Frage von antireligiösem Freund bereitet mir Kopfweh

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Sadonia
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Frage von antireligiösem Freund bereitet mir Kopfweh

Beitrag von Sadonia »

Hallo,

ich bin neu hier und habe gleich eine Frage. Mein Papa ist Bulgare, deswegen bin ich von Kindesbeinen an öfter in der orthodoxen Kirche gewesen. Nie extrem viel, aber es bedeutet uns schon was. Jetzt habe ich seit einigen Monaten einen Freund, der aber dummerweise gegen alle Religion ist. Er ist der Meinung, dass alle Religionen schlecht sind. Er ist sonst total lieb und ein guter Mensch, aber bei dem Thema wird er richtig aggressiv. Ich habe schon ein paar mal mit ihm diskutiert und er schwächt seine Meinung schon ein bisschen ab, aber er stellt mir immer ganz schön fiese Fragen. Manchmal habe ich keine Ahnung was ich antworten soll. Zum Beispiel fragt er mich immer, woher ich denn weiss, dass die Orthodoxen die einzig richtige Religion ist? Also ob nicht Islam oder Buddhisten die einzig Wahren sind? Weil die behaupten das ja auch. Also woher weiss ich denn das, das behaupteten ja nur ein paar Priester, weil die sonst arbeitslos wären. Klar ist das Unsinn aber ich mir fehlen irgendwie die passenden Argumente dagegen. Wie würdet ihr mit ihm umgehen und was kann man da antworten? Ich will mit ihm deswegen nicht immer streiten und ihn auch nicht verlieren!

Danke + liebe grüße

Sadonia
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Igor
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Re: Frage von antireligiösem Freund bereitet mir Kopfweh

Beitrag von Igor »

Christus ist auferstanden!
Sadonia hat geschrieben:Hallo,

ich bin neu hier und habe gleich eine Frage.
Herzlich willkommen, hier im Forum, Sadonia!
Sadonia hat geschrieben:Wie würdet ihr mit ihm umgehen und was kann man da antworten? Ich will mit ihm deswegen nicht immer streiten und ihn auch nicht verlieren!
Ich möchte kurz weniger auf die inhaltlichen Fragen eingehen, als vielmehr auf die letzte, eigentliche (hier zitierte) Fragestellung, die dahinter steht.

Welche Handlungsoptionen gibt es?

1) Die Freundschaft beenden.

Das ist sicherlich nur dann erforderlich, wenn die Unterschiede in dem Bezug auf den Glauben zum Zerwürfnis führen würden – quasi eine Art „Notausgang“.

2) Versuchen, den Freund mit allen Mitteln umzustimmen.

Die Erfolgsaussicht ist nicht abzuschätzen. Gott hat allen Menschen in seiner Liebe zu uns den freien Willen gelassen. Wer will, glaubt, wer nicht glauben will, kann nicht dazu gezwungen werden.

3) Das Thema nur dann ansprechen, wenn der Freund Interesse (und nicht Abwehr) bekundet und eher durch eigenes positives Beispiel im Leben überzeugen sowie für diesen Menschen zu Gott beten, auf dass er den Weg zum Glauben finde.

Das ist aus meiner Sicht der ‚goldene Mittelweg‘, bei dem die Chance auf einen guten Ausgang wohl noch am größten ist (s.a. :arrow: diesen Strang).

Ich würde es mit dem Hl. Seraphim von Sarow halten, er sagte einmal:

„Erwerbe einen friedlichen Geist, und um Dich herum werden tausende gerettet.“.

Wenn ein Mensch Vorbild im Glauben für die anderen ist (seine Lebensweise, seine Eigenschaften und Tugenden etc.), dann beeinflusst er automatisch die ihn Umgebenden. Das kann letztendlich auch dazu führen, dass letztendlich der/die eine oder andere zum Glauben findet. Letztendlich hat der Spruch, den Joseph hier im Forum an anderer Stelle brachte, schon seinen Sinn:

„Man kann das Pferd zum Wasser führen, aber man kann es nicht zum trinken zwingen.“

In Christo
Igor
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Ehemaliger
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Re: Frage von antireligiösem Freund bereitet mir Kopfweh

Beitrag von Ehemaliger »

Christus ist auferstanden, Sadonia !

Liebe Sadonia, ich finde die Sachlage doch schwieriger als sie so aussieht und möchte daher die Zeieln vor Igor ergänzen.
Ich gehe da von drei Eindrücken aus

1. Du schreibst "antireligiöser" Freund im Thema und weiter im Text kommt: "einen Freund, der aber dummerweise gegen alle Religion ist. Er ist der Meinung, dass alle Religionen schlecht sind.

2. Du schreibst, "aber bei dem Thema wird er richtig aggressiv"

und 3. "Also woher weiss ich denn das, das behaupteten ja nur ein paar Priester, weil die sonst arbeitslos wären."

Die Mischung klingt nicht gut. Allerdings weisst du auch Positives über ihn zu sagen (klar, sonst wäre er nicht dein Freund ;) )

Aber zu 1. A-religiös, also ohne Religion ist schon schlimm genug, aber anti-religiös, das ist etwas anderes. Man mag sich um Gott nicht scheren, oder man ist uninteressiert, dann hat man eine luschige Haltung (was auch absolut nicht gut ist) aber: Warum ist er eigentlich antireligiös? Miese Erfahrungen? Ideologisch eingefärbt? Autoritätsgeschädigt? oder einfach nur "cool drauf"? Was für eine Art Problem arbeitet er denn da ab? Als "Gegner" Gottes.
Beide Haltungen bedeuten eigentlich: geistlich tot.

Die Gretchenfrage ( die von Gretchen im Faust) hiess ja "Wie hälst du's mit der Religion?" Gretchen hat sich trotzdem verliebt weil sie auch die ausweichende Antwort des Dr Faust nicht so ganz bergiffen hat. Allerdings, gut gegangen ist es mit den Beiden nicht. Und das unter anderem weil sie keine gemeinsame Grundlage im Glauben hatten sondern ein Gefühl zueinander als Basis genommen haben. Nun, ich will da keine Schreckgespenster an die Wand malen. Aber diese Frage ist gewichtiger als wir uns es vorstellen.
Natürlich weiss ich nicht, wie ernst es bei euch ist, aber eine gute Lösung für euch beide muss da schon her. Denn wenn er gegen etwas ist, was dir wichtig ist, dann kann das eine böse Falle (für beide) geben

Dazu gehört auch 2. Warum eigentlich aggressiv? Deutlich würde doch reichen.
Dass jemand aggressiv ist, ist ja doppeldeutig. Zum einen, will man "das Andere" weg haben, dazu muss man aber an den Anderen nah ran. Also, es heisst: Wer aggressiv ist, hat eine Beziehung (zieht am anderen). (Im Lateinische heisst es wörtlich: ganz nah herangehen, ist ja auch in unserem Deutschen "an-greifen" [geht auf Entfernung nicht]).
So richtig schön ist aber eine aggressive Beziehung nicht! Mit Deutlichkeit, Takt und auch Engagement kommt man weiter. (Oder will er einfach schlauer sein ??)

Zu 3. Selten dämliche Bemerkung (Frage mag ich sie garnicht nennen)!
Vor allem ist sie kein Argument zur Frage über die verhandelt wird, sondern zielt auf andere Menschen, auf deren Würde, und das ist ein Angriff unter die Gürtellinie. Pfui !!
Obendrein noch eine böswilllige Unterstellung aus einer geradezu fassungsraubend bodenlosen Unwissenheit heraus gemacht. Wie geht man denn dann so in anderen Fragen mit Anderen um?

Liebe Sadonia, Religion und Nachfolge Christi sind keine philosofischen Fragen oder Fragen nach Richtigkeiten wie sie so gerne verhandelt werden. Das sind Fragem die nur mit dem ganzen Sein (und nicht im Kopf mit Argumenten) zu beantworten sind. So wie die "Frage nach der Liebe". Es geht nicht gut, über Liebe zu reden (es sei denn man ist Uta Danella) sondern die Frage nach Liebe heisst: Riskiere ich es, mich darauf einzulassen? Mit vollem Einsatz und Risiko, halber Einsatz gibt es nicht. Oder die Sache ist zum Scheitern verurteilt.

Viele schlaue Menschen (damit meine ich garnicht speziell deinen Freund) meinen aber es ginge um "Richtigkeiten" wie '
Hat es Jesus gegeben?' oder 'ist er wirklich auf dem See gegangen?' oder 'Eine Auferstehung ist nicht möglich, da so etwas allen Naturgesetzen den Garaus machen würde?'
Gott aber hat uns kein System von Richtigkeiten angeboten, Er hat SICH angeboten, zur Liebe und Nachfolge. So ähnlich wie ich mich meiner Frau damals. Und ob das 'richtig' war, damals, das konnte ich auf keine Weise zu diesem Zeitpunkt wissen, nur hoffen, mich darauf einlassen und ganzes Risiko gehen und 'auf die Karte setzen'. Anders hätte ich es nicht herausbekommen.
Dein Freund stellt also die falschen Fragen oder versucht Fragen solcher Grössenordnung mit den falschen MItteln zu lösen. Schach spielt man aber eben nicht nach Strickmustern.

Unter'm Strich: Es ist ein Risiko, eine enge Verbindung mit einem geistlich so angeschlagenen, um nicht zu sagen toten, Menschen einzugehen. So lieb er auch sei. Es geht um eine Grundlage, die tragfähig sein muss.

Liebe Grüsse
Benedikt
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Igor
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Re: Frage von antireligiösem Freund bereitet mir Kopfweh

Beitrag von Igor »

XB!

Danke, lieber Benedikt, für die wertvollen Ergänzungen. Auf Grund der Indizien scheinst du sehr stark zu der oben erwähnten Variante 1) zu tendieren - was durchaus nachvollziehbar ist. Ich möchte in diesem Zusammenhang folgendes erwähnen: Es ist durchaus möglich, dass sich ein Mensch vom Saulus zum Paulus wandelt; das kann ich aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen. "Bei Gott alles möglich" (Mt 19,26), auch so eine Wende in einem Leben betreffs der Anschauung eines Menschen, dessen Haltung zu Gott und zum Glauben. Dies ist natürlich für uns auf Grund der paar Zeilen in einem Forumsbeitrag schwer zu erkennen oder gar vorherzusagen - manchmal weiß es der betreffende Mensch selbst noch nicht, dass ihm so eine Umkehr bevor steht.

Auf jeden Fall würde ich Sadonia den in solchen Fällen schon fast obligatorischen Rat geben, sich diesbezüglich mit dem Beichtvater auszutauschen.

Ein lichte Osterwoche wünscht
Igor
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songul
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Re: Frage von antireligiösem Freund bereitet mir Kopfweh

Beitrag von songul »

Wo die Liebe hinfällt, wächst kein Gras mehr - sagt man bei uns. Insofern.....
Erstmal solltest du klären, inwieweit Religion und der Glaube für dich eine Rolle spielen.
Es ist schon ein Unterschied ob man regelmässig in die Kirche geht, einen Beichtvater hat und den Glauben auch im täglichen Leben integriert oder eben ab und an oder gar nur zu Ostern und Weihnachten in die Kirche geht, ansonsten aber nicht wirklich viel damit zu tun hat.
In der Orthodoxie macht das einen Unterschied; mehr als bei den anderen, würde ich sagen.
Denn auch in den Apostelbriefen wird ja denjenigen die mit Heiden (ob nun jemand Heide ist oder Atheist, macht keinen Unterschied - sie lehnen den christlichen Glauben ab) verheiratet sind der Rat gegeben, sich nicht von ihnen zu trennen, sondern durch den Glauben und das Beispiel des christlichen Lebens die Leute zum Glauben zu bewegen - mit Gottes Hilfe und dem Vertrauen darauf.
Also, klär das für dich erstmal ab und bedränge deinen Freund erstmal nicht weiter damit, denn damit wird nur noch mehr Antipathie aufgebaut. Und immerhin: er stellt ja Fragen auf die du dann erstmal keine Antworten weisst; so ist es sicherlich kein Fehler auf diese Fragen erstmal selbst Antworten in der Schrift zu finden oder bei den Kirchenvätern oder in Büchern über die Orthodoxie.
Es gibt inzwischen recht viel in Deutsch. In Bulgarisch sowieso.
Von Anfang an haben Christen die Menschen auch gerade durch ihr Beispiel an Glauben und Lebensweise zu Christus bekehrt, denn darauf kommt es an, dass man den Glauben selbst im Herzen hat und damit auf andere abstrahlt. Denn der Glaube kommt aus dem Herzen und nur so erreicht er andere. Direkt, ohne Diskussion und Bedrängnis.
Und mit viel Liebe.
Christ7777777
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Re: Frage von antireligiösem Freund bereitet mir Kopfweh

Beitrag von Christ7777777 »

Noch zu erwähnen wäre vielleicht, dass es gut war hier hilfe zu suchen.
Ich würde auch jetzt einen Beichtvater aufsuchen, der findet mit sicherheit die richtigen Worte zu deinem Problem. :wink:
Die Liebe macht dich närrisch. Im Guten Sinne jetzt. ;)
Dum Didl dei Dum dum dum.
Nikolaj
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Registriert: 08.03.2011, 09:17

Re: Frage von antireligiösem Freund bereitet mir Kopfweh

Beitrag von Nikolaj »

Liebe Sadonia,

Igor hat ja die Möglichkeiten oben beschrieben. Aber, übereile nicht. Wie Songul schrieb ist es natürlich wichtig das du dir sicher bist, wie wichtig Religion für dich ist und mit der Zeit wirst du auch merken, welche Möglichkeit du in Anspruch nimmst.
Vielleicht wäre es auch ratsam, dass du ihm erklärst wie wichtig es für dich ist. Wenn er, so wie du schreibst, ein lieber Mensch ist und dich liebt wird er es akzeptieren und sich nicht zwischen dich und deine Religion stellen. Ich denke es ist wichtig, dass man hierbei aber eine klare Aussage trifft.

Gott kann alles lenken, das heißt er kann auch deinen Freund zum Glauben führen. Zwingen wird Er ihn aber nicht, da er ja auch einen freien Willen hat.

Ich wünsche dir Gottes Hilfe mit dieser Sache.
Christ7777777
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Re: Frage von antireligiösem Freund bereitet mir Kopfweh

Beitrag von Christ7777777 »

Nikolaj hat geschrieben:Liebe Sadonia,

Igor hat ja die Möglichkeiten oben beschrieben. Aber, übereile nicht. Wie Songul schrieb ist es natürlich wichtig das du dir sicher bist, wie wichtig Religion für dich ist und mit der Zeit wirst du auch merken, welche Möglichkeit du in Anspruch nimmst.
Vielleicht wäre es auch ratsam, dass du ihm erklärst wie wichtig es für dich ist. Wenn er, so wie du schreibst, ein lieber Mensch ist und dich liebt wird er es akzeptieren und sich nicht zwischen dich und deine Religion stellen. Ich denke es ist wichtig, dass man hierbei aber eine klare Aussage trifft.

Gott kann alles lenken, das heißt er kann auch deinen Freund zum Glauben führen. Zwingen wird Er ihn aber nicht, da er ja auch einen freien Willen hat.

Ich wünsche dir Gottes Hilfe mit dieser Sache.
Richtig, zu deinem vorletzten Satz kann ich noch was sagen...mein Beichtvater sagte mir mal, Gott ist ein Gentleman ! Deswegen greift er auch nicht so sehr in das leben der ungläubigen ein wie es der Böse macht.
Die Liebe macht dich närrisch. Im Guten Sinne jetzt. ;)
Dum Didl dei Dum dum dum.
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