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ESPHIGMENOU: Tod oder Orthodoxie?

Verfasst: 21.12.2006, 21:08
von Walter
Kurz vor dem Fest der Liebe kam es auf dem Berg Athos leider wieder einmal zu einer Gewalteskalation: :(
20.12.06. Die Schweizerische Depeschenagentur hat geschrieben:THESSALONIKI

Mönche prügeln sich auf dem Berg Athos

Mit Beilen und Eisenstangen sind rivalisierende Mönche auf dem heiligen Berg Athos aufeinander los gegangen. Bei der Schlägerei in der autonomen Mönchsrepublik wurden mindestens fünf Mönche verletzt.

Drei von ihnen mussten wegen ernster Verletzungen in Spitäler gebracht werden, wie das griechische Radio berichtete. Die Gewalttätigkeiten bedeuteten eine weitere Zuspitzung in dem seit Jahrzehnten andauernden Streit auf dem Berg Athos zwischen ultra-konservativen und gemässigten Orthodoxen.

Zur Schlägerei kam es, als «legale» Mönche «rebellierende» Geistliche aus einem Zimmer-Komplex im Verwaltungssitz der Mönchsrepublik in Karyes zu verdrängen versuchten. Mit Werkzeugen schlugen sie Türen ein, ehe sie damit aufeinander eindroschen, berichteten Augenzeugen telefonisch vom Berg Athos im Radio.

Beim langjährigen Streit geht es um den Dialog der orthodoxen mit der katholischen Kirche. Die Mönche eines der 20 Klöster des Berges - des Esfighmenou Klosters - lehnen seit 30 Jahren jeden Kontakt mit Katholiken ab - im Gegensatz zu den anderen Klöstern.

Das Äbte-Konzil erklärte vor zwei Jahren die Mönche des Esphighmenou Klosters zu «Abtrünnigen» und forderte sie auf, die Mönchsrepublik zu verlassen. Eine Räumung durch die Polizei lehnt die Gemeinschaft der Äbte in Athos bislang ab.

Der Abt des aufständischen Esfighmenou-Klosters, Methodios, hat für diesen Fall gedroht, sich in die Luft zu sprengen. Aus den Fenstern des Klosters hängen seitdem Transparente mit dem Spruch «Orthodoxie oder Tod». (sda)
Von dem gestrigen Vorfall informierte Abt Methodios als erstes die Öffentlichkeit:
Esphigmenou selbst hat geschrieben:BREAKING NEWS - DECEMBER 20, 2006
ESPHIGMENOU MONKS ATTACKED, HOSPITALIZED

Mount Athos, Greece - In another brutal an unprovoked attack, members of the Patriarch Bartholomew's brotherhood launched a pre-dawn assault on the Esphigmenou building in Karyes, breaking down the door with sledge hammers, and assaulting the Esphigmenou monks inside, sending four to the hospital. Fathers Cleopas, Mardarios, Chrysostom and Ambrosios were hospitalized at Polygero Hospital, 500 miles north of Athens, after having been attacked with crowbars by monks from Patriarch Bartholomew's brotherhood. According to the attending physician, Dr. Athanaseos Papageorgiou, the most seriously injured monk, Fr. Ambrosios, has multiple bodily injuries and a broken skull.

The imposter monks who launched the attack, are under the spiritual authority of Patriarch Bartholomew in Istanbul, who recognizes these monks as his spiritual children and the monks that have been attacked, assaulted and sent to the hospital as "rebels" who need to return to the fold and obey his personal interpretation of the faith. The monks of the historical monastery of Esphigmenou, who were attacked by the Patriarch's monks, reject all violence as unchristian, and have requested dialogue with Patriarch Bartholomew to clarify his actions and teachings which are in conflict with the teachings of the Orthodox church. So far, Patriarch Bartholomew has ignored these requests for dialogue, preferring instead to persecute them by proxy, using the Greek police and his own sledge hammer wielding monks to do his work.
Später räumte er jedoch ein, dass seine Mönche auch kräftig mitgemischt haben. Sogar mir den an den Wänden angebrachten Feuerlöschern sollen sie auf einander eingedroschen haben. Heute geht man von mindestens sieben zum Teil schwer Verletzten aus, vier davon aus Esphigmenou:
21.12.06. [url=http://www.welt.de/data/2006/12/21/1152874.html]Die Welt.de[/url] hat geschrieben:Athen - Bei einem Handgemenge zwischen zerstrittenen griechischen Mönchsgruppen sind mindestens sieben Gottesmänner verletzt worden. Die Mönche des Esfigmenou-Klosters am Berg Athos, die sich nicht wie die anderen 19 Mönchsklöster zum ökumenischen Patriarchen als Oberhaupt der orthodoxen Kirche bekennen, befanden sich in einer Kapelle, als es zu dem Kampf kam. ?Wir waren gerade in der Kapelle, als eine Gruppe von Mönchen mit Vorschlaghämmern und Brecheisen eingebrochen ist und uns angegriffen hat?, sagte Esfigmenou-Abt Pater Methodios dem staatlichen Fernsehen. ?Sie haben uns geschlagen und wir haben uns verteidigt.? Drei der verletzten Mönche gehörten zu den mutmaßlichen Angreifern.

WELT.de/rtr
Wie sehr wünsche ich mir, dass sich die Väter und Brüder auf dem Heiligen Berg wieder aussöhnen könnten. Bitte betet mit dafür! Und natürlich auch für die verletzten Mönche (ein oder zwei von ihnen sollen wirklich schlimme Schädelbrüche haben): :cry:

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Verfasst: 22.12.2006, 09:36
von Milo
Gott helfe uns!

Lieber Walter, danke für die Meldungen.

Ich muss etwas die (Des)Informationen "gerade biegen".

Nach dem ich in anderen Meldungen rechercheierte, stelle ich fest das es so erging...

das die orthodoxen Mönche der anerkannten Bruderschaft in die von den Shismatiker/Fanatiker illegal besetzten Räume eidringen wollte, um mit dem neuen Kirchenbau zu beginnen. Die Shismatiker setzten sich mit Feuerlöschutensilien zu wehr und schlugen die Brüder brutal zusammen.
Dh. das unter den (auch schwer) verletzten sich nur die Mönche der anerkannten Bruderschaft befinden.


Möge der barmherzige HErr eingreifen und Seine Würde in diesem usurpiertem Ort segnen! Amen.


sündiger milo

Verfasst: 22.12.2006, 11:07
von holzi
Liebe Freunde,

kann mir zu diesem Thema irgendwer noch einige Hintergrundinfos liefern:

Warum sind die Mönche von Esfigmenou so fanatisch?
Was genau lehnen diese Mönche so vehement ab?
Hat diese Haltung irgendeinen Rückhalt in der Bevölkerung oder ist es eine eher isolierte Bewegung?
Warum erinnert mich das etwas an die römisch-katholische Piusbruderschaft?

und Friede auf Erden den Menschen guten Willens
Euer
Konrad

Verfasst: 22.12.2006, 17:01
von protopeter
Lieber Konrad !

Zu Ihrer Frage einige Anmerkungen:

1. Wie Br. Milo richtig schrieb, handelt es sich um eine Form von Schisma, da die Mönche es ablehnen, den Ökumenischen Patriarchen (der seit dem 11. Jahrhundert die oberste Jurisdiktionsgewalt auf dem Berg Athos innehat) zu kommemorieren - dieser Zustand verschärfte sich im Laufe der letzten 15 Jahre. Der wesentliche Grund liegt in der ökumenistischen Haltung des derzeitigen Patriarchen, dem die Mönche - im Bewußtsein, "Hort der Orthodoxie" zu sein - den Gehorsam verweigerten. Daraus resultierte letztendlich aber auch eine allzu elitäre Geisteshaltung, einzig den "rechten Weg" zu vertreten, was gegenüber der Gesamtheit der Orthodoxie zu einer völligen (bewußt gewollten) Abgrenzung führte.

2. Man kann insoferne von offiziellem "Rückhalt" sprechen, als die Mönche in gewissen schismatischen altkalendarischen Bewegungen Unterstützung für Ihr Vorgehen erfuhren. Problematisch gestaltete sich der an die Öffentlichkeit getragene Rechtsstreit um das Kloster, der auch die Anhängerschaft entsprechend fanatisiert auf den Plan rief; gemessen an der Gesamtzahl orthodoxer Gläubiger in Griechenland handelt es sich jedoch um eine klare Minderheit.

In der Hoffnung, etwas zur Klärung Ihrer Fragen beigetragen zu haben, grüßt mit vorweihnachtlichen Wünschen
Erzpr. Peter

Esphigmenou

Verfasst: 22.12.2006, 19:47
von peter
Ihr Lieben !

Zur näheren Beurteilung mit Blick auf die "Minderheit", möchte ich Euch folgenden Text von father Aidan zur Kenntnis geben:
"All diese Entwicklungen ... weisen ... auf die Bildung einer neuen Kirche hin, "Östlich-Orthodoxe" genannt, mit all dem ethnischen und liturgischen Drum und Dran der historischen Orthodoxie, aber weder auf die Sieben Ökumenischen Konzilien, noch auf die Lehren der Frühen Christlichen Väter, noch auf die Orthodoxe Tradition gegründet. Daß die Hauptvertreter dieser Richtung keine Orthodoxe tolerieren werden, die den Glauben und die Bräuche ihrer Vorfahren bewahren, ist klar. Schon werden solche Traditionalisten als "schismatisch" oder "häretisch" gebrandmarkt; sie sind zu Zielscheiben von Repression und Gewalt geworden ... Anmerkung: Im Jahre 1992 wurden die traditionalistischen Mönche des hl. Elias-Skits auf dem Berg Athos aus ihrem Kloster, das von Repräsentanten des Patriarchen von Konstantinopel, unterstützt von Agenten des Staates, zwangsgeräumt worden war, vertrieben. Ein ähnliches Schicksal erwartet die traditionalistischen Mönche in Esphigmenou. Die Verfolgung der Orthodoxen Christen des Alten Kalenders (des Kirchenkalenders, d.Ü.) in Griechenland und Rumänien durch die neukalendarische Obrigkeit ist das zweite treffende Beispiel, das hier aufgezeigt wird, und das dritte ist die beschämende Behandlung nicht-ökumenistischer Geistlicher in Rußland."
Dies wurde 1994 geschrieben und wird langsam wahr. Die "Neue Kirche"
hat jetzt durch das weltweit beachtete, "offizielle" Treffen mit Papst Benedikt Aufwind, und darf sich wieder ein paar Übergriffe mehr erlauben, unabhängig vom konkreten "Handgemenge". Rechtgläubigkeit wurde
noch nie nach "Mehrheiten" bemessen, die sich natürlich sofort als Wahrheitserweis aufdrängen. Aber wer hat den Kirchenkalender geändert, wer betreibt denn "Ökumenismus" aus Oppurtunismus.
Unser "Fest der Liebe" schließt vor allem die ins Herz, die um des Menschensohns willen verfolgt werden. "Selig sind die Verfolgten um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich".

Peter

Verfasst: 22.12.2006, 20:33
von protopeter
Lieber Peter !

Ich widerspreche Ihnen in diesem Zusammenhang wirklich ungern, aber ich gestatte mir - als jemand, der einen Einblick in gewisse Zusammenhänge erhalten durfte - anzumerken, daß es hier eben nicht darum geht, die Rechtgläubigkeit an sich zu verteidigen, sondern man innerhalb dieser "Gruppe" im Wesentlichen leider dazu neigt, die "Form" über den "Inhalt" zu setzen. In diesem Sinne werden all jene, die sich nicht der Haltung von Esphigmenou anschließen (wollen), als häretisch gebrandmarkt. Die Eingriffe des Jahres 1992 sind ohne Zweifel unrechtmäßig erfolgt; auch die Kalenderfrage ist im Zusammenhang mit den athonitischen Verhältnissen eine offene Wunde - in dem Sinne mag das Wort des Archimandriten Philotheos (Zervakos), eines geistlichen Schülers des Hl. Nektarios von Ägina Geltung haben: "Die Kalenderreform hätte nicht geschehen dürfen, doch erweist sich Orthodoxie im Glauben an die gottmenschliche Erlösung und nicht an den Kalender".

Das von Ihnen gebrachte Zitat stammt auch aus (im Übrigen unkanonischen) Kreisen, die sich der altkalendarischen Richtung verpflichtet sehen (bitte berücksichtigen Sie in meinen Ausführungen, daß auch ich "Altkalendarier" bin !); in diesem Sinne halte ich es für subjektive Vermessenheit, alle Orthodoxen, die sich der "Reform" von 1923 anschlossen (beziehungsweise anschließen mußten), als a priori der Häresie zugeneigt zu sehen. Darüberhinaus erscheint mir der im Zitat benützte Begriff "traditionalistisch" mehr als bedenklich - dies würde einer Unterteilung unserer Kirche in "orthodox", "orthodoxer", "superorthodox" oder "ultratraditionalistisch-orthodox" gleichkommen und pervertiert sämtliche Grundbegriffe orthodoxer Ekklesiologie auf das Gröbste. Auch handelt es sich hier - wie Sie anmerken - nicht um eine Frage von Mehrheitsverhältnissen; wenn aber - wie von dieser Gruppierung wiederholt geschehen - kanonische Verstöße zur offenkundigen Praxis gehören (so etwa die Wiedertaufe orthodoxer Gläubiger (!)), ist wohl mit Recht zu fragen, ob sich diese Mönche und ihre Anhängerschaft noch in voller Gemeinschaft mit der Gesamtorthodoxie befinden kann.

Wer hier der vorgeblichen Abwehr einer "Neuen Kirche" das Wort reden will, rechtfertigt im Gegenzug ein Verhalten, das weder mit den Kanones noch mit der kirchenväterlichen Tradition in Einklang steht und solchermaßen alles andere als "orthodox" genannt werden kann. "Traditionalismus" ist lediglich ein Surrogat der altehrwürdigen Überlieferung; eine Orthodoxe Kirche, die - trotz aller Anfechtungen - auf den Fundamenten echter Tradition ruht, wird auch im dritten christlichen Jahrtausend ihren Sendungsauftrag zu erfüllen vermögen.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

Verfasst: 22.12.2006, 23:04
von Milo
Guten Abend.

Ich muss mich ganz klar auf die Seite von v. Peter stellen.

Es kann ja nicht sein das wir den "modernen Montanismus" (der mit Eisenstangen prügelt, und sich sogar in die Luft sprengen will!), billigen um die Orthodoxie vor sich selbst zu retten!?
Dem nach wenn es um die Kalendersache geht, wären wir ja alle verloren da wir Alle das bevorstehende Weihnachtsfest eigentlich der falschen Jahreszeit zurechnen!

Ja ich bin auch Altkalendarier...und dieser Man auch:
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Aber auch Er meint das die Kalenderfrage keine dogmatische, also heilsrelevante Frage ist. Vielmehr betrifft es nur die Frage der Ekklisiologie...der Organisation der einen Kirche. Und leider mangelt es uns etwas zur Organisationfreude, bzw. zu regelmäßigen panorthodoxen Versammlungen.

So Gott will, werden wir bald dieses Kalenderthema für immer bannen.
Die Shismatiker, Fanatiker, Häretiker...wohl nicht. Leider!

Euer zelote milo

Verfasst: 23.12.2006, 11:50
von holzi
administrator hat geschrieben:Ja ich bin auch Altkalendarier...und dieser Man auch:
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Hallo Milo,

ist das der serbische Patriarch Pavle?

Grüße
Konrad

Orthodoxie oder Tod ?

Verfasst: 23.12.2006, 19:04
von peter
Ihr Lieben Brüder !

Da ich Spätberufener noch vor meinem "Tod" den orthodoxen Glauben in reine christliche Liebe verwandeln möchte, stelle ich mich Dir, lieber Milo und Ihnen, Erzpriester Peter, gleichfalls zur Seite, ohne "Euch" wiederum zu nahe zu treten, denn es geht ja auch um die Liebe zur Wahrheit. Die Sprachregelung der "Neuen Kirche" hält um des falschen Friedens und der falschen Einheit willen - der künftigen Welteinheitskirche mitsamt dem fest eingeplanten östlich-"schwesterlichen" Flügel - schon jetzt die feinen Stempel bereit: "Schismatiker, Häretiker, Fanatiker usw." Wir brauchen uns nicht mit Esphigmenou zu solidarisieren (wo gehobelt wird, fallen ja Späne), aber gibt Euch das nicht zu denken, daß ein großes Athos-Kloster für den christlichen Glauben den Tod zu erleiden bereit wäre? Wieviel Unausgesprochenes, mangels geeigneter "Medien" Nicht-Verlautbartes steht hinter diesen tragischen Ereignissen. Ohne "Fanatismus" sage ich Euch mit Liebe und in aller Ruhe: Die Aufhebung des Kirchenkalenders war und ist eine Häresie, weil damit das so gern verschwiegene Dogma der "Einheit" der Kirche gröblichst verletzt wurde / wird ("Seid eins, so wie ich und der Vater eins sind). Erst das ersehnte 8. Ökumenische Konzil wird diese Wunde heilen. Deshalb werden wir auch dieses "Thema" im Forum nicht einfach "bannen" können. Einheit der Kirche ist nun nicht lediglich eine ekklesiologisch-"organisatorische" Aufgabe, sondern ganz "heilsrelevant" im eminenten Sinne. Denn wo werden die "Mysterien" und "Sakramente" so gespendet, daß sie unsere "gottmenschliche Erlösung"
in Jesus Christus bewirken: in der wahren "Una sancta" ! Sonst hätte ich nicht Orthodoxer werden brauchen, wenn ich diesen Glauben nicht hätte.
Ob nun das Reglement ursurpierter Kanonik ausreicht, um diese volle eucharistische Gnade zu erwirken, stelle ich dem Vertrauen anheim. Jedenfalls erhoffe ich solche Gnade für jede "in Wahrheit" gläubige "Minderheit", aktuell vor allem für die vom so leichten Bann ereilte, "fanatische", "altkalendarische Richtung" (in Wahrheit ja bedrängte
Kirchenkalendarier, die dreister Lüge und Anmaßung nicht weichen wollen). Daß Verbitterung hier einkehrt, teilweise auch die Haltung
der "Super-Korrektheit", verwundert nicht. Aber wo bleibt die Abkehr
und Umkehr, die "metanoia" der griechischen Neukalendarier, "wenn Philotheos fesstellt: "die Kalenderreform hätte nicht geschehen dürfen" ?
Bischöfe und Priester erwarten doch von uns praktische Buße, warum
sollen in einer durchaus "heilsrelevanten" Frage diese Kirchen nicht selbst
den Weg der Umkehr einschlagen, zumal die russische, serbische, georgische Orthodoxie und Jerusalem hierin Einheit haben ? Und muß
wirklich "Traditionalismus" in eine orthodoxe Bewertungsskala münden,
wenn es hier ganz konkret um ein "Entweder-Oder" geht ? Katholizismus
oder Orthodoxie, Kirchenkalender oder Weltzeit !

Esphigmeou lebe !

Frohe Weihnacht allen Neukalendariern !

Euer Bruder Peter

Verfasst: 23.12.2006, 20:33
von Milo
holzi hat geschrieben: Hallo Milo,

ist das der serbische Patriarch Pavle?

Grüße
Konrad
Ja , Konrad, das ist er...

Besinnliche Tage wünsch ich Dir,

und weihnachtliche Grüße!

Milo

Verfasst: 24.12.2006, 00:17
von Sebastian
Liebe Leute!

ich bin über die Vorkommnisse auf Athos erschüttert muss aber gestehen, dass mich die erneut hier aufkommende Kalenderfrage allmählich langweilt. Wir haben an anderen Stellen bereits über dieses Thema breit und öffentlich diskutiert (zur Not Suchbegriff in unsere Suchoption eingeben). Keine Sorge ich bin keiner der Maulkörbe verteilt, ich stelle nur simpel folgendes fest:

- Menschen sind (z.T. schwer) verletzt worden
- Menschen, die meine Glaubensbrüder sind und sich und ihr Leben verschrieben haben.

Alleine diese beiden Tatsachen finde ich bedrückend. Das WIE und Warum kommt an zweiter Stelle. Wenn ich einen Wunschzettel (an das Christkind und natürlich nicht an den Weihnachtsmann von Coca cola) für Athos schreibe und diesen im Gebet Gott anvertraue, dann steht dort:

Ich wünsche mir für den Hl. Berg zualler erst Frieden! Frieden ist die Grundlage für Alles.
Ich wünsche mir, dass die Shismatiker einsehen, dass der eingeschlagene Weg falsch ist und umkehren.
Ich wünsche mir, dass beide Seiten Versöhnung wollen und das Kloster ESPHIGMENOU liebevoll in den Schoß der Kirche wieder aufgenommen wird (es also nicht abweisend behandelt wird).

Aber wie es halt so ist; nicht meine Wünsche geschehen, sondern der Wille Gottes. Beten wir auch für die Mönche des Klosters Espigmenou, für Verständnis, gegenseitigen Respekt und Frieden, dass ist primär das Wichtigste - denke ich.

Verfasst: 24.12.2006, 13:20
von Deki_3
Liebe Brüder!

Mehr und mehr überkommt mich der Eindruck, dass wir in protestantische Argumentationen, um der angeblichen Einheit Willen, abdriften. Irgendwie scheint am Ende nichts heilsrelevant, ausser das Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist. Wenn wir uns dieser Ansicht beugen, ist das der Anfang vom Ende, dann macht es wahrlich keinen Unterschied welcher christlichen Denomination man angehört.
Die orthodoxe Kirche ist die Kirche der Tradition. Und die Tradition der orthodoxen Kirche ist Christus selber. In Situationen äußerer und innerer Zwänge ist eine konservative Haltung die einzige Möglichkeit, die Identität der Kirche zu bewahren.
Die Tradition ist die Wahrheit der Kirche. Durch die Tradition bleibt die Kirche in der vergänglichen Welt mit sich selbst identisch und lebendig.

Die Reform eine Sache setzt eine distanzierte und kritische Enstellung des Menschen zu dieser Sache voraus. Man reformiert etwas, indem man es verobjektiviert und kritisiert, aber man reformiert nichts, was mit der eigenen Existenz und dem eigenen Leben identifiziert wird. Wenn es der Mensch unternimmt, die Kirche zu reformieren, distanziert er sich von ihr und unterwirft sie seinem Urteil und seiner Verfügung.

Wir pflegen unseren Körper und erhalten ihn, aber wir erneuern (reformieren) ihn nicht. Wir betrachten ihn weder als etwas ausserhalb von uns noch uns selber als etwas ausserhalb unseres Körpers. Er gehört zu uns. Um wieviel mehr ist die Kirche als Leib Christi, weder etwas ausserhalb noch etwas, was unserem Urteil unterliegt oder uns zur Verfügung steht.

Die Verfolgung und Behandlung der Mönche von Esphigmenou ist ein Skandal für die Kirche und eine grosse Peinlichkeit für alle Orthodoxe auf der gesamten Welt. Patriach Bartholomäus engagiert sich im Dialog mit anderen Religionen, aber seinen eigenen orthodoxen Brüder bietet er keine Worte an, sondern Gewalt ( ökumenistische Verfolgungsjagd). Wenn ein Patriarch hoch bewaffnete gr. Spezialeinheiten auf Mönche (!) ansetzt, sollte sich jedermann Gedanken machen.


LG aus NRW

Verfasst: 24.12.2006, 14:27
von protopeter
Liebe Diskussionsteilnehmer!

Dem von Br. Savo geschriebenen Satz über die Tradition ist grundsätzlich nichts hinzuzufügen, außer daß ich für die Orthodoxe Kirche das Prädikat "konservativ" nicht gelten lassen möchte - das sind Kriterien weltanschaulicher Dimension, wie sie im gottmenschlichen Organismus, der aufgespannt zwischen Zeit und Ewigkeit (um zum wiederholten Mal ein Wort von Archimandrit Justin zu paraphrasieren) existiert, keinesfalls angebracht erscheinen. Die Kalenderfrage und die damit verbundenen unliebsamen Folgen (deren Auswirkungen selbst in diesem Forum in einer für mich beklemmenden Weise deutlich werden), die Neigung mancher Repräsentanten unserer Kirche zu ökumenistischen Experimenten sind eine feststehende Tatsache, die aber nicht davon abbringen sollen, daß es eben die Eine, Heilige, Allumfassende und Apostolische Kirche ist, zu der wir uns bekennen - ungeachtet aller menschlichen Anmaßung, die über eine "Heilsrelevanz" deren Wirkens Betrachtungen anzustellen bereit ist.

Der Hl. Nektarios von Ägina führt in seiner ekklesiologischen Abhandlung Über die Kirche ganz präzise aus, daß das orthodoxe Verständnis die einzig mögliche "Unterteilung" in die himmlische und die irdische Kirche zuzulassen vermag; demgegenüber ist eine Trennung in eine Kirche der "gewöhnlichen Christen" und der "Auserwählten" vollends undenkbar. Im Falle von Esphigmenou und der sogenannten "altkalendarischen" Bewegung scheint aber genau ein solches elitäres Bewußtsein Platz zu greifen - hier verfällt man dann eben (wie von Br. Savo angemerkt) in "protestantische Argumentationen", wird ein scholastisch anmutendes Kalkül über die "Wirkmächtigkeit" von Sakramenten, die von Vertretern der so bezeichneten "Neuen Kirche" gespendet sind, angestellt; ob das jedoch orthodox (im tiefsten Sinne des Wortes) ist, sei mehr als dahingestellt.

Im Laufe ihrer Geschichte mußte die Orthodoxe Kirche vieles erdulden - physische und geistige Verfolgung, Zwangsunionen, Bedrängnisse diverser Natur; durch Gottes Gnade gelang es jedoch, den offenbarten Glauben an die gottmenschliche Erlösung unversehrt zu bewahren ! Tatsache ist, daß die ökumenistische Häresie als große Versuchung, der selbst Patriarchen erliegen können, gegenwärtig ist; Tatsache ist aber auch, daß die biblisch-heiligväterlichen Fundamente der Tradition diesen Versuchungen zu wiederstehen vermögen - gerade, weil unsere Kirche in ihrem pléroma, der umfassenden Fülle ihres Seins, nach ewigen, durch keinen Kalender faßbar zu machenden Wertvorstellungen orientiert ist. So ist denn die Kalenderfrage eben kein als "Häresie" zu brandmarkendes Hindernis, eine volle kirchliche Einheit zu leben - das erweisen auch Grundlegung und Praxis der orthodoxen Ökumene ("Einheit im Glauben, Vielfalt in den Traditionen") !

In diesem Sinne wünsche ich allen orthodoxen Brüdern und Schwestern, die in diesen Tagen das Fest der Geburt Unseres Erlösers begehen, die Fülle der Gnade, des Friedens und der Liebe, um so vor der Welt Zeugnis für die Gegenwart des Heiles und der im Göttlichen Logos offenbarten Wahrheit abzulegen.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

Verfasst: 24.12.2006, 17:21
von Sebastian
Lieber Savo ! :D
Die Verfolgung und Behandlung der Mönche von Esphigmenou ist ein Skandal für die Kirche und eine grosse Peinlichkeit für alle Orthodoxe auf der gesamten Welt. Patriach Bartholomäus engagiert sich im Dialog mit anderen Religionen, aber seinen eigenen orthodoxen Brüder bietet er keine Worte an, sondern Gewalt ( ökumenistische Verfolgungsjagd). Wenn ein Patriarch hoch bewaffnete gr. Spezialeinheiten auf Mönche (!) ansetzt, sollte sich jedermann Gedanken machen.
In dem Punkt der Behandlungsweise der Mönche von Esphigmenou hast du meine Zustimmung. Es ist schon sehr abstarkt und unwürdig wie teilweise verfahren wurde. Das ist meine Meinung. Auf der anderen Seite kann ein Schisma nie die Lösung sein. Die Schismatiker müssen sich also fragen, wie es weiter gehen soll. Ich hoffe die Liebe Christi ist es, die das Band wieder zusammenschweisst.

LG
Sebastian

Verfasst: 29.12.2006, 20:09
von Ehre sei Dir oh Herr
Sebastian hat geschrieben:Liebe Leute!
ich bin über die Vorkommnisse auf Athos erschüttert muss aber gestehen, dass mich die erneut hier aufkommende Kalenderfrage allmählich langweilt.
Hallo Sebastian,

nun, gerade wenn man die angesprochenen Beiträge über den Kalender verfolgt, dann ist das alles andere als langweilig, finde ich zumindest.
Das gebrachte Zitat "Die Kalenderreform hätte nicht geschehen dürfen" spricht auch dafür.

Ohne jeden Zweifel besteht bei Änderungen bzw "Reformen" (egal welcher Art) immer die große Gefahr, dass diese Änderung eine Lavine anderer Änderungen auslöst. Heute ist es der Kalender, morgen vielleicht der gemeinsame Kelch mit der RKK und für alles einzeln genommen werden viele Argumentationen zusammengesammelt und zum Schluß ist z.B. ein ev. Sakramentenverständnis daraus geworden.
Tatsache ist auch, dass man als Befürworter des AK von orthodoxen Glaubensbrüdern auch als Fanatist abgestempelt wird. Unter dem Motte, ist doch nicht wirklich wichtig. Sicherlich, darf man auch nicht den NK als Urteilsspruch über den Glauben benutzen, wer sind wir denn? Aber die Punkte zur Kalenderdebatte bleiben bestehen ebenso wie der Hinweis von Br.Peter:
...Bischöfe und Priester erwarten doch von uns praktische Buße, warum sollen in einer durchaus "heilsrelevanten" Frage diese Kirchen nicht selbst den Weg der Umkehr einschlagen, zumal die russische, serbische, georgische Orthodoxie und Jerusalem hierin Einheit haben ?
ebenso der Einwand von Br. Savo:
Die Verfolgung und Behandlung der Mönche von Esphigmenou ist ein Skandal für die Kirche und eine grosse Peinlichkeit für alle Orthodoxe auf der gesamten Welt. Patriach Bartholomäus engagiert sich im Dialog mit anderen Religionen, aber seinen eigenen orthodoxen Brüder bietet er keine Worte an, sondern Gewalt ( ökumenistische Verfolgungsjagd). Wenn ein Patriarch hoch bewaffnete gr. Spezialeinheiten auf Mönche (!) ansetzt, sollte sich jedermann Gedanken machen.
Es ist natürlich sehr bedenklich, dass Menschen zu solchen Mitteln greifen wie zu Drohungen sich in die Luft zu sprengen.
Wie groß ist wohl der Druck auf unsere Brüder dort?

Die Gewalt kann man natürlich nicht gut heißen und den Wünschen um Frieden, jeglicher Art, kann man nur zustimmen.

Möge unser Herr sich unser erbarmen und seinen treuen Knechten von Esphigmenou beistehen und sie leiten.

L.G. René