Lieber Sebastian,
leider kann ich Dir nicht immer ganz folgen. Das mag damit zusammenhängen, das wir unter dem Begriff Ökumene etwas verschiedenes verstehen.
Auch dieser Georg (siehe
hier) schreibt eigentlich nicht, was Ökumene bedeutet, sondern eher, wie man sie nicht erreichen kann. Das drückt er zudem so missverständlich aus, dass man meinen könnte, seine Kernaussage sei:
»[Ökumene] ist vielmehr Verrat der Wahrheit, [weil] nicht eine Vereinigung aufgrund des (gemeinsamen) Glaubens.«
Er versteht also m.E. unter Ökumene die momentane Entwicklung sog. »interkonfessioneller«* Gespräche (die Hotelkonferenzsäle sollten wir da mal beiseite lassen).
Was bedeutet Ökumene dann?
»Ökumene, d.h. Einheit, ist ein Wesensmerkmal der Kirche, d.h. die Kirche ist seinsmäßig die Eine Kirche, oder sie ist überhaupt nicht Kirche. Man kann deshalb nach orthodoxem Verständnis nicht so von
der Kirche auf dem Weg zur Einheit reden, dass man meint, es könne und müsse die Einheit der Kirche durch menschliches Bemühen hergestellt werden, sei es durch Übereinstimmung in der Lehre, sei es durch gemeinsames Handeln in der Welt, sei es gar durch Vereinheitlichung der kirchlichen Bräuche und Ordnungen. Das wäre eine Verleugnung des Wesens der Einheit der Kirche, die eine gott-menschliche Einheit aus dem Heiligen Geist ist, und, wo überhaupt Kirche in Erscheinung tritt, allen kirchlichen Äußerungen vorangeht. Auf der anderen Seite kann man nun aber nicht übersehen, dass die Kirche heute als eine vielfachgespaltene erscheint. Diese Gespaltenheit ist gewiss eine Folge unserer Sünde. Wir müssen dafür Buße tun.«
Joh 17 hat geschrieben:20 Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben; 21 auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, auf daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, daß du mich gesandt hast. 22 Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, auf daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind; 23 ich in ihnen und du in mir, auf daß sie in eins vollendet seien, und auf daß die Welt erkenne, daß du mich gesandt und sie geliebt hast, gleichwie du mich geliebt hast. 24 Vater, ich will, daß die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, auf daß sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.
Immerhin in so weit stimmen wir überein, dass wir die Ökumene nicht ohne Gott erreichen können. Nun meine Fragen:
Sebastian hat geschrieben:Wir haben uns alle so lieb, aber bleiben unterschiedlicher Auffassungen. Macht sowas das Herz froh? Meins nicht.
Was würde Dein Herz denn froh machen. Sicher nicht dass wir uns hassen. Also dass wir alle neuapostolisch werden? (Die Frage ist erst gemeint.)
Sebastian hat geschrieben:Er hat recht!. Er sagt uns: Wir haben einen gemeinsamen Glauben, wir sind Christen, aber wir sind unehrlich mit uns selbst und wir versuchen nicht den Weg zu gehen, der uns vom Sohne Gottes vorgelebt und aufgezeigt wurde, sondern versuchen uns in unehrlichen Zusammenschlüssen und übergehen uns selbst.
Hier wiederspricht Du m.E. Deinem obigen Statement. Du schließt zudem von individueller Unehrlichkeit auf kollektive Zusammenschlüsse? Was meinst Du nun?
Sebastian hat geschrieben:Georg gebraucht Wörter, die mir wahrlich aus dem Herzen sprechen: Dialog, Wahrheitsfindung. Wir dürfen unsere Unterschiede nicht einfach übergehen, das macht uns unehrlich vor Gott. Der Dialog, muss endlich in Gang kommen, aber was wird getan?
Abgesehen davon, dass ich das Wort Dialog bei Georg nicht lese, lehnt er eine Wahrheitsfindung doch ab. Wie verstehst
Du nun Dialog und besonders
Wahrheitsfindung?
Sebastian hat geschrieben:Allerdings werden die Versiegelungen der anderen Kirchen (im Gegensatz zur Taufe) nicht anerkannt, da sie nicht von lebenden Aposteln vollzogen wird. Hier verstehe ich meine Kirche nicht ganz, da es doch Gott ist, der versiegelt und nicht der Mensch.
Hier verstehe ich Deine Kirche ehrlich gesagt überhaupt nicht, und zwar was eure
neuen Apostel angeht: Wo kamen die denn auf einmal her, wenn nicht aus der Tradition der heiligen, katholischen und apostolischen Kirche? Wer oder was machte sie (ursprünglich) zu
neuen Aposteln?
LG
Walter
*
Eine Anmerkung, besonders auch an den Administrator (weil er das Unterforum so genannt hat):
Ich versuche die Worte »Konfession«, »interkonfessionell« etc. immer als so genannte oder in Anführungszeichen zu kennzeichnen, weil es so etwas mit dem Verständnis der einen Kirche und des einen, wahren Glaubens widerspricht. Auch darf man von unterschiedlichen Kirchen nur als Orts- oder Teilkirchen sprechen, nicht als Kirchen alternativen Glaubens, zu denen man sich als Christ nach persönlichem Vorlieben bekennen (daher Konfession = Bekenntnis) darf, wie man sich zu einer bestimmten Fußballmannschaft bekennt, die zwar unter einander streiten, wer der beste ist, aber alle in einer Liga spielen.