Osterbotschaft des Patriarchen von Moskau und ganz Russland

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
Forumsregeln
Forumsregeln Impressum
Antworten
Benutzeravatar
songul
Beiträge: 987
Registriert: 19.12.2008, 09:47
Religionszugehörigkeit: orthodox
Wohnort: Isarwinkel

Osterbotschaft des Patriarchen von Moskau und ganz Russland

Beitrag von songul »

Bild


01.04.2010
BRIEF ZUM OSTERFEST
Von Kyrill, dem Patriarchen von Moskau und ganz Russland:
An die Erzpriester, Priester, Mönche und alle rechtgläubigen Christen der Russisch-orthodoxen Kirche.

Liebe Mitbrüder, Erzhirten, verehrte Väter, Priester, gottgeliebte Diakone, gottesfürchtige Mönche
und Nonnen, Brüder und Schwestern!

An diesem Feiertag der Auferstehung des Herrn, der hell und rettend für die Welt ist, bin ich herzlich froh, Sie mit den begeisternden und unveränderlichen,
großen Worten der Osterverkündigung zu begrüßen: «Christus ist Auferstanden!» In dieser erleuchtenden Nacht bleiben wir im lebensbejahenden, allgemeinen Jubel, weil das Ereignis, das vor vielen Jahrhunderten in der Nähe des altertümlichen Jerusalem geschah, zu jedem von uns eine direkte Beziehung hat. Außerdem verfügt die Auferstehung Christi wahrhaftig über die ökumenische Bedeutung, weil durch sie der Erlöser für jeden, der auf Seinen Ruf geantwortet hat,
die Möglichkeit geschenkt hat, die wohltuende Einheit mit Gott zu finden:

„Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der
Welt!“ (Mt 25, 34).

Deswegen rufen wir zusammen mit dem Hl. Johannes Chrysostomus aus: "Niemand beweine die eigenem Armut, weil für uns alle das Reich angebrochen ist!"Die helle Auferstehung Christi feiernd, bezeugen wir die Richtigkeit dieser Worte, weil jeder Mensch, sogar der allerletzte Sünder,der durch das Blut Christi entsühnt ist, die Hoffnung auf Errettung hat. Für unsere Sünden, wie auch für die Sünden des ganzen Menschengeschlechtes, ist durch das kostbare Blut des Gekreuzigten
bezahlt worden. Um die Früchte der Sühne wahrzunehmen, muss man den Glauben haben und, sich taufen lassen (vgl. Mk 16, 16). Die Mehrheit unser Volkes ist getauft, aber nur wenige sind jene, dieden Glauben haben, der sie befähigt, um das Leben zu ändern. Die Veränderung des Lebens in Christus bedeutet nicht nur die Veränderung zum Besten. Sie ist eine radikale Veränderung, die den Menschen zur Feier des Lebens und der Fülle des Daseins bringt, sowohl in jetzigem Aufenthalt auf der Erde (Joh 10, 10), als auch in der zukünftigen Ewigkeit.
Der Feiertag des Heiligen Osterfestes hilft uns deutlich zu erfühlen, dass die unzertrennliche Verbindung nicht nur mit den Ereignissen der zweitausendjährigen Dauer, sondern auch mit dem künftigen Triumph "der ewigen Wahrheit", wenn "Gott über alles und in allem herrscht", verbunden
ist (1 Kor 15, 28). Wir lernen in der menschlichen Geschichte, die Verwirklichung des Vorhabens des Schöpfers zu sehen, zu „der Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes" (vgl.Röm 11, 33) blickend,durch die der allfreigiebige Schöpfer die Menschheit zur Rettung führt.
Die Fähigkeit, auf die Geschichte durch die Auferstehung Christi zu sehen, ist in jetziger Zeit besonders wichtig - in der Zeit des Vorherrschens des Sehens auf die Welt, wenn die Hoffnungen und die Bestrebungen des Menschen von den momentanen Sorgen beschränkt sind und die rasch eilende Zeit unsere Zeitgenossen zwingt, damit sie vergessen, dass «diese Tage sind böse» (Eph 5,16). Wenn wir mit den Neuigkeiten, mit den Ängsten und mit den Bemühungen einiges Tages leben,
dann sind wir geneigt, dass zu vergessen, was Wichtigste ist:
Die Rettung der Seele, durch die Vorsehung Gottes, die vortrefflich und vollkommen ist.
Die Auferstehung Christi lässt uns alle über der Eile der Lebenstage erhöht sein, so dass die echte Größe der Göttlichen Liebe zu sehen ist, die für das Wohl des Menschen sogar bis zum Kreuz und dem Tod hinab gestiegen ist. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass durch die eigene Auferstehung, Gott die menschliche Natur erneuert, die Festigung der inneren Kräfte jedem Christen schenkt, in seinem Dienen der Kirche, dem Land, der Gesellschaft, der Familie, dem Nächsten gegenüber. Die großen Schwierigkeiten fallen sowohl den einfachen Menschen, als auch ganzen Völker zu: die Menschen heute leiden an der Feindschaft, den Kriegen, der Armut, den Krankheiten, der Einsamkeit, der Lebensunsicherheit weltweit.
Die Welt läuft auf der Suche nach dem besten Leben hin und her, um verzweifelt die Antwort auf die Fragen in der menschlichen Logik, in den
politischen Technologien oder den Wirtschaftsabläufen zu finden.
Die Kirche und die Geschichte selbst bezeugen, dass man nach dem Wort Gottes leben muss. Dann wird uns der Sinn des Ablaufes geöffnet, angesichts der Auferstehung Christi, und werden wir die Fähigkeit erhalten den gefährlichsten Versuchungen der Gegenwart zu widerstehen.
Lasst den Erlöser auch in unsere Seelen auferstehen, die feste Absicht haben, Seinen Geboten zu folgen!
Lasst uns miteinander die Freude des heutigen Festes teilen! Wir wollen mit dieser Wärme die Herzen derer erwärmen, die heute leiden und in der Not verbleiben. Wir wollen den Ostergruß zu allen Menschen bringen: sowohl zu den Nächsten, als auch zu Entfernten. Lasst uns für das
Aufblühen der Länder, in denen wir leben, ohne Nachlässigkeit arbeiten!
Ich erhebe herzliche Gebete zu Gott, damit er uns das friedliche und wohlgefällige Leben schenkt. Er wird den Kirchen die Hilfe und die Kraft reichlich herab senden, zum geistigen Wohl für die Führenden, um ihren Völker eifrig zu dienen, damit wir alle im Glauben, in der Hoffnung und in der
Liebe wachsen.
Noch einmal rufe ich ihnen aus der Tiefe des Herzes den feierlichen Ausruf der Osternfreude zu über den Gott, der den Tod nieder getreten hat und mit Sich ganzen Menschheit auferweckt hat:
«Christus ist auferstanden!»
«Christus ist wahrhaft auferstanden!
Amen!»

† Kyrill
Patriarch von Moskau und ganz Russland.

Zum Osterfest Christi
Im Jahre 2010. Moskau.
Antworten