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Bücher über die Unterschiede der Konfessionen

Verfasst: 25.09.2006, 14:27
von +Christoph
Hallo,

vielleicht kennt jemand von euch ein gutes Buch, das die theologischen Unterschiede von katholischer und orthodoxer Kirche beleuchtet? Für mich vorrangig interessant sind grundsätzliche theologische Lehrmeinungen im Zusammenhang mit geschichtlichen / evtl. auch kirchenpolitischen Aspekten.
Schreibt ruhig alles, was euch auch im weiteren Sinne zu diesem Thema an Publikationen einfällt.

Ich freue mich auf eure Tips! :)

Christoph

Verfasst: 02.10.2006, 21:17
von Chrysostomos
Lieber Christoph,
ich würde zunächst mal das Buch von Ferdinand Gahbauer nennen: Der orthodox-katholische Dialog. Da wird viel von den glaubensmäßigen Unterschieden gesprochen, auch die historischen Enticklungen werden ganz gut dargestellt. Ist ein Buch eines katholischen Benediktiners und Professors für Byzantinistik (aus der Abtei Ettal).
Die Bücher von Vater Alexander Schmemann sind auch sehr zu empfehlen. Auch Einzelpublikationen zu theologischen Fragen wie z.B. Heiliger Geist und Filioque kann ich nennen, aber das würde zunächst den Rahmen sprengen. Schreibe mir, was Dich besonders interessiert. - Ich kenne auch einige gute Bücher in griechischer Sprache, wenn du diese lesen kannst. Grundsätzlich finde ich aber wichtiger, zu fragen, was die Kirchen eint, und erst in zweiter Linie, was sie trennt!
Dein im Herrn
Chrysostomos

Verfasst: 05.10.2006, 21:48
von +Christoph
Verehrter Vater Chrysostomos,

vielen Dank für Deine Antwort.

Zunächst soll das Buch nur der Übersicht und der Einsicht dienen. Über die Zeit bis zum Schisma und über Konzile etc. gibt es sicher viele Publikationen. Für mich interessant ist, wie sich orthodoxe und römisch-kath. Kirche nach 1054 weiterentwickelt haben, welche grundlegenden Unterschiede der Sichtweisen aber auch welche Gemeinsamkeiten im Bezug auf bestimmte Aspekte sich herausgebildet haben. Ich bin auch der Meinung, dass es wichtiger ist, zu erkennen was die Kirchen eint als was sie trennt. Doch ich denke, gerade um Diskussionen zum Thema Ökumene kompetent führen zu können ist theologisches Grundwissen wichtig. Das alles soll eher für meine theologische Allgemeinbildung dienen, ganz objektiv und zum Anfang recht übersichtlich gehalten.
Leider hatte ich nur ein paar Jahre Altgriechisch, Neugriechisch wäre sicher auch sehr lohnenswert zu lernen :wink:

Mit herzlichen Grüßen und mit der Bitte um Deinen Segen,
Christoph

Verfasst: 06.10.2006, 07:42
von holzi
Lieber +Christoph,

das ist zwar nur ein kleiner Anriss eines Themas, aber diesen Aufsatz von Klaus Gamber fand ich sehr interessant: Klaus Gamber: Orientierung an der Orthodoxie.
Gottes Segen
Konrad

Verfasst: 06.10.2006, 15:31
von peter
Lieber Christoph !

Das Beste, was ich zu Deinem Thema in jüngster Zeit gefunden habe, ist kein Buch, sondern ein Dokument der Kirche von Konstantinopel aus dem Jahre
1895, als Erwiderung auf die Enzyklika des Papstes Leo XIII, veröffentlicht im "Schmalen Pfad, Bd. 13, September 2005" unter dem Titel: "Holy Apostles Convent, Buena Vista: Kurze orthodoxe Stellungsnahme zu den durch dasPapsttum eingeführten Neuerungen". Dort werden das filioque, das Verfahren der Taufe, die Hostie aus ungesäuertem Brot, die Teilnahme der Laien am Mysterium der Kommunion, die Verwandlung (Weihe) der Heiligen Gaben, das Fegfeuer (Purgatorium), die unbefleckte Empfängnis, die päpstliche Vorrangstellung, Statuen, das obligatorische Zölibat des Klerus, der gregorianische Kalender, die Krankensalbung u.a. aus orthodoxer Sicht kritisch beleuchtet. Das Dokument sollte man stets zur Hand haben, weil es die wichtigsten Unterscheidungskriterien enthält. Es gibt auch, etwas älter, den Aufsatz von Petros A. Botsis, Was ist Orthodoxie (Eine kurze Erläuterung des Wesens der Orthodoxie und der Unterschiede zwischen den Kirchen), der immer noch recht brauchbar ist.
Den Schmalen Pfad erhältst Du über Johannes Alfred Wolf, Großer Winkel 17 c, D-31552 Apelern

Friede sei mit Dir !

Peter

Verfasst: 06.10.2006, 16:37
von Walter
Hallo Christoph und Peter!
Christoph hat geschrieben:kennt jemand von euch ein gutes Buch, das die theologischen Unterschiede von katholischer und orthodoxer Kirche beleuchtet? Für mich vorrangig interessant sind grundsätzliche theologische Lehrmeinungen im Zusammenhang mit geschichtlichen / evtl. auch kirchenpolitischen Aspekten.
Peter hat geschrieben:... ein Dokument der Kirche von Konstantinopel aus dem Jahre
1895, als Erwiderung auf die Enzyklika des Papstes Leo XIII, veröffentlicht im "Schmalen Pfad, Bd. 13, September 2005" unter dem Titel: "Holy Apostles Convent, Buena Vista: Kurze orthodoxe Stellungsnahme zu den durch dasPapsttum eingeführten Neuerungen".
Das klingt nach einer Provokation als Erwiderung auf eine Provokation. :lol:
Peter hat geschrieben:Dort werden das filioque, das Verfahren der Taufe, die Hostie aus ungesäuertem Brot, die Teilnahme der Laien am Mysterium der Kommunion, die Verwandlung (Weihe) der Heiligen Gaben, das Fegfeuer (Purgatorium), die unbefleckte Empfängnis, die päpstliche Vorrangstellung, Statuen, das obligatorische Zölibat des Klerus, der gregorianische Kalender, die Krankensalbung u.a. aus orthodoxer Sicht kritisch beleuchtet.

Das Dokument sollte man stets zur Hand haben, weil es die wichtigsten Unterscheidungskriterien enthält. Es gibt auch, etwas älter, den Aufsatz von Petros A. Botsis, Was ist Orthodoxie (Eine kurze Erläuterung des Wesens der Orthodoxie und der Unterschiede zwischen den Kirchen), der immer noch recht brauchbar ist.
Das Buch habe ich auch gelesen. "Brauchbar" sind solche Dokumente immer, um allzu selbstüberzeugte Katholiken zu ärgern, oder zu testen, wie weit sie ihre eigene Lehre überhaupt verstanden haben. Allerdings gibt es auch katholische "Werke" gleicher Qualität (z.B. oben erwähnte Enzyklika): Man kann beides hintereinander lesen und ist nicht schlauer als zuvor, weil da meist recht oberflächlich oder mit aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelzitaten argumentiert wird.

Wem weniger an einer polemischen Beschreibung, sondern an einer wirklichen Erklärung der Unterschiede gelegen ist, dem sei L' Orthodoxie von Sergij Bulgakov* empfohlen, das Petros A. Botsis übrigens auch auf S. 35 als Quelle anführt. Unter dem Titel Die Orthodoxie - Die Lehre der orthodoxen Kirche ist es auch in deutscher Sprache zu haben (Paulinus).

Bulgakov beschreibt m.E. sehr ausführlich die unterschiedlichen Grundauffassungen von Tradition, Katholizität (bzw. Sobornost) und Hierarchie, aus denen heraus die wirklich trennenden Verschiedenheiten der Kirchen erwachsen sind.

Ob man die Heiligen nun in Form von Ikonen oder 'Statuen' verehrt, (un)gesäuertes Brot verwenden muss, wie man sich "fegefeuerähnliche Zwischenzustände" vor dem entgültigen Gericht vorzustellen hat, wo Zölibat (nicht) angestrebt/vorgeschrieben werden sollte etc. sind eher zweitrangige Unterschiede, zudem gibt es dazu meist keine verbindliche Vorschrift für alle Katholischen Kirchen, solche Fragen sind in den verschiedenen unierten Teilkirchen teilweise (traditionell bedingt) sehr unterschiedlich. Auch gab es immer schon kulturell bedingt verschiedene Formen innerhalb der noch geeinten Gesamtkirche, nur wurden die teilweise nach 1054 von Rom zu Dogmen erhoben, welche die orthodoxen Kirchen natürlich nicht annehmen können.

Auch J. Meyendorff wird oft zu dem Thema zitiert, allerdings sind mir keine deutschen Übersetzungen seiner Werke bekannt. Vielleicht hat Alfred J. Wolf für den Schmalen Pfad von ihm etwas übersetzt?

Die historische Entstehung und Entwicklung der "Verschiedenheiten" zwischen Rom und den orthodoxen Kirchen ist m.E. ganz gut im Buch Orthodoxie und Katholizismus - Gegensatz oder Ergänzung? von Wilhelm de Vries beschrieben (Herder, vergriffen, gibts aber oft bei Ebay).

LG
Walter


* Nicht zu verwechseln mit der Sophienlehre Bulgakovs, sie ist nicht Thema dieses Buches.

"polemisch"

Verfasst: 06.10.2006, 17:32
von peter
Lieber Walter,

da es sich im "Schmalen Pfad" um ein offizielles Dokument der Kirche von Konstantinopel handelt, möchte ich den Ausdruck "polemisch" nicht gelten lassen, zumal es sich dort in gedrängter Kürze um sehr differenzierte, zudem leicht lesbare Ausführungen handelt. Polemisch war vielmehr Papst Leo XIII., der als Voraussetzung möglicher Einheit verlangte, daß man ihn "Pontifex Maximus" (obersten Brückenbauer) anerkennen müsse.

Gruß von Peter

Re: "polemisch"

Verfasst: 06.10.2006, 17:59
von Walter
Peter hat geschrieben:Lieber Walter,

da es sich im "Schmalen Pfad" um ein offizielles Dokument der Kirche von Konstantinopel handelt, möchte ich den Ausdruck "polemisch" nicht gelten lassen, zumal es sich dort in gedrängter Kürze um sehr differenzierte, zudem leicht lesbare Ausführungen handelt. Polemisch war vielmehr Papst Leo XIII., der als Voraussetzung möglicher Einheit verlangte, daß man ihn "Pontifex Maximus" (obersten Brückenbauer) anerkennen müsse.

Gruß von Peter
Lieber Peter,

das "polemisch" bezog sich auf Ausdrücke wie:
Botsis hat geschrieben:Braucht es noch andere Beweise dafür, daß der Papst zu diesen Beschlüssen nur von Hochmut und schrankenloser Herrschsucht geleitet wurde?
Mit solchen Sprüchen wird er wohl kaum einen Katholiken zur Orthodoxie bekehren, oder einen Orthodoxen, der sich der Kirche abgewendet hat, zurückgewinnen. Polemik heißt Streit und "Bekämpfen":
Wikipedia hat geschrieben:Die ursprüngliche Bedeutung von Polemik (vom Altgriechischen pólemos, soviel wie ?Auseinandersetzung, Streit, Krieg?) war Streitkunst, ein literarischer oder wissenschaftlicher Streit, eine gelehrte Fehde (griechisch: polemikós ?kriegerisch?). Polemisieren heißt, eine (bestimmte andere) Ansicht zu bekämpfen.
Wenn zwei sich streiten, freut sich aber zumeist der dritte, z.B. die von dir woanders erwähnte Freimaurerei, der Nihilismus, der Säkularismus.

Besser und christlicher finde ich den Ansatz einer ehrlichen Gegenüberstellung oder Analyse, so wie es Bulgakov getan hat. Die Wertung kann man dann, wenn man wie er auf der Seite der Wahrheit ist, getrost dem Leser überlassen. Die Polemik, den Katholizismus aber auf "Hochmut und schrankenloser Herrschsucht" der Päpste zubegründen, scheitert hingegen, wenn man sich z.B. den jetztigen Papst als Prüfstein für solche Behauptungen nimmt. Ebenso falsche Behauptungen über die katholische Lehre, wo jeder Katholik im KKK nachlesen kann, dass sie gar nicht wie behauptet katholisch sind.

LG
Walter

Verfasst: 04.09.2007, 18:28
von Bernd
Ein sehr gutes Buch ist
"Orthodoxie - Was ist das?", von Anastasios Kallis.
In dem er, wie ich finde, eine sehr gute Einführung in den orthodoxen Glauben darlegt (so kommt er auch auf den Unterschied zum römischen Katholizismus und Protestantismus zu sprechen), so kann man dieses Büchlein nur jedem ans Herz legen.