Republik Österreich ehrt Metropolit Staikos www.kathweb.at
Höchster Repräsentant der orthodoxen Kirche in Österreich mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich" ausgezeichnet
23.05.2011
Wien, 23.05.2011 (KAP) Metropolit Michael Staikos ist am Montag mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich" ausgezeichnet worden. Bundespräsident Heinz Fischer überreichte dem griechisch-orthodoxen Metropoliten von Austria den Orden im Rahmen einer Feierstunde in der Wiener Hofburg. Fischer würdigte Staikos' Verdienste um die Integration der Orthodoxen in Österreich und die Ökumene zwischen den Kirchen.
Der katholische Publizist und "Furche"-Herausgeber Heinz Nußbaumer betonte in seiner Laudatio, dass das Wirken von Metropolit Staikos von drei Grundhaltungen geprägt sei: Erstens von der Einbettung und Stärkung des orthodoxen Glaubens und der orthodoxen Kirchen in Österreichs Lebenswirklichkeit; zweitens vom Bekenntnis zur Zusammenarbeit aller christlichen Kirchen; schließlich drittens von der Integration orthodoxer Neubürger in Österreich. Diese Integration bestehe in einer harmonischen Verbindung von nationaler und religiöser Identität mit der neuen Heimat Österreich.
Immer wieder habe sich Staikos für eine Erweiterung der Europäischen Union eingesetzt, die auch die orthodoxen Länder in Ost- und Südosteuropa einschließen müsse, so Nußbaumer. Er betonte, dass er nicht viele Persönlichkeiten kenne, "die einem vereinten Europa so leidenschaftlich das Wort reden wie Metropolit Michael". Dem liege die Überzeugung von Staikos zugrunde, dass ohne die orthodoxen Kirchen und ohne eine gemeinsame ökumenische Zukunft von West- und Ostkirchen nicht von einem gemeinsamen Europa gesprochen werden könne.
Nußbaumer erinnerte weiters daran, daran, dass vor dem Jugoslawienkonflikt in den 1990er-Jahren gerade einmal 30.000 Orthodoxe in Österreich lebten. Inzwischen seien es fast eine halbe Million, für die es auch eine seelsorgliche Betreuung und entsprechende Strukturen brauche.
Zwei "ökumenische Wunder" habe Österreich in diesem Zusammenhang erlebt, so Nußbaumer: Zum einen das Wunder, dass die rund 100 orthodoxen Religionslehrer an der von der Erzdiözese Wien errichteten und ökumenisch getragenen "Kirchlichen Pädagogischen Hochschule" ausgebildet wurden und werden; zum anderen, "dass orthodoxe Gläubige ihre Gottesdienste vielfach auch in katholischen und evangelischen Kirchen feiern können". Das sei "ökumenische Gastfreundschaft" im ursprünglichsten Sinn.
"Österreich meine Heimat"
Metropolit Staikos selbst sagte in seiner Dankesrede, dass er während seines fast fünfzigjährigen Aufenthaltes in Österreich, das Bewusstsein gewonnen habe, dass "Griechenland mein Vaterland und Österreich meine Heimat ist". Religiöse und nationale Minderheiten für Österreich seien keine Belastung sondern eine echte Bereicherung, betonte der Metropolit.
Der Zustrom der orthodoxen Einwanderer, insbesondere aus dem ehemaligen Jugoslawien, sowie aus Rumänien und Bulgarien, die entwurzelt aus ihrer Heimat nach Österreich gekommen seien, habe die pastoralen und seelsorglichen Aufgaben und Tätigkeiten der österreichischen Orthodoxie erweitert. "Das stellt für uns eine große Herausforderung dar", so Staikos.
Dabei erwähnte der Metropolit die Bemühungen um den orthodoxen Religionsunterricht, die Krankenhaus-, Gefangenen- und Militärseelsorge. Große Hoffnungen setze er bei diesen Vorhaben auch in die Orthodoxe Bischofskonferenz in Österreich, die es seit Herbst 2010 gibt.
Staikos ging in seiner Dankesrede auch auf sein "großes Vorbild" in der Ökumene ein, den Wiener Alterzbischof Kardinal Franz König: "Mein Vorbild für die Ökumene war und bleibt der große Kardinal König. Von ihm habe ich die Wichtigkeit des Dialogs mit den Andersseienden und die Aufrichtigkeit und den Respekt zu ihnen gelernt. Er war für mich, sowie für viele Weggefährten ein Lehrer in der Schule der Ökumene."
Zuversichtlich äußerte sich Staikos zur bevorstehenden Novellierung des Orthodoxengesetzes. Diese sehe die Anpassung der rechtlichen Verhältnisse an die heutigen Gegebenheiten und die Errichtung von neuen Kirchengemeinden und orthodoxen Diözesen auf dem österreichischen Bundesgebiet vor.
Das "Große Goldene Ehrenzeichen mit Stern" ist die höchste staatliche Auszeichnung, die jemals an einen orthodoxen Würdenträger verliehen wurde. An der Feier in der Hofburg nahmen u.a. der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl, der lutherische Bischof Michael Bünker und der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, der orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Dura, teil.
Michael Staikos wurde am 22. November 1946 in Athen geboren. Er besuchte ein katholisches Gymnasium in der griechischen Hauptstadt. Sein Theologiestudium absolvierte er an der Universität von Thessaloniki. 1964 übersiedelte er nach Wien, 1965 trat er in den Dienst der griechisch-orthodoxen Metropolie von Austria - als Sekretär und Zeremoniär des damaligen Metropoliten Tsiter. Am 22. November 1977 wurde er in Wien zum Priester geweiht, am 12. Jänner 1986 zum Bischof. Im November 1991 wählte ihn der Heilige Synod des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zum Metropoliten von Austria und Exarchen für Ungarn gewählt.
Staikos ist als Metropolit des Ökumenischen Patriarchats der ranghöchste Repräsentant der Orthodoxie in Österreich. Im Oktober 2010 wurde unter dem Vorsitz von Metropolit Staikos die Orthodoxe Bischofskonferenz für Österreich begründet.
Auch den ökumenischen und interreligiösen Dialog in Österreich betrachtet Staikos als zentralen Auftrag. Zwei Amtsperioden hindurch (1995-2000) war er Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und ist Konsultor der Stiftung "Pro Oriente". Als Legat des Ökumenischen Patriarchen hat Staikos die Kirche von Konstantinopel oft bei panorthodoxen und ökumenischen Ereignissen vertreten. Mehrere Jahre gehörte er auch dem Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchats an.