Güß Gott allerseits!
Walter hat Geschrieben
Die ROKA war bislang unkanonisch, nicht wegen irgendwelcher Häresien, sondern weil sie sich eigenmächtig aus der kanonischen Gemeinschaft der orthodoxen Kirchen losgelöst hatte. Dass sie erst jetzt wieder in die kanonische russische Kirche aufgenommen wurde, lag weniger am Widerstand des Moskauer Patriarchats, sondern am Unwillen weiter Teile innerhalb der ROKA. Die ROKA stellte auf mehr Vorbedingungen für die Verhandlungen zur Einigung.
Hier muss ich als Mitglied der ROKA heftigst protestieren! Wer die historischen Hintergründe der Trennung nicht kennt, sollte nicht solche Unterstellungen machen! Ich hoffe das ein wenig klarstellen zu können.
Als 1918 im Zuge des russischen Bürgerkrieges die Kirche stark bedrängt wurde, der Patriarch und seine beiden Stellvertreter (Metr. Petr und Metr. Kyrill) von den Bolschewiken gefangengehalten wurden, ein Großteil des Klerus brutalst ermordet wurde und die Mehrheit der überlebenden Bischöfe im ständig schwindenden Gebiet der Weißen Armee sich unter Metr. Antonij (Chrapovickij) sammelten, kam die Putschisten-Regierung auf die Idee, die Kirche durch einen Unterwerfungsvertrag zu knechten. Die Kirche sollte laut diesem schriftstück die atheistische Regierung bedingungslos Unterstützen und sich ihren Bestimmungen fügen.
Weder Patriarch Tichon, noch seine Stellvertreter ließen sich zur Unterschrift zwingen, sie zogen Folter und Martyrium vor. Ihrer Ablehnung folgte der Episkopat hinter der Rot-Weiß Front. Dann gelang es den Bolschewiken jedoch den Metr. Sergij (Starogorodskij) zu gewinnen, der entgegen seiner kanonischen Befugnis sogar willentlich unterschrieb. Die Atheisten konnten ihm noch drei Bischöfe zuführen, die ebenfalls unterschieben. Wie wir erst heute aus den Akten der Verhöre wissen, missbilligte der damals noch lebende Metr. Kyrill diese Linie Sergij's und schrieb ihm aus der Gefangenschaft mehrere vergebliche Appelle und Ermahnungen als rechtmäßiges Oberhaupt der Russischen Kirche. Er exkommunizierte Segij jedoch bewusst nicht, um eine Spaltung in der bedrängten Kirche zu vermeiden.
Die Synode in Karlovic, dem weißen gebiet, unter Metr. Antonij wusste nicht um das Schicksal der obersten Kirchenleiter (Außer um den Tod Patr. Tichons) und brach mit den von der Rotarmisten-Regierung "unterstützten" Gruppe die Gemeinschaft. Sie musste später nach Serbien, München undschließlich nach New York ins Exil fliehen. Obwohl sich in der Emigration nicht alle Bischöfe und Gläubige der Synode unterstellten, war doch außer Zweifel, dass sie das rechtmäßige Organ der russischen Kirche im Ausland war. Sie war auch die bei Weitem größte Organisation.
Die Geschichte der 4 Bischöfe in Russland (In der Tat überlebten nur diese drei, die anderen wurden wegen ihrer Verweigerung, sich Metr. Sergij anzuschließen umgebracht) ist in der Stahlinzeit sehr wechselhaft. Sie waren die längste Zeit lediglich die Vorzeigekirche der Regierung in der Außenpolitik, die dafür werben sollten, dass die Kommunisten angeblich Religionsfreiheit gewären würden. Die Auslandskiche war tief erschrocken über die öffentlichen und makaberen Lügen dieser Bischöfe, wie z.B., dass es angeblich nie eine Verfolgung der Kirche gegeben hätte.
Wir wissen, dass jene Kirchenmänner dazu gewaltsam gezwungen wurden und haben heute Verständnis dafür.
Anfangs wurden beinahe alle Kirchen geschlossen bzw. zerstört. der "Patriarchatsverweser" Sergij und seine Bischöfe hatten quasi keine Herde.
Daneben existierte die Katakombenkirche, die von den Gläubigen in Russland lange Zeit als die eigentliche Kirche angesehen wurde. Sie wurde vom Staat massiv verfolgt, aus dem Ausland nach Kräften unterstützt. Über deren Wirken ist sehr wenig bekannt. Die ROKA weis von einem bis zwei Bischöfen und vielen heimlichen Priestern, die überall im Land mit geheimen Gottesdiensten und durch sakramentenspende tätig waren.
Durch die deutsche Invasion wurde Stahlin gezwungen, seiner Kirche wenigstens eine minimale Existenz einzuräumen. Einge Kirchen wurden geöffnet, die Orthodoxen Christen mussten teilweise anfangs gezwungen werden, zu den Gottesdiensten der "Bolschewikenkirche" zu gehen.
Die Katakombenkirche verlor zusehens an Bedeutung, starb aber bis zur Wende nie ganz aus.
Anfangs hatte das MP in Russland (der Metr. Sergij wurde wärend des II. Weltkrieges mit Zustimmung Stahlins Patriarch) keine Ambitionen außerhalb des kommunistischen Gebietes. In den 40er Jahren (glaub ich) stellten sie jedoch erstmals die Forderung, dass alle russischen Bischöfe im Exil sich dem Patriarchat unterstellten. Man wollte (Im Rahmen des bolschewistischen Planes, die Welt durch den Kommunismus zu vereinen) die Auslandskirche ebenfalls zum politischen Werkzeug der Kommunisten machen.
Damals entschied unser Synod, dass er keinen offiziellen Kontakt mit dem MP aufnehem und dessen Forderung besten Gewissens nicht nachkommen werde, da die Kirche in Russland nicht "frei" sei. Daher blieb die Trennung bis in unsere Tage bestehen.
Was unsere Beziehung zu anderen Kirchen betrifft, sollte es verständlich sein, dass die anderen Kirchen sich der Drohung Moskaus ? entweder ihr erkennt uns an oder die ROKA ? fügte (bis auf die Serbische Kirche, die versuchte beide anzuerkennen und mit der wir lange konzelebrierten) und uns ignorierte. Wir haben zum Glück auch nicht versucht, uns unsere Legitimation von den Herrschsüchtigen Patriarchen von Istanbul zu hohlen, die seit dem unseligen Meletios Metaxakis versuchten, russische und slavische Kirchen aus ihrer Verbindung mit der Russischen Kirche zu lösen und unter ihr Zepter zu unterwerfen.
Die Formel, die bei den jetzigen Unionsverhandlungen mit dem MP von beiden Seiten angenommen wurde, ist folgende: Wir sind zwei Teile der einen Russischen Kirche!
Ich hoffe, dass wir uns auf dieser Basis alle einig sein können.
Alles Liebe und Gute
S.N.J.