Hallo Florianklaus,
ich sage, dass wir einst eine Kirche waren. Die Standpunkte kennst du und auch die Geschichte, nur dass Rom behauptet, die Orthodoxen hätten sich getrennt und wir sagen es umgekehrt. Es geht dabei nicht um Formulierungen...
Du weißt ebenso, dass es auch eine Frage der Dogmen ist. Du weißt es auch aus dem Kreuzgang, Alexander hat es glaube ich mal gut erklärt.
"Alle Dogmen wurden von den Konzilien (später im Westen zuweilen durch den Papst im Alleingang) in der Form eines Kirchenbanns formuliert, im Altertum wie heute... "
Schau auf das 1. Vatikanum:
"Das erste vatikanische Konzil (8. Dezember 1869 bis 20. Oktober 1870 a.D.) hat beschlossen:
"Indem Wir Uns deshalb der vom Anfang des christlichen Glaubens an empfangenen Ueberlieferung getreu anschliessen, lehren Wir mit Zustimmung des heiligen Konzils zur Ehre Gottes, unseres Erloesers, zur Erhoehung der katholischen Religion und zum Heile der christlichen Voelker und entscheiden, dass es ein von Gott geoffenbartes Dogma ist:
Wenn der Roemische Bischof "ex cathedra" spricht, das heisst, wenn er in Ausuebung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen kraft seiner hoechsten Apostolischen Autoritaet entscheidet, dass eine Glaubens- oder Sittenlehre von der gesamten Kirche festzuhalten ist, dann besitzt er mittels des ihm im seligen Petrus verheissenen goettlichen Beistands jene Unfehlbarkeit, mit der der goettliche Erloeser seine Kirche bei der Definition der Glaubens- oder Sittenlehre ausgestattet sehen wollte; und daher sind solche Definitionen des Roemischen Bischofs aus sich, nicht aber aufgrund der Zustimmung der Kirche unabaenderlich. Wer sich aber - was Gott verhüte - unterstehen sollte, dieser Unserer Definition zu widersprechen: der sei mit dem Anathema belegt."
Dieses Anathema haben sie nicht aufgehoben. Auch nicht das von der unbefleckten Emfaengnis..."
erst kürzlich wurde die OK als mit einem Makel behaftet bezeichnet, vom Papst.
Im Zusammenhang mit dem Zypernbesuch gab es auch Orthodoxe Stellungnahmen.
"Wer immer in dogmatischen Fragen von der orthodoxen Lehre abweiche, sei als Häretiker anzusehen, sagte Metropolit Georgios von Paphos - Bischof Athanasios bezeichnet Papstamt als einer der drei tragischen Sündenfälle der Menschheitsgeschichte..
...Mit Blick auf die Ökumene sagte der Bischof, ein Gespräch der Konfessionen sei keine schlechte Sache, müsse aber auf den richtigen Grundlage stattfinden. «Eine Sache ist das Dialogführen, eine andere, den Papst als gültigen Bischof zu empfangen», so Athanasios. Benedikt XVI. sei für Orthodoxe «ein Häretiker, außerhalb der Kirche und daher nicht einmal Bischof». "
Quelle
Grundsätzlich ist es nunmal so, dass sich die Kirchen (OK und RKK) der Häresie bezichtigen.
Somit sind die Standpunkte, also die Grundlage klar.
Jetzt kommt das Wort, das Dialogführen von Bischof Hilarion, die strategische Zusammenarbeit. Sie geht, so wie ich es verstehe, in Richtung weltlicher Zusammenarbeit. Wir haben auch ähnliche Ansichten. Als Beispiele sollen da genannt werden, Sündhaftigkeit der Homosexualität oder die Frage der Abtreibung. Man muss der Verweltlichung entgegenwirken, dass kann man auch so tun.
Ich bin nicht so vermessen um zu hoffen, dass Rom z.B. auf den Primat verzichtet, das wird ein Prozess, den wir wohl nicht mehr erleben werden. Das hindert mich aber andererseits nicht daran, der Pflicht der Nächstenliebe nachzukommen. Auch wenn der Papst ein Häretiker ist in meinen Augen, weil er aus Orthodoxer Sicht Irrlehren verbreitet, habe ich Respekt vor ihm als Menschen, wie vor jedem anderen Menschen auch. Diese sind vielleicht viel bessere Menschen als ich selbst. Man betrachte nur die vielen ehrenamtlichen Leute in d. Caritas, die mir soviel Liebe und Hingabe ihr Werk versehen. Hut ab! Hut ab! Dagegen bin ich nichts!
Sollte mich z.B. jemand um ein Krankengebet bitten (die Welt ist klein, auch Internet macht vieles möglich), werde ich es beten, für den Papst wenn er mich bitten sollte, für Holzi, für dich lieber Florianklaus... Bittet mich mein Nachbar, werde ich es ebenso tun. Ist ein doofes Beispiel, aber ich will zeigen, dass man unterscheiden muss.
Zur Lösung dogmatischer Fragen bin ich nicht berufen, ebenso darf ich nicht verurteilen. Ich kann etwas feststellen, das ist alles.
Meine Pflichten als Christ darf ich aber dabei nicht vergessen.
Zudem, der Heilige Geist weht wo ER will, was ich hier in meinem Zimmer mir denke ist dabei völlig unwichtig...
L.G.