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Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 12:16
von Stefan
Liebe Forumsmitglieder,

seit Juli dieses Jahres bin ich orthodox getauft. Ich halte es aber nicht entscheidend, welcher christlichen Kirche man letztendlich angehört. Heilsentscheidend ist letztendlich einzig und allein der Glaube an Jesus Christus als Messias und Heiland gemäß Apg 16,31. Aus diesem Glauben heraus wächst alles andere. Die Entscheidung für die orthodoxe Kirche fiel deswegen, da meine Frau orthodox ist. Nun beschäftige ich mich mit orthodoxen Glaubensinhalten. Da ich aus einem evangelikalem Haushalt stamme und dadurch einiges an Prägung auch im Umgang mit der Bibel habe, habe ich in vielen Dingen Verständnisschwierigkeiten.Soviel zu meinem Hintergrund, damit ihr wisst, mit wem ihr es zu tun habt.

Folgende Fragen hatte ich mal in einem anderem Forum gestellt, doch keine Resonanz erhalten. Es geht um den Zustand der Toten bis zur Wiederkehr Christi und damit auch verbunden um die Heiligenanrufung. Ich bitte Euch, mir biblisch fundiert zu antworten.
Kommentare a la "Ist kirchliche Tradition und ist deshalb nicht in Frage zu stellen" helfen mir in meinem Wunsch nach Verständnis sicher nicht weiter. Sicher bezieht die orthodoxe Kirche ihre Lehren doch nur aus der Bibel. Wenn die Kirchenväter etwas gelehrt haben, müssen sie sich auch auf die Bibel berufen haben. Wenn ihr Bibelstellen kennt, aber Euch selbst die Auslegung schwer fällt, teilt mir mit, welcher Kirchenvater oder orthodoxer Geistlicher die entsprechenden Stellen ausgelegt hat. Folgende Fragen habe ich dort gestellt:

Ich bin auf eine bis zwei Stellen in einem orthodoxen Glaubensbuch (Christus in Euch: Hoffnung auf Herrlichkeit ISBN 352558320) gestoßen, die ich mir nicht erklären kann bzw. die widersprüchlich erscheinen.

Zum einen:

Lukas 16,19-31 Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus

"Im Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus wird vorausgesetzt, daß jede Seele nach dem Tod eines Menschen an den Ort der Ruhe oder den Ort der Qual gelangt. Ander in verschiedenen anderen Gleichnissen(..) Hier wird deutlich, dass am Ende der Zeiten Jesus Christus selbst kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten (..) Beide Vorstellungen schließen einander nicht aus..Denn in der Perspektive der Ewigkeit Gottes fällt das individuelle und das allgemeine Gericht in eins." S. 173

Zum anderen:

"In der Tat findet nach orthodoxem Verständnis im Tod eine Trennung von Körper und Seele statt, wonach der Leib in Staub zerfällt, die Seele jedoch befreit und ins göttliche Licht der Wahrheit getaucht, sich am Ort der Erquickung und Ruhe einfindet und gemeinsam mit den Engeln und den Heiligen den himmlichen Gottesdienst vollzieht.." S. 173

Zu diesem Absatz werden dann folgende Stellen der Bibel als Begründung herangezogen:

Genesis 3,19 ; Psalm 102(103), 14 ; 103(104), 29-30 ; 145(146), 4 ; Hesekiel 37,1-14 ; Matthäus 27,52 ; Lukas 24,39 ; 1 Korinther 15-35-53 ; Kolosser 1, 18.27 ; 1 Petrus 1,23-24.

Keine dieser Stellen sagt jedoch etwas darüber aus, dass die Seele eines Verstorbenen sich an einen Ort der Ruhe einfindet und Gottesdienst mit Engeln feiert. Nur im Gleichnis vom Reichen und Lazarus ist vom Schoß Abrahams die Rede, aber hier ist es ja ein Gleichnis.Ich suche nun nach biblischer Begründung dafür, dass die Seele sich dort (eben an einem Ort der Ruhe und Erquickung) einfindet und (was Bewusstsein voraussetzt) Gott Lobpreis erbringt.

Im Gegenteil dazu kenne ich Stellen, die von den Toten anders reden. Sie haben kein Bewusstsein, haben keine Emotionen, sind in einem schlafähnlichen Zustand. Finde ich persönlich auch logischer in Anbetracht einer Auferstehung der Toten. Welchen Sinn hätte diese sonst?

Psalm 115,17: Nicht die Toten preisen den HERRN, und keiner, der ins stille Land gefahren. 18: Doch wir, wir preisen den HERRN von nun an bis in alle Ewigkeit. Halleluja!

Psalm 146, 3: Verlaßt euch nicht auf Fürsten, nicht auf Menschen, die nicht helfen können! 4: Geht der Odem (oder: Geist) ihnen aus, so kehren sie zurück zum Staube; am gleichen Tag ist´s aus mit ihren Plänen.

Prediger 9, 5ff: Die Lebenden wissen doch noch, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen überhaupt nichts und haben auch keinen Lohn mehr zu erwarten; sogar ihr Andenken wird ja vergessen. 6: Sowohl Lieben als Hassen und Eifern ist für sie längst vorbei, und sie nehmen in Ewigkeit keinen Anteil mehr an irgendetwas, das unter der Sonne vor sich geht. 10: Alles, was deine Hand mit deiner Kraft zu leisten vermag, das tu; denn in der Unterwelt, wohin dein Weg geht, gibt es kein Schaffen und keine Überlegung mehr, weder Erkenntnis noch Weisheit.

Jesaja 38,18: Denn nicht die Unterwelt preist dich, nicht der Tod verkündet dein Lob, nicht die in die Gruft Hinabgefahrenen hoffen auf deine Treue.

Johannes 11,11-14: Solches sagte er, und darnach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, dass ich ihn auferwecke. 12Da sprachen seine Jünger: HERR, schläft er, so wird's besser mit ihm. 13Jesus aber sagte von seinem Tode; sie meinten aber, er redete vom leiblichen Schlaf. 14 Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben;

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 16:02
von Mary
Stefan hat geschrieben:
seit Juli dieses Jahres bin ich orthodox getauft. Ich halte es aber nicht entscheidend, welcher christlichen Kirche man letztendlich angehört. Heilsentscheidend ist letztendlich einzig und allein der Glaube an Jesus Christus als Messias und Heiland gemäß Apg 16,31. Aus diesem Glauben heraus wächst alles andere. Die Entscheidung für die orthodoxe Kirche fiel deswegen, da meine Frau orthodox ist.
Hallo Stefan,

ganz ohne Katechese bist Du getauft worden?
Da bleibt viel zu lernen für dich...
Stefan hat geschrieben:Folgende Fragen hatte ich mal in einem anderem Forum gestellt, doch keine Resonanz erhalten. Es geht um den Zustand der Toten bis zur Wiederkehr Christi und damit auch verbunden um die Heiligenanrufung.
Mit solchen Fragen solltest Du zu deinem Taufpriester gehen. (Das ist das orthodoxe Vorgehen, nicht das biblische Selbststudium)Mit dem Priester kannst Du das am besten lösen.
Stefan hat geschrieben:Ich bitte Euch, mir biblisch fundiert zu antworten.
Kommentare a la "Ist kirchliche Tradition und ist deshalb nicht in Frage zu stellen" helfen mir in meinem Wunsch nach Verständnis sicher nicht weiter.
Da Du nun orthodox bist, wirst Du dich an genau diese Sichtweise gewöhnen müssen.
"Biblisch fundiert" im Sinne von sola scriptura ist out.
Lehre der Kirche, basierend auf der Bibel, der Tradition der Apostel und der Väter, und der Liturgie und (Er-)Leben der Kirche ist in.
Stefan hat geschrieben:Sicher bezieht die orthodoxe Kirche ihre Lehren doch nur aus der Bibel. Wenn die Kirchenväter etwas gelehrt haben, müssen sie sich auch auf die Bibel berufen haben.
Ja, sicher...

Aber seit Arianus und anderen frühen Häresien wissen wir auch, wohin Auslegungen "allein aus der Schrift" führen können.... direkt in die Irrlehre.
Stefan hat geschrieben: Wenn ihr Bibelstellen kennt, aber Euch selbst die Auslegung schwer fällt, teilt mir mit, welcher Kirchenvater oder orthodoxer Geistlicher die entsprechenden Stellen ausgelegt hat.
ähm..... das klingt für mich deutlich trollig....
Stefan hat geschrieben:Ich bin auf eine bis zwei Stellen in einem orthodoxen Glaubensbuch (Christus in Euch: Hoffnung auf Herrlichkeit ISBN 352558320) gestoßen, die ich mir nicht erklären kann bzw. die widersprüchlich erscheinen.
nimm das Glaubensbuch und geh damit zu deinem Priester, und dann sag ihm, was Du daran nicht verstehst...
das Buch ist ja nur ein sehr kurzer Abriss der Lehre...

Nun doch noch was zur Fragestellung:
Du monierst:
Stefan hat geschrieben:Keine dieser Stellen sagt jedoch etwas darüber aus, dass die Seele eines Verstorbenen sich an einen Ort der Ruhe einfindet und Gottesdienst mit Engeln feiert. Nur im Gleichnis vom Reichen und Lazarus ist vom Schoß Abrahams die Rede, aber hier ist es ja ein Gleichnis.Ich suche nun nach biblischer Begründung dafür, dass die Seele sich dort (eben an einem Ort der Ruhe und Erquickung) einfindet und (was Bewusstsein voraussetzt) Gott Lobpreis erbringt.
Das falsch, denn EINE dieser Stellen (Lk 16,19) beschreibt eben sehr wohl, wie es ist im Totenreich. Das Gleichnis ist immerhin vom Herrn selbst, also wird ER da wohl keine Unwahrheit verbreitet haben, oder was meinst Du? Nur weil es ein "Gleichnis" ist, heisst es nicht, dass es ein Märchen ist! Oder gehst Du allgemein mit den Reich Gottes-Gleichnissen ebenso um?

Jesus selbst sprach davon dass die beiden Toten Bewusstsein haben, Empfindung haben, Durst, Schmerz leiden, und dass die Sprechen und Diskutieren können.
Ein interessantes Detail ist übrigens, dass Lazarus selbst nicht redet, weder im Leben, noch im Tod, sondern dass Abraham für ihn redet... auch Abraham ist ein verstorbener Mensch... also gleich noch einer mit Bewusstsein.
Warum wehrst Du dich gegen die vom Herrn gelehrte Weisheit?
Stefan hat geschrieben:Im Gegenteil dazu kenne ich Stellen, die von den Toten anders reden. Sie haben kein Bewusstsein, haben keine Emotionen, sind in einem schlafähnlichen Zustand. Finde ich persönlich auch logischer in Anbetracht einer Auferstehung der Toten. Welchen Sinn hätte diese sonst?
also, mal der Reihe nach
Stefan hat geschrieben:Psalm 115,17: Nicht die Toten preisen den HERRN, und keiner, der ins stille Land gefahren. 18: Doch wir, wir preisen den HERRN von nun an bis in alle Ewigkeit. Halleluja!
Meine Bibel hat hier: "The dead shall not praise you, O Lord, neither do all who descend into Hades.

Die Erfahrung ist: Tote liegen tot da und tun nichts mehr (im Gegensatz zu den Lebenden, und darum geht es ja hier!)
Dies ist keine Aussage über das Jenseits.
Stefan hat geschrieben:Psalm 146, 3: Verlaßt euch nicht auf Fürsten, nicht auf Menschen, die nicht helfen können! 4: Geht der Odem (oder: Geist) ihnen aus, so kehren sie zurück zum Staube; am gleichen Tag ist´s aus mit ihren Plänen.
Der Mensch kehrt zum Staub zurück, das wird ja auch in den genannten Stellen des ortho. Glaubensbuches mehrfach konstatiert. Nichts neues also.
Stefan hat geschrieben:Prediger 9, 5ff: Die Lebenden wissen doch noch, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen überhaupt nichts und haben auch keinen Lohn mehr zu erwarten; sogar ihr Andenken wird ja vergessen. 6: Sowohl Lieben als Hassen und Eifern ist für sie längst vorbei, und sie nehmen in Ewigkeit keinen Anteil mehr an irgendetwas, das unter der Sonne vor sich geht. 10: Alles, was deine Hand mit deiner Kraft zu leisten vermag, das tu; denn in der Unterwelt, wohin dein Weg geht, gibt es kein Schaffen und keine Überlegung mehr, weder Erkenntnis noch Weisheit.
Hierzu hat die Einheitsübersetzung
Und: Die Lebenden erkennen, dass sie sterben werden; die Toten aber erkennen überhaupt nichts mehr. Sie erhalten auch keine Belohnung mehr; denn die Erinnerung an sie ist in Vergessenheit versunken.
Ich finde es immer spannend, verschiedene Übertragungen nebeneinander zu lesen, so sieht man, welche Interpretationen der zugrundeliegende Text zulässt.
Hier beispielsweise das Wort "erkennen", statt "wissen".
Die Toten erkennen nichts neues... sie können vor allem, wie der Text weiter sagt, nicht mehr teilhaben am Leben der Lebenden
6 Liebe, Hass und Eifersucht gegen sie, all dies ist längst erloschen. Auf ewig haben sie keinen Anteil mehr an allem, was unter der Sonne getan wurde.
Quintessenz dieser Stelle: Wieder keine Aussage über das Jenseits, sondern sie mündet in die Anleitung fürs Leben:
Also: Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein; denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel.
8 Trag jederzeit frische Kleider und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt.
9 Mit einer Frau, die du liebst, genieß das Leben alle Tage deines Lebens voll Windhauch, die er dir unter der Sonne geschenkt hat, alle deine Tage voll Windhauch. Denn das ist dein Anteil am Leben und an dem Besitz, für den du dich unter der Sonne anstrengst.
10 Alles, was deine Hand, solange du Kraft hast, zu tun vorfindet, das tu! Denn es gibt weder Tun noch Rechnen noch Können noch Wissen in der Unterwelt, zu der du unterwegs bist.
Stefan hat geschrieben:Jesaja 38,18: Denn nicht die Unterwelt preist dich, nicht der Tod verkündet dein Lob, nicht die in die Gruft Hinabgefahrenen hoffen auf deine Treue.
ähnlich wie oben, wenn im Zusammenhang genommen.
Stefan hat geschrieben:Johannes 11,11-14: Solches sagte er, und darnach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, dass ich ihn auferwecke. 12Da sprachen seine Jünger: HERR, schläft er, so wird's besser mit ihm. 13Jesus aber sagte von seinem Tode; sie meinten aber, er redete vom leiblichen Schlaf. 14 Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben;
Hier gehts ja nur um die Unterscheidung Schlaf - Tod... nicht um eine Beschreibung des toten Zustands. Jesus hat auch an anderer Stelle von "nur Schlaf" gesprochen, bevor er Tote erweckt hat. Jesus drückt damit aus, dass der Tod nicht definitiv ist (wie viele Juden damals glaubten, was sich wohl auch in den Stellen von den Toten, die nicht mehr loben können, zeigt), sondern dass der Tod (wie der Schlaf) nur ein Durchgang ist zum neuen Leben.
Auch hier ist nicht von traumlosem, nichts empfindendem Schlaf die Rede... denn das würde ja Jesu eigenem Gleichnis widersprechen!

Lg Mary

PS: Lass uns teilhaben an dem, was dein Priester dir zum Thema sagt...

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 16:08
von Mary
Stefan hat geschrieben:
Im Gegenteil dazu kenne ich Stellen, die von den Toten anders reden. Sie haben kein Bewusstsein, haben keine Emotionen, sind in einem schlafähnlichen Zustand. Finde ich persönlich auch logischer in Anbetracht einer Auferstehung der Toten. Welchen Sinn hätte diese sonst?
Bei der Auferstehung der Toten werden wir unseren verherrlichten Leib erhalten.
Orthodoxe Christen glauben nämlich durchaus an ein leibhaftes Leben nach der Auferstehung, wir erwarten nicht ein Dasein als blosse aufgeweckte Seelen...

Lg Maria

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 17:10
von Stefan
Mary hat geschrieben: Da Du nun orthodox bist, wirst Du dich an genau diese Sichtweise gewöhnen müssen.
"Biblisch fundiert" im Sinne von sola scriptura ist out.
Lehre der Kirche, basierend auf der Bibel, der Tradition der Apostel und der Väter, und der Liturgie und (Er-)Leben der Kirche ist in.
Letzendlich basiert jede Lehre, auch die Tradition der Apostel und Väter auf der Heiligen Schrift.
Mary hat geschrieben: ganz ohne Katechese bist Du getauft worden?
Da bleibt viel zu lernen für dich...
Ja, bin ich. Deiner Schlußfolgerung kann ich nicht widersprechen.
Mary hat geschrieben: Mit solchen Fragen solltest Du zu deinem Taufpriester gehen. (Das ist das orthodoxe Vorgehen, nicht das biblische Selbststudium)Mit dem Priester kannst Du das am besten lösen.
Mit meinem Taufpriester kann ich nicht aus räumlichen und sprachlichen Gründen nicht sprechen. Ich habe mich in Georgien taufen lassen. Die nächste georgische Kirche befindet sich in Düsseldorf und ist 200km von meinem Wohnort entfernt.
Mary hat geschrieben: ähm..... das klingt für mich deutlich trollig....
Wieso? Kennst Du das nicht: Man kennt eine Bibelstelle, einen Sachverhalt, aber kann ihn seinem Gespächspartner nicht vermitteln. Warum dann nicht auf andere verweisen, die es können? Sonst wäre jedes Buch, was Glaubensinhalte vermitteln möchte, überflüssig...
Mary hat geschrieben: Nun doch noch was zur Fragestellung:
Du monierst:
Das Gleichnis ist immerhin vom Herrn selbst, also wird ER da wohl keine Unwahrheit verbreitet haben, oder was meinst Du? Nur weil es ein "Gleichnis" ist, heisst es nicht, dass es ein Märchen ist! Oder gehst Du allgemein mit den Reich Gottes-Gleichnissen ebenso um?

Jesus selbst sprach davon dass die beiden Toten Bewusstsein haben, Empfindung haben, Durst, Schmerz leiden, und dass die Sprechen und Diskutieren können.
Ein interessantes Detail ist übrigens, dass Lazarus selbst nicht redet, weder im Leben, noch im Tod, sondern dass Abraham für ihn redet... auch Abraham ist ein verstorbener Mensch... also gleich noch einer mit Bewusstsein.
Warum wehrst Du dich gegen die vom Herrn gelehrte Weisheit?
Ein Gleichnis spricht in einer Analogie eine Glaubenswahrheit aus. Was will Christus uns mit diesem Gleichnis denn sagen? Dass wir im Schoß Abrahams die anderen, die Leidenden sehen könnten? Wohl kaum, was für eine grausige Vorstellung. Es will zur Umkehr zu Lebzeiten aufrufen. Nach dem Tod ist es zu spät, sich für Gott zu entscheiden. Deshalb ja bittet der Reiche dann Abraham, Lazarus zurückzuschicken, um seine Familie davor zu warnen. Warum wohl trägt Lazarus einen Namen? Damit sich die Hörer des Gleichnisses nicht an seine Stelle setzen, sondern an die des Reichen.
Ganz im Sinne von Matthäus 9,13: Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
Mary hat geschrieben: Wieder keine Aussage über das Jenseits, sondern sie mündet in die Anleitung fürs Leben:
Also: Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein; denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel.
8 Trag jederzeit frische Kleider und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt.
9 Mit einer Frau, die du liebst, genieß das Leben alle Tage deines Lebens voll Windhauch, die er dir unter der Sonne geschenkt hat, alle deine Tage voll Windhauch. Denn das ist dein Anteil am Leben und an dem Besitz, für den du dich unter der Sonne anstrengst.
10 Alles, was deine Hand, solange du Kraft hast, zu tun vorfindet, das tu! Denn es gibt weder Tun noch Rechnen noch Können noch Wissen in der Unterwelt, zu der du unterwegs bist.
"Weder tun noch Rechnen noch Wissen in der Unterwelt, zu der du unterwegs bist" hälst du nicht für eine Aussage über das "Jenseits"?
Mary hat geschrieben: Hier gehts ja nur um die Unterscheidung Schlaf - Tod... nicht um eine Beschreibung des toten Zustands. Jesus hat auch an anderer Stelle von "nur Schlaf" gesprochen, bevor er Tote erweckt hat. Jesus drückt damit aus, dass der Tod nicht definitiv ist (wie viele Juden damals glaubten, was sich wohl auch in den Stellen von den Toten, die nicht mehr loben können, zeigt), sondern dass der Tod (wie der Schlaf) nur ein Durchgang ist zum neuen Leben.
Auch hier ist nicht von traumlosem, nichts empfindendem Schlaf die Rede... denn das würde ja Jesu eigenem Gleichnis widersprechen!
[/quote]

Jesus vergleicht den Tod mit einer Art Schlaf. So lese ich diese Stelle. Widerspricht nicht dem Gleichnis, da Gleichnis. Wieso spricht Lazarus deiner Meinung nicht selbst?

Die gängigsten Lehrmeinungen zu Jesu Lebzeiten waren die pharisäische und die sadduzäische. Die Pharisäer glaubten sehr wohl an eine Auferstehung der Toten, wie sie im AT ja beschrieben wird.

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 17:13
von Stefan
Mary hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:
Im Gegenteil dazu kenne ich Stellen, die von den Toten anders reden. Sie haben kein Bewusstsein, haben keine Emotionen, sind in einem schlafähnlichen Zustand. Finde ich persönlich auch logischer in Anbetracht einer Auferstehung der Toten. Welchen Sinn hätte diese sonst?
Bei der Auferstehung der Toten werden wir unseren verherrlichten Leib erhalten.
Orthodoxe Christen glauben nämlich durchaus an ein leibhaftes Leben nach der Auferstehung, wir erwarten nicht ein Dasein als blosse aufgeweckte Seelen...

Lg Maria
Glauben das nicht alle Christen? So schreibt es Paulus jas schließlich. Und auch Petrus und Johannes schreiben von einer neuen Erde.

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 19:31
von Elias
გამაჯობა დსმაო!

შენ ხარ სთეფან ოთერსგერგსდან? მე ილია ვარ ბრემენსდან! იწი? როგორ ხარ?

ილია

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 19:36
von Elias
Oh Stefan!

Habe dich mit jemanden verwechselt! Habe es zu spät gelesen. Wo bist du und wer hat dich getauft? Bist du direkt in Georgien getauft worden oder hier in Deutschland bei Mama Ise? Hast du eine art Katechese genossen? Ich frage weil du deine Evangelikalische Seite nicht abgelegt hast!

Liebe Grüsse

Ilo

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 19:44
von Mary
Stefan hat geschrieben:
Mit meinem Taufpriester kann ich nicht aus räumlichen und sprachlichen Gründen nicht sprechen. Ich habe mich in Georgien taufen lassen. Die nächste georgische Kirche befindet sich in Düsseldorf und ist 200km von meinem Wohnort entfernt.
Naja... 200 Km sind ja für westlich-orthodoxe Verhältnisse nicht wirklich viel.... 8)

aber, du kannst natürlich auch einen anderen orthodoxen Priester auswählen, s. Bsp da, wo Du in die Kirche gehst?

Lg Maria

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 20:17
von Igor
Lieber Stefan,

ich möchte Dir ein Buch empfehlen, das sich dieser Thematik widmet und das für einen orthodoxen Christen sehr empfehlenswert ist:

"Die Seele nach dem Tod: Heutige "Nach-Todes"-Erfahrungen im Licht der orthodoxen Lehre vom Leben nach dem Tod" von Priestermönch Seraphim Rose.

Dort wirst Du mit Sicherheit detaillierte Anworten finden.

In Christo
Igor

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 20:17
von Elias
Stefan hat geschrieben: ganz ohne Katechese bist Du getauft worden?
Da bleibt viel zu lernen für dich...
Das ist schade aber in Georgien leider gängige Praxis wenn es darum geht das orthodoxe und nichtorthodoxe Heiraten können! Unser Priester in Tbilisi macht das nicht aber leider viele andere... Der Priester aus Düsseldorf macht das übrigens auch nicht ohne und das aus guten Grund.
Stefan hat geschrieben: Mit meinem Taufpriester kann ich nicht aus räumlichen und sprachlichen Gründen nicht sprechen. Ich habe mich in Georgien taufen lassen. Die nächste georgische Kirche befindet sich in Düsseldorf und ist 200km von meinem Wohnort entfernt.
Wo wohnt ihr denn? Vater Ise aus Düsseldorf fährt einmal im Monat nach Bielefeld, Bonn und Bremen. Dann gibt es einen in München und einen der für Karlsruhe zuständig ist. Wo ein Wille ist da ist auch ein Weg. Wenn du aber normale Fragen hast kannst du dich auch an nicht georgische Priester wenden die der deutschen Sprache auch mächtig sind.

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 21:55
von Stefan
Ilija hat geschrieben: Das ist schade aber in Georgien leider gängige Praxis wenn es darum geht das orthodoxe und nichtorthodoxe Heiraten können! Unser Priester in Tbilisi macht das nicht aber leider viele andere... Der Priester aus Düsseldorf macht das übrigens auch nicht ohne und das aus guten Grund.
Meine Entscheidung, mich taufen zu lassen, fiel aus Glauben. Nicht einfach, um eine romantische, schöne Trauzeremonie zu vollziehen, wie man das so oft in Deutschland sehen kann. Wobei es hier auch problemlos möglich wäre, wenn einer der Ehepartner nicht getauft ist.
Nichtsdestotrotz wollte ich unsere Ehe auch unter Gottes Segen stellen - also haben wir uns auch trauen lassen.
Ilija hat geschrieben: Wo wohnt ihr denn? Vater Ise aus Düsseldorf fährt einmal im Monat nach Bielefeld, Bonn und Bremen. Dann gibt es einen in München und einen der für Karlsruhe zuständig ist. Wo ein Wille ist da ist auch ein Weg. Wenn du aber normale Fragen hast kannst du dich auch an nicht georgische Priester wenden die der deutschen Sprache auch mächtig sind.
Wir kommen aus Bielefeld. Dann werde ich ganz bestimmt die Gelegenheit wahrnehmen, mit mamao Ise zu sprechen. Weißt Du genaues über Termine und wo er hinkommt?

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 06.09.2010, 21:56
von Stefan
Igor hat geschrieben:Lieber Stefan,

ich möchte Dir ein Buch empfehlen, das sich dieser Thematik widmet und das für einen orthodoxen Christen sehr empfehlenswert ist:

"Die Seele nach dem Tod: Heutige "Nach-Todes"-Erfahrungen im Licht der orthodoxen Lehre vom Leben nach dem Tod" von Priestermönch Seraphim Rose.

Dort wirst Du mit Sicherheit detaillierte Anworten finden.

In Christo
Igor
Vielen Dank für den Tipp! Ich werde es mir zulegen.

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 07.09.2010, 10:01
von Elias
Stefan hat geschrieben: Meine Entscheidung, mich taufen zu lassen, fiel aus Glauben. Nicht einfach, um eine romantische, schöne Trauzeremonie zu vollziehen, wie man das so oft in Deutschland sehen kann. Wobei es hier auch problemlos möglich wäre, wenn einer der Ehepartner nicht getauft ist.
Nichtsdestotrotz wollte ich unsere Ehe auch unter Gottes Segen stellen - also haben wir uns auch trauen lassen.
Das ist gut und freut mich sehr. Leider habe ich gerade solche Männer kennen gelernt die sich haben Taufen lassen nur um ihre Frauen zu Heiraten.
Stefan hat geschrieben: Wir kommen aus Bielefeld. Dann werde ich ganz bestimmt die Gelegenheit wahrnehmen, mit mamao Ise zu sprechen. Weißt Du genaues über Termine und wo er hinkommt?
Ich glaube an jedem zweiten Samstag im Monat und wohl in die dortige serbische Kirche.
Adresse:
Wellensiek 69a
33619 Bielefeld
0521 104201

Jeden dritten Samstag ist er bei uns in Bremen und an jedem ersten in Bonn (glaube ich). Wenn ihr ein Auto habt empfiehlt es sich aber mal unter der Woche zu ihm nach Düsseldorf zu fahren denn er ist auch in der Woche immer zu sprechen. Das ist die emailaddy der dortigen georgischen Gemeinde

http://www.mrewli.de/

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 07.09.2010, 12:26
von Nassos
Hallo Stefan,

herzlich willkommen im Forum. Und möge der Herr Euch auf Eurem gemeinsamen Lebensweg stets schützen und segnen!

Dass sich die orthodoxe Kirche nicht nur auf die Hl. Schrift beruft, ist unumstößliche Tatsache - unabhängig davon, was Du oder ich denken. Doch darüber werden wir uns hier nicht unterhalten: möge Dich der Hl. Geist führen und erleuchten!

Das Buch Vater Seraphim Roses wurde hier schon angeführt. Wiewohl möchte ich darauf hinweisen - obwohl ich ein großer Fan Vt. Roses bin - dass dies von der orthdoxen Kirche nicht dogmatisiert ist (was nicht heißt, dass es abgelehnt wird).

Das Thema betreffend möchte ich noch gerne auf diesen Thread verweisen.
Und hier noch ein paar Worte zu dem Buch...

Als letzter Tipp: Du kannst auch mal Die Seele nach dem Tod im Suchfeld oben rechts eingeben - tangiert ein paar Stränge.

Nochmal herzlich willkommen,
Nassos

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Verfasst: 07.09.2010, 12:58
von Mary
Stefan hat geschrieben: Ein Gleichnis spricht in einer Analogie eine Glaubenswahrheit aus. Was will Christus uns mit diesem Gleichnis denn sagen? Dass wir im Schoß Abrahams die anderen, die Leidenden sehen könnten? Wohl kaum, was für eine grausige Vorstellung. Es will zur Umkehr zu Lebzeiten aufrufen. Nach dem Tod ist es zu spät, sich für Gott zu entscheiden.

Hi, Stefan,

Ja, die Hauptaussage ist, dass wir uns im Leben entscheiden, weil danach keine Gelegenheit mehr ist.
Es geht aber nicht nur um die "Entscheidung für Gott", sondern auch um die "Taten der Liebe". Der Reiche ist nicht am Ort des Leidens, weil er nicht an Gott glaubte, der ging vielleicht sogar immer brav in die Synagoge... sondern weil er den Lazarus schlimmer als einen Hund behandelt hat!
Stefan hat geschrieben:"Weder tun noch Rechnen noch Wissen in der Unterwelt, zu der du unterwegs bist" hälst du nicht für eine Aussage über das "Jenseits"?
Ich lese es so, dass die Toten nicht mehr mit dem Rechnen und Wissen etc der Lebenden beschäftigt sind... also eine Aussage über die Beziehung zwischen Welt und Unterwelt, nicht über den Zustand der Verstorbenen.
Stefan hat geschrieben:So lese ich diese Stelle. Widerspricht nicht dem Gleichnis, da Gleichnis.


Dies ist ein unerlaubter Schluss :wink:
Stefan hat geschrieben:Wieso spricht Lazarus deiner Meinung nicht selbst?
Naja, er wird ja garnicht gefragt.
Der Reiche richtet sich ja direkt an Vater Abraham. Und verfügt dabei weiterhin über den Lazarus, so wie er es gewohnt war. Lazarus soll mal eben in die Welt zurückkehren.... damit die Brüder gewarnt werden können.
Lazarus lässt Abraham sprechen... hat keine Rachegelüste oder sonst was... DAS gefällt mir.
Stefan hat geschrieben:Die gängigsten Lehrmeinungen zu Jesu Lebzeiten waren die pharisäische und die sadduzäische. Die Pharisäer glaubten sehr wohl an eine Auferstehung der Toten, wie sie im AT ja beschrieben wird.
Sag ich ja.... deshalb schrieb ich "viele" und nicht "alle".

schönen Tag
Mary