Lieber IoannesProselytos,
IoannesProselytos hat geschrieben:
Aber die Sache mit "ihre Vorstellungswelt", also, da muss ich sagen, das "taugt" (/gefällt

) mir nicht sonderlich. Christus, als Gottmensch, wenn Er über göttliche Dinge sprach, dann sprach Er sie frei, von den Dünkeln irgendwelcher histor. "Vorstellungswelten". Mit diesem Zeug wird nämlich momentan an den Theologischen Fakultäten - wie mir scheint - die ganze Hl. Schrift ad absurdum geführt; das gefällt mir gar nicht. Diese Redensweise dient eigentlich nur dazu, um die Wahrheiten der Schrift auszuhebeln und durch eigene Privatinterpretationen und -veränderungen zu ersetzen - zumindest wird sie so hauptsächlich verwendet ...
was die theologischen Fakultäten zu diesem Thema sagen , weiß ich nicht.
Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, daß sie einvernehmlich bereit wären auf die Existenz einer Hölle zu verzichten.
Du sagst , das Christus als Gottmensch frei von irgendwelchern historischen "Vorstellungswelten"war.
Warum denkst Du, das das zwingend notwendig so sein muß?
Bei mir war irgendwie der Eindruck entstanden, das auch Jesus beispielsweise an ein nahes Ende der Zeit geglaubt hat, eine Endzeiterwartung, die die ersten Christen doch mit ihm geteilt haben.
Diese nahe Endzeiterwartung hat sich aber nicht erfüllt.
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Mein Problem liegt wohl daran, daß ich im Gegensatz zu Dir nicht auf die rechte Weise glauben kann.
Man hat mich als Kind gelehrt an einen GUTEN GOTT zu glauben.
Das kommt meinen persönlichen Wünschen natürlich sehr entgegen.
Wahrscheinlich übertrage ich sämtliche Wünsche, die ich habe auf die Vorstellung von Gott, obwohl ich weiß, daß man das nicht tun soll, und das
GOTT immer ANDERS ist.
Die alte Geschichte vom zurechtgebastelten Gott... Du hast Recht wenn Du da nicht mit einverstanden bist!
Allerdings glaube ich, daß sich das Gottesverständnis von den meisten Menschen sehr gewandelt hat.
Ich wünsche mir diesen Gott also "GUT", aber wenn er mich prüfen wollte, wie ehemals Abraham und Sara, wären mein Glaube und mein Vertrauen keinen Pfifferling wert.
Wenn mein Mann mir beispielsweise erklären wollte, daß ich meinen Sohn opfern sollte, weil Gott es so will, würde ich ihm sagen, daß so eine Forderung niemals von Gott kommen kann.
Ich würde glauben, daß mein Mann sich etwas einredet, oder daß er krank ist.
Ich würde meinen Sohn nicht rausrücken und hoffen, daß mein Mann einen Psychologen um Hilfe bittet.
Ich bezweifle weiterhin daß irgendein Geistlicher, die Polizei, oder ein Arzt ihn ermuntern würde, unseren Sohn um "GottesWillen" zu opfern.
Vermutlich würde der "Glaube" all dieser Leute an dem Bild vom GUTEN GOTT scheitern.
Bedenke, wenn wir das biblische Beispiel gedanklich nachexerzieren ist
der gute Ausgang der Geschichte unbekannt und es ginge um die Tötung eines Kindes!
Es kommt noch schlimmer:
Wenn Gott mich nun verstehen ließe, daß mein Mann sich nicht irrt, und Gott tatsächlich die Opferung des Kindes verlangt, würde ich mich abwenden.
Diesen Gott würde ich fürchten, aber wie sollte ich ihn lieben?
Wo ist der Gläubige, der gesunden Geistes ohne Fanatismus Abrahams Beispiel an Gottergebenheit heute wiederholen würde?
Zur Zeit Abrahams war ein Gott im Verständnis der Menschen nicht unbedingt moralisch gut.
Die antiken Götter, morden, stehlen, brechen Ehen, zetteln Kriege an.
Sie verlangen Opfer, bei den Phöniziern glaube ich, auch Menschenopfer
bzw. Kinderopfer.
Deshalb kann ich mir vorstellen, daß es für Abraham, gemäß seiner Erfahrung mit antiken religiösen Praktiken möglich war, zu glauben, daß ein Gott eine solche Forderung stellt.
Ich denke, der heutige "0815-Glaubende" könnte eine solche Forderung nicht mehr, oder nur sehr, sehr schwer mit seinem Gottesbild in Einklang bringen.
Soviel zu meinem Glauben oder Unglauben.
Ob man wohl über seinen Glauben reden kann, ohne gleichzeitig auch von dem eigenen Unglauben zu sprechen?
Euch Allen eine gesegnete Nachtruhe
Mary