Wie immer kommen wir ab und zu auf dieses Thema zurück.
Diesmal wollte ich fragen (hinweisen) wann das große Shisma begann? Denn wenn wir die Geschehnisse in der Zeit des Patriarchen Photius warnehmen, dann sind es genau diese Punkte die dem westlichen Patriarchen vorgeworfen wurden auch 1054., und heute noch ua. vorgeworfen werden!
Aber wenn es so klar ist bezgl. der apostolischen Tradition, der ökum. Kanones - warum ist die Rückbesinnung/Umkehr schwer? Gerade in der großen Fastenzeit (die ja auch ein Thema des Vorwurfs der Heräsie ist) ist es uns vornehmlich wichtig uns zu (rück-) besinnen!
Hat also das eigenmächtige "Verdrehen" der Tradition weit vor dem Jahr 1054. begonnen!?
Ich dachte ich frage mal nach, da manche ausschließlich das Jahr 1054. als das "Maß der Dinge" sehen. Anbei der Text (wikipedia) zur Erläuterung der Umstende jener Zeit. Leider gibt es die originale Epistel des Patriarchen von 867. nicht ins Deutsche übersetzt. Aber die Vorwürfe kann man auch aus diesem Überblick ersehen.
Auf Eure Meinung wartend,
euer br. milo
Kaiser Michael und Bardas wählten den Laien Photios, der sich durch administrative und akademische Fähigkeiten ausgezeichnet hatte, zum neuen Patriarchen, der innerhalb von einer Woche zum Patriarchen geweiht wurde. Wie üblich, informierte er seine Kollegen in Rom, Alexandria, Antiochia und Jerusalem bezüglich seines Amtsantritts, wobei er gegenüber Rom den traditionellen Ehrenprimat von Rom durchaus anerkannte.
Es gab keine Probleme mit den anderen östlichen Patriarchen. Auch Papst Nikolaus antwortete freundlich, wollte sich aber noch näher über die rasche Ordination informieren. Er sandte deshalb zwei Legaten, die als zweiten Auftrag Illyrien, Kalabrien und Sizilien wieder für die Jurisdiktion von Rom zurückgewinnen sollten. Die beiden Legaten kamen, nahmen 861 an einem von Photios einberufenen Konzil teil, untersuchten den Fall, und befanden den Rücktritt von Ignatios und Amtsantritt von Photios als legal und kanonisch. Das zweite Ziel konnten sie allerdings nicht erreichen.
Zurück in Rom erstatteten sie Bericht. Enttäuscht über den Fehlschlag bei der Rückgewinnung der Provinzen, erklärte Papst Nikolaus die Untersuchungsergebnisse für null und nichtig, exkommunizierte die beiden Legaten, und erklärte die Weihe von Photios sei ungültig, Photios sei abgesetzt, und Ignatios wieder eingesetzt. Photios ignorierte das offiziell, verfasste jedoch für den Kaiser einen Brief, in dem Nikolaus als Untertan des Kaisers angeredet wurde ? was nicht überraschend eine hitzige Antwort von Rom bewirkte.
Unterdessen war es noch auf einem anderen Gebiet zum offenen Konflikt gekommen. Unterstützt von Kaiser Michael, engagierte sich Photios in der Mission bei den Rus, Bulgaren, Bewohnern Groß-Mährens und Chasaren. Photios hat einen entscheidenden Anteil an der Christianisierung dieser Völker. Bei den Bulgaren kam es zu einem weiteren Konflikt mit Rom, das ebenfalls Jurisdiktion über die Bulgaren beanspruchte ? und hier erfuhr Photios alarmiert, dass die römischen Missionare ein anderes Glaubensbekenntnis lehrten (mit dem Filioque).
Nun schlug Photios offiziell zurück. In einer theologisch perfekt ausgearbeiteten Enzyklika an die östlichen Patriarchen exkommunizierte er seinerseits den Papst. Zur Begründung führte er an, dass die Lateiner (die Bewohner des ehemaligen weströmischen Reiches) falsche Bräuche hätten, da sie am Samstag fasten, die Fastenzeit erst am Aschermittwoch beginnen (anstatt drei Tage früher wie im Osten), den Priestern nicht erlauben, zu heiraten (lateinische Missionare hatten in Bulgarien Taufen von verheirateten Priestern für ungültig erklärt), den Priestern nicht erlauben, die Firmung zu spenden (lateinische Missionare hatten in Bulgarien Firmungen durch Priester für ungültig erklärt), und, als Wesentlichstes, auch einer häretischen Lehre anhingen, indem sie das Filioque zum Glaubensbekenntnis (Nicäno-konstantinopolitanum) hinzugefügt hatten.Anmerkung von mir: In Süditalien wurde schon länger die Jurisdiktionsgrenze überschritten, in dem "die Lateiner" dortigen Gemeinden mehr und mehr ihre "neuen Bräuche" aufzwangen. Die Vorsteher beschwerten sich abermals über diese Repressalien beim zuständigen Patriarchen von Konstantinopel.
Aufgrund dieser Irrtümer seien der Papst und alle Lateiner Vorboten des Abfalls, Diener des Antichristen, die tausend Tode verdienen, Lügner, Kämpfer gegen Gott.
Diese Enzyklika wird von der römisch-katholischen Kirche als Ursache des Schismas angesehen. Aus orthodoxer Sicht verteidigte Photios die überlieferte Lehre und die traditionelle patriarchale Autonomie ? er führte nichts Neues ein, sondern wehrte sich gegen die einseitigen Neuerungen von Seiten Roms.
Bei dem Konzil 867 wurde die Exkommunikation von Papst Nikolaus offiziell bestätigt. Papst Nikolaus stirbt jedoch ohne von seiner Exkommunikation zu hören.
Doch nun überstürzen sich auch in Byzanz die Ereignisse. Kaiser Michael III. wird ermordet. Photios verweigert dem Mörder und Usurpator die Teilnahme am Gottesdienst, der Usurpator Basileios I. der Makedonier stürzt Photios und setzt wieder Ignatios I, ein, um zugleich die radikale Fraktion in Byzanz und den neuen Papst Hadrian II. auf seine Seite zu bringen. Ein weiteres Konzil mit wenigen Teilnehmern, heute in der katholischen Kirche das vierte Konzil von Konstantinopel, und kontrolliert von päpstlichen Legaten exkommuniziert und verbannt Photios.
Dieser hatte jedoch immer noch die Unterstützung der großen Mehrheit der Metropoliten und Bischöfe (bei dem Konzil gegen ihn waren zuerst kaum 20 Bischöfe bereit, teilzunehmen). Er enthielt sich weise jeden politischen Angriffs, gab seinen Anhängern jedoch brieflich starke moralische Unterstützung. Schließlich wird er aus dem Exil zurückgerufen und zum Erzieher des späteren Kaisers Leon VI. gemacht. Seine Popularität ist so offensichtlich, dass er drei Tage nach dem Tod von Ignatios 878 wieder als Patriarch eingesetzt wird.
In Rom ist unterdessen wieder ein neuer Papst, Johannes VIII., der mit den Franken Probleme hat und deshalb gute Beziehungen mit Byzanz wünscht. Am Konzil von 879, in der Ostkirche das vierte Konzil von Konstantinopel, das der Papst ausdrücklich anerkennt, wird das antiphotianische Konzil von 869 aufgehoben und Photios voll rehabilitiert. Für den Westen wurde der römische Primat einschließlich Jurisdiktion anerkannt, für den Osten jede päpstliche Jurisdiktion abgelehnt. Auch wird der Originaltext des Nicäno-Konstantinopolitanum ohne Filioque bekräftigt. Damit ist das Photios-Schisma erst einmal beendet.
882 wird Papst Johannes VIII. durch Papst Marinus I. abgelöst, der Photios wieder exkommuniziert, worauf Photios seine Abhandlung über die Mystagogie des Heiligen Geistes veröffentlicht, in der er neben Bibelauslegungen und Zitaten der östlichen Kirchenväter auch spezifisch Ambrosius von Mailand, Augustinus von Hippo und Hieronymus sowie Päpste von Damasus I. bis Hadrian III. zitiert, um seine Argumente zu unterstützen. Diese Abhandlung ist bis heute in der Ostkirche ein Standardwerk bezüglich des Filioque.
886 starb Kaiser Basileios I. unerwartet. Sein Nachfolger, Leon VI., setzte Photios zugunsten seines sechzehnjährigen Bruders Stefan ab. Den Rest seines Lebens verbrachte Photios in einem Kloster in Armenien.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Photios_I.