Genau dieser Frage gilt es sich zu stellen und sie im Geiste von Christi Barmherzigkeit zu beantworten - ohne "moralisierende" Haltung, sondern im Sinne einer allumfassenden Therapie von Leib und Seele. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt verfaßte der heutige Metropolit von Nafpaktos Ierotheos (Vlachos) eine Studie zum Thema mit dem Titel AIDS - eine Lebensform, in der er sich aus orthodox-anthropologischer und pastoraler Perspektive diesem Fragenkomplex näherte, eine wirklich ganzheitliche Beschäftigung forderte und eben die Haltung der Kirche im Sinne des Gebotes der Nächstenliebe postulierte. Dieselben Grundsätze, die gegenüber allen Kranken, Schwachen und Hilfsbedürftigen zur Anwendung kommen, müssen auch gegenüber HIV-Infizierten Geltung besitzen.Wie gehen wir Orthodoxe mit der Krankheit um? Nehmen wir den HIV-Kranken in unserer Gemeinde auf, oder? Dieses ist eine Anfrage an uns.
So möge denn Folgendes feststehen: Eine Sache ist es, eine gewisse Dekadenz und Libertinismus der Gesellschaft zu beklagen und zu warnen (denn davon sind durchaus auch fundamentale Prinzipien des orthodoxen Menschen-, und Gesellschaftsbildes berührt); eine andere Sache ist es, gegenüber den Betroffenen - ohne sie zu beurteilen und zu richten - jene synergische Liebe, die den Menschen mit Gott und seinen Mitmenschen verbindet, als Frucht unseres Glaubens konkret erfahrbar werden zu lassen.
In der Liebe Christi grüßt
Erzpr. Peter