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Neues Schreiben Roms bezüglich der Lehre über die Kirche

Verfasst: 11.07.2007, 10:41
von Walter
Grüß Gott, miteinander!

Die römische Kirche hat gestern ein neues Lehrdokument herausgegeben, in dem noch einmal deutlich auf den Punkt gebracht werden soll, wie sie "Kirche" versteht und wie weit für sie Orthodoxe und Protestanten Anteil an der Kirche Christi haben (interessant wäre gewesen, wenn sie auch etwas über die Anglikaner geschrieben oder "Ostkirchen" genauer differenziert hätten, also zwischen orthodoxen und altorientalischen Kirchen). Von der Orthodoxen Kirche wurde dieses Schreiben durchaus positiv aufgenommen:
Die Presse hat geschrieben:Die russisch-orthodoxe Kirche lobte den vom Vatikan veröffentlichten Text für seine eindeutige Position. "Das ist eine ehrliche Erklärung. Sie ist viel besser als die so genannte kirchliche Diplomatie", sagte der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kirill. Das Dokument zeige "wie nah beziehungsweise wie fern wir einander sind". Das sei eine Grundvoraussetzung für einen "ehrlichen theologischen Dialog".
Deshalb wollte ich es auch hier kurz vorstellen. Das ganze Dokument ist hier zu finden. Ich beschränke mich auf die Wiedergabe der für den Dialog mit der Orthodoxe Kirche relevanten Passagen:
Der Vatikan hat geschrieben:KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten
bezüglich der Lehre über die Kirche

2. Frage: Wie muss die Aussage verstanden werden, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert?

Antwort: Christus hat eine einzige Kirche ?hier auf Erden... verfasst? und sie als ?sichtbare Versammlung und geistliche Gemeinschaft? gestiftet, die seit ihrem Anfang und durch die Geschichte immer da ist und immer da sein wird und in der allein alle von Christus eingesetzten Elemente jetzt und in Zukunft erhalten bleiben. ?Diese ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen... Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, subsistiert in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird?. ...

3. Frage: Warum wird der Ausdruck ?subsistiert in? und nicht einfach das Wort ?ist? gebraucht?

Antwort: Die Verwendung dieses Ausdrucks, der die vollständige Identität der Kirche Christi mit der katholischen Kirche besagt, verändert nicht die Lehre über die Kirche. Er ist begründet in der Wahrheit und bringt klarer zum Ausdruck, dass außerhalb ihres Gefüges ?vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit? zu finden sind, ?die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen?.

?Daher sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften, auch wenn sie, wie wir glauben, mit jenen Mängeln behaftet sind, keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heils. Denn der Geist Christi weigert sich nicht, sie als Mittel des Heils zu gebrauchen, deren Kraft sich von der Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet, die der katholischen Kirche anvertraut ist?.

4. Frage: Warum schreibt das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die von der voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche getrennt sind, die Bezeichnung ?Kirchen? zu?

Antwort: Das Konzil wollte den traditionellen Gebrauch dieser Bezeichnung übernehmen. ?Da nun diese Kirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Gemeinschaft bis heute mit uns verbunden sind?, verdienen sie den Titel ?Teil- oder Ortskirchen? und werden Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt.

?So baut die Kirche Gottes sich auf und wächst in diesen Einzelkirchen durch die Feier der Eucharistie des Herrn?. Weil aber die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist, nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche ist, sondern eines ihrer inneren Wesenselemente, leidet das Teilkirchesein jener ehrwürdigen christlichen Gemeinschaften unter einem Mangel.

Andererseits wird durch die Trennung der Christen die katholische Universalität ? die der Kirche eigen ist, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird ? in ihrer vollen Verwirklichung in der Geschichte gehindert.
Und aus dem offiziellen Kommentar darüber:
Der Vatikan hat geschrieben:In der vierten Frage geht es darum, weshalb das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Bezeichnung ?Kirchen? zuschreibt.

Trotz der klaren Aussagen, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche ?subsistiert?, beinhaltet die Tatsache, dass es auch außerhalb ihres sichtbaren Gefüges ?vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit? gibt, die Anerkennung des obgleich unterschiedlichen kirchlichen Charakters der nicht katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Auch diese sind nämlich ?keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht? in dem Sinn, dass der Geist Christi sich nicht weigert, ?sie als Mittel des Heils zu gebrauchen?.

Der Text zieht zunächst die Wirklichkeit der Ostkirchen in Betracht, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. Unter Verweis auf verschiedene Konzilstexte wird anerkannt, dass diese den Titel ?Teil- oder Ortskirchen? verdienen und Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt werden, weil sie mit der katholischen Kirche verbunden bleiben aufgrund der apostolischen Sukzession und der gültigen Eucharistie, durch welche die Kirche Gottes aufgebaut wird und wächst. Die Erklärung Dominus Iesus nennt sie sogar ausdrücklich ?echte Teilkirchen?.

Trotz der klaren Anerkennung ihres ?Teilkircheseins? und des damit verbundenen Heilswertes konnte das Dokument nicht unterlassen, den Mangel (defectus) zu erwähnen, unter dem sie gerade in ihrem Teilkirchesein leiden. Denn wegen ihrer eucharistischen Kirchenvorstellung, die den Akzent auf die Wirklichkeit der im Namen Christi in der Eucharistiefeier und unter der Leitung des Bischofs versammelten Teilkirche legt, betrachten sie die Teilkirchen als vollständig in ihrem Teilsein. Daraus folgt, dass in Anbetracht der grundlegenden Gleichheit zwischen allen Teilkirchen und allen Bischöfen, die sie leiten, jede von ihnen eine eigene innere Autonomie besitzt. Dies hat offenkundige Auswirkungen auf die Lehre vom Primat, der nach katholischem Glauben ?ein inneres Wesenselement? für das Bestehen einer Teilkirche ist. Natürlich muss immer unterstrichen werden, dass der Primat des Nachfolgers Petri, des Bischofs von Rom, nicht als äußere Zutat oder als Konkurrenz gegenüber den Bischöfen der Teilkirchen verstanden werden darf. Der Primat muss als Dienst an der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft ausgeübt werden, und zwar innerhalb der Grenzen, die sich aus dem Gesetz Gottes und der in der Offenbarung enthaltenen, unantastbaren göttlichen Verfassung der Kirche ergeben.

...

Der katholische Ökumenismus mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Mit dem Ausdruck subsistit in wollte das Zweite Vatikanische Konzil zwei Lehraussagen miteinander verbinden: Auf der einen Seite besteht die Kirche Christi ? trotz der Spaltungen der Christen ? voll nur in der katholischen Kirche fort; auf der anderen Seite gibt es viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit außerhalb ihres Gefüges, also in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen. In diesem Zusammenhang hat das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus Unitatis redintegratio den Ausdruck ?Fülle? (der Einheit/Katholizität) ? plenituto (unitatis/catholicitatis) ? eingeführt, eben um zu helfen, diese in gewissem Sinn paradoxe Situation besser zu verstehen. Auch wenn die katholische Kirche die Fülle der Heilsmittel besitzt, ?sind die Spaltungen der Christen für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katholizität in jenen Söhnen wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer vollen Gemeinschaft getrennt sind?. ...
Mich würde in dem Zusammenhang auch interessieren, inwieweit diese Position mit der orthodoxen Lehre über die Kirche Christi zu vereinbaren ist und wo es Unterschiede gibt, auch hinsichtlich der (gültig) getauften Christen und deren Gemeinschaften, die nicht Teil der orthodoxen Kirche angehören. Sind diese alle als "gleich heterodox" anzusehen, oder gilt es da auch zu differenzieren? Beispielsweise zwischen
  1. der römische Kirche und deren Uniaten,
  2. den Anglikanern (Kirche von England),
  3. den Lutheranern mit Beibehaltung der apostolischer Sukzession,
  4. anderen Lutheranern ohne Sukzession aber mit Glaube an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie,
  5. andere Protestanten, welche die Realpräsenz ablehnen, und
  6. den altorientalische Kirchen.
LG
Walter

Verfasst: 11.07.2007, 21:15
von protopeter
Lieber Walter !

Es ist mehr als eindeutig, daß diese Erklärung orthodoxen ekklesiologischen Prinzipen zuwiderläuft - allein die Frage nach dem Primat bezeugt dies. Gemäß der Ekklesiologie des Cyprian von Karthago, die nach orthodoxer Maßgabe verbindlich ist, erweist die Berufung des Petrus keinesfalls einen mit Person oder Amt verbundenen Primat - hierin ist gezeigt, daß alle Bischöfe in gleicher Weise am petrinischen Dienst teilhaben.

In diesem Sinne gibt es eben nur Eine Orthodoxe Katholische und Apostolische Kirche, die zwar in Ortskirchen gegliedert, jedoch nicht aufgespalten ist. Das Haupt der Kirche ist - gemäß orthodoxer Ekklesiologie, die aus der Lehre des Apostels ihren Ursprung nimmt - eben Christus selbst und nicht ein selbsternannter "Statthalter", der seine Position viel weniger der apostolischen Überlieferung als für das Amt günstigen politischen Entwicklungen verdankt - man denke nur an die "Nutzbarmachung" des römischen Patriarchates durch die Karolinger.

Folglich kann die Idee der kirchlichen "Einheit",wie sie römischen Vorstellungen entspricht, in keinem Fall mit dem Begriff der orthodoxen Ökumene in Einklang gebracht werden. "Wem Gott nicht Vater, dem ist die Kirche nicht Mutter" - dieser Ausspruch des Kirchenvaters Cyprian von Karthago gilt als Grundlage orthodoxer Kirchlichkeit und gibt darüberhinaus ein deutliches Zeugnis von der gottmenschlichen Synergie, die als Basis rechtgläubiger Ekklesiologie zu gelten hat.

Bezüglich der heterodoxen christlichen Gemeinschaften ist das volle kirchliche Bewußtsein einzig (in den bekannten Grenzen) mit den sogenannten "Altorientalen" zu teilen. Wenngleich es in der Christologie auch definitionsbedingte Differenzen gibt, ist davon das Kirchenbild im weiteren Sinne doch unberührt. In allen anderen Fällen kann es vom orthodoxen Standpunkt aus nicht angehen, von "Kirchen" zu sprechen - hier handelt es sich im Großen und Ganzen um Bekenntnisse, die sich auf christliche Grundwerte berufen, jedoch im weiteren Sinne des ursprünglich apostolisch-kirchenväterlichen Kirchenbegriffes verlustig gegangen sind.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

Verfasst: 11.07.2007, 21:22
von Ieromonach
Lieber Walter, vor einigen Stunden habe mich in Frankfurt/oder an einem Pfarrconvent von evang/röm.kath. und zwei orth. (Mosk. P. und ich) Geistliche teilgenommen . Dort besprachen wir das Thema Taufe und kamen dann auf die von Dir genannten Aussagen des Vatican zu sprechen. Für uns orthodoxe waren die meisten Aussagen "fremd". Sichtlich ist das Problem der "Reformation" ein internes Problem der röm.kath.-Patriarchat Rom) Kirche. Wir haben ein anderes Verständnis von dem was Kirche ist und damit verbunden die Aussage was Mysterien (Sakramente) sind. Wir benutzen z. T. gleiche Worte und verstehen diese in einem anderen Sinn.
Hier sind die Fachtheologen aufgefordert zu handeln, ansonsten drehen wir uns im Kreis. Das könnte auch ein gutes Thema im Forum sein, nämlich orthodoxe Terminologie inhaltlich darzustellen. - Das ist mein Versuch auf Deinen Beitrag zu antworten. Gruss +Pth/athikia

Verfasst: 11.07.2007, 21:26
von Ieromonach
Lieber Pater Peter, vielen Dank für diesen sehr schönen deutlichen Beitrag. Mit Freude +pth/athikia

Verfasst: 11.07.2007, 21:40
von Sebastian
athikia hat geschrieben:Lieber Pater Peter, vielen Dank für diesen sehr schönen deutlichen Beitrag. Mit Freude +pth/athikia
Dem schließe ich mich kommentarlos an!

Benedictus

Verfasst: 13.07.2007, 12:00
von peter
Gott zum Gruße !

Man müßte sich von einem Schock erholen, falls Hoffnungen auf diesen 16. Bededictus gesetzt worden wären, der noch im Spätherbst letzten Jahren unseren türkisch-orthodoxen Patriarchen in die Arme schloß. Gottseidank brauchen wir seinetwegen nicht zu leiden, weil wir solche Hoffnungen weder gehabt noch genährt haben. Abermals bewahrheitet sich, was der auf andere Weise petrinisch beeinflußte Oberprokuror K.P. Pobedonoszew im späten 19. Jahrhundert etwa so geäußert hat: Die Päpste kommen und gehen, aber das Papsttum bleibt. Diese "Stellvertreter Christi" und Inhaber des "Stuhles Petri" werden nimmermehr begreifen, daß der in jeder Eucharistie präsente Jesus Christus, unser Herr und Gott, keiner Stellvertretung bedarf, und daß die "Koryphäe" Petrus A p o s t e l war, also gesandt in alle Welt, und nicht speziell nach Rom, wo übrigens Paulus schon vorher und gleichzeitig wirkte. Linus war der erste Bischof von Rom, den Petrus eingesetzt hat, wie viele andere Bischöfe an anderen Orten desgleichen. Das Apostelamt ist ja grundverschieden von jenem lokal bzw. regional verantwortlicher Bischöfe. Gerade gestern und heute, wo wir die Apostel Christi feiern,
wurden diese Unterschiede wieder deutlich. Aber die Römisch-Klerikalen
halten eisern - wie jetzt wieder - an dieser L ü g e, dem universalistischen
Petrusamt Roms mit "den Bischöfen in Gemeinschaft", fest, weil sonst der "Stuhl" wackeln würde. Und erfrechen sich, den orthodoxen "Teil-, Orts-,
Schwesterkirchen", die jede für sich die ganze "Fülle der Gnade und
Wahrheit" in wahrhaft apostolischer und katholischer Weise bewahren, einen defectus zuzuschreiben. Der Defectus liegt bei Benedictus ! Die Machtansprüche sind ungebrochen, Benedictus schmückt sich lediglich mit dem Ornat und Schleier der Orthodoxie, um die Nachfolge jenes unseligen Gregor XIII. anzutreten, und die Eine Heilige weiter aufzuspalten, durch falsche Versöhnung.

Peter, der Petrus die Treue hält

Verfasst: 13.07.2007, 12:38
von Sebastian
Passend dazu, lieber Peter, führe dir doch mal die römischen Glaubenswahrheiten eines Armin Schwibaches zugute!

Dort wird u.a. angeführt :
Armin Schwibach hat geschrieben:Der Papst steht nicht nur für Petrus, er ist Petrus. Der mystische Leib Christi würde ohne seinen Liebesdienst im Nichts verrauchen.
Noch fragen? Nein? Ich schon! Röm. Katholiken (besser gesagt ein Teil davon) möchten die Einheit mit den Orthodoxen bezeichnen sie (die OK) als wahrer Teil der Kirche. Soweit finde ich dies lobenswert und ein richtiger Schritt. Wie aber kann man angesichts solch (obiger) papistischer Hegemonialtheorie mit einem ehrlichen und aufrichtigen Dialog rechnen? Der von, ich glaube es war Walter, eingebrachte Einwurf vor dem Schisma wäre die Stellung des Papstes in der vereinten Kirche auch nicht unumstritten gewesen und der Einfluss war beträchtlich ist sicher richtig. Jedoch kann nicht mit solch irreführender Lehrmeinung a la Schwibach ein geeignetes Gesprächsfundament aufgebaut werden. Meine Meinung.

Thematischer Verweis: Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch die Frage warum der Titel des Papstes "Patriarch des Abenlandes" in der RKK kaum noch Verwendung findet siehe den bereits verlinkten Artikel A. Schwibach.

Verfasst: 13.07.2007, 14:55
von holzi
Sebastian hat geschrieben:Passend dazu, lieber Peter, führe dir doch mal die römischen Glaubenswahrheiten eines Armin Schwibaches zugute! ...
Lieber Sebastian,

wer ist Armin Schwibach? Ein Journalist! Ich halte es übrigens für wenig hilfreich, was er so daherschreibt - keine Frage, aber ihm gleich noch Lehrautorität im Namen der r.-k. Kirche zuzuschreiben, halte ich doch für etwas übertrieben. ;)

Da wäre es schon nützlicher zu lesen, was + Hilarion von Wien geschrieben hat:
DAS NEUE DOKUMENT DER GLAUBENSKONGREGATION IN DEN AUGEN DES RUSSISCH-ORTHODOXEN BISCHOF VON WIEN

?Das Streben nach Einheit sollte für beide Kirchen den gleichen Stellenwert haben?

WIEN, 11. Juli 2007 (ZENIT.org).- ?Der Bruch der eucharistischen Gemeinschaft zwischen Ost und West ist eine Tragödie, die uns gemeinsam ist; sie zieht sowohl die katholische als auch die orthodoxen Kirchen in Mitleidenschaft?, erklärt der russisch-orthodoxe Bischof von Wien und Österreich, Hilarion Alfeyev, in einem ZENIT-Beitrag zum Dokument ?Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche? der Kongregation für die Glaubenslehre.

Bischof Hilarion ist Repräsentant der russisch-orthodoxen Kirche bei den Europäischen Institutionen in Brüssel und hat sich wiederholt für eine ?Allianz? der Kirchen zur Förderung der christlichen Werte ausgesprochen.

* * *

Die ?Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche?, die von den Büros der Kongregation für die Glaubenslehre am 29. Juni 2007 erstellt [und am 10. Juli veröffentlicht, Anm. d. Red.] wurden, legen die Auffassung des katholischen Lehramts von den Kirchen und religiösen Gemeinschaften dar, die sich nicht in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom befinden. Meiner Meinung nach erbringen sie nichts Neues, verglichen mit ähnlichen, früher veröffentlichten Dokumenten wie zum Beispiel Dominus Iesus.

Das Dokument basiert auf dem Glauben, dass die Kirche Christi eins ist und dass sie in der katholischen Kirche subsistiert. Das Wort ?subsistiert? wird dem Dokument zufolge ?nur der katholischen Kirche allein zugeschrieben, denn es bezieht sich auf das Merkmal der Einheit, das wir in den Glaubensbekenntnissen bekennen?.

Die Unterscheidung zwischen ?subsistiert? und ?ist gegenwärtig und wirksam? ist wahrscheinlich aus lateinischer, theologischer Sicht von großer Bedeutung, hat jedoch in den Augen eines orthodoxen Theologen nicht viel Sinn. Für uns bedeutet ?subsistieren? eben ?gegenwärtig und wirksam sein?, und wir glauben, dass die Kirche Christi in der orthodoxen Kirche subsistiert und gegenwärtig und wirksam ist.

Bezüglich der orthodoxen Kirchen erklärt das Dokument, dass ?diese Kirchen trotz ihrer Trennung [von Rom] wahre Sakramente besitzen, und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie?. Somit werden die apostolische Sukzession und die Sakramente als wesentliche Kennzeichen der Kirche angegeben.

Die Orthodoxen glauben ebenfalls, dass die apostolische Sukzession und die Sakramente wesentliche Kennzeichen der Kirche sind. Deshalb werden die Orthodoxen dem zustimmen, dass jene kirchlichen Gemeinschaften, die über keine apostolische Sukzession verfügen und die das ursprüngliche Verständnis der Eucharistie und der anderen Sakramente nicht beibehalten haben, nicht ?Kirchen? im eigentlichen Sinne genannt werden können.

Die Spaltung zwischen Orthodoxen und Protestanten geht daher viel tiefer und sie ist viel grundlegender als die Spaltung zwischen Orthodoxen und Katholiken.

Gemäß dem Dokument ist ?die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist, nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche..., sondern eines ihrer inneren Wesenselemente?. Daher leidet ?das Teilkirchesein? der orthodoxen Kirchen, da sie sich nicht in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom befinden, ?unter einem Mangel?.

Wir, die Orthodoxen, glauben, dass die römisch-katholische Kirche ?unter einem Mangel? leidet, weil sie sich nicht in Kommunion mit den Teilkirchen befindet. Die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit der orthodoxen Kirche muss für die katholische Kirche genauso wichtig sein wie für die orthodoxe Kirche die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit der Kirche von Rom.

Die orthodoxe Kirche erkennt den Bischof von Rom nicht als ?Pontifex maximus? der Weltkirche an. Im Fall einer Wiederherstellung der eucharistischen Gemeinschaft wird die orthodoxe Kirche den Bischof von Rom als den ersten unter gleichen (?primus inter pares?) in der Familie der Primate der Ortskirchen anerkennen. Die Vorrangstellung des Bischofs von Rom ist für die Orthodoxen eine Vorrangstellung der Ehre und nicht der Jurisdiktion.

Der Bruch der eucharistischen Gemeinschaft zwischen Ost und West ist eine Tragödie, die uns gemeinsam ist; sie zieht sowohl die katholische als auch die orthodoxen Kirchen in Mitleidenschaft. Das Streben nach Einheit sollte für beide Kirchen den gleichen Stellenwert haben.

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]
Liebe Grüße
Konrad

Verfasst: 13.07.2007, 20:25
von holzi
Sebastian hat geschrieben:Röm. Katholiken (besser gesagt ein Teil davon) möchten die Einheit mit den Orthodoxen bezeichnen sie (die OK) als wahrer Teil der Kirche. Soweit finde ich dies lobenswert und ein richtiger Schritt. Wie aber kann man angesichts solch (obiger) papistischer Hegemonialtheorie mit einem ehrlichen und aufrichtigen Dialog rechnen?
Lieber Sebastian,

ich glaube, wir sind zu ungeduldig. Unsere Kirchen waren seit einigen hunderten von Jahren getrennt. Erst seit gut 40 Jahren spricht man wieder mit einander. Da dürfen wir nicht erwarten, selbst noch einmal eine evtl. Vereinigung zu erleben. Allerdings ist es notwendig, dies immer als Ziel vor sich zu haben. Ausserdem gibt's da noch die Sache mit dem "Gesicht verlieren"...

Also Geduld!
Viele Grüße
Konrad

Verfasst: 13.07.2007, 20:33
von Rene
Hallo,
ich denke, wir haben innerhalb der OK genug zu besprechen, da gibts genügend Punkte die zu klären sind.
Zudem ist es eine Augenwischerei von Annäherung zu reden und den einst verhängten Bann immer noch nicht zurückzunehmen.
Die Veröffentlichung zeigt, dass sich an den Überhebungen von Rom nichts geändert hat.
L.G. Rene

Verfasst: 13.07.2007, 21:05
von Sebastian
Hallo Konrad !

Dieses Thema finde ich hochinteressant und aktuell! Den Einheitsgedanken zu verwerfen wäre sicherlich falsch (von beiden Seiten). Wenn es dir nichts ausmacht würde ich gerne einige Punkte mit dir näher beleuchten.
holzi hat geschrieben:Unsere Kirchen waren seit einigen hunderten von Jahren getrennt. Erst seit gut 40 Jahren spricht man wieder mit einander. Da dürfen wir nicht erwarten, selbst noch einmal eine evtl. Vereinigung zu erleben.
Da mag etwas dran sein. Meine Kritikpunkt z.B. an der RKK ist, dass man mir immer vor Augen hält: "Also so schnell geht das nicht, der Papst kann dies und jenes auch nicht so einfach ändern, es bedarf erstmal dieser und jener Schritte, wenn überhaupt ..." . Ist aber doch gerade das vergangene 20 Jahrhundert evident für die manigfaltigen Veränderungen in der RKK (Stichwort II Vatikanisches Konzil) . Die Veränderungen sind relativ zügig zustande gekommen. Warum nicht in selber "Geschwindigkeit" eine Besinnung zurück/Annäherung zur Orthodoxie?
Ausserdem gibt's da noch die Sache mit dem "Gesicht verlieren"...
Das habe ich noch nie richtig verstanden. Meinst du damit, dass wenn eine Seite der anderen nachgibt, oder etwas zuspricht um die Einheit zu erziehlen vor den eigenen Gläubigen das Gesicht verliert?

LG
Sebastian

Verfasst: 14.07.2007, 09:49
von holzi
Rene hat geschrieben:Hallo,
ich denke, wir haben innerhalb der OK genug zu besprechen, da gibts genügend Punkte die zu klären sind.
Zudem ist es eine Augenwischerei von Annäherung zu reden und den einst verhängten Bann immer noch nicht zurückzunehmen.
Die Veröffentlichung zeigt, dass sich an den Überhebungen von Rom nichts geändert hat.
L.G. Rene
Hallo René,
soweit ich richtig informiert bin, haben Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras die gegenseitigen Bannsprüche bereits 1964 in Jerusalem aufgehoben.
Grüße
Konrad

Verfasst: 14.07.2007, 09:54
von Rene
Hallo Konrad,
das ist mir neu, würde mich aber freuen. Vielleicht kann Vater Peter dazu etwas sagen? Ich werde auch noch etwas forschen...
Dennoch bin ich der Meinung, dass wir uns zuerst unter uns Orthodoxen die Probleme klären und beseitigen sollten, bevor an eine "Einheit" mit Rom gedacht wird. Die kürzliche Veröffentlichung zeigt ja, dass sich für die Orthodoxie keine Neuigkeiten ergeben haben. Br. Peter ging ja kurz aber treffend darauf ein.
L.G. Rene

Verfasst: 14.07.2007, 10:35
von holzi
Hallo Sebastian,
Sebastian hat geschrieben:Dieses Thema finde ich hochinteressant und aktuell! Den Einheitsgedanken zu verwerfen wäre sicherlich falsch (von beiden Seiten). Wenn es dir nichts ausmacht würde ich gerne einige Punkte mit dir näher beleuchten.
Gerne, nur zu!
Sebastian hat geschrieben:
holzi hat geschrieben:Unsere Kirchen waren seit einigen hunderten von Jahren getrennt. Erst seit gut 40 Jahren spricht man wieder mit einander. Da dürfen wir nicht erwarten, selbst noch einmal eine evtl. Vereinigung zu erleben.
Da mag etwas dran sein. Meine Kritikpunkt z.B. an der RKK ist, dass man mir immer vor Augen hält: "Also so schnell geht das nicht, der Papst kann dies und jenes auch nicht so einfach ändern, es bedarf erstmal dieser und jener Schritte, wenn überhaupt ..." . Ist aber doch gerade das vergangene 20 Jahrhundert evident für die manigfaltigen Veränderungen in der RKK (Stichwort II Vatikanisches Konzil) . Die Veränderungen sind relativ zügig zustande gekommen. Warum nicht in selber "Geschwindigkeit" eine Besinnung zurück/Annäherung zur Orthodoxie?
Nun, die Veränderungen, die seit den Vat. II die römische Kirche erfasst haben, haben in den wenigsten Fällen direkt etwas mit dem Konzil zu tun. Es war die allgemeine Revolutionsstimmung um 1968, die auch die Kirche erfasst hatte. Damals wurde - meine bescheidenen Ansicht nach - enorm viel Wertvolles in der Tradition einfach auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen, in der irrigen Annahme, dass die Kirche sich "modernisieren" müsste. Wer die Konzilsakten von 1962-1965 aufmerksam liest, muss eben feststellen, dass weder die Liturgiereform von 1969/70, noch die nachfolgende "Entrümpelung" (Ikonoklasmus!), auch nicht die offenbar als verpflichtend angesehene Hässlichkeit im Kirchenbau seither auf das Konzil zurückgehen. Auch ist es falsch, wie viele Katholiken meinen, dass sich seitdem auch die Glaubenslehre geändert habe. (Oft ist die Reaktion ein erstauntes "Ja, glauben wir das denn auch heute noch?", wenn die Rede auf die Realpräsenz in der Eucharistie, die Göttlichkeit Jesu, die Dreifaltigkeit etc. kommt.) Dazu kam die irrige Auffassung, dass alle Leute automatisch die Liturgie besser verstehen, nur weil sie in der Landessprache gefeiert wird - mit der Folge, dass die Katechese als Lehrinstrument der Kirche bei uns nahezu verschwunden ist.

Man wollte sich damals vermutlich den Protestanten etwas attraktiver zeigen und hat erreicht, dass viele Katholiken innerlich Protestanten wurden. Die Protestanten, die das "Original" suchen, sind vermutlich eher von den Orthodoxen Kirchen zu begeistern gewesen.

Und genau an diesen Verwerfungen arbeitet Papst Benedikt, wie man an den Schreiben der letzten Wochen sehen kann. Es ist halt so, dass der Papst zwar dies und jenes bestimmen könnte, aber wenn das Kirchenvolk nicht darauf vorbereitet ist und innerlich mitzieht, dann passiert so etwas, was den Orthodoxen Kirchen nach dem Konzil von Florenz/Ferrara 1439 ff. passierte. Dort wurde die Union mit Rom ausgerufen und das Volk war dagegen. Mittlerweile stelle sogar ich einen Generationenwechsel bei den Priestern und Bischöfen fest, die Modernisten, die in der Kirche eher ein Instrument zur Gemeinschaftsfindung, für soziale Aktionen etc. sehen, gehen langsam in Pension und es kommen neue nach, die wieder einen stärkeren Wert auf das Gebet, auf eine saubere Liturgie und eine tiefere Glaubensbildung im Volk legen.

Und bis dieser Generationenwechsel dann Früchte trägt, das dauert einfach seine Zeit.Wenn man einen Riesentanker zu stark in die Kurve zwingt, dann kann das Ruder brechen und der Kahn wird unlenkbar (du machst doch - eigentlich typisch für einen Hamburger ;) - was mit Schifffahrtskaufmann oder dergleichen, da müsste dir der Vergleich doch einleuchten?). Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Orthodoxen Kirchen sich mit einer römisch-katholischen Kirche vereinigen wollten, wie sich sich jetzt präsentiert, oder? Daran arbeitet Papst Benedikt. Er weiss ja, dass gerade die Liturgie das Herz des christlichen Glaubens ist. Und auf eben diesem Weg habe ich beschlossen, ihn in seiner/meiner Kirche zu begleiten.
Sebastian hat geschrieben:
Holzi hat geschrieben:Ausserdem gibt's da noch die Sache mit dem "Gesicht verlieren"...
Das habe ich noch nie richtig verstanden. Meinst du damit, dass wenn eine Seite der anderen nachgibt, oder etwas zuspricht um die Einheit zu erzielen vor den eigenen Gläubigen das Gesicht verliert?
Weniger das, eher scheut man sich, evtl. Fehlentscheidungen von ehrwürdigen Amtsvorgängern als eklatant fehlerhaft darstellen zu müssen. Nach dem, was ich so von Papst Benedikt gelesen habe, glaube ich er wäre glücklicher, wenn es die Dogmen von 1871 (Unfehlbarkeit/Universale Jurisdiktion) nicht gäbe.

Liebe Grüße und auf eine weitere, fruchtbare Diskussion
Konrad

Verfasst: 14.07.2007, 10:46
von holzi
Rene hat geschrieben:Hallo Konrad,
das ist mir neu, würde mich aber freuen. Vielleicht kann Vater Peter dazu etwas sagen? Ich werde auch noch etwas forschen...
Dennoch bin ich der Meinung, dass wir uns zuerst unter uns Orthodoxen die Probleme klären und beseitigen sollten, bevor an eine "Einheit" mit Rom gedacht wird. Die kürzliche Veröffentlichung zeigt ja, dass sich für die Orthodoxie keine Neuigkeiten ergeben haben. Br. Peter ging ja kurz aber treffend darauf ein.
L.G. Rene
Hallo René,

guckst Du hier: http://www.kokid.de/kirchl%20leben/mart-031.htm (Stichwort: Versöhnungsakt vom 7. Dezember 1965)
Und zum "Interne Probleme beseitigen" habe ich gerade in der vorhergehenden Antwort auf Sebastians Frage einiges für die Römische Kirche geschrieben. Auch hier gibt es noch einiges zu tun. Allerdings sollten wir trotzdem die Einheit immer als oberstes Ziel vor Augen haben! Papst Benedikt hat geschrieben, dass schon das gegenseitige Streben nach Einheit die erste Stufe der Einheit ist!

Und das mit dem Schreiben der Glaubenskongregation war eher als Klarstellung nach innen denn als Aussenmeldung gedacht. Dort sollte ja auch nicht unbedingt etwas Neues dargestellt werden, sondern einfach die bestehende Lage nochmals kurz und knapp dargelegt werden.

Grüße
Konrad