatlichen und Kirchlichem Modell.


Da die Kirchlichen Strukturen den Staatlichen folgen sollen, machte die Eingliederung der Kiever Metropolie in das Moskauer Patriarchat im 17. Jhdt. schon seinen Sinn. Ebenso ist eine - wie auch immer geartete - Neugliederung der Kirche in der unabhängigen Ukraine sinvoll und durch den Kanon gedeckt.

Anderseits war die Kiever Metropolie etwa 300 Jahre unwiedersprochen ein Teil des Moskauer Patriarchates.

Wir haben hier ein Wirrwar, das sich nicht so leicht auflösen läßt. Ganz nebenbei wurde die orthodoxe Hierarchie in Polen-Litauen nach der Union von Brest vor allem durch Bischöfe der Synode von Antiochien wiederhergestellt! Welche Konsequenzen müßten sich daraus ergeben ? Lieber nicht daran denken.

In diesem Zusammenhang fällt mir folgendes Buch ein und empfehle allen, die an den historischen Fakten interessiert sind, seine Lektüre:

Kraft, Ekkehart:
Moskaus giechisches Jahrhundert. Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa, Band 43
Stuttgart 1995
ISBN: 3-515-06656-X

Auf Seite 69 fällt mir folgende Überschrift ins Auge: Die griechischen Bemühungen um die Vereinigung der Ukraine mit Moskau
:?: :?: :?:
Bevor ich weiterschreibe, werde ich erst einmal die Sache genauer lesen.
:book: Lazarus
Cantábiles mihi erant justificatiónes tuæ, * in loco peregrinatiónis meæ. - Ps.118:54

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Igor » 01.10.2018, 06:36

Grüß Gott!

Interessant ist die Position, die andere Patriarchate zu dem Vorgang beziehen, so war kürzlich der Patriarch Theodoros II von Alexandria in Odessa.

Details:
:arrow: Patriarch of Alexandria visits Ukraine in show of solidarity with canonical Church
bzw.
:arrow: Патриарх Александрийский Феодор II призвал украинцев оставаться верными канонической Церкви

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Allons » 16.10.2018, 07:16

Guten Morgen, gestern abend bereits auf ZEIT & NZZ:

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitge ... i-hilarion

https://www.nzz.ch/international/russis ... ld.1428583

Gibt es eigentlich jenseits der Einflußfrage theologische Differenzen? In allen Quellen dominieren Politik und Einfluß als Auslöser. Besorgte Grüße, Allons!

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Nikolaj » 16.10.2018, 08:45

Lieber Allons,
es gibt keine theologischen Streitpunkte sondern geht rein um politische Fragen. Man könnte noch anführen, dass es einen Unterschied in der Interpretation von Kanones der Kirche gibt, bezüglich dem Appelationsrecht an den Ökumenischen Patriarchen und die Befugnisse dessen. Hauptstreitpunkt ist, dass Konstantinopel die Ukraine unter seiner Jurisdiktion sieht und auch Belege dafür anführt, wobei Moskau dies anders interpretiert.

Was ich überaus schade finde ist, dass man die Kommunionsgemeinschaft bricht und es nicht schafft auf friedlichem Wege eine Lösung zu finden...

Gruß
Nikolaj

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon SebastianS » 16.10.2018, 12:37

Nikolaj hat geschrieben:es gibt keine theologischen Streitpunkte sondern geht rein um politische Fragen.


Ich glaube, ganz so einfach kann man es sich nicht machen. Von russischer Seite aus, wird hier beklagt, dass all diese Schritte des Ökum. Patriarchen davon zeugen, dass derselbe sich mehr und mehr zu einer Art Orthodoxem Papst aufschwingen will. Es gab diesbezüglich schon früher äußerst bedenkenswerte Aussagen, z.B. auch von dem Metropoliten Elpidophoros, der meinte, dass der Ökum. Patriarch nicht der "Erste unter Gleichen" sondern der "Erste ohne Gleichen" sei. All das geht über rein politische Machtinteressen weit hinaus sondern zeigt tiefe Defizite in der Ekklesiologie des Synods des Ökum. Patriarchats. Somit liegen hier ganz klar theologische Gründe dem ganzen zu Grunde. Natürlich ist hier nie etwas frei von politischen Gründen, aber diese sind nicht die Einzigen.

Es ist wirklich traurig, dass es zu diesem Schritt kommen musste. Gleichzeitig muss ich aber sagen, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche den Kontakt gesucht hat. Sowohl die Russisch-Orthodoxe Kirche als auch andere Ortskirchen haben angeregt, ein Gesamtorthodoxes Konzil zu dieser Frage abzuhalten, weil kein Patriarchat hier eigenmächtig handeln kann, schon gar nicht außerhalb der Grenzen seiner Jurisdiktion. Aber jegliche Anfrage wurde von dem Ökum. Patriarchat abgeblockt. Sie wollen hier niemanden mitsprechen lassen, sondern in papistischer Manier ihren Willen durchsetzen, egal, was dabei herauskommt.

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Re: Schisma zwischen Konstantinopel und Moskau?

Beitragvon Nikolaj » 16.10.2018, 12:58

Ich sehe von keiner der beiden Seiten eine Diskussion. Konstantinopel führt - genauso wie Moskau - einiges an Regeln an, die seiner Ansicht nach, die Einmischung des Ökumenischen Patriarchen erlauben. Fakt ist doch, dass der Ökumenische Patriarch eine Sonderstellung hat. Bisher hat das keinem Probleme bereitet, aber sobald es nun um politische Fragen geht, sind die Stimmen laut.


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