Freimaurerei

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Верник
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Freimaurerei

Beitragvon Верник » 20.10.2014, 15:35

Grüße Sie Gott!

Ich habe eine, zuweilen sehr delikate, Frage, die mir schon länger Kopfzerbrechen bereitet. Ich bin schon seit geraumer Zeit in Kontakt mit einer Freimaurerloge in der Stadt, in der ich wohne. Freunde und Geschäftspartner sind dort Mitglieder und haben mich zu Gästeabenden eingeladen. Mich interessiert die Freimaurerei und ich kann daran nichts schlechtes finden, da sich viele Vorurteile die auch ich vorher hatte, letztendlich auch als unbegründet erwiesen haben. Nun würde ich auch gerne Mitglied werden.

Nun gut, was mich interessiert ist die orthodoxe Sicht darauf und die Sicht der SPC im speziellen. Ich habe mit zwei Priestern gesprochen und einer versicherte mir, dass nichts schlimmes daran sei und das ich Mitglied werden könne. Der andere wiederum reagierte schockiert und riet mir rigoros davon ab, da die SPC so etwas zu 100% ablehnen und verteufeln würde und ich mit Konsequenzen rechnen könne. Ich habe nun viel gegoogelt und außer Einzelmeinungen im Netz nichts weiter dazu gefunden, wobei viele dieser Meinungen sehr radikal und vorurteilsbehaftet sind, meines Erachtens. Wie dem auch sei, gibt es offizielle Stellungnahmen meiner Kirche zu einer Mitgliedschaft eines orthodoxen Gläubigen in einer Freimaurerloge? Was erwartet mich an Konsequenzen im alltäglichen (ich bin regelmäßiger Kirchgänger), sollte ich trotz eines Verbots Mitglied werden? Darf ich dann noch beichten und "да се причестим"(kennen den deutschen Ausdruck leider nicht)? Ehrlich gesagt bin ich sehr verängstigt und möchte keinesfalls einen falschen Schritt machen, da ich durchaus sehr gläubig bin und auch vorhabe eine orthodoxe Frau zu ehelichen. Daher würde ich gerne größtmöglichen Schaden abwenden und wende mich mit meinen Sorgen nun an Sie. Ich möchte ungern exkommuniziert werden, wie das anscheinend in der römisch-katholischen Kirche mit Freimaurern gehandhabt wird.

Danke für jegliche Antwort im voraus.

Priester Andrej
Priester
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Re: Freimaurerei

Beitragvon Priester Andrej » 21.10.2014, 11:45

Lieber Freund in Christus,

über das Freimaurertum (im Folgenden FT) existiert eine große Anzahl ausführlicher Literatur, sowohl historischer als auch theologischer Natur.

Die sozialen Ursachen des FT lagen historisch im Verfall der katholischen (von der Orthodoxie abgespaltenen) Praxis des vom Vatikan und einer neuen unantastbaren, mit diversen politischen udn ethischen Machtbefugnissen ausgestatteten Priesterelite geprägten röm. Katholizismus im Mittelalter nach den Verkündigungen der röm-kath. Irrlehren des Primats und der Unfehlbarkeit des Papstes. Von daher ist das FT zuerst einmal eine antikatholische, besser antipapistische und antivatikanische Bewegung. Das FT ist darüber hinaus von seinem Herkommen und seiner Ideologie stark aufklärerisch und säkularistisch geprägt. Diese Bewegung formierte sich in der Folge a) geheimbündisch b) lobbyistisch und c) kultisch.

a) geheimbündisch - weil jedwede Organisationsform jenseits von Handwerkerständen, Kirchengemeinden und staatlichen oder Adelsorganisationen verboten waren und in Europa verfolgt wurden
b) lobbyistisch, weil die in den Freimaurerzirkeln versammelten Unternehmer verhindern wollten, daß ihnen aufgrund ihrer Geisteshaltung die kirchlichen und staatlichen Bauaufträge und Handelslizenzen entzogen werden. In der Folge wurde dieser Ansatz zur Grundlage des heutigen Business-Netzwerk-Charakters des modernen FT auf den unteren Ebenen.
c) kultisch, weil Menschen stets nach Riten und transzendentalem "Überbau" und Sinngebung streben. De facto sind alle Ordnungsformen, Abläufe, Symbole und Hierrachien des FT anti-katholisch bzw. heidnisch-antikirchlich. Wobei jede große Mutterloge ihre eigene kultische Tradition geprägt hat und sich auf diverse "alte" Kulte meist ägyptischer oder östlicher Herkunft berufen.
Heute gibt es weltweit Logen mit jüdischer, religiös-synkretistsischer, postliberaler, rein machtpolitischer bis hin zu heidnisch-satanistischen Prägungen und Praxis. Zugleich propagieren die meisten Logen heute eine totalitäre "religiöse Toleranz" (alle Religionen sind gleich, es gibt nur einen Gott - oder auch nicht, jeder macht was er will).

Aufgrund seiner zuerst antipapistischen und antikatholischen Haltung hat sich das FT mit seiner - ganz allgemein - antikirchlichen Grundhaltung historisch massiv in den grossen politischen Umbrüchen der Moderne engagiert und diese federführend geprägt: so zB in der Englischen und der Amerikanischen Revolution, der Französischen Revolution, der Russischen Revolution usw. Die Zahl der Opfer dieser Kataklysmen geht bis heute in den dreistelligen Millionenbereich.

Auf der Basis seines aufklärerischen, liberalen und antikirchlichen Hintergrundes wirkt das FT in vielen aktuellen weltpolitischen Prozessen als sozialer Nährboden des finanzpolitischen Globalismus und der "totalitären Freiheitsideolgie" der Moderne. Wobei die Fußtruppen des FT sowohl in der Phase der Mitgliederwerbung wie auch der Aussenauftritte in der Mehrheit sozial-engagiert und als business-networking auftreten. Den elitären Charakter des FT verdeutlichen am Besten die Regeln der US-Top Logen wie z.B. die "Bones" aber auch einige jüdische Weltlogen.

Religiös-kultisch kulminieren die Freimaurerzeremonien auf der Ebene der "Großmeister" in an atheistische Totenkulte erinnernde Rituale mit bacchischen und satanistischen Elementen, wobei man im Wesentlichen darauf abzielt a) die Auferstehung Christi zu leugnen, b) eine jenseitige, geistige Welt als religiösen Wahn zu diskreditieren und c) statt den Gottmenschen Christus den schöpferlosen Menschgott des liberalen Individuums zu verherrlichen.

Aus all den genannten Gründen widerspricht eine Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge jedwedem christlichen orthodoxen Glaubensbekenntnis und persönlichen kirchlichen Praxis. Das Freimaurertum unterliegt in der Russischen Orthodoxen Kirche dem "Anathema" (gelesen am 1. Sonntag der Großen Fasten in den Bischofsgottesdiensten) und das bedeutet auch: FT ist eine schwere Sünde schließt eine weitere Teilnahme an den kirchlichen Mysterien der Orthodoxie aus. Man könnte diese Sünde auch als "Ehebruch mit der Kirche" umschreiben - insbesondere ob ihrer faktischen und potentiellen Verletzung des 1.-3. Gebotes.

Gerade wenn Sie sich über das liturgische Leben hinaus in ihrer Gemeinde und ihrem Lebensumfeld sozial und politisch engagieren wollen, gibt es dafür in jeder orthodoxen Kirche ein immenses Betätigungsfeld: wie der Diakonie (Alten- und Armenpflege), der Jugend- und Kinderarbeit, Kunst und Kultur, Hilfe für Notleidende oder in der Öffentlichkeitsarbeit - gegen Gender Mainstreaming oder in der Friedensarbeit. Sie können sich auch in den politischen Parteien engagieren, in Standesorganisationen, Bürgerbewegungen oder wiss. Vereinen. Um auch jenseits der Gemeinde Kontakte und Freunde zu finden, gibt es Deutschland vom Sportverein bis zum Industrieverband unendliche Betätigungsfelder. Man muß dafür seinen Kopf nicht freiwillig in die Höhle des Menschenhassers stecken und Gefahr laufen, seine Seele zu verlieren.

Ihre Frage war daher weder delikat, noch müssen Sie darob ängstlich sein. Bewahren Sie Christus in Ihrem Herzen, studieren Sie das Evangelium mit Hilfe der Hll. Väter und Ihres Priesters, beichten und kommunizieren Sie regelmäßig und lernen Sie sich in Ihrer Gemeinde an allen Formen des sozialen Lebens zu beteiligen - oder neue Formen mit dem Segen des Gemeindepriesters oder des Bischofs auf den Weg zu bringen.

In der Liebe Gottes, Ihr Priester Andrej


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