Der Nicht-transparente Gott
Verfasst: 05.03.2012, 14:20
Liebe Geschwister,
Wir bewegen uns durch die Fastenzeit auf eines der Geheimnisse der Geheimnisse zu: den Tod und die Auferstehung unseres Herrn und Heilandes.
Vor einiger Zeit erschien in der ZEIT ein Artikel mit dem Thema: Transparent ist nur das Tote. Mich haben die Gedanken dort bewegt und mir sind ein paar Gedanken gekommen, die ich mit euch teilen und bereden will.
Der Hauptgedanke dort ist: Unser Streben nach Transparenz ist Zeichen des Misstrauens und nicht, wie z. B. von unserem Ex - Präsidenten behauptet, eine Möglichkeit der Vertrauensbildung. Transparenz ist das Ende des Vertrauens, denn habe ich völlige Transparenz benötige ich kein Vertrauen mehr. Das Wort Transparenz kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus „Trans“ (durch, hindurch, über) und „Parere“. Parere bedeutet ursprünglich: Auf jemandes Befehl hin erscheinen oder sichtbar werden. Im Deutschen hat sich das Wort im „parieren“ i. S. v. gehorchen erhalten.
Ich aber will das an ‚Gott‘ bedenken. Zurzeit ackere ich mich zum wiederholten Male durch das Buch: „Mystische Theologie der Ostkirche“ und wie zuvor macht es mir denkerische Schwierigkeiten. Einer der Grundgedanken darin handelt von der gegensätzlichen Art Theologie zu betreiben. Der „kataphatischen“ im Westen und der „apophatischen“ im Osten. Mit kataphatisch wird die Methode beschrieben, durch ‚positive‘, also Aussagen machende i. S. v. Merkmalen zuschreibende Aussagen etwas, in diesem Falle Gott zu beschreiben. Z. B. Gott ist allmächtig, allwissend, allgegenwärtig usw. Dabei wird in Kauf genommen, dass diese Aussagen unscharf, weil nicht definierbar sind. Denn, sobald ich etwas definiere, setze ich ja eine Grenze dazu, was es NICHT ist. Die Schwierigkeit ist: Gott aber kann nicht begrenzt werden.
Apophatisch meint nicht grenzenlos, sondern macht die Grundaussage, dass Gott prinzipiell un“er“fassbar ist. Es ist also vom Ansatz her unmöglich, eine ‚positive‘ Aussage zu machen. Ebenso unmöglich ist es aber zu sagen, was Gott NICHT ist, da das beinhaltet zu wissen, was Er ist. Nur im ‚Loslassen‘ unserer menschlichen Erkenntnismöglichkeiten i. S. v. sich darüber erheben oder auf sie zu verzichten können wir uns Gott nähern. Und das geschieht, nach der Lehre der Väter, dadurch, dass wir uns verwandeln, nicht unsere Erkenntnis vervollkommnen. Theosis statt Nachdenken. Daran mag es liegen, dass die Mystiker Gott näher sind als wir. Kataphasie hat Gott zum Gegenstand, Apophasie zum Gegenüber. Wenn denn überhaupt davon gesprochen werden darf, dass Gott unser ‚Gegenüber‘ sein kann. Aber, Er ist ja gekommen, hat Sich uns gleich gemacht, ist ‚unsere Wege‘ gegangen, wo doch Seine Wege so viel höher sind als unsere. Also dürfen wir es wagen.
Aber eben nicht im Versuch, Gott zu verstehen, Ihn transparent zu machen, Geheimnisse, Mysterien zu erhellen, zu er-klären. Im Verstehen von Geheimnissen liegt gleichzeitig ihr Verschwinden. ABER: Sind wir vielleicht Romantiker, die nicht verstehen wollen, da wir diese Unbestimmtheit von Mysterien genießen, uns in ihnen verstecken oder gar der Welt hochmütig den Rücken zuwenden, da wir ja so geistlich sind?
Ein transparenter Gott wäre keiner mehr, da wir dort unsere Denkgötzen begegnen. Gewiss, das haben wir schon gehört, aber das könnte sich nach Denkverweigerung anhören. Vielleicht machen wir ja so viel Staub drum herum, um dieser Wahrheit nicht begegnen zu müssen.
Ein transparenter Mensch ist als Gegenüber untauglich. Ich kann ihn nur noch verstehen, ihn nachvollziehen (Big Brother lässt grüssen), nicht mehr lieben, ich brauche mich nicht mehr darum bemühen, ihm näher zu kommen, brauche mich nicht mehr auf ihn einlassen, zu wagen. Ich werde keine Enttäuschung aber auch keine Erfüllung mehr erleben. Ich ‚habe ja schon alles‘. Alles, was einen Menschen für uns anziehend, interessant, oder reizend erscheint, ist in der Transparenz nur noch eine Gemengelage von Gegebenheiten. Es ist keine Beziehung mehr möglich. Kein Wachsen mehr.
Gott ist ein NICHT-Transparenter, schenkt uns die Möglichkeit, Beziehung aufzubauen. Und das tut Er auch, indem Er so handelt, als wären wir für Ihn nicht transparent. Er lässt uns unsere Freiheit zum Nein und überhaupt, Er will, dass wir unsere Sünden Ihm, in Form Seines Leibes, der Kirche, bekennen, als ob Er sie noch nicht wüsste, Er schenkt uns in Seiner Unerkennbarkeit das Sehnen nach Ihm . . .
Gott sei gelobt, dass Er so liebend ist.
Euer Benedikt, der sich auf eure Gedanken freut.
Wir bewegen uns durch die Fastenzeit auf eines der Geheimnisse der Geheimnisse zu: den Tod und die Auferstehung unseres Herrn und Heilandes.
Vor einiger Zeit erschien in der ZEIT ein Artikel mit dem Thema: Transparent ist nur das Tote. Mich haben die Gedanken dort bewegt und mir sind ein paar Gedanken gekommen, die ich mit euch teilen und bereden will.
Der Hauptgedanke dort ist: Unser Streben nach Transparenz ist Zeichen des Misstrauens und nicht, wie z. B. von unserem Ex - Präsidenten behauptet, eine Möglichkeit der Vertrauensbildung. Transparenz ist das Ende des Vertrauens, denn habe ich völlige Transparenz benötige ich kein Vertrauen mehr. Das Wort Transparenz kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus „Trans“ (durch, hindurch, über) und „Parere“. Parere bedeutet ursprünglich: Auf jemandes Befehl hin erscheinen oder sichtbar werden. Im Deutschen hat sich das Wort im „parieren“ i. S. v. gehorchen erhalten.
Ich aber will das an ‚Gott‘ bedenken. Zurzeit ackere ich mich zum wiederholten Male durch das Buch: „Mystische Theologie der Ostkirche“ und wie zuvor macht es mir denkerische Schwierigkeiten. Einer der Grundgedanken darin handelt von der gegensätzlichen Art Theologie zu betreiben. Der „kataphatischen“ im Westen und der „apophatischen“ im Osten. Mit kataphatisch wird die Methode beschrieben, durch ‚positive‘, also Aussagen machende i. S. v. Merkmalen zuschreibende Aussagen etwas, in diesem Falle Gott zu beschreiben. Z. B. Gott ist allmächtig, allwissend, allgegenwärtig usw. Dabei wird in Kauf genommen, dass diese Aussagen unscharf, weil nicht definierbar sind. Denn, sobald ich etwas definiere, setze ich ja eine Grenze dazu, was es NICHT ist. Die Schwierigkeit ist: Gott aber kann nicht begrenzt werden.
Apophatisch meint nicht grenzenlos, sondern macht die Grundaussage, dass Gott prinzipiell un“er“fassbar ist. Es ist also vom Ansatz her unmöglich, eine ‚positive‘ Aussage zu machen. Ebenso unmöglich ist es aber zu sagen, was Gott NICHT ist, da das beinhaltet zu wissen, was Er ist. Nur im ‚Loslassen‘ unserer menschlichen Erkenntnismöglichkeiten i. S. v. sich darüber erheben oder auf sie zu verzichten können wir uns Gott nähern. Und das geschieht, nach der Lehre der Väter, dadurch, dass wir uns verwandeln, nicht unsere Erkenntnis vervollkommnen. Theosis statt Nachdenken. Daran mag es liegen, dass die Mystiker Gott näher sind als wir. Kataphasie hat Gott zum Gegenstand, Apophasie zum Gegenüber. Wenn denn überhaupt davon gesprochen werden darf, dass Gott unser ‚Gegenüber‘ sein kann. Aber, Er ist ja gekommen, hat Sich uns gleich gemacht, ist ‚unsere Wege‘ gegangen, wo doch Seine Wege so viel höher sind als unsere. Also dürfen wir es wagen.
Aber eben nicht im Versuch, Gott zu verstehen, Ihn transparent zu machen, Geheimnisse, Mysterien zu erhellen, zu er-klären. Im Verstehen von Geheimnissen liegt gleichzeitig ihr Verschwinden. ABER: Sind wir vielleicht Romantiker, die nicht verstehen wollen, da wir diese Unbestimmtheit von Mysterien genießen, uns in ihnen verstecken oder gar der Welt hochmütig den Rücken zuwenden, da wir ja so geistlich sind?
Ein transparenter Gott wäre keiner mehr, da wir dort unsere Denkgötzen begegnen. Gewiss, das haben wir schon gehört, aber das könnte sich nach Denkverweigerung anhören. Vielleicht machen wir ja so viel Staub drum herum, um dieser Wahrheit nicht begegnen zu müssen.
Ein transparenter Mensch ist als Gegenüber untauglich. Ich kann ihn nur noch verstehen, ihn nachvollziehen (Big Brother lässt grüssen), nicht mehr lieben, ich brauche mich nicht mehr darum bemühen, ihm näher zu kommen, brauche mich nicht mehr auf ihn einlassen, zu wagen. Ich werde keine Enttäuschung aber auch keine Erfüllung mehr erleben. Ich ‚habe ja schon alles‘. Alles, was einen Menschen für uns anziehend, interessant, oder reizend erscheint, ist in der Transparenz nur noch eine Gemengelage von Gegebenheiten. Es ist keine Beziehung mehr möglich. Kein Wachsen mehr.
Gott ist ein NICHT-Transparenter, schenkt uns die Möglichkeit, Beziehung aufzubauen. Und das tut Er auch, indem Er so handelt, als wären wir für Ihn nicht transparent. Er lässt uns unsere Freiheit zum Nein und überhaupt, Er will, dass wir unsere Sünden Ihm, in Form Seines Leibes, der Kirche, bekennen, als ob Er sie noch nicht wüsste, Er schenkt uns in Seiner Unerkennbarkeit das Sehnen nach Ihm . . .
Gott sei gelobt, dass Er so liebend ist.
Euer Benedikt, der sich auf eure Gedanken freut.