Seite 1 von 1

DAS KREUZ

Verfasst: 18.08.2007, 21:39
von Rene
Hallo,

was, liebe Brüder und Schwestern, kann man alles über das Kreuz sagen?

Von ev. Christen habe ich in anderen Foren wieder haarsträubende Aussagen gelesen. Das Einzige was man zugibt ist die Tatsache, dass unser Herr an ihm gekreuzigt wurde...
Darum habe ich mir gedacht, vielleicht könnten wir gemeinsam einige Informationen zusammentragen, damit etwaige Mitleser hier auch unseren Standpunkt kennenlernen.
L.G. Rene

Kreuz

Verfasst: 19.08.2007, 00:12
von peter
Lieber Georg-René,

da die Mitternachtsstunde vor dem Großen Fest der Verklärung Jesu Christi auf dem Tabor gerade begonnen hat, und ich bis um 23.59 h, aber keine Minute länger, das Kreuz der Arbeit zu tragen habe (der Sabbat ist zum Unglück mein Hauptarbeitstag), möchte ich zur nächtlichen Zeit ein paar Reflexionen beisteuern. 2003 hielt ich inreligionsphilosophischer
Hinsicht meinen wahrscheinlich letzten Vortrag anläßlich einer Tagung der Ernst-Bloch-Assoziation in Salecina (Schweiz) zum selbstgewählten Thema: "Crux-Dialektik und Transzendenz-Logik (Salecina-Fragment)". Das war der kulminierende Versuch nach ca. 20 Jahren, der anwesenden jüdischen Intelligenz die überragende Bedeutung des christlichen Kreuzes darzulegen. Nachdem diese "titanische" Anstrengung im philosophischen Streit endete, nahm ich menen Abschied und fuhr mit meiner Frau direkt im Anschluß nach München zur Göttlichen Liturgie der Auslandskirche am (Pfingstsonntag). Sie wurde von Erzbischof Mark zelebriert. Mitsamt Chor und Gespräch mit Vater Nikolaj wurde dies zum Schlüsselerlebnis. Mir wurde schlagartig klar, welch ein Kreuz ich herumschleppte, daß ich glaubte, puren Atheisten bzw. entschiedenen Anti-Christen das Kreuz
mit Argumenten erklären zu können. Der deutsch-jüdische Philosoph Bloch verwendete die Kategorie "Crux", vermochte aber mit seinem
gesamten, durchaus beachtlichen Lebenswerk, jener ganz einfachen
Bedeutung des Kreuzes Christi kein Jota näher zu kommen. In meiner
intellektuellen Zeit erschloß ich dem Dialektik-Begriff die denkbaren Pole einer christlichen Philosophie: die Negativität des Kreuzes, die Positivität
der Auferstehung. Die Relationen sind vierfach. Die Dreieinigkeit ist aber einfach. Dem allen steht der Satan, abgeleitet die Satanie, entgegen.
Jesus Christus hat aber am Kreuz, durch das Kreuz, den Satan besiegt.
Im Glauben an Jesus Christus und Seine Auferstehung hat Satan keine
Macht mehr über uns. Wir sollen aber das Kreuz aufnehmen und Christi
nachfolgen, um Seinetwillen, nicht um unseretwillen. Ein Kreuz tragen
alle Jammernden und Stöhnenden, alle schwer Leidenden und mühselig
Arbeitenden. Aber ist das darum schon eine Nachfolge Christi ? Nein,
nur dadurch, daß wir im eigenen Kreuz eine Prüfung Gottes erkennen,
und um der Gebote Christi willen das Leid auf uns nehmen, werden wir
zu Gottesknechten, zu Dienern des Herrn. Das mag für die Mitternacht
genügen. Wer trotzdem noch möchte, kann gern meine "Crux-Dialektik" nachlesen. Aber dies Kreuz kann man sich auch ersparen.

Nächtlichen Gruß vom geistlichen Tabor

Peter

Allgemeine Fragen

Verfasst: 27.08.2007, 13:20
von Ieromonach
Lieber Georg Rene, viele sog. "Christen" können mit dem Kreuz und der Auferstehung nichts anfangen. Wenn aber ein Fragesteller gläubiger evgl. Christ ist so weise auf Stellen im AT hin.

Hier nun einige Allegorien zum Kreuz (prophetische Aussagen):

Psalm (immer LXX) 21 der sog. Passionspsalm
68,22
Isaias 53,2-10

Psalm LXX 23,8 (um aber diese Teile zu deuten ist ein Bibellexikon
nötig)
45,7
73,12-14
98,5+9
131,7


In der Liebe unseres gemeinsamen HErrn + P. Theodoros

Verfasst: 27.08.2007, 14:54
von Rene
Lieber Vater Theodor, lieber Peter,

vielen Dank für Eure Antworten.

Könnt Ihr ein gutes Bibellexikon in deutscher Sprache empfehlen?
L.G. Rene

Lexikon + Konkordanz

Verfasst: 28.08.2007, 18:26
von peter
Lieber Georg-René,

aufgrund Deiner Nachfrage habe ich nachgedacht, was denn wohl ein Bibellexikon sein könnte. Seit längerer Zeit nutze ich hin und wieder
wegen meiner Liebe zur griechischen Sprache im Allgemeinen und zur
interlinearen Nestle-Aland-Ausgabe des NT im Besonderen 1) das "Griechisch-Deutsche Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur" von Dr. Walter Bauer. Verlag
Alfred Töpelmann, Berlin 1958, 2) die "Handkonkordanz zum griechischen
Neuen Testament" von Dr. Alfred Schmoller, Bibelanstalt, Stuttgart 1949.
Da ich in der glücklichen Lage bin, beide Ausgaben doppelt (nur jeweils
verschiedene Auflagen) zu besitzen, könnte ich Dir beides schenken, falls kein anderer notleidende Interessent bzw. Phil-Hellene zuvorkommt. Desweiteren habe ich mir aus bescheidenen Mitteln vor einiger Zeit die recht teure "Große Konkordanz zur Elberfelder Bibel", Brockhaus Verlag, Wuppertal 2003, zugelegt. Die ist wirklich sehr brauchbar, um relativ
zügig zum biblischen Begriff die Textstellen zu finden. Bei Konkordanzen
erklärt sich manches aus den Verweisen. Ein Lexikon wäre ja wohl dagegen ein Stichwortregister mit Erklärungen. Da Erklärungen zur Bibel
hinzukommen (von außen herangetragen werden), käme es sicher darauf an, ob dabei orthodoxe Gesichtspunkte vorwalten. Vielleicht gibt es
so etwas wie ein "patristisches" Bibellexikon ? Aber ich meine, wichtiger
als alle Erklärung wäre zunächst die tägliche Bibelrezeption, die ja nach Perikopen in unserem Kirchenkalender vorgegeben ist. Ich beobachte
oft, daß auch bei Orthodoxen die täglichen Lesungen nicht präsent sind.
Man kann darauf den Test machen, wenn man am Abend danach fragt. Dieses tägliche Minimum sollte der Boden sein, aus dem die Gärten unseres Glaubens erwachsen. Perikopenlesung gehört zur Regel.

Peter

Verfasst: 28.08.2007, 20:19
von Rene
Vielen Dank, lieber Pjotr, für Deine Antwort.
Wir werden dies bei unserem nächsten Treffen vertiefen und können ja die Bücher ansehen usw... :D herzlichen Dank für Dein freundliches Angebot!
Ich gebe Dir unbedingt recht, dass ein solches Lexikon unbedingt das orthodoxe Verständnis hervorheben sollte.
Ich finde es sehr nützlich, zum besseren Verständnis. Unsere Kirchenväter haben ja auch einiges erklärt, leider zu wenig in deutscher Sprache...

Aber, vielleicht möchte noch jemand etwas über den Ausgangspunkt des Stranges sagen... DAS KREUZ
l.G. Rene

Verfasst: 12.10.2007, 12:45
von Marypoppins
Hallo Rene,

Mir fallen da nur Beiträge zu

Hinrichtungsmethoden

Geschichte

und Mystik ein.

Vermutlich meinst Du das alles nicht - Oder zielst Du auf die Mystik ab?

Man hat mich mal gefragt, was gewesen wäre, wenn Jesus mit einem Maschinengewehr hingerichtet worden wäre.

Was hätte das wohl verändert?

Beste Grüße
Mary

Verfasst: 12.10.2007, 18:00
von IoannesProselytos
Von ev. Christen habe ich in anderen Foren wieder haarsträubende Aussagen gelesen.
Lieber Bruder!

Ich hoffe, dass dich das nicht gar zu sehr bekümmert hat. Manche "Christen" fabulieren ja so einiges zusammen und lehnen das Kreuz inzwischen auch schon gänzlich ab - ich denke, dass ist ein Ausdruck der neuen, neoheidnischen Zeit.
an hat mich mal gefragt, was gewesen wäre, wenn Jesus mit einem Maschinengewehr hingerichtet worden wäre.
Ist Er aber nicht! Das ist der "kleine", aber feine Unterschied! Und der Sache wäre es, wie mir scheint, schon abträglich gewesen. Die Art des Sterbens am Kreuz, der Modus, ist von höchster Wichtigkeit, überhaupt die gesamte symbolische Bedeutung dessen, was es wirklich heißt, auf eine derart grausame Weise hingerichtet zu werden.

Ich hab' auch schon von Leuten (Atheisten) gelesen, die gemeint hätten, Christen mit Kruzifixen wären Masochisten o. ä., da sie überall einen hingerichteten Menschen an einem Marterwerkzeug austellen würden - nur diese Leute verkennen zutiefst die Bedeutung der Kreuzigung Christi und man kann sie ihnen auch nicht klaren machen, da sie es gar nicht wollen ...

Verfasst: 12.10.2007, 20:14
von Marypoppins
Hallo IoannesProselytos,

ich glaube, hoffe zu verstehen, was Du sagen möchtest.

Trotzdem würde es mich interessieren, ob sich in diesem Forum nie jemand zu irgendeiner Zeit mal gefragt hat, warum ausgerechnet das Kreuz zum Symbol der Christenheit wurde.

Das Christentum hat ja viele Symbole.
Fisch, Lamm usw.

Des Weiteren erhebt sich die Frage, was ist das Besondere , das was absolut erstaunlich ist?

Das die Römer einen schuldlosen Juden kreuzigten?

Das hätte weder Juden noch Römer erstaunt.

Das Unfassbare , liegt das nicht in der Auferstehung?

Und fallen Dir , wenn Du Dir den Kopf darüber zerbrichst einige Symbole,
die Auferstehung betreffend, ein?


Sollte nicht Ostern das höchste Fest der Christenheit sein?

Dann sieh Dich hier im Westen um und sage mir was das Herzensfest
der hiesigen Christen ist.

Ich denke für die Bevölkerung ist Weihnachten das beliebteste und höchste Fest,

Oft habe ich mich gefragt woran das wohl liegt, denn das ist hier ja nicht immer so gewesen.

Das Kreuz, das den einen Ärgernis und den anderen Torheit ist, ist ein Mysterium, vor dem immer mehr Gläubige der unterschiedlichen christlichen Konfessionen zu kapitulieren scheinen.

Was glaubt Ihr , woran das liegen kann?

Liebe Grüße
Mary

Verfasst: 12.10.2007, 20:23
von Rene
Liebe Mary,

da gebe ich Dir gerne recht.

Unser Herr ist für unsere Sünden gestorben und ER ist wieder auferstanden von den Toten!
Hat, wie wir zu Ostern singen, den Tod durch den Tod überwunden und denen in den Gräbern das Leben gebracht!

Das wird in der RKK leider zu wenig hervorgehoben.

Ich denke, die angesprochene Entwicklung, dass die meisten Menschen Weihnachten als Hauptfest sehen liegt an der zunehmenden Entkirchlichung der Gesellschaft.
Ich habe auch Christen der RKK im Freundeskreis und diese sehen auch Ostern als Hauptfest.
L.G. Rene

Verfasst: 12.10.2007, 20:47
von Marypoppins
Lieber Rene,

damit kein Missverständnis entsteht...

Offiziel war und ist Ostern das Hauptfest der RKK.
Das schlüssige Handeln der Gläubigen bewegt sich aber mittlerweile auf einem anderen Gleis.

Man spricht intern auch schon mal vom Wandel von der Auferstehungs- zur Weihnachtsreligion.

Natürlich gibt es bei uns immer noch Menschen, die anders Denken.
Aber das kann man nicht mehr einfach so voraussetzen.

Beste Grüße
Mary

Verfasst: 13.10.2007, 19:00
von IoannesProselytos
Ostern ist die Hauptsache! Der Tod und die Auferstehung sind das Wichtigste hier! Auch der grausame Tod, gerade der leid- und schmerzvolle Tod (gerade auch das macht wohl den Unterschied zum Tod durch erschießen oder enthaupten aus, der dagegen eher schnell und schmerzlos ist) ist so wichtig - wo bliebe "die Antwort auf Hiob"?

Ob "die Leute" jetzt Weihnachten oder Ostern lieber haben, ändert nichts an der Priorität und ich denke, dass es jedem Gläubigen klar ist, was an welche Stelle gehört und den anderen, na ja, was soll ich sagen? Das ist dann ohnehin ein Fall für die Mission/Katechese ...

Verfasst: 13.10.2007, 22:50
von Marypoppins
Hallo IoannesProselytos,

Du meinst das Kreuz ist die "Antwort auf Hiob".

Wie meinst Du das?

Kannst Du mir das bitte einmal etwas genauer auseinandersetzen?

Danke für die Mühe!
Beste Grüße
Mary