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Verhältnisse

Verfasst: 15.04.2006, 21:27
von Milo
Was ist das richtige Verhältniss zu Ikonen?
Warum spricht man von Verehrung statt Anbetung der Ikone?

Habt ihr gewusst das man über Ikonografie auch sagt, dies sei die Hl. Schifft für Analphabeten!?


Verzeiht, das ich euch mit vielen Fragen belästige.
:roll:

unwissender admin

Verfasst: 30.10.2006, 12:15
von Milo
Hallo!

Ich greif das Thema mal hiermit nochmal auf:

Das zweite Konzil von Nicäa

Nach dem Tod Leos wurde Irene von Athen Regentin für ihren unmündigen Sohn Konstantin VI.. Sie beendete die erste ikonoklastische Periode durch Einberufung des zweiten Konzils von Nicäa 787, wobei die Ikonenverehrung als erlaubt galt, jedoch ihre Anbetung ausdrücklich verboten wurde. Man begründete dies mit der Lehre der Inkarnation, wie Johannes von Damaskus sie formuliert hatte: Weil Gott in Jesus Christus Fleisch wurde, eine konkrete, körperliche, menschliche Gestalt annahm, ist eine körperliche Darstellung möglich. Die Heiligen verkörpern je auf ihre Weise den Heiligen Geist. Christus und die Heiligen können nun bildlich dargestellt werden ? im Gegensatz zum zweiten Gebot, das vor der Inkarnation von Jesus Christus galt. Jedoch wurde auch beschlossen, dass alle Ikonen mit Aufschriften versehen werden sollen, um eine Verselbständigung der Verehrung der Ikone als Gegenstand, ohne Rücksicht auf die dargestellte reale Figur, zu verhindern. Auch der Papst in Rom, wo die Heiligenbilder nie ernsthaft in Frage gestellt worden waren, stellte sich hinter diese Beschlüsse. Im Frankenreich unter Karl dem Großen dagegen wurden die Beschlüsse auf der Synode von Frankfurt abgelehnt.

Das zweite Konzil von Nicäa ist offiziell das siebte ökumenische Konzil der Katholischen und Orthodoxen Kirche; im Protestantismus reichen die Ansichten zu diesem Konzil von totaler Ablehnung bis zu Anerkennung unter Vorbehalt.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinis ... lderstreit

Gibt es diesbezüglich euerseits noch Anmerkungen , Komentare, Fragen?

Euer Br. in Christus
milo

Verfasst: 30.10.2006, 12:36
von Ehre sei Dir oh Herr
Hallo lieber milo,

vielleicht sollte man die Begriffe Katholische und Orthodoxe Kirche nicht getrennt schreiben... schließlich heißt Katholisch nicht Römisch Katholisch und auch die Orthodoxe ist Katholische Kirche (kat`holon-allgemein, allumfassend).
Man besehe sich auch unser Glaubensbekenntnis.
"Die Bezeichnung "katholisch" für die Kirche Christi im Glaubensbekenntnis bezieht sich zum einen darauf, dass sie Menschen aller Zeiten und Orte umfasst (Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Babar, Skythe, Sklave, Freier sondern alles und in allem Christus, Kol 3,11), und zum anderen auf die Fülle des Glaubens, d.h. auf die Vollständigkeit der Lehre und Spiritualität, welche sich konziliar entfaltet. Der Begriff Katholizität der Kirche trifft daher im ursprünglichen Sinn nur auf die Orthodoxe Kirche zu, nicht aber auf die Römisch Katholische Kirche, die zwar den Namen bewahrte, sich jedoch in der Lehre, der Struktur und in ihrer Spiritualität erheblich von der einstmals gemeinsamen Grundlage entfernt hat."

aus:Orthodoxe Dogmatische Theologie Eine zusammenfassende Darstellung

Natürlich ist mir klar, dass hervorgehoben werden sollte, dass einst auch Rom dem zustimmte. Nun, vielleicht lenkt man ja in Rom wieder ein in die richtige Richtung, oder wie es so schön heißt, was macht man, wenn man sich verlaufen hat? Man kehrt an die Stelle zurück, wo man begann sich zu verlaufen...

herzlichst René

Verfasst: 30.10.2006, 23:49
von Milo
Hallo René,


absolut berechtigt deine Anmerkung. Daher auch meine Frage die ich zum Schluss stellte.

Nun will ich dich gleich weiter fragen: warum können sich die Protestanten nicht damit zufrieden geben, wenn die eine ungeteilte Kirche damals synodal den Beschluss fasste das die Verehrung der Ikonen (wie eben Johannes v. Damaskus erläuterte) nicht Götzendienst sei, sondern den eshatologischen Charakter hat?
Um bildlich (ikonologisch) zu argumentieren: ist es denn minderwertig, das wenn ich eine Person liebe, und ich von Ihr ein Bild in der Hand halte und an Sie dabei denke, aus Emotionen heraus Ihr Bild küsse....ist das denn Varrat an der Person, nach Der sich meine Seele sehnt?

Ich meine das Liebe nur den verbindenden Charakter hat, und das Trennen ist ihr fremd.


In Christus,

dein br. milo

ps. hoffe du fühlst dich nicht von meinen Fragen bedrängt, diese gelten an alle, nicht nur an dich

Das Küßen der Ikonen

Verfasst: 31.10.2006, 10:42
von talitaNeu
Hallo,

alles was der Mensch tut um seine Liebe zu Gott und seine Sehnsucht nach der Nähe der Dreieinigkeit ausdrückt ist nicht falsch.

Nach der Auferstehung von Jesus waren die Frauen von der Erscheinung des Engels nicht sehr beeindrückt und sehnten sich einfach nach Jesus. Auch die Engel bei ihrem Erscheinen haben öfters hingewiesen, dass sie Diener Gottes sind und vor ihnen man nicht niederzunkníeen braucht. So auch die Apostel haben haben verwiesen, dass Jesus zu verehren ist und nicht sie.
All dies unterstützt die Erklärung Jesus, man solle sich den niedriegeren Platz suchen und der Herr aber die Ehre erweisen wird, denen, die er nach der Gnade erhöhen möchte.


Ich denke, ob es falsch ist die Ikonen (natürlich ausgenommen von Jesus mit wem auch immer Er abgebildet ist, das ist nähmlich meiner Meinung nach immer richtig) hängt davon ab, was der Gläubige selber dabei denkt und glaubt. Alle Gnaden und Wirken kommt von Gott direkt durch Ihn oder durch seine Diener (die Engel, die Heiligen).
Bedeutet also das Küßen der Ikone eines Heiligen: bitte bete für mich, finde ich es auch richtig. Es gibt auch andere Beispiele die richtig sind denke ich. Denn Glaube ist keine starre Sache und ein Knecht soll ja nicht über den anderen Urteilen und über seine Form, wie er die Liebe zu GOTT und er himmlischen Familie bekunden will.

Na ja, kann es sein, dass ich viele Biegungen in diesem Beitrag habe.... :oops: ? Falls unklar, am besten nur den ersten Satz betrachten. Nichts ist falsch, solange es Liebe zum Herrn Gott und Sehnsucht nach Seiner Nähe ausdrückt ;-)

Verfasst: 31.10.2006, 11:42
von Ehre sei Dir oh Herr
administrator hat geschrieben:Hallo René,
absolut berechtigt deine Anmerkung. Daher auch meine Frage die ich zum Schluss stellte.
Nun will ich dich gleich weiter fragen: warum können sich die Protestanten nicht damit zufrieden geben, wenn die eine ungeteilte Kirche damals synodal den Beschluss fasste das die Verehrung der Ikonen (wie eben Johannes v. Damaskus erläuterte) nicht Götzendienst sei, sondern den eshatologischen Charakter hat?
Lieber milo,

ich fühle mich keinesfalls bedrängt :)
Wir sind doch in einem Forum, um uns auszutauschen.

Zum oben Stehenden, antworte ich mal so.

Ich war in der Russischen Kathedrale in Berlin zur Verehrung der Ikone unserer Hl. Gottesmutter Kursk von der Wurzel. Als es zur Verehrung kam, drängte alles nach vorn, so dass man Mühe hatte, zu atmen :)

Als ich hinterher etwas den Kopf schüttelte über diese Ungeduld wurde mir eine kleine Geschichte erzählt.
In einer großen Kathedrale sind Deutsche und Russen und stehen vor 2 Türen, auf der einen steht: Zum Reich Gottes, auf der anderen: Vorträge zum Reich Gottes, die Russen stürmen in erstere.....

Verstehtst Du, was man mir damit sagen wollte?
Natürlich sind nicht alle Menschen (Deutsche und Russen - das ist ja nur ein Beispiel, da ich Deutscher neben vielen Russen...) gleich, aber in den Kirchen habe ich dieses schon oft bestätigt gefunden.

Andererseits sind viele auch sehr verblendet, und halten alles für richtig was ihnen ihre klugen Kopfe da vorreden...

Man muss aber auch sagen, dass die Wege zum Herrn unterschiedlich sein können, wer will das schon beurteilen? Auch gibt es scheinbar zwischen den ev. Kirchen riesige Unterschiede, mit denen ich mich garnicht befassen will. Auch die Gläubigen der RKK wissen von vielem nichts.
Das ist ja auch nichts Böses von den Gläubigen. Es hat sich eben eine ganz andere Tradition entwickelt. Natürlich, wenn ich dort hin gehen sollte und anfange mit dem ersten da zu debattieren, dass "seine Kirche" in Vielem sich abgewandt hat usw... dann ist es schon eine Provokation, fragt jemand von selbst, ist das etwas anderes.

Also, so einfach kann man da wohl nicht antworten...
Das Wichtigste ist wohl, mit guten Beispiel voran zu gehen und unseren Glauben zu leben. Dieses Licht (wenn es uns mit unserer Mühe gut gelingt) wird dann scheinen und nach und nach heller werden, sowie andere Lichter entzünden, so Gott will.

Wenn nicht, dann bin ich auch nicht traurig und hoffe, dass ich zu denen gehören darf, die durch das Nadelöhr komme zum Reiche Gottes...

herzlichst D. René

Verfasst: 31.10.2006, 15:41
von protopeter
Brüder und Schwestern in Christus !

Die unbestritten rechtgläubige Antwort zur Ikonenverehrung findet sich im Oros des 7. Ökumenischen Konzils von Nikaia 787, der nicht nur die Frage der Erlaubtheit der Ikonographie generell positiv bescheidet, sondern darüberhinaus auch festlegt, daß Ikonen "Unseres Herrn, Gottes und Erlösers Jesus Christus, Unserer makellosen Herrin und heiligen Gottesgebärerin, der hochverehrten Engel, aller Heiligen und ehrwürdigen Männer" verfertigt werden dürfen.

Die Verehrung betreffend erklärt das Konzil, daß die Ikonen "zum Andenken an das Urbild" geschaffen seien und diesen "Gruß wie auch verehrende Verbeugung, nicht jedoch der unserem Glauben gemäße, wahrhafte Gottesdienst, der nur der göttlichen Natur gebührt, entgegenzubringen " sei. In weiterer Folge nimmt das Konzil die Lehre des Johannes von Damaskus auf und erklärt: "Die Verehrung des Abbildes geht auf das Urbild über; jener, der sich vor einer Ikone verehrend verneigt, verbeugt sich vor der darauf abgebildeten Person ".

Aus diesen Definitionen geht also klar hervor, daß die orthodoxe Ikonenlehre eben keinen götzendienstlichen Charakter in sich trägt; dies bestätigt sich auch durch Anathemata des selben Konzils, die nicht nur jene, die die Ikonenverehrung verwarfen, sondern auch die Anhänger einer übertrieben-falschen Hinwendung als nicht mit der orthodoxen Lehre übereinstimmend beurteilten.

Ausgehend von der Tatsache, daß eben die Lehre über die Ikonen in der Orthodoxen Kirche als Glaubenswahrheit erkannt ist, wäre es einem jeden Gläubigen unserer Kirche anzuraten, sich zuerst und vor allem mit den entsprechenden Grundsätzen der Überlieferung auseinanderzusetzen, um daraus dann einen eigenen - der Tradition jedoch in jedem Fall konformen ! - Zugang zu finden.

In der Liebe Christi grüßt
Erzpr. Peter