Jeremias hat geschrieben:Was den komplexen Textstil angeht, hat auch dieser durchaus seinen Platz. Denn es gibt Menschen, mit den man einfach sprechen muss, und es gibt Menschen, die ganz anders denken. Wessen Synapsen Schwierigkeiten mit der Verarbeitung solcher Inhalte haben, sollte sich etwas auf eigenem Niveau suchen - das ist ganz Normal.
Erst soll der Text also eine Brandrede gegen schlimme Zustände sein (was ja mit Sicherheit nicht an die Bischöfe geht) und dann ein hochkomplexer Text mit hohem Anspruch? Ein Anspruch, dem Studenten und sogar ein als Religionswissenschaftler arbeitender Priester nicht gerecht werden können? Erstens widerspricht sich das und zweitens glaube ich eher, dass dieser "Anspruch" mehr Schein als Sein ist.
Was den Anspruch angeht, habe ich keine Namen genannt. Ich bin Student, und hatte keine Probleme, den Text zu verstehen. Für jemanden ist er wohl wirklich zu schwer gewesen (das haben die Poster ja selbst gesagt), und jemand hat ihn vielleicht nicht verstehen wollen?
Jeremias hat geschrieben:Dem, dass die Ansichten im Text Russland spezifisch oder veraltet sind, kann ich auch nicht zustimmen.
Das musst du auch nicht. Recht haben musst du aber auch nicht.
Allerdings, keine von uns ist der Herr Gott, um ein unfehlbares Urteil abgeben zu können. Wenn wir im Forum lesen, sind wir uns dessen sowieso bewusst. Warum unterstreichst du es also grade hier?
Jeremias hat geschrieben:Ohne weiter auf den Text einzugehen, ein Gedanke. Es müsste ja bekannt sein, dass in einer orthodoxen Familie Verhütung nur erlaubt ist, wenn eine Schwangerschaft die Gesundheit der Mutter gefährdet. Weder materielle Gründe, noch so etwas wie Kariere oder Zeitmangel rechtfertigen eine Verhütung. Sich in bestimmten Tagen zu enthalten, was oft als Möglichkeit vorgeschlagen wird, ist auch kein angemessener Weg - es ist die selbe Verhütung: "aber wir planen und entscheiden über die Kinder, nicht du, o Herr!" könnte man ja hinter dem "Dein Wille geschehe" anfügen. Also, wie soll eine Frau, die 3,5,7 Kinder hat, ins heutige gesellschaftliche Bild passen?
Klar, ein bisschen Verachtung über verhütende Frauen ausschütten, weil sie ja nur ins "gesellschaftliche Bild" passen wollen. Sehr christlich, bravo!
Verachtung? Nein, Verachtung hat bei mir keinen Platz. Ich habe selbst so viele eigene Sünden, die ich verachte, dass es für andere nicht reicht. Und ums wollen geht es auch nicht. Entweder tun wir, oder wir tun nicht.
Mir wurde erzählt, ein Buch wurde aus dem Verkauf entzogen, weil auf dem Titelbild eine glückliche Familie mit Mann, Frau und Kind abgebildet war. Es könnten ja Gefühle von Menschen verletzt werden, die nicht so etwas haben. Aber wir lesen nun mal Heiligenviten, die uns ein Vorbild verschiedener Tugenden schildern.
Darf denn nicht mehr gesagt werden, wie es sein sollte? Wie es richtig ist? Wie können wir etwas erreichen, wenn wir keine klaren Ziele vor uns haben? Die Schrift und die Väter scheuen sich nicht davor.
Jeremias hat geschrieben:Es ist nicht mal ein richtiges theologisches Traktat, sondern ein Vortrag. Es ist wohl ein Fehler der Redaktion, die Angabe versäumt zu haben, wo der Vortrag abgehalten wurde - nämlich auf einer Konferenz über Kirche und Staat in Serbien. Und dort ging es nicht um ein fein abgeschliffenes Ideal der Familie, es ging darum, auf extreme Fehlentwicklung der Familiensituation hinzuweisen, und, wie es zu einem guten Vortrag nun mal gehört, mit gewissem Pathos
Das macht die unglaubliche Schieflage des Textes nur noch schlimmer. In einem Land, wo es deiner Ansicht nach also vollkommen schiefläuft, stellen wir ein Familienkonzept dagegen, das aus dem Mittelalter und nicht aus dem Christentum stammt? Na bravo.
Überhaupt, wer den Text so verstanden hat, hat ihn gar nicht verstanden, und versteht wahrscheinlich die orthodoxe Sichtweise auf die Familie genauso wenig.
Was soll diese denn sein? Das interessiert mich jetzt mal...
Die orthodoxe Sichtweise auf die Familie... Wahrscheinlich aber dieselbe Kerbe wie die gute Frau und damit etwas, was ich vollkommen ablehne.
Gut, betrachten wir den Text und die orthodoxe Sichtweise - wobei das "die" nicht unterstrichen zu sein brauchte. Hier schimmern wieder westliche Denkmuster - jeder keine seine
eigene Meinung haben,
man kann es ja unterschiedlich sehen. Aber die Orthodoxie ist nun mal bestimmt, sie gibt uns klare Sichtweisen und Anweisungen. Wenn wir Fasten, dann haben wir vorgeschrieben Nahrungsmittel, und enthalten uns von nicht irgendetwas, was uns in dieser Fasten lieb ist. Selbst für das eheliche Fasten gibt es klare Bestimmungen von den Vätern (bitte hier nicht das Paulus-Zitat anbringen.)
Hier sind ein Schlüsselstellen aus dem Text, bitte, werden wir konkret und nehmen sie auseinander.
"Nach Paulus werden Frauen durch ihre Kinder gerettet (1. Tim. 2:15)."
Und nach Moses auch "Genesis 3:16 Ich werde sehr mehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären; und nach deinem Manne wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen."
Der Mann erlangt die Errettung durch Arbeit (Genesis 3:19 Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen), die Frau grade durch Kinder. Es ist ein sichtbarer Unterschied zwischen einer Frau im Alter, die ein freizügiges Leben lebte, und einer, die treu ihrem Mann Kinder aufgezogen hat, es sind Augen voller Liebe und Einfühlsamkeit, ein helles Gesicht und ein sanftmütiges Wesen.
"Familie, die sich, ganz im Sinne des Sozialen Grundkonzepts, als Kirche im Kleinen versteht."
"Man kann mit Kindern nicht beten, wenn man nicht auch mit ihnen lebt, ihre Freuden und Kümmernisse teilt. Traditioneller weise war dieses Umfeld die Aufgabe der Hausfrau und Mutter."
Kinder aufzuziehen, neue orthodoxen Christen, neue Mitglieder im Himmlischen Königtum, ist eine große Tugend, es kostet so viel Kraft. Liebe vermitteln - was kann es wichtigeres geben?! Und nein, ein Mann kann es nicht in dem Umfang. Zwischen Mann und Frau gibt es körperliche Unterschiede - sie sind verschieden Gebaut, die Frau kann Zart sein, letzten Endes Kinder gebären, der mann ist stärker Gebaut. Ich habe kaum Frauen gesehen, die als Ladearbeiter beschäftigt sind. Und genauso gibt es auch psychische Unterschiede. Männer sind rau, hart, unterliegen weniger Gefühlen. Frauen sind im Gegensatz dazu mild, liebherzig. Selbst die Tatsache, dass nur ein Mann das Priesteramt belegen kann, zeigt uns, dass es diese Unterschiede gibt, und letztlich auch, dass es eine Hierarchie gibt. Ein Mann kann zu einem Kind niemals dieselbe (danke für den Hinweis) Beziehung aufbauen, wie eine Frau. Er hat das Kind nun mal nicht neun Monate getragen, er hat es nicht in Schmerzen geboren. Diese Erfahrung, die eine Frau nach der Geburt für immer prägt, ist nur ihr gegeben.
"Die rechtliche Gleichstellung der Frau ist ein wesentliches Element der Moderne. Dahinter können entwickelte Gesellschaften nicht zurück. Diese Gleichstellung mag überdies willkommen und sogar unverzichtbar sein für all jene traditionalen Kulturen und Religionen dieser gefallenen Welt, denen die geistigen Ressourcen fehlen, um mit einer kulturell gelebten Un-Gleichberechtigung der Frau in humaner Weise umzugehen."
Damit ist die Autorin also völlig einverstanden. Eine Frage: ein Kind geht mit einem Eis auf der Straße. Ist das gut? Das erste, was in den Sinn kommt, ist ganz eindeutig: "Ja!" Aber was ist, wenn er das Geld von einem Mitschüler geklaut hat? Da ändert sich die Situation völlig. Zum wichtigsten im Orthodox-Sein gehört also die Besonnenheit auf den Grund, auf den Geist, der uns lenkt. Ist es gut, wenn der Mann die Frau nicht verletzen kann? Ist es gut, wenn eine Frau sich in der Gesellschaft umsetzen und realisieren kann? Ja, ist es. Ist es aber gut, wenn das das höchste Ziel ist? Nein, denn wir als orthodoxe haben andere Ziele, als uns in dieser Welt zu verwirklichen. Wir können es, wenn es mit dem wichtigsten Ziel im Einklang steht - die Gebote zu befolgen und das Himmelreich zu erlangen.
"Im Zentrum steht jedoch das Herzstück internationaler Menschenrechtspolitik: das Engagement für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Es begann mit dem Wahlrecht, dem Recht auf Scheidung, auf gleichen Verdienst für gleiche Arbeit, auf gleiche berufliche Chancen, - es führte zum auch international immer weiträumiger durchgesetzten Verbot sexueller Diskriminierung. Was zunächst nur den Bereich des Politischen und des Rechts berührte, wurde auch kulturell zur zwingenden „Selbstverständlichkeit"."
Wenn eine Frau 40 ist, ihre Kinder erzogen hat, muss sie nicht Zuhause sitzen. Selbst wenn sie jung ist und nicht verheiratet. Sie kann Arbeiten, nützliches tun, was sie möchte und gut für sie ist. Wenn sie aber aber fünfundzwanzig ist und vor der Wahl steht, Kinder zu bekommen, oder eine Kariere anzufangen, das ist der zentrale Problempunkt, um den es auch im Text geht. Die Antwort unserer Gesellschaft wäre klar - bis 33 Kariere, dann ein Kind, vielleicht ein zweites. Solange es nicht die Arbeit und das eigene Wohlbefinden stört.
"Aber eine im letzten Jahr vorgenommenen Umfrage unter deutschen Frauen weist noch in eine andere Richtung. Als Grund ihrer Kinderlosigkeit nannte die überwältigende Mehrzahl den fehlenden Partner. Das Problem war nicht das Fehlen von „Lebenspartnern" oder „Lebensabschnittpartnern". Es fehlen Männer, die bereit sind, Verantwortung für eine Familie zu übernehmen."
Und das ist auch nicht weniger wichtig. Das ist das, was auch im Titel des Vortrags steht. Oft akzentuieren wir Ephesians 5:22 "Ihr Weiber, seid unterwürfig euren eigenen Männern, als dem Herrn." Was in Vergessenheit gerät, ist der nächste Satz: Ephesians 5:25 Ihr Männer, liebet eure Weiber, gleichwie auch der Christus die Versammlung geliebt
und sich selbst für sie hingegeben hat. Die Verantwortung und der Anspruch, die auf den Mann gelegt werden, sind nicht weniger zumutend, als die der Frau.
"Unsere Männer definieren sich nicht mehr über ihre Vater-Rolle. Diese Rolle ist durch das moderne Verständnis der Beziehungen zwischen den Geschlechtern insgesamt in den Hintergrund des öffentlichen Bewußtseins getreten. Besonders die Idee väterlicher Autorität in der Familie gilt als überholt."
Und das Ergebnis ist allerorts zu sehen. Früher - und hier ist es wirklich gut zu sehen, wie es früher gewesen ist - wollten die Kinder so sein, wie der Vater. Sie haben es angestrebt. Heute wollen sie es nicht mehr. Aber an diese Stelle, an die Stelle des Vorbildes und der Autorität ist nicht die Mutter getreten, sie ist einfach ausgelöscht. Vorbild ist nun das
ich, so sein, wie
ich will. Wenn die Mutter nicht auf den Vater hört, auf wen hören dann die Kinder? Sie entscheiden rational und überlegt, wessen Meinung die richtige ist? Eine Illusion. Sie werden indifferent. Genauso wie Kinder in religiös-gemischten Familien indifferent zur Religion werden. Geht ein Kind am Samstag in die jüdische Gemeinde und am Sonntag in die christliche Kirche, wird es sich als Erwachsener von beidem distanzieren. Was auch mit allem anderen passiert, wenn nicht der Vater die Autorität ist. Dann lernt das Kind von Anfang an, das alles relativ ist, dass es nicht
die Wahrheit gibt, sonder viele verschiedene Meinungen.
"die Ehe wird (wenn überhaupt noch geschlossen) zum Lebens-Abschnitts-Modell."
"So binden sie ihr ethisches Selbstbewußtsein und ihre Menschenwürde an das, was sie in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur, oder selbst als Kassiererin im Supermarkt oder Sekretärin leisten: sie machen ihren Eigenwert von der Anerkennung durch Bezahlung abhängig."
--> "Nur eine Besinnung auf die patristische Lehre über das Verhältnis der Geschlechter kann hier ein Umdenken ermöglichen. "
"Der Schöpfungsbericht geht von einer geschlechtlich geht von einer geschlechtlich differenzierten Menschlichkeit aus: „als Mann und Frau schuf er sie" (Gen. 1:27). Dabei wurde die Frau als Helferin (Gen. 2:18), und darum, wie der Heilige Paulus sich ausdrückt, um des Mannes willen (1.Cor.11:9), geschaffen. Mit Christi Inkarnation ist die im Fluch erfolgte Unterwerfung Evas unter die bedingungslose Herrschaft des Mannes (Gen.3:16) aufgehoben (Math.19:4-6). Paulus bekräftigt die Gleichheit der Frau als Gefährtin in der Errettung (1.Cor.11:11-12, Gal.3:28). Diese eschatologische Gleichheit erlaubt es jedoch nicht, schon in der noch gefallenen, der Errettung erst zu-strebenden, Welt auf eine auch soziale (und somit zugleich rechtlich durchzusetzende) Gleichberechtigung zu schließen. Zumindest halten Paulus und auch Petrus an der Autorität des Mannes in der Familie fest (1.Cor.11:3, Eph.5:22,33, 1.Petr.3:1,6). Dieses Festhalten wird von den meisten Christen der westlichen Glaubensgemeinschaften als zeitbedingtes Vorurteil disqualifiziert. "
"Gemäß dem Verhältnis zwischen Christus und Seiner Kirche soll die Frau den Mann ebenso als ihr „Haupt" anerkennen."
"Einige Beispiele: Viele arbeitslose Familienväter hängen mit den Kindern vom Verdienst ihrer erfolgreicheren Frau ab. Aber es macht einen Unterschied, ob die Frau ihre Berufstätigkeit als eigene Selbstverwirklichung oder gar Triumph ihrer Überlegenheit empfindet, oder als ihre Weise, in dieser besonderen Notsituation dem Mann in seiner Verantwortung zur Seite zu stehen und seine Würde als Vorsteher der häuslichen Gebete zu wahren."
Ja, Christ zu sein, heißt demütig sein. Selbst Christus ist demütig gewesen. Dass er in einer Krippe geboren wurde, ist kein romantisches Weihnachtsbild, es ist eine Realität, die weh tut. Er hat sich unter alle gestellt, unter uns, die seiner bis aufs Äußerste unwürdig sind. Er, als Gott, als Allmächtiger, der einzige Gerechte, hat Demut gezeigt, hat gelitten. Nochmal - das ist nichts überholtes, es ist immer aktuell und toternst. Orthodox sein ist kein Spaß, man muss sein eigenes Kreuz nehmen uns es tragen. Und dieses Kreuz ist sehr schwer und drückt nach unten. Ob man die eigene Meinung ablegen Muss, gesellschaftliche Position, Hobbys oder Freunde. Vieles gehört dazu. Und auch hier gibt es Gleichberechtigung, Frau und Mann müssen gleichviel herhalten. Nur manchmal auf ihre eigene Weise. Wie auch jeder Mensch ein besonderes Leben hat.