Lieber Milo,
gleich vorweg: Es ging bei dieser Tagung nicht um Glaubens-, sondern um struktur- und finanzpolitische Reformen: Bedingt durch die Prognose weiter fallender Kirchensteuereinnahmen gegenüber steigenden Kosten für Personal und den Betrieb und die Erhaltung von Kirchengebäuden und anderen Immobilien. Für die Orthodoxen Kirchen könnte wenn überhaupt interessant sein, dass womöglich auch die üppigen Unterstützungsgelder, die momentan fließen, gekürzt werden müssen. Darüber wurde aber kaum auf einer so offiziellen Tagung geredet, zumal es ja nur generell und unverbindlich geredet wurde, und am Ende waren alle glücklich, ohne das etwas wirklich Wichtiges gesagt wurde.
Anderes war auch nicht zu erwarten, denn die EKD (die meinst Du wohl mit EK) ist keine eigenständige Kirche (vergleichbar wie auch mit der KOKiD keine deutsch-orthodoxen Kirche gebildet wurde), sondern eine Gemeinschaft der 23 selbständigen evangelischen Landeskirchen lutherischen, reformierten und unierten Bekenntnisses. Alle Gliedkirchen haben uneingeschränkte Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft trotz ihrer voneinander abweichenden Bekenntnisse. Dieser inner-evangelische »Ökumenismus« wird z.B. von Lutheranern immer wieder kritisiert, so hat die SELK (Selbständige evangelisch-lutherische Kirche) die Abendmahlsgemeinschaft mit allen Landeskirchen der EKD aufgekündigt (auch den nominell luherischen). Die Grenzen der Landeskirchen sind auch nicht identisch mit den heutigen Bundesländern, sondern beruhen auf denen der Fürstentümer, wie sie nach dem Wiener Kongress 1815 festgelegt wurden.
Entschlossen wurde auf der Tagung nichts, sondern es wurde nur über das Strategiepapier »Kirche der Freiheit« debattiert, welches von Bischof Huber herausgegeben wurde, und besonders in den Medien im Vorfeld heftig kritisiert wurde, eben weil es darin mehr um betriebswirtschaftliche Effizienz als um Glauben geht. Die F.A.Z. z.B. betitelte die EKD deshalb auch in einer Glosse als »Effiziente Kirche Deutschlands«
(Quelle).
Kritik gab es auch auf dem Kongress selbst:
epd hat geschrieben:Zu den schärfsten Kritikern der Reformvorschläge gehörte der Schleswiger Bischof Hans Christian Knuth. "Wir sind Kirche Jesu Christi, und nicht Kirche der Freiheit", sagte der Theologe aus der nordelbischen Kirche in Schleswig-Holstein und Hamburg. Er äußerte die Befürchtung, dass die Reformen zu "Zentralismus und Hierarchisierung" in der Kirche führten.
Auf Ablehnung stießen auch einzelne Empfehlungen aus dem Impulspapier wie die Ausweitung der Gemeindeformen. Die Unterscheidung zwischen "Ortsgemeinden" und "Profilgemeinden" sei nicht plausibel, kritisierte Pastorin Almuth Jürgensen aus Schleswig-Holstein. "Jede Ortsgemeinde muss sich anstrengen, ihr Profil zu schärfen", mahnte die Theologin. Eine Reduzierung klassischer Angebote schade der Ausstrahlung der Ortsgemeinde.
(Quelle)
Gegen eine Zusammenlegung der Kirchen wehren sich verständlicherweise vor allem die kleinen, in der Regel traditionell orientierten und gut funktionierenden Landeskirchen.
Meine Anmerkung dazu: Besonders bedenklich finde ich das Konzept der » Profilgemeinden«, denn damit soll die »Orts«-Gemeinde im Sinne es Neuen Testamentes aufgegeben werden, statt dessen zielgruppenorientierte Angebote gemacht werden: Neben gutbesuchten Traditions-Gemeinden in »richtigen« Kirchen, Jugendgemeinden, in angemieteten Diskos, Altengemeinden, Eventgemeinden mit besonders schicken Kirchen, in denen aber nur Tauf-, Trau, Jubiläumsgottesdienste stattfinden, Sodomiten-Gemeinden, in denen die Bibel uminterpretiert wird, Esoterik-Gemeinde für Menschen, die im Christentum keinen Sinn sehen, Frauengemeinden, wo Frauen unter sich ohne männliche Bevormundung ihre Göttin anbeten können, etc. Das wären also Lebensabschnittgemeinden (Vergleichbar mit dem Konzept der Lebensabschnittspartnerschaft statt unauflöslicher Ehe).
Weiter Informationen finden sich auf den
Internetseiten der EKD.
LG
Walter