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Verfasst: 27.06.2009, 23:26
von Nassos
Hallo Holzi,

tja bei der Kirche gibt es das nicht. Es gibt viele Mentalitäten, die Wahrheit ist eine.

Nein, ich werde mir noch Zeit geben mit den Fragen, denn ich möchte mir auch selber Zeit zum Nachdenken geben, aber auch Albert nicht gleich am Anfang überrumpeln.
Die Regierungschefs haben auch die 100 Tage Schonfrist, und die sind auch keine besseren Menschen ;-)

Aber danke für das Angebot, ich werde das machen, wenn es soweit ist.

Gruß,
Nassos

Verfasst: 28.06.2009, 14:24
von Metanoia
Einen schönen Herrentag (=Sonntag) wünsche ich euch!

Für mich sind es vorrangig die Ideen und der Geist der orthodoxen Kirche, die mir als "natürlich christlich" vorkommen. Sie hat selbstverständlich die Elemente, die im Westen vorkommen, auch, aber alle in maßvoller Größe und in einer ordentlichen Weise. Im Westen wird das, was an sich gut ist, häufig einseitig maßlos übertrieben, sodass daraus Probleme entstehen.

In der orthodoxen Kirche wird die Autorität der Patriarchen akzeptiert, ohne dass jemand von ihnen die Macht hätte, die christlichen Glaubensinhalte in der Art des römischen Papstes oder der Reformatoren zu ändern.
Der Heilige Geist ist in allem, was die orthodoxe Kirche denkt oder tut, ohne dass das in Unordnung ausarten würde.
Die Theologie wird im Gehorsam gegenüber Gott und zusammen mit Gott praktiziert, was sich schon darin zeigt, dass der Evangelist Johannes zugleich als der Theologe gilt. Im Westen gilt dagegen Paulus als Ur-Theologe und wird gleichzeitig falsch, nämlich viel zu intellektuell, ausgelegt.

Wer sie nicht wirklich kennt, sieht in der orthodoxen Kirche häufig ein altes und starres, aber auch faszinierendes System. Doch es braucht nur ein bisschen Zuhören und Offenheit, um zu erkennen, dass die orthodoxe Kirche sehr lebendig ist und den anderen Christen manches beibringen kann.

Der HERR sei mit euch!
Metanoia

Verfasst: 29.06.2009, 14:05
von Albert
Nassos hat geschrieben:Hallo Nassos,

Natürlich ist der einfache Weg der der doppelten Staatsbürgerschaft, aber ich machte hier einfach mal ein Gedankenexperiment des Entweder-Oder.
Johannes Paul II sprach ja von der doppelten Lunge mit der Europa atmen müsse und meinte damit die römische und die orthodoxe Kirche. Ich denke aber man kann nicht beides leben, wohl aber versuche ich durch den anderen Blickwinkel der Orthodoxie mein geistliches Leben zu vertiefen. Da gäbe es jetzt viel aufzuzählen, aber ich denke das wären je eigene Themen.
Und wenn ich es richtig verstanden habe, ist die RKK für Dich Indentifikation, ein Teil von Dir sozusagen, ohne allerdings Dogamtik und Theologie miteinzubeziehen.
Nein, so ganz kann ich das nicht sagen. Ich schätze z.Bsp. die Theologie eines Urs von Balthasar, Lubac, Congar und anderer sehr hoch ein, da kann ich mich identifizieren. Wo ich Probleme habe ist das viele katholische Theologen keine wirkliche kirchliche Bindungen haben und im Grunde Irrlehren verbreiten. Oft muß man wirklich tief graben (hat Martin sehr passend ausgedrückt) .
Vielleicht ist in der römisch-katholischen Kirche gerade ein Verständnis von Orthodoxie im wörtlichen Sinne des rechten Glaubens und Lobpreisens verloren gegangen. Die Gemeinden versuchen zu oft säkular christlich zu sein, was zum Widerspruch in sich wird.

Gruß und Gottes Segen wünscht
Albert

Verfasst: 29.06.2009, 19:50
von Nassos
Hallo Albert,

vielen Dank für Deinen Beitrag.
Albert hat geschrieben:Ich denke aber man kann nicht beides leben, wohl aber versuche ich durch den anderen Blickwinkel der Orthodoxie mein geistliches Leben zu vertiefen. Da gäbe es jetzt viel aufzuzählen, aber ich denke das wären je eigene Themen.
Wenn Du mal Zeit und Lust dazu hast, und es nicht zu persönlich ist, dann herzlich gerne. Es wäre durchaus interessant.
Albert hat geschrieben:Nein, so ganz kann ich das nicht sagen. Ich schätze z.Bsp. die Theologie eines Urs von Balthasar, Lubac, Congar und anderer sehr hoch ein, da kann ich mich identifizieren. Wo ich Probleme habe ist das viele katholische Theologen keine wirkliche kirchliche Bindungen haben und im Grunde Irrlehren verbreiten. Oft muß man wirklich tief graben (hat Martin sehr passend ausgedrückt) .
Das hat mir auf jeden Fall die Fragen gespart, ich freue mich, dass ich da nicht vorgesprescht bin, danke.
Albert hat geschrieben:Vielleicht ist in der römisch-katholischen Kirche gerade ein Verständnis von Orthodoxie im wörtlichen Sinne des rechten Glaubens und Lobpreisens verloren gegangen. Die Gemeinden versuchen zu oft säkular christlich zu sein, was zum Widerspruch in sich wird.
Das kann ich nicht beurteilen, weil ich meine Infos zur römisch-katholischen Kirche leider hauptsächlich aus den Medien beziehe, und darauf kann und will ich nicht bauen. Sprichst Du auch in Deinen katholischen Kreisen darüber oder ist das ein Tabu? Wie geht die RKK mit interner Kritik um? Denn speziell Deine Auffassung dürfte ja nicht nur als Verbesserungsvorschlag angesehen werden.

Übrigens scheint sich das ja mit Metanoias Aussage (<= für mich sehr irritierend, dies zu schreiben, dass eine Metanoia eine Aussage macht...) zu decken, bzgl. "intellektuell".

Auf jeden Fall nochmal vielen Dank für die Offenheit, Albert!

Gruß,
Nassos

Verfasst: 30.06.2009, 12:32
von Metanoia
Hallo Nassos und Albert, Gnade und Frieden von Gott seien mit euch!

Das Wort "Orthodox" besteht aus "Ortho" und "doxie". Wenn ich mich recht erinnere, bedeutet "Ortho" soviel wie "gerade", wenn ich das bei Wiktionary richtig lese. "Doxie" bedeutet "Lehre", also bedeutet "Orthodoxie" die gerade Lehre. Orthodoxe Juden haben ihre gerade Lehre direkt aus der Thora, dem Talmud und der Kabbalah. Die christliche gerade Lehre kommt dagegen aus Jesus Christus, welcher unsere Bundeslade ist, und dem Heiligen Geist, die in der heiligen Kirche sind und diese in die Erkenntnis führen. Die Apostel, Evangelisten und anderen Väter und Mütter der Kirche haben hieraus die Worte formuliert, die der christlichen Lehre eine Buchstabenform geben. Das, was hinter den Buchstaben steht, war jedoch eigentlich in der Kirche (Liturgie) lebendig und ist Teil der heiligen Tradition. Die orthodoxe Kirche ist also darum "orthodox", weil sie voll in der Wurzel des Pfingstereignisses steht und das in sich sichtbar und unsichtbar trägt, was Gott sie lehrt. Wenn Jesus sagt: "meine Worte werden nicht vergehen", dann bedeutet das u.a. auch, dass Sein Sprechen weiter geht, denn Sein Blut und Sein Fleisch reden.

Auch außerhalb der orthodoxen Kirche braucht es das Bemühen, nicht rein fleischlich über den christlichen Glauben nachzudenken, sondern in der Einheit mit Gott.

Die Liebe des Herrn Jesus sei mit euch!

Verfasst: 30.06.2009, 18:41
von Nassos
Hallo Metanoia,

otho = aufrecht, recht (ja, auch für rechter Winkel => Orthogon)
doxie = Lobpreisung, nicht Lehre.

Aber das meintest Du wohl auch.

Was ist für Dich "außerhalb der orthodoxen Kirche"?

Gruß,
Nassos

Verfasst: 01.07.2009, 23:28
von Metanoia
gelöscht (war doppelt)

Verfasst: 01.07.2009, 23:29
von Metanoia
Hallo Nassos,

herzlichen Dank für deine Korrektur!

Mit "außerhalb der orthodoxen" Kirche meine ich die Christen, die nicht in der orthodoxen apostolischen Sukzession stehen. Für die meisten Christen der Welt ist diese Sukzession entweder abgebrochen oder verunreinigt. Reine fleischliche Theologie hilft ihnen nicht, sondern verschlimmert die Sache eher noch, weil der Mensch dazu neigt, sich in der "fleischlichen Theologie" über Gott zu erheben.
Gott ist der Einzige - meiner Meinung nach - der den von der orthodoxen apostolischen Sukzession getrennten Christen helfen kann, ihre Situation zu bessern. Wo jemand im Heiligen Geist Jesus Christus schaut, tritt er ein in das allgemeine Priestertum, er schaut durch den göttlichen Hohepriester durch bis zum göttlichen Vater. Er kennt auf diese Weise das Herz Gottes, vermittelt durch den Auferstandenen. Das schafft große Freude und Seligkeit. Gleichzeitig verbindet uns der HERR Jesus auch mit den Menschen in aller Welt, mit den Brüdern im Reich Gottes besonders. Auf diese Weise - so glaube ich - ist es möglich, die Einheit der ewigen apostolischen Kirche zu erfahren.

In diesen ekklosiologischen Fragen sind wir vermutlich sehr weit voneinander entfernt, trotzem kann ich die orthodoxe Position hier (soviel ich von ihr kenne) besser nachvollziehen als die anderer Kirchen.

Die Gnade und der Friede Christi sei mit uns allen!
Metanoia

Verfasst: 01.07.2009, 23:54
von Sinaitis
Gott ist der Einzige - meiner Meinung nach - der den von der orthodoxen apostolischen Sukzession getrennten Christen helfen kann, ihre Situation zu bessern. Wo jemand im Heiligen Geist Jesus Christus schaut, tritt er ein in das allgemeine Priestertum, er schaut durch den göttlichen Hohepriester durch bis zum göttlichen Vater. Er kennt auf diese Weise das Herz Gottes, vermittelt durch den Auferstandenen.
? ? ?

Verfasst: 02.07.2009, 05:03
von songul
Hi Metanoia,

sag mal, welcher lutherischen Kirche gehörtest Du noch an?

LG Songul

Verfasst: 02.07.2009, 16:33
von Metanoia
Hallo Songul,

in der ganz normalen Landeskirche bin ich. Trotzdem habe ich mich ein wenig von der reinen lutherischen Linie etwas entfernt, einfach weil das mir "unvollständig" schien. Theologisch und im Geist fühle ich mich der orthodoxen Kirche, soweit ich es beurteilen kann, recht nahe. Am schwierigsten ist wohl wie gesagt die Frage der Ekklesiologie. Da wirkt die protestantische Prägung sehr stark.

Bitte verzeiht, falls ich da gefehlt habe!

Die lebendige Freude Gottes sei mit euch!
Metanoia

Verfasst: 02.07.2009, 18:01
von Nassos
Hallo Metanoia,

man merkt die verschiedene Ekklesiologie (jeder ist sich selbst sein Priester).
Aber Du brauchst Dich doch nicht bei uns zu entschuldigen!

Wir hoffen natürlich weiterhin auf den konstruktiven Austausch. Dieser ist hier fruchtbar, finde ich.

Aber vielleicht auch eine Möglichkeit, Dich entsprechend zu informieren (vielleicht nicht hier, sondern in der Katechese oder im Gespräch mit Theologen, Priestern) und evtl. auch einen neuen Weg zu finden.
Keiner erhält dies als low-hanging-fruit. Wir Hineingeborenen haben es da einfacher, auch wenn wir uns wohl nicht immer klar sind, dass dies auch eine bestimmte Verantwortung bedeutet bzw. das uns nicht so richtig bewußt ist.

Gottes reichlichen Segen und den Beistand des Hl. Geistes wünscht Dir,
Nassos

Verfasst: 02.07.2009, 18:10
von Sinaitis
Lieber Metanoia,
wenn Du kraft des allgemeinen Priestertums allerdings bereits das Herz Gottes kennst, dann hast Du uns doch eine Menge voraus.

Verfasst: 02.07.2009, 18:31
von Metanoia
Hallo Nassos,

Danke für deine lieben Worte!
Klar ist für mich, dass die orthodoxe Kirche die heilige apostolische und katholische Kirche am besten verwirklicht und ich ihre Priester und Bischöfe als geistliche Autoritäten anerkennen kann.
Schwierig ist die Beurteilung der außerorthodoxen Christen ... wo ich natürlich selbst einer davon bin. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, Gott warnt mich vor einem negativen Urteil.

Die Liebe Gottes, die Gott Selbst ist, sei mit dir!
Metanoia

Verfasst: 02.07.2009, 18:37
von Nassos
dass die orthodoxe Kirche die heilige apostolische und katholische Kirche am besten verwirklicht
hier noch etwas Nachhilfe: nicht nur am besten, sondern überhaupt. Etwas anderes kann es nicht geben
:mrgreen:

Im Ernst: es kann nur einen Weg geben (die Wahrheit). Entweder man ist drin oder man ist nicht drin (ich spreche hier mal allgemein, egal wer sich als die Wahrheit betrachtet).
Hört sich hart an, aber hier ist Konsequenz gefragt. Knapp daneben ist auch vorbei.

Hoffe, ich habe die Kommunikationslust jetzt nicht abgewürgt....

Liebe Grüße,
Nassos