Lieber Ioannes, liebe Mitdiskutierende !
Wenn wir als ein wesentliches Element orthodoxer Präsenz im heterodoxen Umfeld die
authentisch-lebendige Zeugenschaft für die gottmenschlichen Glaubenswahrheiten begreifen, erübrigen sich unsererseits alle weiteren Bemühungen, die Existenz orthodoxer Kirchenstrukturen im "Westen" zu rechtfertigen. Die genannten "guten Gründe" können und sollen sowohl im Intellekt als auch in der Intuition desjenigen, der sich unserer Kirche zuwendet, zu finden sein.
Es sei in diesem Zusammenhang immer wieder darauf hingewiesen, daß die Orthodoxe Kirche eben nicht als "geistlicher Selbstbedienungsladen" zu erfassen ist, in dem das Prinzip der Zeitgeistigkeit zum konstituierenden Element der Religiosität wird. Der eschatologische Anspruch der Kirche, die Verklärung von Zeit und Raum, die daraus resultierende sprichwörtliche Verbindung von Himmel und Erde erweist sie eben als wahrhafte
civitas Dei - einer
Gottesbürgerschaft, als deren Haupt Christus, der
Allerhalter (denn gerade diese Dimension des christologischen Hoheitstitels
Pantokrator gilt es zu bedenken) gegenwärtig ist.
Die Hinwendung zur Orthodoxen Kirche ist in diesem Kontext eben
nicht als bloße "Konversion" zu begreifen - hier handelt es sich fraglos um die Rückkehr zu den Wurzeln des christlichen Glaubens in seiner allumfassenden Fülle. Das Bemühen, ein Leben nach den Grundprinzipien unseres Glaubens zu führen, kann tatsächlich zum Skandalon werden - doch ist dies letztendlich die Konsequenz einer (im positiven Sinn des Wortes)
radikalen (= auf die "Wurzel" gehenden) Bereitschaft, für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.
Es müsste halt ein dt. Patriarchat geben
Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit einer noch deutlicheren Reintegration der Orthodoxen Kirche in die abendländisch geprägten Gesellschaften (was die sprachliche Integration anbelangt, so können heute vor allem orthodoxe Gemeinden in Frankreich und Großbritannien als Vorbild gelten), kann man Glaubwürdigkeit und Gültigkeit des rechtgläubigen Zeugnisses doch nicht alleine vom Faktor einer "sprachlichen Anpassung" abhängig machen - gleichwohl dies als eine nicht unbedeutende Voraussetzung erfolgreichen apostolischen Wirkens gelten mag. Gleiches kann für die Entfaltung "lokal-autochtoner" Kirchenstrukturen gesagt werden; auch hier wäre sicher noch viel zu tun - alleine, so unabdingbar-essentiell ist dann das vorläufige Fehlen entsprechender Strukturen für die Erfüllung unseres Sendungsauftrages auch nicht. Problematischer gestaltet es sich allerdings (das wurde bereits an anderer Stelle diskutiert), wenn Glaube und Nation miteinander eine "unheilige Allianz" eingehen - diesem Fehldenken entspringt auch die grundfalsche Wahrnehmung einer "orthodoxen Diaspora".
Mit herzlichen Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter