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Re: Orthodoxe Kirche und Wirtschaft

Verfasst: 17.09.2012, 17:42
von Priester Alexej
Mirjanin hat geschrieben:Seit geraumer Zeit vermeide ich es allzu eifrig im Internet zu diskutieren - meist wird viel Energie in Beiträge gesteckt, die dann nie gelesen, sonder nur nach "Schlüsselwörtern" abgescannt werden, um den Schreiber in die genehme Schublade stecken zu können. Da wird dann weniger diskutiert, als vielmehr "verkündet". Von daher überlegte, ob ich tatsächlich ein halbes Stündchen opfern soll, um zu antworten.
O ja, du sprichst mir aus dem Herzen. Das ist wirklich sehr verbreitet, und nicht nur auf Facebook, sondern auch hier im Forum. Manchmal wird ein Beitrag nicht einmal ganz gelesen, es wird aber trotzdem geantwortet. Oft bemüht man sich, schreibt lange Ausführungen, und die Antwort ist dann 3 Sätze lang a la "diese Argemente sind nicht richtig. Punkt." Oder jemand schreibt "seine Meinung", ohne dabei nenneswerte Kentnisse der Situation zu haben. Was ist eine solche "Meinung" denn überhaupt Wert? Wozu sind wir hier? Um einander die eigene "Meinung" zu sagen, von dingen, von denen wir nichts verstehen?

Mein Professor für Rhetorik sagte uns mal am Priesterseminar - ihr seit alle Kinder eurer Zeit, jeder hat eine "eigene Meinung". Aber wer seit ihr, dass eure Meinung etwas bedeutet? Es gibt Wissen, Fakten. Früher hat man von der Warheit gesprochen, und heute spircht man von Meinung. Genauso sprach man früher von Schismen und Häresien, heute spricht man von einer "Kirchenspaltung".

Re: Orthodoxe Kirche und Wirtschaft

Verfasst: 22.09.2012, 10:28
von Mirjanin
In den vergangenen Tagen hing ich mit den Gedanken immer noch in diesem Thread und bin mir nicht sicher, ob mein letzter Beitrag nicht etwas zu "kryptisch" geschrieben war. Daher will ich noch eine Erklärung anhängen:

Zur Beginn möchte ich die Gedanken von Joseph Kardinal Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) voranstellen. In "Glaube-Wahrheit-Toleranz" schreibt er auf Seite 207 ff.

"Entgegen der landläufigen Meinung stehen sich Sozialismus und Kapitalismus wesentlich näher als gedacht. Beide Ideologien propagieren ein diesseitiges Heilsversprechen. Gerade weil beide Ideologien die Überwindung der materiellen Armut für grundsätzlich machbar halten, sind sie sich so spinnefeind. Die Auseinandersetzungen zwischen Sozialismus und Kapitalismus sind vorwiegend technischer Natur: welcher Weg ist der geeignete, um das irdische Schlaraffenland zu erreichen? In Opposition zu diesen beiden materialistischen Ideologien steht die tradierte Auffassung, wonach sich bereits aus der Endlichkeit des irdischen Lebens die Unmöglichkeit eines irdischen Paradieses ergibt: "Es wird innerhalb dieser unserer Menschengeschichte nie den absolut idealen Zustand geben, (...) Falsch aber ist der Mythos von der künftigen befreiten Welt, in der alles anders und gut sein wird. Wir können immer nur relative Ordnungen errichten, sie können immer nur relativ recht haben und sein. Aber gerade um diese höchstmögliche Annäherung an das wahrhaft Rechte müssen wir uns mühen."

Allenthalben wird momentan die Behauptung vorgetragen, es sei die Schuld der "Märkte" (wer oder was ist das?) das wir eine Krise hätten. Selten blickt man auf das Papiergeldsystem, bei dem Zentralbanken mit planwirtschaftlicher Zinssteuerung die Wirtschaft mit ungedeckten Zirkulationskrediten überfluten und zu einer Überschuldung der Bevölkerung führen. Die Bevölkerung wird dadurch von den Banken finanziell abhängig. Nun stehen die Banken vor dem unausweichlichen Bankrott. Politiker überbieten sich mit Garantien, denn sie garantieren ja nicht mit ihrem eigenen Geld, sondern mit dem Geld anderer Leute (dem Steuerzahler). Im Endeffekt haftet also der Steuerzahler mit seinem Geld für seine eigenen Spareinlagen! Skandalös! Aber nein, man lobt die Regierungen noch für ihr "beherztes Eingreifen und Regulieren". Der Zentralstaat als Lösung und nicht als Teil des Problems. Die zahlreichen Schuldner werden in der Folge vom Staat abhängig - eine indirekte Enteignung. Und dafür lässt man sich feiern und wird gefeiert. Vielleicht eine der größten Gaunereien der Menschheitsgeschichte.

Dieses "ökonomische Gottesspielertum" (Roland Baader) wurzelt tief in einer kranken Rechtsauffassung, wonach Wahrheit relativ ist. Zum Verständnis: Im christlichen Naturrecht unterstehen alle Mitglieder der Gesellschaft - vom Bettler am Straßenrand bis zum Kaiser (!) - allgemein gültigen Rechtsprinzipien. Niemand, selbst der Kaiser nicht, durfte sich gegen diese von Gott bestimmte Rechtsordnung stellen! Nicht umsonst geht der Begriff "Tyrannenmord" auf diesen Umstand zurück, nämlich einen Herrscher, der sich durch Missachtung des Rechts (der Wahrheit) vom Herrscher zum Tyrannen wandelte und dessen Mord als legitimer Akt der Notwehr (!) war.

Man vergleiche diese Situation mit heute, in Zeiten erodierter Gerechtigkeitsvorstellungen! Heute wird Recht vom Gesetzgeber produziert (wie ein Gut!), alle Bürger haben sich diesen Gesetzen zu unterwerfen - egal ob es dem Anspruch der Gerechtigkeit Genüge tut! Es wird nicht mehr gefragt nach dem was Recht sei, es wird nicht versucht das Recht zu finden, sondern Recht wird nach Belieben gesprochen - für zusätzliche Wählerstimmen, monetäre und nicht-monetäre Zuwendungen oder aus ideologischen Gründen.

Was hat das nun mit der Wirtschaftskrise zu tun!? Eine ganze Menge. Dazu mehr - in meinem nächsten Beitrag, denn sonst wird es zu unübersichtlich.

Re: Orthodoxe Kirche und Wirtschaft

Verfasst: 22.09.2012, 10:29
von Mirjanin
Weiter oben beschrieb ich das "ökonomische Gottesspielertum" und die Taschenspielertricks der Politik. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn die ganze Wahrheit ist, dass es von Seiten der Bevölkerung ja einen massiven Wunsch danach gibt. Der Wunsch nach "Selbstverwirklichung" führt zu diesem zentralistischen Gaunerstaat. Wer sich nicht um seine alten Eltern kümmern will, weil er seinen Lebensplan ändern müsste, lagert die Pflege an die Pflegeversicherung aus. Eltern schieben ihre Kinder ein paar Monate nach der Geburt in die Kindergrippe ab, um ja nicht die Karriere zu gefährden. Und Materialisten von links wie rechts ziehen verzückt Statistiken aus dem Aktenkoffer: Jaaa - so steigern wir die Effizienz und Produktivität!

Diese "Anonymisierung der Verantwortlichkeit" (Gregor Hochreiter) führt zu einem egoistischen Menschen, der sich seinen Lebensstil über staatliche Wohlfahrt und Förderung bezahlen lässt. Der mit ausgefahrenem Ellenbogen versucht "rauszuholen, was für ihn drin ist". Und ja, es ist so leicht darauf reinzufallen und nachzugeben! Womit wir aber, werte Brüder und Schwestern, jetzt die Querverbindung zu meinem Beitrag letzte Woche geschafft hätten. Das System der Umlagefinanzierung eignet sich perfekt: Konsum sofort! Bezahlen wird die nächste, noch ungeborene Generation, die sich gar nicht dagegen wehren kann. Tief in den Köpfen hat sich eine Illusion vom Staat als eierlegende Wollmilchsau eingebrannt, der Wohlstand entstehen lassen könne, wenn er nur wolle. Gerne auch für eine bestimmte Klientel, wenn es gelingt, sich durch Mehrheit einen Platz an der Sonne zu sichern. Man denke an Hotel-Gastro, Öko-Lobby, Atom-Lobby, Finanz-Lobby, Gewerkschaft usw.

Die Verbindung aus Papiergeldsystem und demokratischer Wohlfahrtsstaat förderte im 20. Jahrhundert massiv die Auflösung zwischenmenschlicher Beziehungen. Ich arbeite in der Bankenbranche, wie einige vielleicht wissen. Mit Sorge sehe ich, wie das eigene Konto bei der Bank damit beworben wird, Jugendliche erhielten so eine größere Unabhängigkeit von den Eltern. Letzte Woche hatte ich ein Werbe-Mailing in der Hand, das darauf abzielt, sich mit einem Kredit unabhängig zu machen. Jugendliche sollen möglichst früh "unabhängig" werden. Ein Defätismus, denn in Wirklichkeit begibt man sich nur aus der zwischenmenschlichen Abhängigkeit (gegenüber den Eltern) in eine anonyme Abhängigkeit einer Bank. Diese "Denke" zerstört das Netz aus familiärem, freundschaftlichen und örtlichen Zusammenhalt, dass uns Menschen aber die heute schmerzlich vermisste Geborgenheit vermittelt. Alles ist nur noch relativ.

In Ordnung - Problem erkannt, aber wie wird das Problem gebannt? Was ist die Alternative?


Aus ökonomischer Sicht lässt sich das kurz zusammenfassen: Das Papiergeldsystem mit seiner Schöpfung von Geld aus dem Nichts und ungedeckten Geldscheinen ist aufzugeben. Die Eigentumsrechte aller Bürger müssen dabei gewahrt bleiben. Stattdessen benötigen wir ein Warengeld - also ein Geld, dass auf realen Werten (z.B. Gold, Silber o. ä.) basiert. Geld, dass eben nicht unendlich per Knopfdruck vermehrt werden kann, sondern in seiner Menge nur langsam wächst.

Was würde in so einem Fall geschehen?

Wir bekämen ein richtige Rezession. Eine heftige Rezession. All die Fehlinvestitionen, Verschwendungen und Investment-Tricksereien würden zusammenbrechen. Investitionen müssten künftig aus den Gewinnrücklagen früherer Jahre finanziert werden. Geduldiges und langsames Wachstum würde sich einstellen. Aber kein Schein-Wachstum! Inflation als künstliches Phänomen verschwindet. Die private Kreditvermittlung oder gemeinsame Beteiligungen (z.B. genossenschaftlich) würden an Bedeutungen gewinnen, anonyme Kreditvergabe durch Banken an Bedeutung verlieren. Nutzlose politische Großprojekte, wie sie der Bund der Steuerzahler jedes Jahr kritisiert, würden deutlich schwieriger werden. Eine aggressive Außenpolitik wäre unmöglich, lange Kriege unbezahlbar. Kurzum, eine gesamtgesellschaftliche Überschuldung wäre unmöglich, Staat oder Privatpersonen könnten über einen längeren Zeitraum nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen. Keine Generation könnte mehr auf der Kosten der nächsten Generation leben. Rating-Agenturen können schließen, weil niemand mehr die planwirtschaftliche Zinsfestsetzung der Zentralbanker zu orakeln braucht.

Der Wiener Ökonom Gregor Hochreiter beschreibt die Auswirkungen so:

"Das wertbeständige Geld nimmt den Menschen die Last, sich tagtäglich um den Werterhalt des erarbeiteten Vermögens zu kümmern. Geldfragen verlieren im täglichen Leben an Bedeutung. Die Mittelorientierung macht der Zielorientierung Platz, die quantitative Geldmehrung der qualitativen Qualitätsverbesserung, die Finanzierung aus dem Eigenkapitel der Finanzierung mit Fremdkapital. Der Aufbau materieller Werte verliert den Glücksspielcharakter. Wohlstand ist das Resultat harten, persönlichen und in Generationen denkenden Tätigseins."

Re: Orthodoxe Kirche und Wirtschaft

Verfasst: 22.09.2012, 10:30
von Mirjanin
Toll, dann machen wir das so!?

So wünschenswert ich dies halte, so bin ich doch Realist genug um zu wissen, dass ohne ein Verständnis des gegenwärtigen Problems eine Umkehr unmöglich ist. Ein Grund warum ich jetzt schon seit über eine Stunde diese Zeilen tippe. Denn selbst wenn wir über Nacht das Papiergeldsystem abschaffen würden, seine "Erziehung" verschwindet nicht. Politiker und Wähler würden einer "Kreditnot" den Weg reden, man würde bald eine Abkehr von der 100% Deckung des Geldes fordern und kurz darauf wäre der unheilsame Weg erneut beschritten. Wir sind in gewisser Weise Drogenabhängige, die an der Nadel des unendlich schöpfbaren Papiergeldes hängen. Unsere Eigentumswohnung, unser Auto, das neue Rathaus der Gemeinde, ja der ganze Staat - alles ist auf Pump vorfinanziert. Alles muss hier und jetzt sofort verfügbar sein. Sparen, wie zu Großvaters Zeiten, ist zu einer Untugend geworden, das durch Inflation sanktioniert wird. Jetzt konsumieren, jetzt anhäufen - und damit das beklemmende Gefühl der Sinnleere bekämpfen.

Die größte Umstellung im öffentlichen Leben dürfte jedoch die verschwindende Funktion von Geld als Stillhalteprämie sein. Gibt es irgendwo ein Problem, wird Geld darauf geworfen! Aber Geld löst keine moralischen und politischen Probleme. Moralische Probleme verlangen nach moralischen Antworten, politische Probleme verlangen nach politischen Antworten und existenzielle Probleme verlangen existenzielle Antworten. Das wissen wir als Christen nur zu gut. Man verwechselt Mittel mit Ziel! Wir überhöhen Geld als Problemlöser für alles. Eine Gesellschaft, die nicht mehr über die Ziele des Menschseins, über seine Existenz nachdenkt, sondern ihre Aufgabe nur noch in der Vermehrung des Geldes sieht, verkümmert zwangsläufig.

Und wir wissen alle, dass dies nicht immer so war. Noch unsere Großeltern lebten teilweise in einer Welt, in der Arbeit nur ein Mittel zum Zweck war, um jene Lebensmittel / Unterkunft zu erarbeiten, die es erlaubten, sich den Eindrücken der Welt und der Frage nach dem Sinn der Existenz des Menschen in der Welt zu öffnen und damit zu beschäftigen. Nach diesem Prinzip leben unsere Mönche heute noch!

Ich weiß schon, Nassos liegt jetzt Max Webers "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" im Munde. Ich habe es bisher nur in kapitelweisen Auszügen gelesen, daher bin ich an dieser Stelle noch etwas "blank", was die Verbindung Kapitalismus und Sozialismus mit dem Protestantentum und der Umdeutung der Arbeit zum Zwecks des Erwerbs als Lebensziel hin angeht. Die Verzweckung der Welt nach dem "um-zu" Prinzip! Der fortschreitende Wandel, das Lebens allein nur noch am Arbeitsleben zu orientieren! Rationalistisches "um-zu", einem Nutzendenken, dem alles unterzogen wird - nicht nur im Job, sondern alles. Restlos. Von Freundschaften über die Ehe bis hin zur Kirche. Alle müssen ihre Daseinsberechtigung über ökonomische Leistungsfähigkeit rechtfertigen. Wenn es die Zeit zulässt - ich würde mich sehr über einen Beitrag freuen!

Ebenso bin ich kein Theologe, sondern einfacher Laie. Daher bemühe ich eine weitgehend ökonomische Argumentation und Exkurse in theologisches Terrain zu vermeiden. Aber ich würde mich sehr freuen, falls jemand meine Beiträge zum Anlass nehmen würde, um das Thema von einer theologischen Perspektive aus zu betrachten. Ich halte dies für das richtungsweisende Thema des frühen 21. Jahrhunderts. Interessant fände ich beispielsweise die Frage, inwiefern sich Papiergeldsystem und demokratischer Wohlfahrtsstaat auf die christliche Tugendethik auswirkt - und vielleicht ein kleiner Exkurs in die Unterschiede dessen gegenüber dem grassierenden Utilitarismus, der die Maximierung des Nutzen als höchstes Ziel menschlicher Aktivität sieht. Vielen ist der Einfluss des Utilitarismus auf unser Denken vielleicht gar nicht bewusst und da er sich wie ein Gift unsichtbar in unseren Geist schleicht, tut Aufklärung bitter not!

Re: Orthodoxe Kirche und Wirtschaft

Verfasst: 25.09.2012, 22:03
von Nassos
Lieber Mirjanin,

zunächst vielen Dank für Deine Mühen. Was Max Weber angeht, so liegt mir gar nichts im Mund. Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Ich habe noch viele Bücher nicht gelesen, z.T. wegen des Forums.
Aber ich möchte gerne mehr wieder zum Bücherlesen zurück. Ich habe soeben den neuen Stephen King gelesen - und es war phantastisch, das zu tun. Aber das ist ein anderes Thema.

Bezüglich des Buches von Max Weber würde ich nicht mal das selber referenzieren wollen, sondern eigentlich den Artikel von Vlasios Hierotheos (den kennst Du bestimmt, er wurde in letzter Zeit hin und wieder im hiesigen Forum zitiert und genannt) über das Buch. Meines Wissens gibt es den Artikel leider nicht auf deutsch, aber hier auf Englisch:
http://www.oodegr.com/english/koinwnia/ ... ismos1.htm

Übrigens (und das ist ernst gemeint) habe ich bei Deinem Beitrag, wo der Kapitalismus mit dem Sozialismus als eigentlich gleich gestellt wird, den Eindruck, das was danach folgt (aus christlicher Sicht) hört sich auch eher sozialistisch an.

Aber später vielleicht mehr hierzu.

Nochmals vielen Dank für Deine Mühe!

Re: Orthodoxe Kirche und Wirtschaft

Verfasst: 07.10.2012, 06:35
von Mirjanin
Nassos hat geschrieben: Übrigens (und das ist ernst gemeint) habe ich bei Deinem Beitrag, wo der Kapitalismus mit dem Sozialismus als eigentlich gleich gestellt wird, den Eindruck, das was danach folgt (aus christlicher Sicht) hört sich auch eher sozialistisch an.
Ich bedauere vehement widersprechen zu müssen. Im "Sozitalismus" (Mischungform Kapitalismus und Sozialismus) leben wir heute. Was dort beschrieben ist, ist mehr eine Art "natürliche Ordnung" - das exakte Gegenteil.

Ich halte Kapitalismus UND Sozialismus für völlig unvereinbar mit dem Christentum. Dies ergibt sich allein schon aus der Überhöhung des Diesseitigen, der Heilsversprechung im hier und jetzt. Was im Umkehrschluss jedoch nicht bedeutet, dass einzelne Teilaspekte völlig verkehrt und unwahr wären.

Das war mir noch wichtig anzufügen.

Re: Orthodoxe Kirche und Wirtschaft

Verfasst: 07.10.2012, 18:16
von Nassos
Dann war das ein falscher Eindruck. Vielen Dank für die Klarstellung, lieber Mirjanin!

Re: Orthodoxe Kirche und Wirtschaft

Verfasst: 21.04.2013, 11:34
von Leo2
Mirjanin hat geschrieben:Ich habe mittlerweile etwas zum Thema recherchiert, neben Unmengen an Literatur aus evangelikalen Kreisen zum richtigen "christlichen Verhalten in der Wirtschaft" gibt es einige doch recht erstaunliche Werke von katholischen Gelehrten des Mittelalters. Der Rektor der Univerität von Paris, Jean Buridan, hat beispielsweise im 14. Jahrhundert (!) eine hervorragende Analyse zur Geldtheorie vorgelegt. Ich habe nur Auszüge daraus gelesen, aber was ich gelesen habe war so aktuell, dass man heute noch ein Buch damit füllen könnte :)

Er beschreibt dort das Geld nicht als ein künstliches Produkt staatlichen Segens zu sehen ist, sondern als ein Tauschmittel, dass sich auch selbst frei aus dem Markt entwickelt (sofern man es lässt). Die Annahme, ein König oder Parlament müsste zum Funktionieren einer Volkswirtschaft per Regierungserlass eine Währung einführen, verurteilt er als falsch und erklärt, dass Geld aus einem freiwilligen Tauschprozess unter Menschen entsteht. Er entdeckte auch, dass der Handel durch die Einführung einer begehrten (nicht verordneten) Ware als Zahlungsmittel eine enorme Steigerung erfährt. Gemeint ist damit, dass die Menschen z. B. Gold zunächst einmal aus nicht-monetären Bedürfnissen wertschätzen, beispielsweise weil es so schön glitzert, als Schmuck verwendet werden kann usw. Außerdem legt er schon eine wirklich gute Definition dafür vor, welche Eigenschaften Geld erfüllen muss, um als nutzbares Tauschmittel in Frage zu kommen - also Dinge wie Beständigkeit, ein hoher Wert bei kleinem Gewicht usw. und das vor fast 700 Jahren! Sowas erstaunt mich immer wieder und lässt die Schauermär' vom finsteren Mittelalter doch recht unglaubwürdig erscheinen. Jedenfalls sind viele der Thesen gerade heute in Zeiten von ungedeckter Papierwährungen mehr als aktuell, wenn auch vielleicht nicht für die von Krise zu Krise hangelnden herrschenden Ökonomen neoklassischen Schlags (ok, ok, ich hör schon auf 8) )
Mitterweile ist es ja schon den meisten bekannt das die Papierwährungen Euro und Dollar Betrug der Banken und Politik ist.
Sie haben die Möglichkeit "leistungsfrei" soviel wie Sie möchten nach zu "drucken". Der normale Büger muß für ein paar Euros die Stunde arbeiten gehen.
Und dann besitzen diese Leute auch noch die Frechheit von "sozialer Gerechtigkeit" zu quasseln.

Jesus wurde nicht ohne Grund nur einmal in seinem irdischen Leben handgreiflich. Das war wo er die Geldwechsler (damalige Banken) aus dem Tempel geworfen hat.
Ein Zeichen das die unendliche Geldvermehrung einmal ein Ende haben wird ist das Gold und Silber schon knapp werden:
SilberNews – 21.04.13 – Engpässe und Schlangen
http://der-klare-blick.com/2013/04/silb ... schlangen/

d.h. die Menschen verlieren täglich, berechtigterweise, Vertrauen ins Papiergeld.
In Deutschland hat man ja im letzten Jahrhundert schon zwei mal die Erfahrung machen müssen was es heißt wenn eine Währung wertlos wird (1923 + 1948).
Einzig Land und Edelmetalle haben Ihren Wert behalten.
:wink:

Re: Orthodoxe Kirche und Wirtschaft

Verfasst: 22.04.2013, 07:09
von holzi
Leo2 hat geschrieben:Einzig Land und Edelmetalle haben Ihren Wert behalten.
:wink:
Nichts davon ist für die Ewigkeit: auch auf Grundbesitz kann es Zwangshypotheken geben (So wie bei der Währungsreform 1948!). Und auch Edelmetalle kann der Staat enteignen/rauben, wenn er es will.