E - wie Eschatologie

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Filip
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E - wie Eschatologie

Beitrag von Filip »

XB!

gibt es eine einheitliches lehre in bezug auf die eschatologie in der Orthodoxie?
Was genau ist der Standpunkt zu dem Thema? wie sollte man damit umgehen?
Krst na vrhu Srbije
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camy_d
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von camy_d »

Ja, man stirbt und wird beurteilt, dann er auferstehet zu Apokalypse und er ist wieder beurteilt, auch mit dem Körper.
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Igor
Hypodiakon
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von Igor »

Hier ein MP3 von Prof. Osipov dazu (in russisch):
http://tvspas.ru/audio/detail.php?ID=6848
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)
christodoulos
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von christodoulos »

Hallo,

ich habe gerade einen Artikel von Vater Georg Metallinos gelesen und zwar über das Thema "Himmel" und "Hölle" im orthodoxen Verständnis. Er sagt ganz lapidar Himmel und Hölle seien keine Orte sondern Zustände. Das ist aber meiner Meinung nach, nicht die wahre orthodoxe Lehre. In seinem Artikel werden Himmel und Paradies vermischt (eigentlich zwei verschiedene Dinge) und einzig und alleine von Zuständen gesprochen.

So viel ich weiß, haben die meisten Väter den Himmel als Ort verstanden und AUCH als Zustand. Genaus das Paradies und die Hölle, den Hades usw. Natürlich nicht materielle Orte!

http://www.orthodoxytoday.org/articles- ... dition.php

Was ich allerdings nicht verstehe ist, dass Vr. Georg Metallinos auch Vorträge in der Roka gehalten hat???
rafaella
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von rafaella »

Lieber Christodoulos,
P Metallinos ist einer der meistgeschätzten Theologen unserer Zeit, er führt einen großen antihäretischen Kampf und ist orthodox in all seinen Ausführungen,

gib acht! Lass dich nicht verleiten.
Sehr wohl sagt man, dass das Paradies der Zustand ist, wo man sich bei Gott befindet, die Hölle der Zustand, wo man sich nicht im Lichte Gottes befindet. Das eine schließt das andere nicht aus und das hat er auch nicht gemeint!

es gibt viele Bücher von ihm, auch einige texte von ihm auf Deutsch im web ZB
http://www.alopsis.gr/modules.php?name= ... ies&cid=26
"Liebet ihr Mich, so werdet ihr Meine Gebote halten", Jo 14,15
rafaella
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von rafaella »

http://www.prodromos-verlag.de/Georgios ... inheit.pdf

Hier sind noch mehr Texte von ihm.
Übrigens, was genau meinst Du mit " Ort " ? Meinst Du Ort mit dem menschlichen Sinne, also eine andere geographische Positionierung?
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stefan1800
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von stefan1800 »

@Alexia:
Danke für die Verweise auf die Artikel von Prof. Metallinos. Demnächst erscheinen wieder Bücher von P. Metallinos in deutscher Sprache.

LG, Stefan
christodoulos
Beiträge: 614
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von christodoulos »

rafaella hat geschrieben:Lieber Christodoulos,
P Metallinos ist einer der meistgeschätzten Theologen unserer Zeit, er führt einen großen antihäretischen Kampf und ist orthodox in all seinen Ausführungen,

gib acht! Lass dich nicht verleiten.
Sehr wohl sagt man, dass das Paradies der Zustand ist, wo man sich bei Gott befindet, die Hölle der Zustand, wo man sich nicht im Lichte Gottes befindet. Das eine schließt das andere nicht aus und das hat er auch nicht gemeint!

es gibt viele Bücher von ihm, auch einige texte von ihm auf Deutsch im web ZB
http://www.alopsis.gr/modules.php?name= ... ies&cid=26

Hallo,

ich kenne P. Metallinos und kenne einige Artikel, Schriften usw. Auch in der Schriftenreihe "Begegnung mit der Orthodoxie" von der ROKA (herausgegeben vom Kloster Hiob) sind einige Vorträge und Artikel veröffentlicht.

Keine Angst ich lass mich nicht verleiten ;)

Nur in seinem Artikel (Link ist oben) schreibt er, Himmel, Paradies und Hölle seinen ZUSTÄNDE ALLEINE und kein Ort. Er bezeichnet die Annahme, dass diese getrennte Orte wären als "idolatrous" also götzenanbetend.

Ich weiß aber, dass die Väter den Himmel schon auch als Ort verstanden haben. Natürlich darf man sich das nicht mit einem Ort hier auf Erden vorstellen. Aber auch in allen Visionen der Heiligen - haben diese von Orten gesprochen. Natürlich sind das Bebilderungen von jenseitigen Dingen - aber doch nicht nur rein allegorisch.

Die Hl. Väter haben so auch das Paradies usw. ausgelegt. Für die Hl. Väter war das Paradies EIN ORT und EIN ZUSTAND. Das Paradies GIBT ES HEUTE NOCH ALS ORT. Viele Heilige wurden gewürdigt, das Paradies zu sehen: Hl. Euphrosynios, Hl. Andreas von Kreta, usw....

Der Hades ist ein Zustand (die wahre Hölle gibt es ja noch gar nicht - Scheol genannt) aber auch ein ORT. In seinem Artikel schreibt er aber, es sei ein reiner Zustand. Die Hl. Väter haben ja gerade als ein Merkmal des Hades erwähnt, dass ein Gefangener die anderen nicht sehen könnte - also größte Einsamkeit an diesem speziellen ORT.

Die Seele ist zwar geistig aber nicht REINER GEIST. Genauso die Engel sind zwar geistig (wir nennen sie körperlos) aber nicht REIN GEISTIG - REINER GEIST IST NUR GOTT. Auch Christus hat seinen Verklärten Körper IMMER NOCH IN ALLE EWIGKEIT - auch die Gottesmutter (Henoch, Eliajah) usw..

Das wollte ich diskutieren.
Zuletzt geändert von christodoulos am 26.08.2011, 13:44, insgesamt 1-mal geändert.
christodoulos
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von christodoulos »

Ist zwar "Off topic" aber ein großer griechischer Theologe (der selbst von den Athener Universitätstheologen angegriffen wurde) unserer Zeit: Theoklitos Dionysiatis, Mönch vom Berg Athos. Sein Buch "Antwort vom Athos" ist eine Kostbarkeit orthodoxer Spiritualität. Es heißt, als sein Buch veröffentlicht wurde; gingen den Menschen die Augen auf, so als fielen ihnen die Schuppen von den Augen!

Gibt eine Abhandlung von diesem Buch auf deutsch: Antwort vom Athos (also nicht das Buch selbst).
rafaella
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von rafaella »

Lieber Christodoulos,

welcher ist der Unterschied zwischen Ort und zustand, wenn wir über geistige Welten sprechen?i
ist das Paradies in Sibirien und die Hölle in Mexiko?

Wir glauben doch nicht an einen Ort wo die Milch fließt und die Jungfrauen dienen wie die Muslime... das brauche ich dir nicht zu sagen.
Also ist der Ort gleich Zustand, unvergleichbar mit irdischen definitionen des Ortes. Metaphorisch wird es wohnungen geben... wie kann es sonst für uns beschrieben werden, das menschlich unfassbare?

Ich vertsehe nicht, warum wir gleich hässlich werden müssen. Jeder macht Fehler, ich denke Christodoulos kennt P Metallinos einfach nicht gut genug. Manchmal sind wir zu eifrig...
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holzi
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von holzi »

rafaella hat geschrieben:Wir glauben doch nicht an einen Ort wo die Milch fließt und die Jungfrauen dienen wie die Muslime... das brauche ich dir nicht zu sagen.
Das hätte aber schon was. Wär schon echt paradiesisch, wenn die Frauen nicht ständig widersprechen würden... - naja, der Traum jees Ehemannes halt... :mrgreen:
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)
christodoulos
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von christodoulos »

rafaella hat geschrieben:Lieber Christodoulos,

welcher ist der Unterschied zwischen Ort und zustand, wenn wir über geistige Welten sprechen?i
ist das Paradies in Sibirien und die Hölle in Mexiko?

Wir glauben doch nicht an einen Ort wo die Milch fließt und die Jungfrauen dienen wie die Muslime... das brauche ich dir nicht zu sagen.
Also ist der Ort gleich Zustand, unvergleichbar mit irdischen definitionen des Ortes. Metaphorisch wird es wohnungen geben... wie kann es sonst für uns beschrieben werden, das menschlich unfassbare?

Ich vertsehe nicht, warum wir gleich hässlich werden müssen. Jeder macht Fehler, ich denke Christodoulos kennt P Metallinos einfach nicht gut genug. Manchmal sind wir zu eifrig...
Hallo Rafaella,

ich habe ja schon versucht, wenn auch vielleicht unzureichend, dies darzulegen.

Gemäß der Hl. Väter ist das Paradies eine Ort, im Osten angelegt. Diese befindet sich zwischen Himmel und Erde. Die Bezeichnung Himmel ist nicht gleich Paradies. Das Paradies war der Ort UND Zustand in dem sich Adam befand vor dem Fall. Wie gesagt, dass Paradies gibt es heute noch. Der Himmel ist ein anderer Ort. Darum ist Paulus auch zum 3. Himmel entrückt worden. Viele Heilige haben das Paradies gesehen aber auch die Himmel.

Mit "Ort" meine ich natürlich nicht eine geographische Lokalität wie auf Erden. Doch die Väter sprechen von einem Ort. Wie gesagt, die Seele ist zwar Geist aber nicht reiner Geist wie Gott. Darum glaube ich, sagt man auch Gott sei Über-himmlisch. Die Himmel sind ein Ort und ein Zustand und nicht ein Zustand alleine.

Die Seelen der Gerechten und die Seelen der Sünder sind nicht nur in einem unterschiedlichen Zustand, sondern auch an verschiedenen Orten und getrennt. Die Hl. Väter legen das nicht so allegorisch aus, wie wir das gerne hätten.
rafaella
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Re: E - wie Eschatologie

Beitrag von rafaella »

Lieber Christodoulos,

die Seelen der Menschen sind natürlich verchieden positioniert, aber was bedeutet das im göttlichen Sinne?
Nach der Erleuchtung der Seele und der Nähe zu Gott gibt es verschiedene Zustände im Himmel. Das Paradies wird also verschieden erlebt.
Im Osten ist das Goldene Tor in Jerusalem, wo wir während des Zweiten Gericht alle gerichtet werden. Deswegen beten und liegen wir zum Osten hin, die Gräber sind dort hin gerichtet.

Wenn Du den hl Isaak den Syrer liest, wirst Du sehen , dass dieser sagt, dass Paradies die Liebe Gottes und die Hölle der Schmerz aus der Trauer heraus, dass man die Liebe Gottes enttäuschte ist, η λύπη στην καρδιά από την αμαρτία, που έγινε σε βάρος της αγάπης του Θεού, «οξυτέρα εστί πάσης κολάσεως γινομένης» . Er spricht von einem Zustand, und die Erfahrung des Paradieses und der Hölle entsprechend der Liebe zu Gott.

Auch der Gr. Basileios und der hl Gregorios der Theologe, sprechen von dem himmlischen ungeschaffenen Licht, dem göttlichen Feuer, dass entsprechend der eigenen Reinheit und Liebe auf einen einwirkt und Paradies und Hölle für den Menschen darstellt. Dem hl Gregorios nach ist Gott selbst für die einen Paradies und für die anderen Hölle, seinem seelischen Zustand entsprechend.

Paradies und Hölle sind also den Heiligen Vätern nach ungeschaffene Energien und Zustände und Realitäten der ungeschaffenen Gnade Gottes.

Die Lateiner, nach Augustinus, glaubten mehr an einen Ort, einer geschaffenen Hölle und einem ungeschaffenen Paradies. Das ist aber nicht orthodoxe Lehre.
Natürlich lesen wir von Visionen Heiliger oder Sünder, die kurz die Hölle oder das Paradies sahen, wir wissen aber nicht inwiefern dies allegorisch ist, wenn zB von einem Wurm gesprochen wird, das einen langsam innerlich auffrisst in der Hölle.Und jeder sah diese Orte anders! Wie kann der menschliche Verstand solche Zustände wahrnehmen, wenn nicht durch verwandte Bilder? Im nächsten Leben werden wir eine andere wahrnehmungskraft haben, und nicht fleischlich, sondern geistlich sein.



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Es gibt viele Schriften und Texte, die diese These belegen.leider habe ich jetzt nicht ganz soviel zeit, aber ich denke, dass du das leicht finden wirst.. oder hast Du etwas gegensätzliches irgendwo gefunden?
"Liebet ihr Mich, so werdet ihr Meine Gebote halten", Jo 14,15
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