Fasten unterbrechen

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schalom
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Fasten unterbrechen

Beitragvon schalom » 31.03.2013, 20:48

Grüß Gott!

Ich wollte mich erkundigen, ob es eine Sünde ist, das Fasten abzubrechen und anschließend wieder anzufangen?(Jetzt vor dem orthodoxen Osterfest!)
Ich habe nämlich heute nicht gefastet, war nämlich bei Nachbarn, die katholischen Glaubens sind, zum Osteressen eingeladen und morgen früh werde
ich voraussichtlich wieder (katholische)Arbeitskollegen zum Osterfest besuchen.
Ich fühle mich ganz schlecht, da ich das Fasten unterbrochen habe :cry: , nun weiß ich nicht, ob es 'schlecht' ist, wieder damit anzufangen, da ich mir
sehr egoistisch vorkomme :cry:
Außerdem redet mir meine Mutter die ganze Zeit zu, dass ich das Fasten beenden sollte.

Bitte geben Sie mir einen Rat!
Mit herzlichsten Grüßen,
schalom
"Menschen werden schlecht und schuldig, weil sie reden und handeln, ohne die Folgen ihrer Worte und Taten vorauszusehen."(F.Kafka)

Pr. Vladimir
Priester
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Re: Fasten unterbrechen

Beitragvon Pr. Vladimir » 17.05.2013, 22:16

Grüß Gott,

über das Fasten und dessen Nutzen wurde und wird sehr viel gesprochen und geschrieben - die Orthodoxe Kirche kann auf das reiche Erbe der asketischen Literatur zurückgreifen.

Wenn ich während der Großen Fastenzeit faste, tue ich es nicht alleine, sondern tue es zusammen mit den vielen Gläubigen meiner Kirche. Wenn man schon über einige Jahre gefastet hat, weiß man aus Erfahrung heraus, dass die Fastenzeit auf das Ganze einem gut tut. Am Anfang motiviert man sich aber so, dass man aus dem Vertrauen auf die Erfahrung der ganzen Kirche mit dem Fasten beginnt.

Wichtig ist vor allem, nicht zu vergessen, dass das Fasten nicht nur auf die Gastronomie beschränkt ist. Um von der Fastenzeit zu profitieren, sollte man häufiger in die Gottesdienste gehen und auf die geistliche Seite achten. Die Buße ist besonders während der Großen Fastenzeit ein wichtiges Thema. Darüber wird normalerweise zu Beginn der Fastenzeit in der Kirche gesprochen und gepredigt.

Wie soll man sich mit den Bekannten verhalten, die nicht fasten oder einer anderen Konfession angehören? Es hängt immer von der Situation ab. Auf der einen Seite sollte man vermeiden, auf das eigene Fasten unnötig viel Aufmerksamkeit zu lenken - es ist schließlich etwas persönliches. Auf der anderen Seite kann man dem näheren Bekanntenkreis m.M. schon das Wissen darüber zumuten, dass die Orthodoxe Kirche zu bestimmten Zeiten des Jahres die Fastenzeit begeht und dass Sie dem auch folgen möchten.

Was Ihre Mutter betrifft, so versuchen Sie Ihr zu erklären, dass Ihre Entscheidung bewusst und verantwortungsvoll ist. Und natürlich, versuchen Sie dem auch gerecht zu werden. Ein offenes Konflikt mit der Mutter deswegen wäre allerdings nicht schön. In wieweit Sie selbst darüber bestimmen sollen, wie und wie streng Sie fasten, hängt jedoch von Ihrem Alter und Ihrer persönlichen Situation ab. Bei Unsicherheit und Zweifel diesbezüglich fragen Sie bitte Ihren Gemeindepriester!

Und wie gesagt - das Fasten ist nicht das Ziel, sondern das Mittel. Man sollte beides nicht verwechseln. Die Enthaltsamkeit von Speisen allein bringt an sich erst Mal nicht viel - nur im Kontext des gelebten christlichen Glaubens kann sie reiche Früchte tragen.

Friede sei mit Dir.
Pr. Vladimir


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