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Orthodoxe laut Huber nicht "aufgeklärt"
Verfasst: 07.01.2007, 12:13
von Sebastian
epd-newsticker hat geschrieben:Hamburg (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat sich kritisch über die gegenwärtige Annäherung zwischen Vatikan und orthodoxer Kirche geäußert. Es gebe in beiden Kirchen eine unterschiedlich
stark ausgeprägte Tendenz, eine Gestalt des christlichen Glaubens zu leben, "die mit der Aufklärung nichts zu tun hat", sagte der Berliner Bischof am Samstag im NDR-Hörfunk (Hamburg).
Das große Risiko der Annäherung zwischen der Orthodoxie und der römisch-katholischen Kirche bestehe darin, "d
ass es eine Annäherung vor der Aufklärung sein könnte", fügte Huber hinzu. Der Bischof forderte von der Religion dagegen einen konstruktiven Umgang mit dem Verhältnis zwischen Vernunft und Glaube. Rationale Aufklärung dürfe nicht als Verfall gedeutet werden. Hier müssten beide Kirchen ein Vorbild für die Muslime sein.
Kardinal Karl Lehmann (Mainz) wies im NDR die Bedenken Hubers zurück. Die Ökumene zwischen der katholischen und den evangelischen Kirche dürfe nicht ausgespielt werden durch die Kontakte zwischen Rom und der orthodoxen Weltkirche. Dies halte er für "absoluten Unsinn". Er sprach sich für die Fortführung der "multilateralen Ökumene" aus, wie es zum Beispiel auf der Ebene des Weltkirchenrates geschehe.
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz räumte zugleich unterschiedliche Auffassungen zum Umgang mit der Aufklärung ein. Zwar könne keiner mehr hinter diese Ende des 17. Jahrhunderts entstandene geistesgeschichtliche Epoche zurück. Lehmann: "Aber die Aufklärung selber hat ja auch wieder ihre eigenen Schwierigkeiten geschaffen." Diese müssten von beiden Kirchen gemeinsam aufgearbeitet werden. (15360/29.12.2006)
epd

Verfasst: 09.01.2007, 16:03
von theofan
Hallo,
also ich finde, der Herr Huber hat es wunderbar auf den Punkt gebracht.
Wenn die Not der verschrumpelten abendländischen Seele nur endlich groß genug ist, wird sie genauso nach "Aufklärung" verlangen wie im Mittelalter der geknechtete Verstand. Wir haben diese Aufklärung hier im Westen alle noch vor uns.
Und woher kommt das Licht unserer Seele?

Ex oriente!
Gottes Segen
Hans-Peter
Verfasst: 10.01.2007, 10:36
von protopeter
Liebe Mitdiskutanten !
In der zitierten Aussage offenbart sich genau das Problem der sogenannten "Ökumene" - die Ausrichtung nach rein utilitaristischen Prinzipien, die Karikierung und Degeneration der gottmenschlichen Offenbarung zu einer rein nach "menschlichen Bedürfnissen" Sichtweise orientierten Ideologie. Das Wort Archimandrit Justins, demgemäss in den abendländischen Bekenntnissen der Gottmensch Jesus Christus durch den Menschen aus Rom und den Menschen aus Wittenberg ersetzt wurde, ist somit eindeutig-unbestrittene Realität. In diesem Sinne wäre es für die Orthodoxe Kirche eine absolute Notwendigkeit, die eigenen Standpunkte klarzumachen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.
Brüderliche Grüsse,
Erzpr. Peter
Verfasst: 10.01.2007, 11:03
von Milo
Lieber v. Peter,
Sie haben es auf den Punkt gebracht, mit der Aussage des seeligen
Arhim. Justin:
Der Mensch aus Rom, Wittenberg, Konstantinopel, oder wo auch immer her...
will uns unseren Gott nochmals offenbaren, obwohl sich Dieser selbst und deutlich offenbart hat!
Als wäre Er unmündig und hilfsbedürftig des Menschen in dieser Hinsicht.
Ich habe das schon einmal versucht zu betonen, als ich meinte das die Hermeneutik der nicht orthodoxen Gemeinschaften anderst ist und bleibt, bis sie nicht umkehren zur reinen Offenbarung Gottes, die in der OK gewahrt wird.
Bis sie also nicht von der römischen, wittenbergischen Ideolattrie ablassen und sich vor dem Logos Gottes hinwerfen!
Herzlichst,
Ihr Milo
Verfasst: 10.01.2007, 11:53
von Sebastian
Hallo liebe Forumsteilnehmer,
ich muss schon sagen, dass ich über eure Kommentare froh bin
Theologisch ganz grausam zu sehen ist diese Aussage des ev. Bischofs:
Es gebe in beiden Kirchen eine unterschiedlich stark ausgeprägte Tendenz, eine Gestalt des christlichen Glaubens zu leben, "die mit der Aufklärung nichts zu tun hat"
Der gute Herr Bischof Huber "confirmed" hier geradezu seine eigene Häresie. Durch den Einbau einer von Menschen entwickelten Ideologie (der Aufklärung) in die Glaubenslehre, wurde die Lehre Christi abgesetzt.
Verfasst: 11.01.2007, 22:28
von Walter
Grüß Gott, zusammen!
Dieser Artikel, bzw. der Vorwurf Hubers, die katholische Kirche würde die ökumenischen Beziehungen zur EKD zugunsten orthodoxer Kirchen vernachlässigen, geht gar nicht gegen irgendeine orthodoxe Lehre, sondern gegen die gegenwärtige Ökumenepolitik* des Vatikans, konkret seit dem Papstwechsel** (vgl. auch dessen Regensburger Reden über das Thema).
Deshalb halte ich es (gerade hier im Unterforum Interkonfessionelles!) für unwürdig, mit Geschossen wie "Ideolattrie" oder "eigene Häresie" (denn häretisch sind immer die anderen) oder gar Spott ("der gute ...") zu kontern, vor allem wenn man das Thema selbst hier eröffnet. Das erweckt möglicherweise eher den Eindruck von Stammtisch-Mentalität als von orthodoxer
metanoia.
Zudem muss man bei Äußerungen Hubers unterscheiden, was er allein als übereilten Ausdruck persönlicher Gekränktheit von sich gibt (wie z.B. zur gemeinsamen Bibelübersetzung, dem WJT, dem röm. Kirchenbegriff, gegen seinen Kollegen Klaus Berger, etc.) und was er inhaltlich (im Sinne einer mehr oder weniger einheitlichen EKD-Position) schreibt.
Falls hier nun auch Interesse besteht, über die Ökumenevorstellungen Hubers selbst zu diskutieren, statt über den "Mensch aus Rom, Wittenberg, Konstantinopel" (an sich), dann hierzu als Hintergrundinformation noch zwei Links:
LG
Walter
*Die Ökumenepolitik des Vatikan ist natürlich auch unabhängig von Hubers Kritik daran ein interessantes Thema, weil es Rom ja nicht wirklich um Annahme orthodoxer Glaubenslehre geht (das glaubt Huber wohl selbst nicht), sondern um die Aushandlung einer möglichst billige Union mit den Orthodoxen. Von daher finde ich eine Kritik am derzeitigen Schmusekurs, wie ihn auch die Athosmönche üben (unabhängig von der Form, in der die Kritik geübt wird), durchaus für berechtigt. Auch die (zeitweilige) kalte Schulter gegenüber der EKD gehört m.E. zu dieser Taktik, weil sie Rom dogmatisch nichts kostet, aber Eindruck macht. Spätestens, nachdem die Orthodoxen eingesackt sind (so hofft Rom), wird man auch mit Huber wieder schmusen.
** Hier ist noch anzumerken, dass das Papstamt zwar für alle Nichtkatholiken ein Ökumenehindernis ist, für den Katholizismus zudem momentan das Aushängeschild (das ärgert Huber besonders), aber dass es sehr wohl auch eine katholische Kirche außerhalb des Vatikans gibt und dass für das Thema Ökumene auch die Beziehungen der Kirchen vor Ort wichtig ist.
Verfasst: 11.01.2007, 23:42
von protopeter
Lieber Walter !
Zu Ihren Ausführungen nur die eine Ergänzung: Ein jeder, der sich als orthodox bezeichnet und dabei noch immer der Panhäresie der Ökumene - gleich welcher Ausprägung - anhängt oder sie vorbehaltlos gutheißt, gerät leicht in Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Es muß sich aus unserer Perspektive vor allem darum handeln, grundsätzliche Irrtümer aufzuzeigen und in Frage zu stellen - Gottes-, Menschen-, und Weltbild der heterodoxen Bekenntnisse sind in keinem Fall mit den Werten der Heiligen Überlieferung, wie sie in einzigartiger Form durch die Orthodoxe Kirche verkündet werden, in Einklang zu bringen.
Eine metanoia stünde neben den Häretikern besonders auch all jenen gut an, die sich als rechtgläubig wähnen, indessen jedoch noch immer einem geistigen Kompromiß mit den Irrlehren nachjagen.
Nachdenkliche Grüße sendet
Erzpr. Peter
Verfasst: 12.01.2007, 00:56
von Walter
Nikephorus der Einsiedler warnt vor dem Irrtum von rechts wie von links sowie vor Übertreibungen jeglicher Art. Das soll selbstverständlich nicht als Plädoyer für die Mediokrität missverstanden werden. Ich denke, da sind wir uns einig.
Gesegnete Nacht und schöne Grüße zurück!
Walter
Verfasst: 12.01.2007, 10:25
von Sebastian
Grüß Gott!
Dank Walter bleibt dieses Forum immer auf einigen anständigen Niveau.
Dieser Artikel, bzw. der Vorwurf Hubers, die katholische Kirche würde die ökumenischen Beziehungen zur EKD zugunsten orthodoxer Kirchen vernachlässigen, geht gar nicht gegen irgendeine orthodoxe Lehre, sondern gegen die gegenwärtige Ökumenepolitik* des Vatikans, konkret seit dem Papstwechsel** (vgl. auch dessen Regensburger Reden über das Thema).
Gut, dass du darauf hinweisst, dennoch geht der von Bi. Huber dabei geäusserte Vorwurf sehr wohl gegen die
eine orthodoxe Lehre nämlich in der er u.a. uns Orthodoxe indirekt auffordert uns der Aufklärung zu beugen!
Zu dem Rest deines Beitrages schreibe ich erst einmal nichts, sondern verbleibe mit einem lieben
O zapft' is! an meinem Stammstisch

Verfasst: 12.01.2007, 12:34
von theofan
Lieber Sebastian, liebe Disputanten,
jetzt muss ich aber doch noch protestieren (nicht, dass ich dadurch zum Protestant würde!):
Wollt ihr wirklich die ganze Aufklärung dem Herrn Huber überlassen???
Ist es denn in unserer heiligen und katholischen Kirche nicht rechtens, seinen Verstand zu gebrauchen und selbstverschuldete geistige Unmündigkeit zu überwinden?
Ich wiederhole meine These von weiter oben, dass es nicht unsere Aufgabe sein kann, die Aufklärung zu ignorieren und zu verdrängen, sondern immer wieder darauf hinzuweisen, dass nicht jede Unmündigkeit des Verstandes selbstverschuldet ist und dass eine ganzheitliche Aufklärung des Menschen not tut, welche auch das Heraustreten aus der Unmündigkeit der Seele umfasst, nämlich das Überwinden der Ursünde und die theosis des ganzen Menschen (Körper-Seele-Geist).
Genau so, wie z.B. nicht die Abstützung auf die Hl. Schrift, sondern erst die ausschließliche Abstützung auf die Hl. Schrift das Evangelium verkürzt, genauso ist auch nicht der Gebrauch des Verstandes abzulehnen, sondern dessen Diktat über die Seele, seine losgelöste Alleinherrschaft .
Dass die Orthodoxie diese Disbalance jahrhundertelang vermeiden konnte, ist der Schatz, den es zu hüten gilt, aber nicht durch Ignoranz (dann kriegt uns die im Kantschen Sinne verkürzte 'Aufklärung' nämlich im Zuge der Globalisierung doch noch), sondern durch Auseinandersetzung damit und "christliche Befruchtung".
Wie sonst wollen wir unserem Bruder in Christus Huber helfen, der ja nun mal an seiner Aufklärung hängt? Wenn jemand nur auf einem Auge sieht, sollte man ihm das zweite öffnen und nicht das erste ausreißen.
Gott möge uns gnädig sein!
Hans-Peter
Verfasst: 12.01.2007, 13:09
von protopeter
Lieber Hans-Peter !
Bevor noch einige weiterreichende Mißverständnisse die Runde machen, möchte ich sozusagen die "Notbremse" ziehen und darauf hinweisen, daß es in der orthodoxen Tradition sehr wohl eine "Aufklärung" gab und gibt, die sich unter anderem in der positiven Hinwendung der byzantinischen Zivilisation zu den Wissenschaften manifestierte. An anderer Stelle wies ich schon einmal auf den Kirchenvater Johannes von Damaskus hin, der in seiner Definition der philosophia eben die Möglichkeit einer Annäherung an die Erkenntnis von Gottes Weisheit vermittels diverser Wissenschaften, die dem Menschen helfen sollen, gewisse Zusammenhänge zu erkennen, diskutierte.
In einem allgemeineren Sinne handelt es sich dann eben darum, die durchaus einander ergänzenden Komponenten von Glauben und Wissen in entsprechenden Einklang zu bringen; hier ist es vor allem die Frage des rechten Gebrauchs, die es zu lösen gilt und die in besonderer Weise die menschliche Verantwortungspflicht reflektiert. Der Hinweis auf Vater Justins Aussage bezieht sich ausschließlich auf das von Ihnen auch kritisierte "Diktat über die Seele"; davon ausgehend ist eine jeglich dualistische, einander ausschließende Konzeption dieses Fragenkomplexes von vorneherein absolut auszuschließen.
Ich möchte allerdings auch nicht verschweigen, daß es innerhalb unserer Kirche im Laufe ihrer geschichtlichen Entwicklungen leider auch immer wieder (vor allem von monastischen Kreisen getragene) Tendenzen gab, die - aufgrund einer offensichtlichen Fehlinterpretation des Apostelwortes bei I Kor 1,25 - den "weltlichen Wissenserwerb" als eine den Christen nicht gemäße Untugend anprangerten. Dagegen steht allerdings das Beispiel zahlreicher kirchenväterlicher Persönlichkeiten aller Jahrhunderte, die oftmals auch als Intellektuelle galten und so auch diese Ausprägung als gottgefällig erwiesen. Konsequenterweise sollte es in orthodoxer Perspektive dringend nötig sein, Dissonanzen zu überwinden, um dann die All-Einheit des Seins, seine Erhebung, Verklärung und Erlösung im Göttlichen Ungeschaffenen Licht umso deutlicher zu betonen.
Mit herzlichen Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter