Verfasst: 19.07.2006, 20:48
Hallo Walter,
Danke für die Erklärungen.
Wann gilt eine Bibelübersetzung als verfälscht?
LG
Q.
Danke für die Erklärungen.
Wann gilt eine Bibelübersetzung als verfälscht?
LG
Q.
Wenn sie nicht mehr den wahren und ursprünglichen Inhalt wiedergibt.Question hat geschrieben:Wann gilt eine Bibelübersetzung als verfälscht?
Hallo Question,Question hat geschrieben:Aber könntest Du mit bitte einen Gefallen tun? Wenn Du schon was über die anderen Kirchen, die evangelische und vor allem die katholische, die mir aus verständlichen Gründen sehr am Herzen liegt, behauptest, könntest Du dann diese Behauptungen irgendwie belegen?
,In der Nacht, in der er verraten wurde, nahm er das Brot, /../gab es denen, mit denen er zusammen war oder die bei ihm waren' oder so. Um erstmal das nur vorsichtig zu öffnen. Wenn ich Gelegenheit habe zu sagen: ,er gab es seinen Jüngerinnen und Jüngern', sag ich das sofort, wenn ich in der Predigt Gelegenheit habe zu sagen: es gab halt Jüngerinnen und Jünger, die mit ihm gezogen sind, Männer und Frauen und Kinder. Aber in /../der alten Sprachregelung der Bibel gibt es nur Männer, die mit ihm waren, die zwölf Apostel.'
Die Sprache ist halt patriarchal, unsere heutige auch, sagt Jutta Lehnert, geistliche Leiterin der Katholischen Studierenden Jugend im Bistum Trier:
Jünger' steht zwar da, ,adelphoi', aber wir wissen, dass da die Frauen mitgemeint sind und dann kann ich sagen ,Jünger und Jüngerinnen', Es gibt aber auch Texte, da sind Frauen eigens gemeint und da sind sie auch wieder verschwiegen, zum Beispiel die ,matita matetia' steht da ,Jüngerin', ein einziges mal kommt das Wort ,Jüngerin' im neuen Testament vor und da steht dann übersetzt: eine fromme Frau /.../
mit weiblicher Endung ist das da in der Apostelgeschichte niedergeschrieben, wird aber nie so übersetzt, also hinter der Übersetzung, die wir vorliegen haben, stecken auch Absichten.
Und noch das krönende Ende:Zittern und Entsetzen hat sie ergriffen. Es hat ihnen die Sprache verschlagen und sie sagen niemanden ein Wort. So endet die Ostergeschichte im Markusevangelium, mit Osterschrecken statt Osterfreude.
Jutta Lehnert, Pastoralreferentin im Dekanat Vallendar, greift an dieser Stelle des Neuen Testaments auf den griechischen Urtext zurück. Sie verbringt jedes Jahr die Kartage mit Jugendlichen aus der KSJ, der Katholischen Studierenden Jugend, und immer wieder wird ein anderer Aspekt des Markus-Evangeliums Thema:
Jutta Lehnert: Also wir versuchen jedes Jahr im Gespräch über die Auferstehung von einer anderen Seite /.../ an dieses Hoffnungsgeschehen dran zu kommen. Das war mal über die jüdische Märtyrergeschichte und so weiter, also da kann man viele Zugänge suchen. Und dieses Jahr ist eben in Zusammenhang mit der neuen Bibelübersetzung spannend, mal genau auf diese Begriffe zu schauen.
Und die Frauen gingen hinaus und flohen vor dem Grab, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.
Die Begriffe, die Erschrecken auslösen, wie es auch der Kirchenvorsteher der Marburger Universitätsgemeinde in seiner Lesung des Evangeliums am Ostersonntag betont, heißen im Griechischen "tromos" und "ecstasis". Statt von "Zittern und Entsetzen" könne man auch von Erregung und Ergriffensein sprechen, meint dagegen Jutta Lehnert. Sie verbindet "tromos" mit "Tremolo" in der Musik, einem positiven Begriff, und "ecstasis" mit Ecstasy oder Ekstase.
Glaubwürdig wird die neue Lesart der Begriffe für die jungen Leute, die zum Begehen der Kartage zusammen gekommen sind, weil Jutta Lehnert den Bibeltext in seinen historischen Rahmen einbettet. So schreibt Markus unter dem Eindruck des römischen Feldzugs durch Palästina und der Zerstörung der Stadt Jerusalem um 70 nach Christus. Er folgt aber nicht dem üblichen Muster der Geschichtsschreibung, in dem etwa über Octavian berichtet wird: dem einer Helden- und Siegergeschichte. Octavian hatte 31 die Schlacht von Actium gewonnen, er wurde zum römischen Kaiser gekrönt und nannte sich von da an Augustus. "Der göttliche Augustus natürlich", lesen die Jugendlichen vor, "das Volk hatte mich wie einen Gott zu verehren." Die Geschichtsschreiber berichten von Octavian linear, beginnend mit seiner Geburt und endend mit seinem Fiebertod. Die Geschichtserzählung des Markus aber sei anders. Jutta Lehnert malt zur Verdeutlichung die Erzähllinien auf den Boden.
Jutta Lehnert: Der Markus erzählt nämlich den Weg Jesu, den hier, erzählt er parallel zu den römischen Truppen, die fangen auch von Galiäa an und machen ihren unheilvollen Weg auf Jerusalem zu. Hier mal ich mal Galiläa hin (malt), die brauchen mehrere Jahre, /.../(malt). So. Und das ist ein ganz unseliger Feldzug mit furchtbar viel Toten und viel Verhaftungen und schrecklichen Folterungen usw, /../(malt) Der Markus schreibt ja 70 direkt unter dem Eindruck, daß /.../ Jerusalem ganz dem Erdboden gleich gemacht wird und der Tempel brennt und da merkt ihr jetzt schon, daß der Markus dagegen auch anerzählt, das ist ja jetzt parallel und er erzählt eben genau gegen /.../die Hinrichtung der Menschen. Während die Menschen hier zum Tod verurteilt sind, lässt er die Menschen der Jesusbewegung immer wieder aufrichten und aufstehen: Aufstehbewegung. Also es wird dagegen erzählt.
Auch "Auferstehung" sei eine falsche Übersetzung. In den vielen Heilungsgeschichten, die Markus von Jesus erzählt, kommt das Wort "aufstehen" vor - im Urtext dasselbe Wort wie in der Geschichte der Frauen am Grab. Nicht erst mit dem Tod Jesu sei "Aufstehen" verbunden, sondern schon mit seinem Leben, eine Bewegung von Aufrichtung.
Ob es nun in der neuen Bibelübersetzung heißen wird: ,er ist aufgestanden', darüber sind sich die Übersetzer und Übersetzerinnen noch nicht einig. Die Übersetzenden diskutieren die Rückmeldungen aus den Gemeinden, der Beirat -evangelische und katholische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind darin versammelt -macht Vorschläge zur Vorgehensweise, und immer wieder debattieren die Übersetzenden Fragen der Auslegung. Wie der Pfälzer Pfarrer und Mitherausgeber der neuen Bibel Erhard Domay erhalten viele die Impulse dazu aus der Befreiungstheologie.
Das Besondere an befreiungstheologischer Hermeneutik oder Herangehensweise an die Bibel ist, daß sie sagen: für uns sind immer zwei Kontexte wichtig: und zwar den heutigen und den, in dem die Texte entstanden sind,
Der Befreiungstheologe Carlos Mestos hat das genannt: vom Leben zur Bibel und von der Bibel zu Leben.
Die neue Übersetzung richtet sich an Juden, an Frauen, die bisher nicht angesprochen waren, und an Jugendliche, die sich oft an der alten, als fremd empfundenen Sprache stoßen. Jutta Lehnert, die katholische Pastoralreferentin, trifft auf sie, wenn sich Mädchen und Jungen zur Firmung anmelden.
Jutta Lehnert: Oh, die machen sofort die Schotten dicht! Bibel, da erschrecken sie immer und wollen nichts damit zu tun haben. Und das ist eine ganz große Mühe, ihnen mithilfe von Einzeltexten klar zu machen, daß das ein ganz spannendes und aktuelles Buch ist.
Genau das aber ist das Hauptanliegen der neuen Übersetzung. Sie soll ein Orientierungsbuch zum Selbststudium sein, Hilfe in einer pluralisierten Welt, in der alle Sicherheiten wegbrechen. Dieses soll eine Bibel für alle sein, auch die, die von ihrem Bildungshintergrund her nicht unbedingt Bücherlesende sind.
LG"Jesus begann sie zu lehren, das Menschenwesen [statt der Sohn, Mk 8.31; Anm. W.] muss viel leiden und wird den Ältesten, den Hohenpriestern und den Toragelehrten vorgeworfen und wird getötet und nach drei Tagen auferweckt." "Des Menschenwesen" damit ist Jesus uns gleich, da ist er runtergeholt auf unsere Ebene, da ist er Mensch wie wir und nichts Abgehobenes mehr.Und als eben die Rede war "Jesus, Gottes Sohn", dann möchte ich allen Ernstes sagen: "Und ich bin Gottes Tochter"
Erzähler: Das ist das Gute an der neuen Bibelübersetzung in "gerechte" Sprache: Sie löst Diskussionen aus.
Andererseits muss ich Dir sagen, dass ich bereits mehrmals gelesen habe (ich glaube das war entweder im Katechismus oder in der "Einführung ins Christentum" von B16Walter hat geschrieben: wird heute schon in evangelischen und katholischen Kirchen als "Lebendiges Wort Gottes" gelesen, um die Christen zu mehr Toleranz und Gerechtigkeit zu erziehen.
Ich denke, dass es allgemein bekannt ist, dass Gott der HERR nicht nur väterliche sondern auch mütterliche Eigenschaften besitzt. Als alten Mann haben ihn vorwiegend römisch katholische Künstler dargestellt. Dennoch sprechen wir ihn mit Vater an, weil dies der Überlieferung entspricht. Jesus selbst lehrt uns beten: Vater unser...Question hat geschrieben:Hallo Walter,
Kann ja sein, dass es auch einige Katholiken sind, die sich dafür interessieren. Aber das heißt doch noch lange nicht
Andererseits muss ich Dir sagen, dass ich bereits mehrmals gelesen habe (ich glaube das war entweder im Katechismus oder in der "Einführung ins Christentum" von B16Walter hat geschrieben: wird heute schon in evangelischen und katholischen Kirchen als "Lebendiges Wort Gottes" gelesen, um die Christen zu mehr Toleranz und Gerechtigkeit zu erziehen.), dass Gott zwar "Vater" genannt wird, dies aber nicht bedeutet, dass er sozuasgen "alter Mann mit Bart" ist und dass er sowohl väterliche als auch mütterliche Eigenschaften hat.
LG
Q.
Lieber René,Ehre sei Dir oh Herr hat geschrieben:Lieber Sebastian,
Deine Begründung über die Mutter Gottes kann ich nicht teilen...
Du schreibst es ja selbst, Gottesgebährerin! Dies allein erklärt schon das: Mutter Gottes!
herzlichst René
Grüß Gott, miteinander!Sebastian hat geschrieben:
Lieber René,
so sehe ich es nicht ganz, auch wenn ich weiss wie du es meinst. Die Orthodoxie spricht im Gegensatz zum Katholizismus nicht von der Mutter Gottes, sondern von der Gottesgebärerin und das finde ich sehr passend! "Mutter Gottes" suggeriert, die Mutterschaft des Vaters und das Jesus erst im Leib zum Sohne Gottes wurde. Gott ist aber der von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der Begriff Gottesgebärerin hat Walter aber HIER viel besser abgehandelt als ich. Er tat dies auf Questions Frage, warum in der Orthodoxie der Begriff Gottesgebärerin gebraucht wird (zumindest häufiger).