Morde an Geistlichen in Russland. Chronologie 1990-2006
Verfasst: 07.12.2006, 17:34
RIA Novosti hat geschrieben:Morde an Geistlichen in Russland. Chronologische Daten aus den Jahren 1990-2006
MOSKAU, 06. Dezember (RIA Novosti). Seit 1990 sind nach Angaben des Moskauer Patriarchates Dutzende von Morden an orthodoxen Geistlichen verübt worden. Zu denen, die einen Märtyrertod erleiden mussten, gehören:
Erzpriester Alexander Men. Er wurde am 9. September 1990 auf dem Weg zum Bahnhof "Semchos" ermordet. Ein Unbekannter schlug ihn mit einem schweren Gegenstand (vermutlich einer Axt) auf den Kopf. Der Geistliche kehrte noch zu seinem Haus zurück und starb an Blutverlust. Der mutmaßliche Täter - ein Trinker und Krimineller - soll den Erzpriester mit einem anderen Menschen verwechselt haben, zumal der Geistliche keinen Ornat anhatte.
Igumen Lasar (Solnyschko), Sekretär des Metropoliten Juwenali von Krutizy und Kolomna, wurde am 26. Dezember 1990 in Moskau ermordet. Die Umstände der Tat erschienen mysteriös. Allerdings haben die Rechtsschutzorgane den Mitarbeiter des kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchates Michail Potjomkin (später Bischof einer Abzweigung der russisch wahrhaft orthodoxen Kirche /Katakombenkirche/ unter dem Namen Manuil Platow) festgenommen. Er verbrachte fast zwei Jahre im Moskauer Untersuchungsgefängnis Butyrka. Entweder vertuscht oder mangels Beweisen wurde der Fall letzten Endes nicht ans Gericht geleitet.
Igumen Serafim (Sergej Schlykow), Vorsteher der Kirche zu Mariä Geburt in Putinki, wurde am 2. Februar 1991 in seiner Wohnung in der Krasnosselskaja-Straße in Moskau tot aufgefunden. Das im Haus verwahrte Geld sowie Radio- und Videoelektronik waren verschwunden.
Drei Mönche aus dem Opta-Kloster: Mönchspriester Wassili, Mönch Trofim und Mönch Ferapont wurden am 18. April 1993, einem Ostersonntag, im Opta-Kloster ermordet. Der Täter, Nikolai Awerin, erwies sich als ein Teufelsanbeter. Wie er späterhin im Verhör aussagte, will er den Auftrag vom Teufel erhalten haben.
Mönchspriester Nestor (mit weltlichem Namen Nikolai Sawtschuk), Vorsteher der Kirche zu Mariä Geburt im Dorf Scharki, Rayon Jurjewez, wurde in der Nacht zum 31. Dezember 1993 in seiner Zelle im Vorsteherhaus bestialisch ermordet. Der Mönchspriester lag bäuchlings in einer Blutlache vor dem Herrgott und zeigte keine Lebenszeichen mehr. Sein Körper war blutleer. Aus seinem Aktenkoffer war eine große Geldsumme verschwunden, die ihm am selben Tag von Unternehmern für den Bau und die Restaurierung des Gotteshauses gespendet worden war. Nach einem einmonatigen Untersuchungsverfahren unter Leitung des Untersuchungsrichters der Staatsanwaltschaft A. Generalow wurde der Mörder A. Talamonow vom Rayongericht zu vier Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Die relativ milde Strafe erklärt sich damit, dass der Täter für teilweise unzurechnungsfähig befunden worden war.
Der Geistliche Georgi Sjablizew wurde nach seiner Rückkehr aus dem Ausland im Jahre 1996 in seiner Wohnung ermordet. Der Tod trat nach mehrstündigen brutalen Foltern ein. Als Zuständiger für die Beziehungen zur Katholischen Kirche war Vater Georgi oft dienstlich unterwegs und verfügte über bedeutende Geldsummen.
Der Geistliche Anatoli Tschistoussow, Vorsteher der Erzengel-Michael-Kirche in Grosny (er war vor seiner Priesterweihe am 21. März 1994 Offizier der Russischen Armee) wurde am 14. Februar 1996 in der tschetschenischen Gefangenschaft ermordet. Bis zu seiner Entführung am 29. Januar 1996 hielt er im Gotteshaus, das inmitten von Kriegshandlungen stand, weiterhin Gottesdienste und betreute die Mitglieder der Gemeinde seelsorgerisch.
Archimadrit Pjotr (Possadnew) wurde in der Nacht zum 20. August 1997 in seinem Haus auf dem Gelände der Foros-Kirche auf der Krim ermordet. Seine Leiche wies 21 Messerwunden auf - am Gesicht, am Hals, an der Brust und an den Ellbogen. Die Verletzungen deuteten darauf hin, dass die Mörder den Geistlichen brutal gefoltert hatten, um von ihm irgendwelche Informationen zu erzwingen. Laut einer der Versionen wollten die Verbrecher den Schlüssel für einen Safe bekommen, in dem nicht nur Geld, sondern auch kompromittierende Materialien über einige ranghohe Personen verwahrt worden sein könnten. Massenmedien berichteten damals über "russlandfeindliche" Stimmungen auf der Krim und in der Ukraine überhaupt.
Erzpriester Alexander Scharkow wurde im Jahre 1997 in Sankt Petersburg ermordet. Kurz vor seinem Tod war er von der Russisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats zur Russisch-orthodoxen Kirche im Ausland gewechselt. Der Mord wird auf einen Streit um die Kirche zur heiligen Elisabeth und das dazugehörige Grundstück zurückgeführt. Die Mörder waren im Kontakt mit einigen Geistlichen, die in den Besitz des Gotteshauses gelangen wollten.
Oberpriester Michail Sazjuk, Vorsteher der Hl.-Nikolaus-Kirche, wurde am 12. Oktober 1998 am Stadtrand von Brest in einem Auto tot aufgefunden. Wie das Ermittlungsverfahren ergab, handelte es sich um einen Raubmord.
Erzpriester Boris Ponomarjow wurde am 16. Juli 1998 im Dorf Iljinskaja Sloboda bei Moschaisk im Gebiet Moskau ermordet. Wie eine Untersuchung ergab, hatten drei Rückfallkriminelle mit dem Geistlichen abgerechnet. Von wertvollen alten Ikonen verlockt, waren die Täter nachts ins Haus des Geistlichen eingedrungen. Sie ermordeten den Geistlichen und fesselten seine Frau und eine Verwandte der Familie an den Händen.
Der Geistliche der russischen Altgläubigen Kirche Dimitri (Rasstegajew) wurde im Januar 1998 im Gebiet Jaroslawl von einer Kriminellengruppe ermordet, die sich als Immobilienfirma getarnt hatte. Die Mörder wurden erst drei Jahre später festgenommen.
Mönchspriester Grigori (Jakowlew), Vorsteher der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit in der ewenkischen Wohnsiedlung Tura, Region Krasnojarsk, wurde am 21. März 2001 Opfer eines abscheulichen Mordes. Der Täter warf den abgetrennten Kopf des Opfers auf den Kirchenaltar. Der mutmaßliche Mörder, der sich als Krischnaiten bezeichnete und nicht eindeutig identifiziert werden konnte, will diese Tat "im Auftrag von Krischna" begangen haben.
Der 85-jährige Geistliche Ilja Jefimow, Vorsteher der Dorfkirche zur Gottesmutterikone von Tichwin, wurde am 14. Oktober 2002 in Tatarstan ermordet. Die Leiche, die morgens im Vorgarten am Haus des Geistlichen entdeckt wurde, wies eine schwere Verletzung an der Schläfe auf. Es handelte sich um einen Raubmord.
Geistliche der Ukrainisch-orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats wurden in Kiew ermordet. Ihre Leichen, die Messerwunden aufwiesen, wurden am 10. Dezember 2003 entdeckt.
Der Geistliche Vater German wurde am 26. Juli 2005 im Rayon Tschechow, Gebiet Moskau, ermordet. Er wurde mit gefesselten Händen in einer Zelle des Dawid-Klosters in der Wohnsiedlung Nowy Byt tot aufgefunden. Die Leiche wies Schädel-Hirnverletzungen auf. Der in der Zelle befindliche Safe war aufgeschlossen.
Der orthodoxe Geistliche Vater Andrej Nikolajew, seine drei Kinder und die Ehefrau Xenia sind in der Nacht zum 2. Dezember 2006 bei einem Brand im eigenen Haus in der Wohnsiedlung Prjamuchino, Gebiet Twer, umgekommen. Wie sich herausstellte, war das Haus mit Benzin begossen und in Brand gesetzt worden. Der Geistliche hatte vor mehreren Monaten die Organe des Innern um Hilfe und Schutz gebeten. Jede Nacht bewachte er die Dorfkirche mit einem Gewehr in der Hand gegen heimische Diebe und Plünderer. Die Priesterfamlie überlebte bereits eine Brandstiftung.
Geistliche anderer Konfessionen:
Abubekir Kurdschijew, Mitglied des Präsidiums der Geistlichen Verwaltung der Moslems in der Region Stawropol und stellvertretender Mufti der Region, wurde am 25. September 2006 in Kislowodsk ermordet.
Der lutherische Priester Gennadi Arkin fiel am 9. Februar 2002 einem Raubmörder, dem angetrunkenen Sohn seiner Wohnungsvermieterin, zum Opfer.