Liebe Sofi,
ich hole jetzt mal etwas weiter aus:
Zunächst einmal sei bitte ermutigt, Deine Fragen hier zu stellen. Wir wollen Dich unterstützen wo es geht. Es ist selbstverständlich, dass man sich unsicher fühlt, aber ich habe auch so angefangen, und zwar in höherem Alter als das Deine!
Man kann von keinem verlangen, gleich richtig fasten zu können. Dass Du die ganze Fastenperiode des Osterns fastest ist Dir sehr hoch anzurechnen, das ist ein sehr mutiger Beginn und beileibe keine einfache Selbstverständlichkeit.
Was man beichten sollte, ist das, was man auch von Herzen bereut. Es ist keine Diskussion und es gibt hier auch nichts zu beschönigen (ich habe sehr oft den Hang, mich zu rechtfertigen, aber für was?)
Mein Priester sagte mir, es sei Sünde zu rauchen, aber es gibt auch Mönche, die rauchen (siehe Raucherstrang an einer anderen Stelle). Warum er das sagte? Weil ich auch rauche.
Mein innerstes hat sich sehr lange dagegen gesträubt, das Rauchen als Sünde zu betrachten. Akzeptiert habe ich es, als es mein Priester und geistiger Vater sagte.
Sowohl für das Beichten als auch für das Fasten gilt: es ist - wie Joseph weiter oben schrieb - kein Befolgen von Regeln des Befolgens wegen. Dahinter steckt eine Tiefe. So geht mit dem Fasten eine Schärfung des Bewusstseins einher. Das fängt an mit dem Bewusstwerden der Sehnsucht nach dem Herrn, der Demut, der Reue und auch einer - wie Vater Alexander Schmeemann schreibt - strahlende Traurigkeit.
Es geht nicht darum, depressiv zu werden, sondern aus der Selbsterkenntnis bewußt auf den Empfang der Heiligen Kommunion - das ist, was man erhält η Θεία Κοινωνία - Vorbereitungen zu treffen. Ein lieber Freund verglich das mal mit dem Reinigen der Wohnung zum Empfang des Besuches des Herrn. Ich fand das einen sehr, sehr schönen Vergleich!!!
Tja, wie das so mit den Wohnungen ist, wirst es nicht schaffen, alles picco-bello zu halten. Hier wird es nach dem Entstauben wieder etwas Staub ansetzen, dort fällt doch mal ein Krümel unter den Tisch... Aber das reine Herz zählt. Eigentlich ist keiner würdig, die Kommunion zu empfangen, aber wir brauchen sie alle bitter nötig und für uns wurde sie gegeben.
Vielleicht siehst Du, dass der Geist des Fastens sich durchaus etwas mit Party widerspricht. Während das eine eine Zurückhaltung der Pathoi ist, ist das andere ein exzessives Ausleben. Da wird es wohl schwerfallen, loszulassen. Tja, das ist wohl was gemeint ist mit, jeder nehme sein Kreuz auf sich. Ist nicht einfach, ich weiß.
Ach das sind nur einige Aspekte, und ich denke, Dir sollte die Zeit gegeben werden, Dich da mehr einzuleben.
Wegen der Fragen darf Dich hier niemand dumm anmachen. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass das jemand machen will. Sicher sind alle Ansichten - und die unterscheiden sich hier - alle gut gemeint.
Also nochmal: von Herzen Glückwunsch für Deine Entscheidung. Gehe ruhig beichten und sag dem Priester, dass es das erste mal (falls das stimmt) ist, und es Dir nicht leicht fällt, Du aber gerne einen Anfang machen willst. Und das schwierigste ist der erste Schritt.
In der Großen Woche bietet sich der Donnerstag nach der Abendliturgie an (zumindest in meiner Kirche wird dies gemacht werden).
Möge unsere Allheilige Gottesgebärerin η Παναγία μας Dich begleiten und schützen. HIer werden alle versuchen, Dich nach besten Kräften zu unterstützen.
Ich hoffe, ich konnte Dir etwas Mut zusprechen.
Alles Gute,
Nassos
P.S.: ich habe schon an den unglaublichsten Orten und zu den unpassensten Ereignisen Gespräche über Glaube und Orthodoxie angefangen (nicht erzwungen!). Es ist an sich erstaunlich, wie oft das gut klappt.
