Sekten,...
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protopeter
- Priester
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- Registriert: 24.07.2006, 21:21
- Wohnort: Salzburg
Ich möchte versuchen, diesen sehr wichtigen Fragen im Einzelnen einige Überlegungen anzufügen - vielleicht findet sich dabei auch die eine oder andere Antwort zum Thema.
1. Sekten sind aus mehreren Gründen eine Gefahr: Sie geben unter absolutem Anspruch vor, "Besitzer" und Verkünder der Wahrheit zu sein und versuchen, dies auch entsprechend durchzusetzen. Dabei kommt es nicht selten von Seiten solcher Organisationen zu Maßnahmen, ihre Mitglieder (wodurch auch immer) unter Druck zu setzen; ein Resultat kann dabei die soziale Isolation sein. Hier erweist sich auch oft, daß unmittelbare Hilfsmaßnahmen schwer anzuwenden sind - gerade auch dann, wenn Mitglieder psychischer Gewalt ("Gehirnwäsche") ausgesetzt wurden und ihre Lebensperspektiven einzig im Rahmen der Sekte möglich erscheinen (als Folgen von seelischer Entmündigung und Persönlichkeitsbeeinträchtigung)
2. Auf diese Weise besteht oftmals ein fortgesetzt-vielgestaltiges Abhängigkeitsverhältnis (gegenüber bestimmten "Geboten" oder einem "Guru"). Es erscheint absurd, doch in nicht wenigen Fällen gerieten Menschen, die auf der Suche nach "innerer Freiheit" waren, in die Fänge einer Sekte und wurden nahezu untragbaren Bedingungen unterworfen, die sie freiwillig wohl nie auf sich genommen hätten. Als Aufklärungsmaßnahme erscheint mir daher die Betonung des Freiheitsaspektes nicht unwichtig - gerade, wenn solche Gruppierungen in Zuge persönlicher "Selbstfindung" kontaktiert werden.
3. Besonders problematisch wirken sich Sekten bei Menschen mit existentiellen Problemen aus, die sich von diesen Organisationen Rat und Hilfe erhoffen. Die Illusion der Vermittlung "neuer spiritueller Erkenntnisse" oder einer diffusen "Erlösungslehre", der es sich anzuschließen gilt, um nicht dem Untergang geweiht zu sein, wirkt sich hier mehr als kontraproduktiv aus. Eine nicht selten anzutreffende Konsequenz ist ein vollkommen dualistisches Weltbild, demnach die Anhänger der Sekte als "gut" und "erlöst" gelten, während alle anderen als "böse" und "verdammt" dargestellt werden.
4. Im orthodoxen Verständnis ist der Glaube ein Charisma, eine Gabe des Heiligen Geistes, die zur Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit einen wesentlichen Beitrag leisten soll. Das menschliche Wesen ist - wie das entsprechende Zeugnis der Heiligen Schrift lehrt - durch seine Grundlegung auf die lebendige Gemeinschaft mit Gott orientiert. Dies alles ist weit entfernt von den Zwangsmaßnahmen der Sekten oder sektenartiger Organisationen und steht in krassem Gegensatz zu den in jenen Kreisen meist mit geradezu manischer Besessenheit propagierten "Heilslehren", als deren letztes Ziel entweder die Befriedigung rein materieller Bedürfnisse oder aber die kritiklose "Hingabe" an bestimmte Ideen sowie auch an eine Führergestalt steht.
Mit herzlichen Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
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