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Verfasst: 16.03.2009, 18:49
von Mops
Ieseanul hat geschrieben:
Diese Frage finde ich aber - was die "einvernehmliche Trennung" angeht, nicht minder absurd. Eine Scheidung, damit beide ins Kloster können ?
Abgesehen davon, ob das jemals so praktiziert wurde, sollte man ja normalerweise davon ausgehen, dass der Gang ins Kloster das Resultat persönlicher Führung durch Gott ist. Um so einen Bund mit Gott zu schließen und gleichzeitig den vor Gott geschlossenen Bund der Ehe aufzulösen

?
Also, vorstellen, dass so etwas funktionieren kann, weiß ich nicht, oder meintest Du etwas anderes ?
es wurde und wird praktiziert. Zumindest so dass beide ins Kloster gehen, ob die Ehe in einem solchen Fall aufgelöst wird weiß ich nicht.
Wir hatten vor einiger Zeit einen russischen Priester zu Gast, sowohl er, als auch seine Frau gründeten ein Kloster...
Steht die Liebe zu Gott nicht über ALLEM?
Verfasst: 16.03.2009, 19:16
von Ieseanul
Rene hat geschrieben:...
Steht die Liebe zu Gott nicht über ALLEM?
Finde ich theologisch grundsätzlich sehr schwierig. Es gibt leider an ganz anderer Stelle - im Protestantismus liberaler Auslegung - Versuche, alle möglichen Lebensformen und -Gemeinschaften, -Verbindungen und Beziehungen damit zu rechtfertigen. Das ist immer schief gegangen.
Gott kann sich nicht widersprechen.
Sicher, ein Kloster ist natürlich etwas anderes. Ich kenne in Bezug auf die Orthodoxe Kirche die hier angewandte (was wir gerade diskutieren) Praxis nicht. Aber, um ehrlich zu sein, ich traue es der Kirche nicht zu, eine Ehe aufzulösen, damit die Ehepartner in ein Kloster gehen können.
Es mag aber Lebensentwürfe geben oder gegeben haben, wo sich die beiden Ehepartner auf Zeit trennen, um in ein Kloster einzutreten. Das hat ja auch etwas mit Askese und Entsagung zu tun. Der Apostel Petrus hatte ja nach biblischer Überlieferung eine Schwiegermutter und somit auch eine Ehefrau. Trotzdem folgte er Jesus direkt nach.
Bewerten kann und will ich das natürlich nicht. Für mich persönlich käme so etwas nicht in Frage. Mich würde hier die Meinung eines orthodoxen Theologen interessieren.
Gottes Segen !
Mathias
Verfasst: 16.03.2009, 19:42
von Mops
soweit ich weiß, gibt es sehr wenige Vorraussetzungen, wo die Kirche einer Scheidung zustimmt.
Deswegen vermute ich, dass sich in einem solchen Fall die Ehepartner nicht geschieden werden... aber wie gesagt, ich vermute... und weiß nicht...
Verfasst: 16.03.2009, 19:46
von peter
Übrigens war unser jüngst verstorbener Vr. Theodor auch Archimandrit, unverheirateter Mönchspriester, weltlich Priester seiner Gemeinde.
Peter
Verfasst: 16.03.2009, 20:25
von Sinaitis
Mönch und Nonne kann im Prinzip jeder Mensch werden; auch ein Verheirateter, aber dann nur einvernehmlich. Patriarch Alexei von Moskau war verheiratet, seine Ehe wurde nach einem halben Jahr getrennt, beide gingen ins Kloster. Bischof David in Georgien war verheiratet, hat zwei Kinder, seine Frau lebt noch. Man sieht also, Sparta, die Leute können dann sogar auch aufsteigen.
Richtig ist, daß Keuschheit für eigentlich für alle gilt, sogar in der Ehe. Da gibt es auch Fastentage und Fastenzeiten. Und verheiratete Priester können eigentlich nur werden, die jungfräulich in die Ehe gingen. Geschiedene und Wiederverheiratete können kein Priester werden (Siehe Petrusbrief: "Einmal verheiratet").
Was die Hl. Kommunion für Wiederverheiratete angeht, so hängt das natürlich vom Beichtvater ab. Aber tatsächlich gilt die zweite (oder dritte) Ehe, die die Kirche zuläßt (wegen der Schwäche der Menschen, denn eigentlich endet die Ehe nicht einmal mit dem Tod - bis der Tod euch scheidet ist NICHT orthodox-) als mit einem Bußakt verbunden. Eigentlich gibt es auch keine zweite Krönung (aber die Kirche gewährt Ikonomia). Es gibt Bußgebete und Bußauflagen, auch Kommunionenthaltung. ABer diese Dinge gehören ins persönliche geistliche Leben und in die geistliche Betreuung und Führung. Es hängt auch sehr von der eigenen Schuld am Scheitern der früheren Ehe ab.
Verfasst: 16.03.2009, 21:36
von Sparta
Hm, ja...danke Sinaitis für die ausführliche Erklärung!
Sind Sie Priester?
Tut mir leid, bin noch nicht lange im Forum, aber ich nehme es doch mal an, da unter Ihrem Namen "Geistlicher" steht.
Verfasst: 17.03.2009, 09:13
von Anaklet
Eine Scheidung kann ich mir da auch nicht vorstellen (ich schrieb ja auch nur von "Trennung"!). Aber das gab und gibt es immer wieder, dass Verheiratete ins Kloster gingen und Mönche, bzw. Nonnen wurden (natürlich nicht nur auf Zeit, sondern für immer).
Bei einer Scheidung steht ja üblicherweise der Wunsch im Hintergrund, eine neue Ehe einzugehen. Sonst bräuchte man sie ja nicht. Aus dem Weg gehen kann man sich ja auch so.
Verfasst: 17.03.2009, 09:18
von Anaklet
Hochwürdiger Vater Martinos,
danke für die Erklärung!
Aber warum ist die Trennung der Ehe durch den Tod nicht orthodox?
Dauern Ehen denn im Himmel fort?
Jesus sagt in Matth.19 etwas anderes.
In Christo grüßt
Anaklet
Verfasst: 17.03.2009, 10:52
von Sinaitis
Lieber Anaklet,
in meiner Bibel steht nichts anderes. In Mt 19 steht nichts von der Trennung durch den Tod. Hab ich jedenfalls nicht gefunden. Es heißt nur, daß beide ein Fleisch werden. Warum sollten unsere Beziehungen auf Erden im Himmel nicht mehr gültig sein? Auch die Panagia bleibt über den Tod hinaus Mutter. Wir werden nicht als Atome oder Individuen auferstehen, sondern gemeinsam werden wir auferstehen im Kontext all unserer Beziehungen, die uns im Leben geprägt haben. Das ist auch eine Bedeutung von "Kirche".
Daß der Herr der Frau mit ihren 7 Männern sagt, daß im Himmel nicht mehr geheiratet wird, heißt ja nicht, daß jede Ehe mit dem Tod automatisch endet.
Verfasst: 17.03.2009, 12:03
von Mops
Gott zum Gruße,
ich möchte auch noch etwas fragen.
Dort steht doch auch bei Mk 12, 25, -dann werden sie sein wie die Engel im Himmel-.
Ist das "nur" ein Hinweis auf die Bedürfnislosiggkeit?
Vorab vielen Dank!
L.G. Rene
Verfasst: 17.03.2009, 12:25
von Sinaitis
Lieber Rene,
danke für die Schriftstelle, ich hatte mir keine Mühe gemacht, sie zu suchen.
Wie die Engel versuchen wir bereits jetzt auch in der Fastenzeit zu leben - und die Mönche noch mehr. Denn in keinem Fall gibt es im Himmel Leben durch Töten (Fleischessen), und weder Sterben noch Geborenwerden, also auch keine Zeugung. Die Engel zeugen nicht und wir im Paradies auch nicht mehr. Mehr sehe ich in Mk 12,25 nicht ausgesagt.
Aber unsere Geschichte, unsere Lebensgeschichte bleibt erhalten, unser Mann oder Frausein, auch unsere Beziehungen. Die Gottesmutter bleibt weiter Mutter des Sohnes Gottes und Christus trägt weiterhin die Wundmale. Auch als Verklärter! Das ist doch wirklich bedenkenswert.
(Und die Katholiken glauben, die Ehe - das ein Fleisch werden - habe keine Bedeutung für den Himmel? Was für ein armseliges Menschen- und Gottesbild?)
Für uns jedenfalls gilt, auch kirchenrechtlich: Die Ehe endet mit dem Tod NICHT, deshalb wird eine Zweitehe eines Verwitwerten genauso behandelt wie die Zweitehe eines Geschiedenen. Genauso mit Bußgebeten, Kommunionausschluß auf Zeit, eigentlich auch ohne Kronen. Die Kirche unterscheidet im Kirchenrecht nicht zwischen Geschiedenen und Verwitwerten. Verwitwerte werden gewissermaßen wie unschuldig ! Geschiedene behandelt. Auch die Anzahl der Ehen ist für alle gleichermaßen begrenzt. Auch Verwitwerte können keine 4. Ehe eingehen.
Verfasst: 17.03.2009, 13:33
von stefan1800
Lieber Vater Martinos,
erst einmal bin ich wieder froh, daß der Herr es so fügt, daß automatisch für solche Fragen, die mir gerade auf den Nägeln brennen, schwupp-die wupp ein Thread entsteht.
Rom definiert, daß es keine Ehescheidung gibt. Warum ist dies bei den Orthodoxen erlaubt ? Gibt es dafür Hinweise in der Schrift ? Unter welchen Bedingungen kann das die Ausnahme sein ? Wird das manchmal zu lasch gehandhabt ? (Will nicht urteilen, stelle mir aber Fragen) Wie bei einem griechischen Politiker, der mehrmals wiederverheiratet sein soll. Ich habe es so verstanden, daß eine Scheidung und Neuverheiratung nur einmal und nur unter der Bedingung des Ehebruchs möglich sein soll. Was sagt die neue russische Sozialenzyklika dazu aus ? Ich bin für Ihre bzw. Eure Antworten dankbar ! Meine katholischen und protestantischen Freunde kommen mir gerade mit der Moralkeule, weil sie es dogmatisch nicht mehr schaffen, mich von der Orthodoxie wieder wegzubringen !
LG, Stefan
Verfasst: 17.03.2009, 16:07
von Mops
Lieber Stefan,
habe ich mir zum Nachblättern auch schon rausgelegt, ich mag Bücher lieber als im Computer zu lesen....
Dennoch
HIER ist die Sozialdoktrin Online
L.G. Rene
Verfasst: 17.03.2009, 16:44
von stefan1800
Danke, lieber Rene.
Gruß, Stefan
Verfasst: 17.03.2009, 18:44
von Priester Alexej
Gelobt sei Christus!
Lieber Stefan, welches moralische Problem haben deine Freunde denn mit der orthodoxen Ehe?
Auf diesen Artikel war ja schonmal verwiesen, aber trotzdem:
http://bogoslov.ru/de/text/385096.html
Ins Kloster gehen gilt wirklich nur beim beidseitigem Einverständniss nach der Volljährigkeit der Kinder. Nach einer Trennung leben beide Partner normalerweise weiterhin als Leien in der Welt. Und wie schon angesprochen, ob wieder heiraten oder nicht, unter welcher Bedingung, hängt vom Einzelfall ab. Man geht ja nicht einer othodoxen Ehe auseinander, weil es nicht passt - sowas kann ganz theoretisch garnicht möglich sein - mit betonung auf theoretisch...
Herzliche Grüße,
Alexej