Orthodoxe Mystik
Verfasst: 03.05.2011, 17:28
Kennt jemand orthodoxe Mystiker?
Kann mir jemand gute Bücher dazu empfehlen?
Kann mir jemand gute Bücher dazu empfehlen?
Ja, genau deshalb habe ich gestaunt - den Begriff "orthodoxe Mystik" habe ich bis jetzt nur in bestimmten Kreisen gehört, jedoch kein einziges Mal während meines Studiums oder in orthodoxen Büchern. Wenn ich beispielsweise den Suchbegriff "православная мистика" ("orthodoxe Mystik") eingebe, bekomme ich außer dem zitierten Archimandrit Rafail Karelin Autoren wie Sergej Bulgakow, Nikolaj Berdajew, Johannes Majedorf angezeigt. Das sind Theologen im Anfang des XX Jahrhunderts, die alle sehr pro-katholisch waren. Bulgkaow - es gibt nur eine äußerliche Trennung der Kirche, jedoch keine innere, alle Konfessionen sind der eine Leib Christi. Usw. Daher meine Vorsicht gegenüber dem Begriff.rafaella hat geschrieben:Lieber Alexej,
ich glaube sie meint eher die Mystiker im orthodoxen Sinne.
Ich habe selbst das Buch noch nicht gelesen, daher kann ich ansonsten wenig dazu sagen. Außer, dass m.E. man hierzulande mit "orthodoxer Mystik" dann wohl doch eher die orthodoxe Theologie selbst oder den Hesychasmus meint. Ggf. könnte man auch die Philokalie gemeint haben.Der aus Rußland emigrierte Vladimir Nikolajevič Lossky (1903-1958) gehört zu den ersten orthodoxen Theologen, die in dialogischer Begegnung mit ihrer neuen Lebenswelt ein authentisches Zeugnis orthodoxer Identität und theologischer Denk- und Arbeitsweise im Westen abgelegt haben.
Dies gilt insbesondere für seine erstmals 1944 in französischer Sprache erschienen „Betrachtungen“, die Grundprinzipien orthodoxer Theologie und Spiritualität darstellen. Aufgrund seiner in der Tradition der Väter stehenden Theologie ist es ihm gelungen, eine klassisch gewordene Einführung in die Welt der Orthodoxie darzubieten, deren Mystik ein Kennzeichen ihrer Theologie ist.
Lieber Alexej,Alexej hat geschrieben:rafaella hat geschrieben:Lieber Alexej,
ich glaube sie meint eher die Mystiker im orthodoxen Sinne.
"Die Mystik repräsentiert die Erfahrung der Ewigkeit, die Wahrnehmung einer höheren Realität..." - Gab es da nicht den Begriff der Gottesschau?
"Die Mystik öffnet den Weg und gibt die Mittel zur ewigen Kommunikation mit Gott." - Tut das nicht die Asketik im orthodoxen Verständnis?
In unserer Kirche ist die Wahrnehmung Gottes nie ein Selbstziel gewesen - das Ziel ist die Askese, die Reinigung von den Sünden und Leidenschaften, die Vergöttlichung des Seins. "Religion und Mystik sind untrennbar" - die Väter haben immer davor gewarnt, eine Gotteserfahrung anzustreben. Im Gegenteil, sie sagen, dass es keine Sorgen machen soll, wenn man im Gebet nichts spührt, keine besondere Erfahrung macht. Es ist der Wille Gottes, sich zu offenbaren. Strebt man eine Gotteserfahrung an, verfällt man schnell in Prelest.
Rafaella, du bist doch mit den griechischen Vätern gut vertraut - hat jemand von Ihnen das Wort Mystik benutzt? Wer zuerst? Bei Joahnnes Chrysostomus habe ich das Wort z.B. nicht gefunden.
Alexej hat geschrieben:Lieb Rafaella,
so breit gefächert wollte ich es gar nicht angehen - die Frage war nicht nach den Erfahrungen der Heiligen. Mich interessiert nur, ob dieser Begriff von den Hl. Vätern selbst verwendet wurde, oder ob er erst im letzten Jahrhundert aus der Westlichen Dogmatik übernommen wurde. Dabei ist das "im Mysterium abbilden" der Engel etwas ganz anderes, als "Mystische Theologie"...
Bestimmt, aber unter einem anderen Begriff - das Studium dürfte allmählich zu ende seinrafaella hat geschrieben:ich bin mir sicher, dass es im theologiestudium noch durchgenommen wird, da es ein wesentlicher Bestandteil der Orthodoxen Theologie ist...
(Oh, da hab ich eine Diskussion ausgelöstAlexej hat geschrieben:Ja, genau deshalb habe ich gestaunt - den Begriff "orthodoxe Mystik" habe ich bis jetzt nur in bestimmten Kreisen gehört, jedoch kein einziges Mal während meines Studiums oder in orthodoxen Büchern. Wenn ich beispielsweise den Suchbegriff "православная мистика" ("orthodoxe Mystik") eingebe, bekomme ich außer dem zitierten Archimandrit Rafail Karelin Autoren wie Sergej Bulgakow, Nikolaj Berdajew, Johannes Majedorf angezeigt. Das sind Theologen im Anfang des XX Jahrhunderts, die alle sehr pro-katholisch waren. Bulgkaow - es gibt nur eine äußerliche Trennung der Kirche, jedoch keine innere, alle Konfessionen sind der eine Leib Christi. Usw. Daher meine Vorsicht gegenüber dem Begriff.rafaella hat geschrieben:Lieber Alexej,
ich glaube sie meint eher die Mystiker im orthodoxen Sinne.
"Die Mystik repräsentiert die Erfahrung der Ewigkeit, die Wahrnehmung einer höheren Realität..." - Gab es da nicht den Begriff der Gottesschau?
"Die Mystik öffnet den Weg und gibt die Mittel zur ewigen Kommunikation mit Gott." - Tut das nicht die Asketik im orthodoxen Verständnis?
In unserer Kirche ist die Wahrnehmung Gottes nie ein Selbstziel gewesen - das Ziel ist die Askese, die Reinigung von den Sünden und Leidenschaften, die Vergöttlichung des Seins. "Religion und Mystik sind untrennbar" - die Väter haben immer davor gewarnt, eine Gotteserfahrung anzustreben. Im Gegenteil, sie sagen, dass es keine Sorgen machen soll, wenn man im Gebet nichts spührt, keine besondere Erfahrung macht. Es ist der Wille Gottes, sich zu offenbaren. Strebt man eine Gotteserfahrung an, verfällt man schnell in Prelest.
Rafaella, du bist doch mit den griechischen Vätern gut vertraut - hat jemand von Ihnen das Wort Mystik benutzt? Wer zuerst? Bei Joahnnes Chrysostomus habe ich das Wort z.B. nicht gefunden.
Im katholischen Bereich denkt man beim Wort "Mystik" meistens gleich an Erlebnisse mit Gotteserfahrungen.Alexej hat geschrieben:Liebe Djamila,
ich muss nochmal betonen, dass für mich die Frage nicht in der Gotteserfahrung war. Natürlich gibt es diese, und natürlich ist sie etwas gutes. Ich habe ledeglich nach dem Begriff, dem Wort "Mystik" gefragt.
Es fällt mir ein Buch ein, was ich an der Stelle wirklich allen empfählen möchte - es hat mich selbst tief beeindruckt: Tito Colliander. The Way of the Ascetics (Oxford: Mowbray, 1983). Auf Russisch gibt es das Buch auch im Netz (Тит Коллиандер, УЗКИЙ ПУТЬ), was die anderen Sprachen angeht, bin ich nicht informiert.
Ja genau, Igor, das alles meint man natürlich auch alles mit mystischer Theologie. Es wundert mich trotzdem, dass der Begriff an sich nicht benutzt wird.Igor hat geschrieben:XB!
Außer, dass m.E. man hierzulande mit "orthodoxer Mystik" dann wohl doch eher die orthodoxe Theologie selbst oder den Hesychasmus meint. Ggf. könnte man auch die Philokalie gemeint haben.
In Christo
Igor