Zustand der Toten und Heiligenanrufung
Verfasst: 06.09.2010, 12:16
Liebe Forumsmitglieder,
seit Juli dieses Jahres bin ich orthodox getauft. Ich halte es aber nicht entscheidend, welcher christlichen Kirche man letztendlich angehört. Heilsentscheidend ist letztendlich einzig und allein der Glaube an Jesus Christus als Messias und Heiland gemäß Apg 16,31. Aus diesem Glauben heraus wächst alles andere. Die Entscheidung für die orthodoxe Kirche fiel deswegen, da meine Frau orthodox ist. Nun beschäftige ich mich mit orthodoxen Glaubensinhalten. Da ich aus einem evangelikalem Haushalt stamme und dadurch einiges an Prägung auch im Umgang mit der Bibel habe, habe ich in vielen Dingen Verständnisschwierigkeiten.Soviel zu meinem Hintergrund, damit ihr wisst, mit wem ihr es zu tun habt.
Folgende Fragen hatte ich mal in einem anderem Forum gestellt, doch keine Resonanz erhalten. Es geht um den Zustand der Toten bis zur Wiederkehr Christi und damit auch verbunden um die Heiligenanrufung. Ich bitte Euch, mir biblisch fundiert zu antworten.
Kommentare a la "Ist kirchliche Tradition und ist deshalb nicht in Frage zu stellen" helfen mir in meinem Wunsch nach Verständnis sicher nicht weiter. Sicher bezieht die orthodoxe Kirche ihre Lehren doch nur aus der Bibel. Wenn die Kirchenväter etwas gelehrt haben, müssen sie sich auch auf die Bibel berufen haben. Wenn ihr Bibelstellen kennt, aber Euch selbst die Auslegung schwer fällt, teilt mir mit, welcher Kirchenvater oder orthodoxer Geistlicher die entsprechenden Stellen ausgelegt hat. Folgende Fragen habe ich dort gestellt:
Ich bin auf eine bis zwei Stellen in einem orthodoxen Glaubensbuch (Christus in Euch: Hoffnung auf Herrlichkeit ISBN 352558320) gestoßen, die ich mir nicht erklären kann bzw. die widersprüchlich erscheinen.
Zum einen:
Lukas 16,19-31 Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus
"Im Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus wird vorausgesetzt, daß jede Seele nach dem Tod eines Menschen an den Ort der Ruhe oder den Ort der Qual gelangt. Ander in verschiedenen anderen Gleichnissen(..) Hier wird deutlich, dass am Ende der Zeiten Jesus Christus selbst kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten (..) Beide Vorstellungen schließen einander nicht aus..Denn in der Perspektive der Ewigkeit Gottes fällt das individuelle und das allgemeine Gericht in eins." S. 173
Zum anderen:
"In der Tat findet nach orthodoxem Verständnis im Tod eine Trennung von Körper und Seele statt, wonach der Leib in Staub zerfällt, die Seele jedoch befreit und ins göttliche Licht der Wahrheit getaucht, sich am Ort der Erquickung und Ruhe einfindet und gemeinsam mit den Engeln und den Heiligen den himmlichen Gottesdienst vollzieht.." S. 173
Zu diesem Absatz werden dann folgende Stellen der Bibel als Begründung herangezogen:
Genesis 3,19 ; Psalm 102(103), 14 ; 103(104), 29-30 ; 145(146), 4 ; Hesekiel 37,1-14 ; Matthäus 27,52 ; Lukas 24,39 ; 1 Korinther 15-35-53 ; Kolosser 1, 18.27 ; 1 Petrus 1,23-24.
Keine dieser Stellen sagt jedoch etwas darüber aus, dass die Seele eines Verstorbenen sich an einen Ort der Ruhe einfindet und Gottesdienst mit Engeln feiert. Nur im Gleichnis vom Reichen und Lazarus ist vom Schoß Abrahams die Rede, aber hier ist es ja ein Gleichnis.Ich suche nun nach biblischer Begründung dafür, dass die Seele sich dort (eben an einem Ort der Ruhe und Erquickung) einfindet und (was Bewusstsein voraussetzt) Gott Lobpreis erbringt.
Im Gegenteil dazu kenne ich Stellen, die von den Toten anders reden. Sie haben kein Bewusstsein, haben keine Emotionen, sind in einem schlafähnlichen Zustand. Finde ich persönlich auch logischer in Anbetracht einer Auferstehung der Toten. Welchen Sinn hätte diese sonst?
Psalm 115,17: Nicht die Toten preisen den HERRN, und keiner, der ins stille Land gefahren. 18: Doch wir, wir preisen den HERRN von nun an bis in alle Ewigkeit. Halleluja!
Psalm 146, 3: Verlaßt euch nicht auf Fürsten, nicht auf Menschen, die nicht helfen können! 4: Geht der Odem (oder: Geist) ihnen aus, so kehren sie zurück zum Staube; am gleichen Tag ist´s aus mit ihren Plänen.
Prediger 9, 5ff: Die Lebenden wissen doch noch, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen überhaupt nichts und haben auch keinen Lohn mehr zu erwarten; sogar ihr Andenken wird ja vergessen. 6: Sowohl Lieben als Hassen und Eifern ist für sie längst vorbei, und sie nehmen in Ewigkeit keinen Anteil mehr an irgendetwas, das unter der Sonne vor sich geht. 10: Alles, was deine Hand mit deiner Kraft zu leisten vermag, das tu; denn in der Unterwelt, wohin dein Weg geht, gibt es kein Schaffen und keine Überlegung mehr, weder Erkenntnis noch Weisheit.
Jesaja 38,18: Denn nicht die Unterwelt preist dich, nicht der Tod verkündet dein Lob, nicht die in die Gruft Hinabgefahrenen hoffen auf deine Treue.
Johannes 11,11-14: Solches sagte er, und darnach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, dass ich ihn auferwecke. 12Da sprachen seine Jünger: HERR, schläft er, so wird's besser mit ihm. 13Jesus aber sagte von seinem Tode; sie meinten aber, er redete vom leiblichen Schlaf. 14 Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben;
seit Juli dieses Jahres bin ich orthodox getauft. Ich halte es aber nicht entscheidend, welcher christlichen Kirche man letztendlich angehört. Heilsentscheidend ist letztendlich einzig und allein der Glaube an Jesus Christus als Messias und Heiland gemäß Apg 16,31. Aus diesem Glauben heraus wächst alles andere. Die Entscheidung für die orthodoxe Kirche fiel deswegen, da meine Frau orthodox ist. Nun beschäftige ich mich mit orthodoxen Glaubensinhalten. Da ich aus einem evangelikalem Haushalt stamme und dadurch einiges an Prägung auch im Umgang mit der Bibel habe, habe ich in vielen Dingen Verständnisschwierigkeiten.Soviel zu meinem Hintergrund, damit ihr wisst, mit wem ihr es zu tun habt.
Folgende Fragen hatte ich mal in einem anderem Forum gestellt, doch keine Resonanz erhalten. Es geht um den Zustand der Toten bis zur Wiederkehr Christi und damit auch verbunden um die Heiligenanrufung. Ich bitte Euch, mir biblisch fundiert zu antworten.
Kommentare a la "Ist kirchliche Tradition und ist deshalb nicht in Frage zu stellen" helfen mir in meinem Wunsch nach Verständnis sicher nicht weiter. Sicher bezieht die orthodoxe Kirche ihre Lehren doch nur aus der Bibel. Wenn die Kirchenväter etwas gelehrt haben, müssen sie sich auch auf die Bibel berufen haben. Wenn ihr Bibelstellen kennt, aber Euch selbst die Auslegung schwer fällt, teilt mir mit, welcher Kirchenvater oder orthodoxer Geistlicher die entsprechenden Stellen ausgelegt hat. Folgende Fragen habe ich dort gestellt:
Ich bin auf eine bis zwei Stellen in einem orthodoxen Glaubensbuch (Christus in Euch: Hoffnung auf Herrlichkeit ISBN 352558320) gestoßen, die ich mir nicht erklären kann bzw. die widersprüchlich erscheinen.
Zum einen:
Lukas 16,19-31 Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus
"Im Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus wird vorausgesetzt, daß jede Seele nach dem Tod eines Menschen an den Ort der Ruhe oder den Ort der Qual gelangt. Ander in verschiedenen anderen Gleichnissen(..) Hier wird deutlich, dass am Ende der Zeiten Jesus Christus selbst kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten (..) Beide Vorstellungen schließen einander nicht aus..Denn in der Perspektive der Ewigkeit Gottes fällt das individuelle und das allgemeine Gericht in eins." S. 173
Zum anderen:
"In der Tat findet nach orthodoxem Verständnis im Tod eine Trennung von Körper und Seele statt, wonach der Leib in Staub zerfällt, die Seele jedoch befreit und ins göttliche Licht der Wahrheit getaucht, sich am Ort der Erquickung und Ruhe einfindet und gemeinsam mit den Engeln und den Heiligen den himmlichen Gottesdienst vollzieht.." S. 173
Zu diesem Absatz werden dann folgende Stellen der Bibel als Begründung herangezogen:
Genesis 3,19 ; Psalm 102(103), 14 ; 103(104), 29-30 ; 145(146), 4 ; Hesekiel 37,1-14 ; Matthäus 27,52 ; Lukas 24,39 ; 1 Korinther 15-35-53 ; Kolosser 1, 18.27 ; 1 Petrus 1,23-24.
Keine dieser Stellen sagt jedoch etwas darüber aus, dass die Seele eines Verstorbenen sich an einen Ort der Ruhe einfindet und Gottesdienst mit Engeln feiert. Nur im Gleichnis vom Reichen und Lazarus ist vom Schoß Abrahams die Rede, aber hier ist es ja ein Gleichnis.Ich suche nun nach biblischer Begründung dafür, dass die Seele sich dort (eben an einem Ort der Ruhe und Erquickung) einfindet und (was Bewusstsein voraussetzt) Gott Lobpreis erbringt.
Im Gegenteil dazu kenne ich Stellen, die von den Toten anders reden. Sie haben kein Bewusstsein, haben keine Emotionen, sind in einem schlafähnlichen Zustand. Finde ich persönlich auch logischer in Anbetracht einer Auferstehung der Toten. Welchen Sinn hätte diese sonst?
Psalm 115,17: Nicht die Toten preisen den HERRN, und keiner, der ins stille Land gefahren. 18: Doch wir, wir preisen den HERRN von nun an bis in alle Ewigkeit. Halleluja!
Psalm 146, 3: Verlaßt euch nicht auf Fürsten, nicht auf Menschen, die nicht helfen können! 4: Geht der Odem (oder: Geist) ihnen aus, so kehren sie zurück zum Staube; am gleichen Tag ist´s aus mit ihren Plänen.
Prediger 9, 5ff: Die Lebenden wissen doch noch, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen überhaupt nichts und haben auch keinen Lohn mehr zu erwarten; sogar ihr Andenken wird ja vergessen. 6: Sowohl Lieben als Hassen und Eifern ist für sie längst vorbei, und sie nehmen in Ewigkeit keinen Anteil mehr an irgendetwas, das unter der Sonne vor sich geht. 10: Alles, was deine Hand mit deiner Kraft zu leisten vermag, das tu; denn in der Unterwelt, wohin dein Weg geht, gibt es kein Schaffen und keine Überlegung mehr, weder Erkenntnis noch Weisheit.
Jesaja 38,18: Denn nicht die Unterwelt preist dich, nicht der Tod verkündet dein Lob, nicht die in die Gruft Hinabgefahrenen hoffen auf deine Treue.
Johannes 11,11-14: Solches sagte er, und darnach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, dass ich ihn auferwecke. 12Da sprachen seine Jünger: HERR, schläft er, so wird's besser mit ihm. 13Jesus aber sagte von seinem Tode; sie meinten aber, er redete vom leiblichen Schlaf. 14 Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben;