Das gemeinsame Gebet in der Familie

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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talitaNeu
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Das gemeinsame Gebet in der Familie

Beitrag von talitaNeu »

Hallo ihr Lieben,

das Thema des Gemeinsamen Gebetes in der Familie ist natürlich nicht nur das Anliegen der Frauen in der Familie. In meiner ist es jedoch so, dass wenn meine Mutter vor dem Essen betet z.B., das immer aufgenommen wird von allen. So ist auch oft meine Mama die jenige, die die Famile um das Kandilo (im Öl schwimmendes Feuer), wenn etwas anliegt (eine Reise oder etwas wichtiges), und kurz ein Gebet spricht.

An dieser Stelle meine Frage, wie wird das Gebet in die Familie eingeführt? Wie stellt ein neues paar gemeinsame Beziehung zu Gott überhaupt auf? Wie vermittelt man den Kindern Glauben?

Es gibt ja eine Tradition der Segnung der Familie und des gemeinsamen Hauses durch die Priester. Macht ihr das auch in Deutschland bei euch zuhause? Ich habe es in Hamburg noch nicht getan... vielleicht sind auch meine 19 qm auch etwas zu klein dafür ;-) .

Ich freue mich auf eure Beträge dazu. Vielleicht habt ihr ja ein paar Tipps für mich.
Herzliche Grüße Aleksandra
Mein Zuhause

Herr Gott mein Vater, (Psalm 61. V.5)
ich m?chte weilen in deinem Zelt in Ewigkeit, mich bergen im Schutz deiner Fl?gel.
Lisa
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Beitrag von Lisa »

Liebe talita,

Deine Frage ist ja schon lange her. Aber da noch niemand geantwortet hat, versuche ich es mal.

Das "neue" Paar:
Im besten Fall findet man in der Religion eine gemeinsame Basis. Dies stellt sich schon vorher heraus. Während des Kennenlernens kann man schon erkennen, wie der Partner zur Religion und/oder zur Kirche steht. Auf jeden Fall muss die Ausübung der Religion angesprochen werden!

Heute ist es leider nicht selbstverständlich einen Partner zu finden, der die gleiche Religion hat und die gleiche Beziehung zu Gott und Kirche.

Dies kann zu einem Problem werden, darum muss man sich diesem Thema stellen. Auch muss im Vorfeld die religiöse Erziehung der Kinder abgesprochen sein.

Für selbstverständlich setze ich die kirchl. Trauung vorraus. Ebenso die Taufe der Kinder.

Spätestens wenn die Kinder da sind, sollte das regelmässige Gebet eingeführt werden. Die Kinder sollten auch immer mit in die Kirche genommen werden.

Aber vorsichtig: Bei uns steht die Liebe an erster Stelle. So sollten wir unsere Kinder auch in die göttliche Liturgie einführen.
Das heisst: Kleine Kinder können einfach nicht die ganze Zeit still dem Geschehen folgen.
Geht zwischendurch mit den Kindern raus oder kommt erst später. Lasst sie die Kerzen schon früh selber anzünden. Aber zwingt sie zu nichts!

Erklärt ihnen den Verlauf und die Gebete altersgerecht. Ich habe bei ganz kleinen Kindern gesehen, wie sie gezwungen wurden sich drei mal vor der Ikone auf den Boden zu werfen. Heute gehen diese Kinder nicht mehr in die Kirche.

Vor allem lebt ihnen das christl. Leben vor. Und beantwortet alle Fragen! Wenn ihr etwas nicht wisst, ist das nicht schlimm. Das darf man zugeben. Versucht mit den Kindern gemeinsam die Antwort zu finden.

Sie dürfen das christl. Leben und die göttliche Liturgie nie als Qual oder Strafe verstehen. Der allesliebende Gott wird unseren Kindern die kindlichen Nachlässigkeiten vergeben. Wie die unserigen ja hoffentlich auch.

So haben wir es versucht - und unsere Kinder (24,22 + fast 19) sind immer noch aktiv in der Kirche.

Was die Segnung der Wohnung betrifft, liegt das am jeweiligen Priester und der Größe seiner Gemeinde. Frag ihn einfach mal. Keine Wohnung ist für eine Segnung zu klein.

Hoffe Dir ein wenig weitergeholfen zu haben.

Liebe Grüße
Lisa
peter
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Gemeinsames Gebet

Beitrag von peter »

Liebe Alexandra und Lisa,

da Familienangelegenheiten ja nicht nur Frauensache sind, wage ich hier einen kurzen Beitrag als Ehemann. Da meine Ehe aus Altersgründen kinderlos bleibt (zu meinem großen Bedauern), kann ich nur vom gemeinsamen Beten im Eheleben berichten. Am Anfang (vor ca. 10 Jahren) war es irgendwie peinlich, das bisherige Innere nach außen zu stülpen. Aber die Einführung der regelmäßigen Tischgebete vor den Hochzeitsikonen hat sich inzwischen nicht nur bewährt, sondern ist zum selbstverständlichen Alltag geworden, morgens, mittags, abends, davor und danach. Hin und wieder variieren wir nach Gebetsbuch. Es ist eine gute und schöne Empfindung, und stärkt täglich die Verbindung. Vor dem Einschlafen lese ich oft meiner Frau die Nachtgebete vor, auch die Abendgebete, wenn sie mal wieder verpaßt wurden. Allmählich greift auch das gemeinsame Krankengebet (für jemand), und kürzlich haben wir gemeinsam erstmals die Totengebete für eine verstorbene Freundin gelesen. Die Segnung der gemeinsamen Wohnung erfolgte nach dem Vorbild russischer Kirchenbesucher schon vor Jahren. Wir haben einfach unseren Priester, der mich in die Orthodoxie aufnahm, eingeladen, und der hat dann die Wohnung geweiht und Kreuze über die Türen gesetzt.
Ich sehe das gemeinsame Beten, ohne jeden Zwang, als langfristige
Möglichkeit, die orthodoxe Ehe / Familie täglich zu bekränzen. Der
Segen folgt dann wie von selbst, mit Hilfe Gottes.

Dank, Glück, Segen, auf allen Wegen !

Peter
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)
Lisa
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Beitrag von Lisa »

Ach Peter,
ich bin sehr froh, dass hier eine männliche Stimme kommt.

Wie man aus meinen Beiträgen ersehen kann, bin ich der festen Überzeugung, dass beide Partner die Familie bilden.

Das von Dir geschilderte Gebet ist auch für die Kinder (es tut mir leid für Euch) wichtig ist. Wir müssen vorleben! Damit kann man hervoragend zeigen, dass das Gebet auch den Eltern Halt gibt. Irgendwann beten die Kinder mit.

Danke Peter

Liebe Grüße
Lisa
Lisa
Milo
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Beitrag von Milo »

Lisa hat geschrieben: Irgendwann beten die Kinder mit.
Grüß GOtt!

Ja so ist es :)
Unser Sohn, 22Monate, verlangt schon von sich aus das Gebet zur entsprechenden Zeit. Unbeding sagt er immer als letztes :Amin.
Und manchmal während ich ein Buch lese...nimmt er auch Eins wo eine Ikone abgebildet ist...setzt sich dazu, murmelt was im Sington und sagt dann : Amin. :)

Er wird langsam mein Vorbild, statt ich seins ;-)

So, ein kleines "Erfahrungsintermezzo" von mir...

Herzliche Grüße an Mütter und Väter

Milo
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Sebastian
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Religionszugehörigkeit: Orthodox (MP)

Beitrag von Sebastian »

administrator hat geschrieben:
Lisa hat geschrieben: Irgendwann beten die Kinder mit.
Grüß GOtt!

Ja so ist es :)
Unser Sohn, 22Monate, verlangt schon von sich aus das Gebet zur entsprechenden Zeit. Unbeding sagt er immer als letztes :Amin.
Und manchmal während ich ein Buch lese...nimmt er auch Eins wo eine Ikone abgebildet ist...setzt sich dazu, murmelt was im Sington und sagt dann : Amin. :)

Er wird langsam mein Vorbild, statt ich seins ;-)
Milo, dass ist wundervoll !
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