Präexistenz

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Priester Alexej
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Re: Präexistenz

Beitrag von Priester Alexej »

Liebe Mary,

ein Affe ist für mich ein Tier und menschliche Seele, daher habe ich auch die Vorform des Affen Affe genannt :)

Ich gebe euch beiden vollkommen recht - das wichtigste ist, dass wir verstehen, dass Gott der Schöpfer ist. Alles andere ist nebensächlich. Ich persönlich halte solche Nebensächlichkeiten dennoch für wichtig, um der Menschen willen, die nicht orthodox sind oder Zweifel haben. Wir müssen nicht alle Paradigmen annehmen, welche uns die heutige populäre Wissenschaft aufzwingt. In den letzten zwei Jahrhunderten war das ideologische Ziel dieser Wissenschaft, die Nichtexistenz Gottes zu beweisen. Die Argumentation ist entsprechend gestrickt. Wenn man als Ziel hat, etwas ganz bestimmtes zu beweisen, dann schafft man das auch, egal ob es richtig oder falsch ist. Wie ich schon erwähnt habe, gibt es einen sehr großen Zweig von wissenschaftlicher Literatur, welche versucht, gegen diese Paradigmen anzugehen. Ich könnte höchstens russische Quellen nennen, bestimmt gibt es auch etwas von nicht Orthodoxen (z.B. Katholiken) in Deutsch.

Zu den beiden Schöpfungsberichten gibt es im bereits erwähnten Buch von V. Leonid Tsypin ein umfangreiches Kapitel.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.
Ehemaliger
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Re: Präexistenz

Beitrag von Ehemaliger »

Lieber Vater,

wir geraen hier in diesem Strang jetzt in eine Diskussion um die Evolutionstheorie und entfernen uns von dem ursprünglichen Anliegen. Ich denke, es sollte überlegt werden, einen abgeteilten Strang zu eröffnen, um die Gedanken zur Präexistenz nicht völlig zuzuschütten.

Du schreibst: Alles andere ist nebensächlich. Ich persönlich halte solche Nebensächlichkeiten dennoch für wichtig, um der Menschen willen, die nicht orthodox sind oder Zweifel haben.

Also, ich halte diese Nebensächlichkeiten für das was sie sind: Nebensächlichkeiten. Ich bin orthodox und finde, dass die Schöpfungsgeschichte eben nur aussagen soll und will, was sie aussagt: Gott ist der Schöpfer. Nicht mehr und nicht weniger. Das Wie ist keine Frage, mit der die Schrift sich befasst. Und wenn wir in falsch verstandenem Glaubenseifer anfangen, die Evolutionstheorie gegen die Aussagen (den vermeintlichen bezüglich der 'Tatsächlichkeit) der Schrift zu stellen, dann bringen wir 2 Ebenen zueiander, die nicht miteinander in Beziehung gesetzt werden können. Und Zweifel, Vater, kommen nicht daher, dass wir glauben und bekennen DASS Gott die Welt schuf, diese Zweifel kommen, wenn wir zu beantworten versuchen WIE.

Ich kenne einen Teil der 'wissenschafftlichen Literatur', die du erwähnst. Nicht die russischen aber die deutschen aus der Ecke der Fundamentalisten und die englischen. Da schreibt dann einer, der Dr oder sonstwas ist und begeht eben genau diesen Fehler, den ich oben anprangere. Ich mag auf Einzelheiten nicht eingehen.

2 Dinge aber möchte ich doch ausführen:
1. Die Evolutionstheorie heisst Evolutionstheorie weil sie eben eine Theorie ist und nicht bewiesen. Etwas was nicht bewiesen ist, ist damit aber nicht schon falsch. Beispiel: Wir alle hantieren tagtäglich mit der Schwerkraft. Wir benennen sie als ein Naturgesetz. Das klingt sehr wissenschaftlich, ist aber ein reiner Erfahrungswert. Überall auf der Welt fällt ein Apfel 'runter' also auf den Erdmittelpunkt zu. Wir kennen keine Stelle (auf der Erdoberfläche) wo das nicht so wäre. Wir stellen also aus Erfahrung fest, dass das so ist. Können aber nicht sagen, WARUM das so ist. Wir erkennen, dass Massen zueinander streben und formulieren daraus die Annahme, dass es eine Kraft gibt, die dazu führt; wir können diese sogar berechnen und anwenden und stellen dabei fest, dass es funktioniert. Sagen also, das sei ein Gesetz, das aber nur weil es 'immer' funktioniert, nicht weil wir das Wesen der Sache erkannt oder gar bewiesen hätten. Wir 'hantieren' also die Schwerkraft ohne dass wir einen 'Beweis' führen könnten. Wenn du so willst, dann gehen wir mit der Anziehungstheorie um. Diese Theorie ist ein 'Werkzeug' mit der wir unsere Welt hantieren, kein Beweis irgendeiner Existenz.
Ebenso verhält es sich mit der Evolutionstheorie. Wäre sie bewiesen, dann hätten wir das 'innere Geschehen' der Schöpfung ja verstanden und brauchten keine Theorie mehr, da wir für alle und unter allen Umständen nachvollziehbare Beweise hätten. Haben wir aber nicht. ABER: Wir haben ebensowenig für alle und unter allen Umständen nachvollziehbare Beweise für eine 'Schöpfung á la fundamentalistischer Interpretation der Bibel'. Lass uns also feststellen. Wir wissen es nicht, weder das eine noch das andere. Wüssten wir, dann müssten wir nicht darüber reden sondern nur nachvollziehen und 'beweisen'.

2. 'Die Wissenschaft', die sich auf die Fahnen geschrieben hätte, zu beweisen, dass es Gott nicht gibt, die gibt es nicht. Es gab und gibt Menschen, die die Tatsachen, die gefunden wurden in die eine oder die andere Richtung interpretiert haben. Aber 'die Wissenschaft' bschäftigt sich mit Physik oder Kommunikation, nicht aber mit Gott als Gegenstand. Ich denke, wir sollten da aufpassen, die Dinge nicht zu vermischen.

Lieber Vater, ich bin da so eifrig, da ich die Gefahr sehe, dass Menschen in einer Diskussion um Nebensächlichkeiten allzu leicht das Wesentliche, nämlich die Taten Gottes zu unserer Errettung, aus den Augen verlieren. Die 6 x 24 Stunden sind KEINE Glaubensaussage, sondern eine Interpretation, wie ich finde auf sehr tönernen Füssen, abgesehen von der fehlenden Relevanz. Nicht umsonst hat unsere Kirche niemals eine auch nur 'halboffizielle' Stellungnahme zu der Frage der Evolution herausgegeben.

Liebe Güsse und alles Gute in Mainz.
Benedikt
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Mary
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Re: Präexistenz

Beitrag von Mary »

Lieber Vater,

die Prioritäten sind also klar :wink:
Alexej hat geschrieben: Ich persönlich halte solche Nebensächlichkeiten dennoch für wichtig, um der Menschen willen, die nicht orthodox sind oder Zweifel haben.

Ich sehe gerade darin eine grosse Gefahr, wenn wir uns auf diese Nebenschauplätze begeben. Wir machen uns und unseren Glauben dadurch sehr angreifbar. Denn, so überzeugend die von Dir genannten Bücher für einige sein mögen, so sehr werden andere sie ablehnen. Da steht dann Aussage gegen Aussage. Beide - die Vertreter der Evolutionstheorie und deren Gegner - können ja nur die bestehenden Beweise hernehmen und auf je ihre Weise interpretieren. Die Offenbarungen des Glaubens sind da, wie Benedikt schon schrieb, auf einer ganz anderen Ebene.
Wenn nun ejemand meint, die Argumente und Beweise dieser "Anti-Evolutions-Autoren" seien nicht überzeugend, ist die Gefahr, dass sie damit tatsächlich ein Argument gegen die Existenz Gottes oder gegen den Glauben zu haben meinen.

Wenn wir jedoch auf dem Hauptschauplatz bleiben: dass Gott die Welt schuf, dass sie GUT ist, dass der Mensch den Lebenshauch Gottes empfing, dass der Mensch als König und Hoherpriester eingesetzt ist... dann ist unser Glaube nicht "aushebelbar", denn diese Wahrheiten sind Offenbarungen des Glaubens, die weder beweisbar noch widerlegbar sind.

Liebe Grüsse
Mary
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Priester Alexej
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Re: Präexistenz

Beitrag von Priester Alexej »

Aber können wir uns denn wirklich erlauben, uns überhaupt nicht mit diesem Thema zu beschäftigen? In der Bibel gibt es einen Schöpfungsbericht. Im ersten Kapitel steht nicht nur dass Gott die Welt geschaffen hat. Denn ansonsten wäre die Formulierung in etwa - "Gott hat den Himmel und die Erde geschaffen. Und er schuf zuerst die Wasser, dann das Festland, dann die Lichter, dann die Fögel... und letzt endlich die Welt." Aber es steht viel mehr. Es gibt Hinweiße auf die Prozesse, die Gott einleitete (Genesis 1:2 der Geist Gottes schwebte über den Wassern., Genesis 1:4 und Gott schied das Licht von der Finsternis. Genesis 1:7 Und Gott machte die Wölbung und schied die Wasser, die unterhalb der Wölbung von den Wassern, die oberhalb der Wölbung waren. Und es geschah so.) Auf die Bewertung durch Gott von dem, was er getan hat (Genesis 1:4 nd Gott sah das Licht, daß es gut war). Es gibt ganz klar definierte Zeitabschnitte (Genesis 1:13 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein dritter Tag.) Bei den einzelnen Abschnitten gibt es von Gott sozusagen Anweißungen, was die Schöpfung zu tun hat, bzw. wie sie sein soll: (Genesis 1:22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt das Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde!)

Das Hexaemeron ist also eine systematische Erzählung. Die Frage ist, wie wir diese Erzählung interpretieren und was sie in wirklichkeit bedeutet. Aber - sie steht in der Bibel. Ein gläubiger Christ, wenn er genug Glauben hat und nicht Neugierig ist, kann seine Augen verschließen und keine Fragen stellen. Was ist aber, wenn ein ungläubiger Christ anfängt, sich mit der Bibel zu beschäftigen und das erste Kapittel ließt? Hat euch nie jemand gefragt, wieso die Welt nach der Bibel in nur 6 Tagen erschaffen wurde, wenn die Wissenschaft etwas ganz anderes beweißt? Wie konnte es vor dem vierten Tag "Tage" mit Morgen und Abenden geben, wenn Tag und Nacht erst zum vierten Tag getrennt wurden? Wie konnten die Pflanzen wachsen, wenn es vor dem vierten Tag keine Sonne gab? Warum heißt der erste Tag "Tag eins" und die anderen Tage "zweiter Tag, dritter Tag"? Was ist das für ein Gewölbe, welches das Wasser vom Wasser trennt? Denn auf der Erde gibt es so eine Trennung nicht. Und warum gibt es unterschiede zwischen den Beiden berichten, in dem zweiten Kapitel Genesis wird, so scheint es, zuerst der Mensch geschaffen, und dann erst die Bäume. Hat der Mensch zuerst auf einem kalen Felsen gelebt? Was ist das für ein Dunst, der die Oberfläche der Erde bewässerte? Und zulezt, meine ketholische Relligionslehrerin in der Schule wollte den Schöpfungsbericht auf folgende Art bloßstellen - wenn Gott dem Mann eine Rippe genommen hat, um Eva zu schaffen, dann müsste der Mann doch eine Rippe weniger haben!

Ihr Lieben, das sind Fragen, die ich nicht erfunden habe, sondern welche, die tatsächlich gestellt werden. Wenn ich also eine solche Frage gestellt bekomme, soll ich antworten: "Lieber Bruder, ich glaube, dass Gott die Welt geschaffen hat, aber der Schöpfungsbericht in der Bibel, der ist wissenschaftlich nicht tragbar hat im Prinzip auch gar keiner Bedeutung, außer der Wichtigsten: Gott hat die Welt und den Menschen geschaffen." Viele heilige Väter haben aber genau das Gegenteil getan, sie haben diesen Bericht von allen Seiten untersucht und ihm eine wichtige Bedeutung zugesprochen.
  • Märtyrer Irenäus von Lyon (II. Jahrhundert) schrieb: „Gott schöpfte die Welt mit Hilfe seines „künstlerischen“ Logos in Übereinstimmung mit dem Maß, der Zahl (dem Rhythmus), der Rheinfolge und der Harmonie (Contr. Haer. II, 26, 3).
  • Origenes: „Mooses Erzählung enthält in sich mehr, als nur den historischen Bericht, sie enthält in sich einen großen geistlichen Sinn, und unter einem gewissen Schutz von Buchstaben verbergen sich mysteriöse und tiefsinnige Dinge; doch nichtsdestotrotz zeigt die Ausdrucksweise des Erzählers, dass alles Sichtbare in einer bestimmten Zeit erschaffen wurde.“
  • Hl. Athanasios der Große schreibt: „Es gibt unter den Geschöpfen keine selbständigen, keine erstgeschaffenen, doch alles hat den Anfang seines Seins mit allen anderen, auch wenn es unter ihnen einen Unterschied der Ehre gibt. Jeder Stern und jedes der großen Himmelskörper sind nicht so erschienen, dass das eine als erstes und das andere als zweites erschien, sondern an einem Tag und durch die selbe Anordnung sind alle zur Existenz berufen. So ist der Anfang von Vierbeinern, Fischen, Nutztieren und Pflanzen gelegt, so wurde auch das Menschengeschlecht nach dem Abbild Gottes geschaffen.“
  • Hl. Ephräm der Syrer: „Niemand soll denken, dass die sechstägige Schöpfung allegorisch ist; es ist ebenfalls nicht erlaub zu sagen, dass das, was nach der Beschreibung innerhalb von sechs Tagen geschaffen wurde, in einem Augenblick geschaffen wurde, oder als ob in der Beschreibung nur Benennungen gegeben sind, die nichts bedeuten, oder etwas anderes bedeuten. Im Gegenteil, man muss wissen, dass der Himmel und Erde, die am Anfang geschaffen wurden, wirklich Himmel und Erde sind, und nicht irgendetwas anderes unter dem Namen Himmel und Erde. Auch all das, was über die anderen Dinge gesagt wurde, die geschaffen und zur Ordnung geführt wurden, nach dem Erschaffen des Himmels und Erde, sind keine leeren Benennungen. Vielmehr entspricht der Kraft dieser Benennungen das Sein der geschaffenen Naturen selbst.“
  • Hl. Gregor von Nyssa: Als Folge „haben einige das Ziel des Geschriebenen nicht gut verstanden, und beschuldigen ihn (Basilius) deshalb, nichts Eindeutiges zur Sonnen gesagt zu haben, warum dieser Himmelskörper nach drei Tagen speziell errichtet werden musste.“ Denn „unmöglich ist es, dem täglichen Maß mit Morgen und Abend bestimmt zu werden, wenn die Sonne den Abend nicht mit ihrem Untergehen, und den Morgen nicht mit ihrem Aufgehen hervorruft.“ „Auch schließen sie die Schöpfung zweier Himmel aus,“ denn „zuerst ist ein Himmel geschaffen, und dann die Erde.“ „Aber Paulus erwähnt auch einen dritten Himmel, über den bei der Beschreibung der Schöpfung nicht berichtet wird.“
  • Hl. Gregor der Theologe: „Alles wurde am Anfang geschaffen, als die Welt so, wie sie jetzt ist, nicht existierte, als sie diese Ordnung und diese funktionierende Form nicht besaß; damals war alles vermischt und verwickelt, und wartete auf die Hand und die einrichtende Allmächtigkeit.“
  • sel. Augustinus „Zuerst ist die Substanz geschaffen, vermischt und nicht eingerichtet, und aus ihr ist alles hervorgegangen, was im Nachhinein getrennt und eingerichtet war“.
  • Johannes Chrysostomus: „Vielleicht werden die, die aus ihrer Weisheit heraus zu sprechen mögen, auch hier nicht in Erwägung ziehen, dass Flüsse – wirkliche Flüsse sind, und dass Wasser – wirklich Wasser.“
  • Die heiligen Efrem der Syrer, Maximus der Bekenner, Filoret von Moskau und viele andere schrieben zu diesem Thema, Basilius der Große ein ganzes Buch. („Denn die Stimme von damals [das Wort Gottes] und jener erste Befehl wurde gleichsam ein Gesetz der Natur, blieb in der Erde und gab ihr für die Folge die Kraft, zu gebären und Früchte zu bringen.“, „Was bedeuten die Worte: der Geist Gottes schwebte über dem Wasser? Ich glaube sie bedeuten, dass den Wassern eine bestimmte Lebenshandlung gegeben wurde, und dass es nicht einfach stehendes und sich nicht bewegendes Wasser war, sondern ein sich bewegendes und bestimmte Lebenskraft habendes.“ // Basilius der Große. Homilien über das Hexaemeron)
Es haben sich also sehr viele bekannte Kirchenväter mit dem Thema beschäftigt. Sie haben theologische und auch naturwissenschaftliche Auslegungen gemacht. Wenn wir das also tun, verbleiben wir durchaus in der orthodoxen Tradition, und erfinden nichts neues.

Liebe Maria, wenn jemand Fragen hat, soll er auch eine gute Antwort bekommen. Ich würde niemals auf der absoluten Richtigkeit der einen oder anderen Auslegung oder wissenschaftlichen Theorie beharren. Aber, ich würde auf jeden Fall zeigen, dass die Schöpfungsberichte nicht etwas ausgedachtes sind, sondern eine naturwissenschaftliche Anwedung haben können, logisch und untereinader abgestimmt sind.
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Mary
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Re: Präexistenz

Beitrag von Mary »

Alexej hat geschrieben: Liebe Maria, wenn jemand Fragen hat, soll er auch eine gute Antwort bekommen. Ich würde niemals auf der absoluten Richtigkeit der einen oder anderen Auslegung oder wissenschaftlichen Theorie beharren. Aber, ich würde auf jeden Fall zeigen, dass die Schöpfungsberichte nicht etwas ausgedachtes sind, sondern eine naturwissenschaftliche Anwedung haben können, logisch und untereinader abgestimmt sind.
Lieber Vater,
danke für deine ausführliche Antwort. Ich möchte dazu später noch etwas schreiben, erst mal ist die Küche dran ;-)

Ich möchte im Moment nur kurz nachfragen, denn ich möchte keinem Unrecht tun.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob die von Dir erwähnten Bücher
Wie ich schon erwähnt habe, gibt es einen sehr großen Zweig von wissenschaftlicher Literatur, welche versucht, gegen diese Paradigmen anzugehen. Ich könnte höchstens russische Quellen nennen
wirklich das sind, was ich meine. Ich habe da eine Vorstellung von Werken aus der evangelikalen Ecke.. aber vielleicht argumentieren ja die orthodoxen Autoren ganz anders. Ich wäre deshalb froh, wenn du uns an zwei, drei Beispielen kurz erläutern könntest, wie argumentiert wird. Danke

Lg Mary
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Priester Alexej
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Re: Präexistenz

Beitrag von Priester Alexej »

Liebe Mary,

es gibt keine offizielle Position der Kirche zu diesem Thema. Von orthodoxen Autoren gibt es auf der einen Seite sehr ausgewogene wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema, die Exegese mit den neuesten wissenschaftlichen Erkentnissen verbinden. Dabei degradiert man weder die biblische Erzählung zu etwas ausgedachtem oder absolut allegorischem, noch spricht man den wissenschaftlichen Fakten ihre Richtigkeit ab. Auf der anderen Seite gibt es auch unter Orthodoxen sehr fundamentalistische Werke, die alle wissenschaftlichen Erkentnisse leugnen.

Dazu gibt es noch eine Ansichtsweiße, und zwar dass die biblische Erzählung über die Schöpfung der Welt und des Menschen uns nur zeigt, dass Gott die Welt und den Menschen geschaffen hat. Und dass die Beschreibung in keiner Weiße historisch gelesen werden kann.

Beispiel zu der ersten Ansichtsweiße ist das bereits erwähnt Buch von Erzpriester Leonid. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Buch zu lesen. Ist übrigens von mir übersetzt. Eine Besprechung von dem Buch und auch ein paar Seiten einer früheren Übersetzung gab es bereits im Forum: viewtopic.php?f=16&t=930

Ein Beispiel der zweiten Argumentation sieht in etwa so aus:
„Die Logik und der gesunde Menschenverstand raten uns, die buchstäbliche Auslegung der Schöpfungsgeschichte innerhalb von sechs Tagen anzunehmen. Dann werden wir weder gegen die Heilige Schrift und ihre Interpretation durch die Väter sündigen, noch gegen die wissenschaftlichen Beobachtungen.“ Nach einer solch deklarativen Einleitung illustriert V. Oleg, wie „buchstäblich“ er die Schöpfung sieht: „‚Können sie sich vorstellen, dass die mit Gras bedeckte Erde blubbert, wie Wasser in einem Kessel? Besser kann man nämlich nicht beschreiben, was damals passierte. Überall, soweit das Auge reicht, schwellten Knospen auf. Sie hatten verschieden Größen, die einen – wie ein Maulwurfloch, die anderen – wie Fässer, zwei von ihnen waren so groß wie ein Häus‘chen. Sie wuchsen und schwellten immer mehr an, bis sie platzten. Dabei flog die Erde um sie herum, und aus ihnen selbst kamen Tiere heraus. Maulwürfe krochen heraus, Hunde sprangen nach vorne, sich schüttelnd und bellend. Als die Hirsche herauskamen, sah man als aller erstes ihr Geweih… Die Frösche hüpften sofort in Richtung Fluss, dabei quakten sie laut… Am verwunderlichsten war es, als ein ganzer Hügel platzte. Zuerst sah man einen weisen Kopf, dann Füße, von denen Hosen herunterhingen – das war der Elefant. Der Gesang das Löwen wurde übertönt von brüllen, schnattern, blöken, röhren, bellen, miauen und zwitschern.‘ Auf diese Weiße „sah“ C. S. Lewis die Erschaffung alles Lebens in dem Märchenland seines unübertroffenen Romans ‚die Chroniken von Narnia‘. Wie seltsam es auch klingen mag, ist diese Erzählung näher an der Wahrheit, als die wissenschaftlichen Fantasien der Evolutionisten.“
Zur dritten Ansichtweiße können wir in das Buch "Christus in Euch" reinlesen, Frage 11 und folgende: http://books.google.de/books?id=3E3UfjB ... it&f=false

Diese Diskussion hat mich sehr angeregt, in den letzten drei Tagen habe ich an die 20 Artikel zu diesem Thema gelesen, besonders hat mich die Frage über die Entstehung des Menschen beschäftigt. Aber es ist ein sehr komplexes Thema, weshalb ich noch keine Schlußfolgerungen machen konnte. Immer mehr komme ich zu der Überzeugung, dass mir persönlich das fortgeschrittene naturwissenschaftliche Wissen fehlt, um die einen oder anderen Argumente beurteilen zu können. Um in diesem Thema durchzublicken, braucht man neben der Theologie noch einen zweiten Studiengang.

Wünsche allen noch einen frohen Sonntag!
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.
Stefan
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Re: Präexistenz

Beitrag von Stefan »

Liebe Diskussionsteilnehmer,

irgendwie habe ich es noch nicht geschafft, mein Verständnisproblem richtig zu formulieren. Daher versuche ich es nochmal.
Die Schöpfungsgeschichte(n) wollen keinen genauen Ablauf (das Wie) der Schöpfung aufzeigen- soweit so gut. Daher liegt darin auch kein Widerspruch zur naturwissenschaftlichen Eolutionstheorie.
Adam und Eva sind nach den Geschlechtsregistern der BIbel vor etwa 7500 erschaffen worden. Archäologische Funde weisen jedoch auf ein deutlich größeres Alter des Homo sapiens hin. Wie sind also die Geschlechtsregister aufzufassen? Stimmen sie nicht? Gab es keinen Methusalem, der mehr als 900 Jahre alt wurde? Lebte gar kein Noah, da es ja nach naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu dieser Zeit keine weltumspannende Flut gab? Alles nur Mythen und Märchen? Ich persönlich denke, dass an der Ausgangsfrage viele weitere dranhängen, die sich nicht einfach beiseite legen lassen mit der richtigen (!) Bemerkung, dass es das wichtigste sei, dass wir anerkennen, dass Gott der Schöpfer ist und alles nebensächlich. In der Genesis ist der Urgrund unserer Heilsbedürftigkeit genannt, der Sündenfall. Ergo alles andere als nebensächlich.
Wenn man also die Zahlen nur symbolisch auffasste, stünden sie einfach für sehr große Zeiträume der Menschheit. Stünden dann die einzelnen Urväter auch nur symbolisch für ganze Gruppen, oder waren es einzelne Menschen? Wenn irgendwann in der Evolution der Punkt erreicht war, dass Adam da war, waren seine Vorfahren dann keine Menschen mit Seele und daher ohne Möglichkeit zu sündigen? Wenn doch, drehen wir uns nämlich im Kreis. Denn dann starben sie ja, weil der Tod für sie als Lohn der Sünde in die Welt kam, dann waren aber bereits Adams Vorfahren eigentlich "Adam" und der Sündenfall bereits vorher passiert. Rein logisch betrachtet können also Adams Vorfahren, wenn er sie denn hatte, keine Möglichkeit zum Sündigen gehabt haben - selbst wenn wir Adam und Eva (und ihre Nachkommen) als Gruppen auffassen.
Ich hoffe, meine Gedankengänge sind nachvollziehbar formuliert.
Noch eine schöne Karwoche,
Stefan
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Igor
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Re: Präexistenz

Beitrag von Igor »

Ein Artikel dazu auf bogoslov.ru:
:arrow: Patristische Ansichtsweisen zur Frage nach der Entstehung der menschlichen Seele
In den ersten drei Jahrhunderten war die kirchliche Lehre über die Entstehung der menschlichen Seele noch nicht klar formuliert. Deshalb entstanden unter christlichen Theologen völlig unterschiedliche, manchmal entgegengesetzte Ansichten sowohl über den Weg als auch über den Zeitpunkt der Entstehung der Seele. In diesem Artikel analysiert Alexey Fokin die unterschiedlichen patristischen Herangehensweisen zu dieser Frage und betrachtet ihre wichtigsten Quellen.
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)
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