Metanoia

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Milo
Beiträge: 966
Registriert: 19.06.2009, 23:00
Wohnort: Stuttgart

Metanoia

Beitrag von Milo »

Was ist das genau?
In welcher Relation steht ein orthodoxer Christ dazu?

Danke für Antworten.

Milo
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Sebastian
Beiträge: 956
Registriert: 16.12.2008, 13:46
Religionszugehörigkeit: Orthodox (MP)

Beitrag von Sebastian »

Hier mal eine eher esotherische Auslegung.

unkommentiert.
protopeter
Priester
Beiträge: 698
Registriert: 24.07.2006, 21:21
Wohnort: Salzburg

Beitrag von protopeter »

Brüder und Schwestern in Christus !

Nachdem diese Frage von Br. Milo etwas in Vergessenheit geraten zu sein scheint, möchte ich versuchen, eine Antwort aus orthodoxer Perspektive zu geben: Der genannte Begriff ist zunächst in der Schriftoffenbarung bei Mt 3,2 verwurzelt - hier fordert Johannes, der Vorläufer und Täufer Unseres Herrn, zu Buße und Umkehr anläßlich der Gegenwart des Messias auf.

Die wörtliche Bedeutung ist in gläubiger Interpretation mit dem Terminus des "Umdenkens" am Einprägsamsten gekennzeichnet; damit sind in erster Linie Gewissenserforschung, Bewußtwerdung der eigenen Sündhaftigkeit und Unzulänglichkeit sowie die absolute Notwendigkeit der Veränderung zum Besseren verbunden. Wenn nun dies zu einem zentralen Begriff orthodoxer spiritueller Existenz wurde, so ist - gemessen am Zeugnis der Heiligen Väter - darin eine spezifische Dynamik enthalten: Die Einbindung in das gottmenschliche Heilsmysterium inkludiert ein unaufhörliches geistliches Wachstum, eine ständige Reflexion der Synergie zwischen Gott und Mensch sowie das Erkennen seiner eigenen Position in einem Prozeß kontinuierlicher Vollkommenheitswerdung.

"Metanoia" begreift sich in diesem Sinne als eine Grundvoraussetzung zur Erlangung und Umsetzung des authentischen christlichen Lebensvollzuges - solchermaßen wird sie auch von den Mönchsvätern aller Jahrhunderte (ich nenne hier nur als frühe Beispiele die Heiligen Makarios von Ägypten, Isaak den Syrer, Johannes Klimakos oder Symeon den Neuen Theologen) interpretiert; sie dient dann eben in besonderem Maße auch dazu, des Menschen Herz und Geist dem Empfangen und Wirken der göttlichen Gnade zu öffnen.

In der Liebe Unseres Herrn grüßt
Erzpr. Peter
Ehre sei Dir oh Herr

Beitrag von Ehre sei Dir oh Herr »

Lieber Vater Peter,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre Ausführungen!
Das Thema ist tatsächlich etwas in Vergessenheit geraten... :oops:

Herzliche Grüße
Ihr René
Milo
Beiträge: 966
Registriert: 19.06.2009, 23:00
Wohnort: Stuttgart

Beitrag von Milo »

Lieber v. Peter, segnen Sie!

Auch von mir erstmal herzlichen Dank.

Will ich doch gleich nochmal nachhaken:
Wie sehen Sie es: ist jedem Menschen im Leben solch ein "Umdenken/Umkehren" geboten? Ich meine, wird jedem Menschen in seinem Leben durch etwaige gewisse positive und negative Umstände zB., oder durch Krankheit, Notlage etc., die Möglichkeit geboten die Wahrheit seiner Trennung von Gott zu erkennen?
Auch das verkündete Wort dient doch eigentlich dazu!?

Vielleicht habe ich mich etwas konfus ausgedrückt, bitte um Entschuldigung.

Nichtsnutziger milo
protopeter
Priester
Beiträge: 698
Registriert: 24.07.2006, 21:21
Wohnort: Salzburg

Beitrag von protopeter »

Lieber Br. Milo, die Gnade des Dreieinen Gottes sei mit Ihnen !

Von den Grundlagen orthodoxer Anthropologie, die dem Menschen die innere Spannung von Freiheit und Verantwortung zumißt, sind gewisse elementare Ereignisse in seinem Leben durchaus dazu angetan, der schon genannten Reflexion entsprechend Raum zu geben. Davon ausgehend sollte die Besinnung auf eigene Fehler und Mißverhältnisse in der Tat zu einer ethischen Verpflichtung werden, da gerade auch durch solche in Geist und Seele vollzogenen Prozesse die spezifisch-unvergleichliche Würde unserer Existenz zum Ausdruck gebracht wird.

Wie Sie richtig anmerken, ist ein wesentlicher "Leitfaden" dieser Hinwendung das Befolgen der gottmenschlichen Offenbarung, die uns in der Heiligen Schrift geschenkt ist: Allerdings sind die darin enthaltenen Lehren keinesfalls als "Drohbotschaft" aufzufassen; sie alle sind ein Zeugnis von Gottes unermeßlicher Menschenliebe und Allbarmherzigkeit - das Gleichnis vom Verlorenen Sohn läßt dies besonders deutlich werden. In der pastoralen Arbeit ist es daher von äußerster Wichtigkeit, den "therapeutischen" Aspekt der metanoia in den Vordergrund zu stellen; so ist auch der Weg der Heiligkeit, wie ihn die Orthodoxe Kirche begreift, durch Besinnung und Umkehr begonnen und grundgelegt.

In der Liebe Christi grüßt
Erzpr. Peter
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