Hll. Kyrill und Method - Sprache, Schrift, Mission
Verfasst: 08.11.2006, 14:06
Brüder und Schwestern in Christus !
Um dem vorgeschlagenen Themenbereich gerecht zu werden, ist es zunächst vonnöten, einen Blick auf gewisse historische Gegebenheiten zu werfen, die der Entwicklung und Verbreitung des Kirchenslawischen Vorschub leisteten; wie Br. Sebastian in seinem einleitenden Beitrag richtig anmerkte, handelt es sich dabei auch um einen Teil der Hl. Tradition unserer Kirche.
Das Kirchenslawische ist untrennbar mit dem Wirken der heiligen Brüder Kyrill (+869) und Method (+885) aus Thessaloniki, die in der Orthodoxen Kirche mit den Beinamen "Apostelgleiche", "Erleuchter" oder "Lehrer der Slawen" geschmückt wurden, verbunden. Obwohl griechischer Abstammung waren sie wohl schon seit ihrer Kindheit des Altslawischen mächtig - so wird denn auch in der Lebensbeschreibung des Method angemerkt: "Alle Thessaloniker sprechen rein slawisch". Hier deutet sich übrigens auch ein (bis heute ungelöster) Streitpunkt an: Entsprechend hellenisch-nationaler Überzeugung ist die nordgriechische Provinz Makedonien (deren Hauptort Thessaloniki ist) einzig berechtigt, diesen Namen zu führen, da es angeblich niemals slawische Makedonier gegeben hätte - von da her erklärt sich auch der Konflikt um die gleichnamige ehemalige jugoslawische Teilrepublik. Die in der (bereits Ende des 9. Jahrhunderts verfaßten) Heiligenvita erwähnten Tatsachen sprechen in dieser Hinsicht allerdings eine andere Sprache.
Zunächst wirkten die Brüder auf dem Gebiet des Großmährischen Reiches, das Teile der heutigen Staaten Ungarn, Tschechien, Slowakei und Polen umfaßte; die dort entfaltete Missionstätigkeit brachte sehr bald reiche Frucht. Der Überlieferung nach wurden als erste Werke die Evangelien und liturgische Formulare (auch die Liturgie nach römischer Tradition !) ins Kirchenslawische übertragen; die Verschriftung entwickelte der Hl. Kyrill, indem er die griechische Schrift zugrunde legte und sie - aufgrund einige fehlender Lautzeichen für das Slawische - durch Entlehnung aus dem Hebräischen ergänzte. Interessant ist, daß eine Zeitlang sogar zwei kirchenslawische Alphabete - das glagolitische und das kyrillische - Bestand hatten: Während das Kyrillische eindeutig als Buchstabenschrift galt und sich dem entsprechend in den modernen slawischen Sprachen weiterentwickelte, erschien das Glagolitische eher als Zeichenschrift. In jedem Falle wurden jedoch sowohl die Glaubensverkündung als auch die zeitgleiche Einführung einer eigenständigen Schrift für die slawischen Christen als Zeichen des "Eintritts in die Zivilisation" begriffen.
Allerdings zeigte sich sehr bald auch heftige Opposition gegen diese Aktivitäten; so diskreditierten einige den Frankenherrschern nahestehende Kleriker den Gebrauch des Kirchenslawischen als gegen die Tradition gerichtet - diese (späterhin so genannten) "Dreisprachler" wollten einzig Hebräisch, Griechisch und Lateinisch als "geheiligt" anerkennen; lediglich in diesen drei Sprachen sollten Glaubensverbreitung und Feier der Gottesdienste gestattet sein. Gleichwohl der (jurisdiktionell für die großmährische Mission zuständige) römische Papst Hadrian II. Ziel und Durchführung des Werkes billigte, Evangelium und gottesdienstliche Bücher in altslawischer Sprache zur entsprechenden Verwendung legitimierte und den slawischen Christen in Rom eine eigene Kirchengemeinde zuwies, wurde von fränkischer Seite massiver Widerstand organisiert. So geschah es, daß Method im Jahre 870, als er aus Rom nach Großmähren zurückkehrte (inzwischen hatte er die Bischofsweihe empfangen, war zum Erzbischof Großmährens und Pannoniens - nach heutiger orthodoxer Terminologie gewissermaßen in den Rang eines "Exarchen des römischen Stuhls"- erhoben worden) durch die Franken festgesetzt und drei Jahre an der Rückkehr in sein Wirkungsgebiet gehindert wurde.
Nach dem Ableben des Hl. Method wurde seine Erzdiözese in Großmähren von fränkisch-lateinischen Missionaren (die vor allem auch in politischer Absicht wirkten) buchstäblich überrannt, seine Mitarbeiter und Schüler wurden vertrieben, getötet oder in die Sklaverei verkauft (!); einigen gelang die Flucht in die slawischen Länder Südosteuropas - nach Serbien, Makedonien und Bulgarien. Dort führten nun die Schüler das Werk der beiden Brüder entsprechend fort, sodaß der Hl. Kliment (der selbst slawischer Abstammung war) nur wenige Jahre später in Ohrid die erste slawisch-orthodoxe Erzdiözese mit autonomem Status gründen konnte.
In der Hoffnung, mehr Information als Verwirrung verbreitet zu haben, grüßt mit besten Segenswünschen
Erzpr. Peter
Um dem vorgeschlagenen Themenbereich gerecht zu werden, ist es zunächst vonnöten, einen Blick auf gewisse historische Gegebenheiten zu werfen, die der Entwicklung und Verbreitung des Kirchenslawischen Vorschub leisteten; wie Br. Sebastian in seinem einleitenden Beitrag richtig anmerkte, handelt es sich dabei auch um einen Teil der Hl. Tradition unserer Kirche.
Das Kirchenslawische ist untrennbar mit dem Wirken der heiligen Brüder Kyrill (+869) und Method (+885) aus Thessaloniki, die in der Orthodoxen Kirche mit den Beinamen "Apostelgleiche", "Erleuchter" oder "Lehrer der Slawen" geschmückt wurden, verbunden. Obwohl griechischer Abstammung waren sie wohl schon seit ihrer Kindheit des Altslawischen mächtig - so wird denn auch in der Lebensbeschreibung des Method angemerkt: "Alle Thessaloniker sprechen rein slawisch". Hier deutet sich übrigens auch ein (bis heute ungelöster) Streitpunkt an: Entsprechend hellenisch-nationaler Überzeugung ist die nordgriechische Provinz Makedonien (deren Hauptort Thessaloniki ist) einzig berechtigt, diesen Namen zu führen, da es angeblich niemals slawische Makedonier gegeben hätte - von da her erklärt sich auch der Konflikt um die gleichnamige ehemalige jugoslawische Teilrepublik. Die in der (bereits Ende des 9. Jahrhunderts verfaßten) Heiligenvita erwähnten Tatsachen sprechen in dieser Hinsicht allerdings eine andere Sprache.
Zunächst wirkten die Brüder auf dem Gebiet des Großmährischen Reiches, das Teile der heutigen Staaten Ungarn, Tschechien, Slowakei und Polen umfaßte; die dort entfaltete Missionstätigkeit brachte sehr bald reiche Frucht. Der Überlieferung nach wurden als erste Werke die Evangelien und liturgische Formulare (auch die Liturgie nach römischer Tradition !) ins Kirchenslawische übertragen; die Verschriftung entwickelte der Hl. Kyrill, indem er die griechische Schrift zugrunde legte und sie - aufgrund einige fehlender Lautzeichen für das Slawische - durch Entlehnung aus dem Hebräischen ergänzte. Interessant ist, daß eine Zeitlang sogar zwei kirchenslawische Alphabete - das glagolitische und das kyrillische - Bestand hatten: Während das Kyrillische eindeutig als Buchstabenschrift galt und sich dem entsprechend in den modernen slawischen Sprachen weiterentwickelte, erschien das Glagolitische eher als Zeichenschrift. In jedem Falle wurden jedoch sowohl die Glaubensverkündung als auch die zeitgleiche Einführung einer eigenständigen Schrift für die slawischen Christen als Zeichen des "Eintritts in die Zivilisation" begriffen.
Allerdings zeigte sich sehr bald auch heftige Opposition gegen diese Aktivitäten; so diskreditierten einige den Frankenherrschern nahestehende Kleriker den Gebrauch des Kirchenslawischen als gegen die Tradition gerichtet - diese (späterhin so genannten) "Dreisprachler" wollten einzig Hebräisch, Griechisch und Lateinisch als "geheiligt" anerkennen; lediglich in diesen drei Sprachen sollten Glaubensverbreitung und Feier der Gottesdienste gestattet sein. Gleichwohl der (jurisdiktionell für die großmährische Mission zuständige) römische Papst Hadrian II. Ziel und Durchführung des Werkes billigte, Evangelium und gottesdienstliche Bücher in altslawischer Sprache zur entsprechenden Verwendung legitimierte und den slawischen Christen in Rom eine eigene Kirchengemeinde zuwies, wurde von fränkischer Seite massiver Widerstand organisiert. So geschah es, daß Method im Jahre 870, als er aus Rom nach Großmähren zurückkehrte (inzwischen hatte er die Bischofsweihe empfangen, war zum Erzbischof Großmährens und Pannoniens - nach heutiger orthodoxer Terminologie gewissermaßen in den Rang eines "Exarchen des römischen Stuhls"- erhoben worden) durch die Franken festgesetzt und drei Jahre an der Rückkehr in sein Wirkungsgebiet gehindert wurde.
Nach dem Ableben des Hl. Method wurde seine Erzdiözese in Großmähren von fränkisch-lateinischen Missionaren (die vor allem auch in politischer Absicht wirkten) buchstäblich überrannt, seine Mitarbeiter und Schüler wurden vertrieben, getötet oder in die Sklaverei verkauft (!); einigen gelang die Flucht in die slawischen Länder Südosteuropas - nach Serbien, Makedonien und Bulgarien. Dort führten nun die Schüler das Werk der beiden Brüder entsprechend fort, sodaß der Hl. Kliment (der selbst slawischer Abstammung war) nur wenige Jahre später in Ohrid die erste slawisch-orthodoxe Erzdiözese mit autonomem Status gründen konnte.
In der Hoffnung, mehr Information als Verwirrung verbreitet zu haben, grüßt mit besten Segenswünschen
Erzpr. Peter