An einem See
An einem See
Wir hatten uns sehr angeregt mit allen erdenklichen, moralischen Fragen auseinandergesetzt, kochten letzten Endes Spaghetti in seiner Küche und redeten weiter.
Seine Aussage war: "Philosophie ist rational, Religion irrational."
Ich verneinte dies.
Was sagt ihr?
Vorallem steht dann noch die Frage da, woher die Vernunft kommt, nach der man sich geht^^
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holzi
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Ehemaliger
Filosofie ist, so denke ich keineswegs einfach 'rational' aber auch nicht rationalistisch, wenn dieses Wort einen Missbrauch beinhalten sollte. Und Religion ist nichts Irrationales.
Filosofie ist eine Methode. Sie will Fragen angehen, die den Menschen angehen. Wer bin ich? Woher komme ich? Was ist Richtig? Was ist rechtes Handeln? usw. Ich sehe darin nichts Falsches. Filosofie war nie vom Grund her antireligiös und ist es zu Teilen auch heute nicht. Platon und Aristoteles und Co haben sehr wohl religiöse Inhalte und Gedankenmuster gehabt. Und sowohl die östlichen Väter waren heftigst filosofisch geschult als auch später die römischen Theologen wie Augustin oder auch Thomas von Aquin. Und darin liegt nichts Falsches, denn unser Denken muss Regeln folgen, die z.B. im Beispiel der Logik nachvollziehbar sind. Sonst ist kein Reden möglich. Wir alle kennen doch Beispiele wo unser Gegenüber, wenn wir versuchen zu argumentieren in ein: 'Ja, aber' verschwindet oder irgendeine 'unumstössliche' Grösse anführt, die alles schon weiss. Beispiel: Die Zentralorganisation der Zeugen Jehovas in Brooklyn, die autoritativ 'alles' erklärt, da können wir und wollen nicht mit.
Dass wir Äpfel nicht mit Birnen vergleichen ist auch wichtig. So etwas regeln keine religiöse sondern 'denkrichtige' Verfahren. Und die gehören eher zur Filosofie.
In Konflikt geraten wir dann, wenn Filosofie ihre Grenzen überschreitet und Antworten auf Fragen versucht, die das reine Mensch-Sein überschreiten. Filosofie hat ja nie behauptet etwas anderes als menschlich zu sein, aber... machmal (und das könnte am See passiert sein) vergisst sie das (oder der der filosofiert) und dann erscheint sie in einem Absolutheitskleid, das ihr nicht zusteht.
Biblisch: Der Mensch ist im Bilde Gottes von Gott erschaffen. Das bedeutet, dass Filosofie nichts über das 'Eigentliche' des Menschen sagen kann, da sie menschlich ist (sie hat wohl die Lösung, den Menschen als biologisches Produkt zu erklären, aber dann hat sie den Bezugspunkt, Mensch als 'ganzes Wesen' verloren). Hier weiss Religion mehr, da sie aus göttlicher Offenbarungen spricht. Das kann natürlich von Filosofie bestritten werden, nicht aber widerlegt. Oder: rechtes Handeln kann Filosofie aus nichts 'Absolutem' ableiten, da sie das nicht kennt. Sie kann 'Naturgesetz' oder auch 'gesellschaftliche Übereinkunft' als Norm geltend machen, aber im Grunde kann sie nicht sagen ob es richtig oder falsch ist, fremdzugehen. Das kann Religion, da sie Gesetze 'von Gott gegeben' kennt. Da sind wir als Chrsten nicht allein, allein wir bekennen, dass wir die Gesetze des wahren Gottes haben, wofür wir dann nicht im Lesen von Texten sondern in Lehre UND LEBEN verantwortlich sind. Würden wir es nur verkünden, dann wären wir auch auf der Stufe der 'relativen' Wahrheit wie die Filosofie.
Uff, Loukia.... hilft das ???
Gute Nacht
Benedikt
Re: An einem See
Hallo, Loukia,Loukia hat geschrieben:An einem See habe ich einen jungen Mann kennengelernt, den ich zuerst eher für einen Jungen meines Alters gehalten hatte.Ich hatte ihm wohl gefallen. Ihm ist das Buch aufgefallen, das ich bei mir hatte, ein griechisches über Geron Paisios. Er fragte ob es ein Roman sei, oder ein religiöses Buch. Ich gab ihm die Antwort und wir fingen an uns zu unterhalten.
Wir hatten uns sehr angeregt mit allen erdenklichen, moralischen Fragen auseinandergesetzt, kochten letzten Endes Spaghetti in seiner Küche und redeten weiter.
Seine Aussage war: "Philosophie ist rational, Religion irrational."
Ich verneinte dies.
Was sagt ihr?
Benedikt hat Dir ja schon einiges geschrieben über das Verhältnis von Filosofie und Religion.
Mein erster Impuls war, Dich zu fragen, warum genau dich die Fragestellung so beschäftigt.
Ist in diesem "Religion ist irrational" auch enthalten, dass Religion etwas für Dumme, Ungebildete sei? Dass, wer denkt, über Religion erhaben sei? Und wenn ja, spielt auch mit, dass Du traurig bist, ihm dein "Liebstes" nicht "einsehbar" machen zu können?
oder lese ich was in deine Frage rein, das da garnicht enthalten war?
Lg Maria
Liebe Loukia,Loukia hat geschrieben:Es heißt immer, Glauben sei für Leute, die ihren Verstand nicht benutzen. Das mach mich traurig, das es Menschen gibt, die sich so etwas einreden.
Ja--- das ist kein neues Phänomen, sondern das wusste schon Paulus.
Er hat sich allerdings nicht unterkriegen lassen und auch seine Gemeinden darin bestärkt, dass es ihnen nichts ausmacht, "vor der Welt" als die Doofen dazustehen. An die Korinther schreibt er:
1. Kor 1,18Die Weisheit der Welt ist Torheit vor Gott
18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft.19 Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« 20 Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? 21 Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben. 22 Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, 23 wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; 24 denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind. 26 Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. 27 Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; 28 und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, 29 damit sich kein Mensch vor Gott rühme.
Der Herr selbst hat uns ein Kind als Vorbild hingestellt. Da geht es um Vetrauen in den Vater im Himmel. Aber ich glaube, da geht es auch darum, selbst nicht alles wissen zu wollen... Gott Gott sein zu lassen...
Oder schau, was Jesus voll Freude ausrief, nachdem die zweiundsiebzig Jünger von ihrer ersten "Ernte"- Reise zurückgekommen waren.
Lk 10,2121 In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Manchmal scheint es tatsächlich so, dass zuviel "Wissen" den Blick auf das Wesentliche verstellt. Ich erlebe das an mir selbst immer wieder. Ich weiss viel und interessiere mich, habe viele Fragen. Mein Priester fand mal, ich hätte ZUVIELE Fragen, ...
Immer wieder komme ich an die Stelle zurück, wo ich merke: Glaube kann nicht erklärt oder diskutiert werden. Glauben muss man leben. Von der Richtigkeit können wir niemanden überzeugen, der sich nicht selbst auf den Ruf des Heiligen Geistes eingelassen hat.
Immerhin hat Dein Bekannter Interesse gezeigt an deiner Lektüre und er hat stundenlang mit dir geredet. Das zeigt doch, dass er auf der Suche nach dem "mehr" ist, auch wenn sein Kopf ihm vielleicht noch im Weg steht...
Liebe Grüsse
Maria, die trotz besserem Wissen mit ihren eigenen Söhnen endlose Diskussionen führt... und ach nur so wenig überzeugend vorleben kann.
Ich finde ich immer wieder: Ist ja interessant, wie die Welt enstanden ist, aber warum versuchen wir Menschen eine Antwort darauf zu finden, wenn wir nichtmal mit der Gegenwart fertig werden?
Das ist wie das Waschbecken putzen und danach die dreckigen Hände waschen, statt umgekehrt.
Ich finde es ja nicht schade, wie sie mich sehen, das ist nicht wichtig. Ich finde es traurig, das sie es für sich selbst nicht erkennen.
Dabei sind die wirklich weisen Leute der Weltgeschichte zur Erkenntnis gekommen, dass die Intelligenz aller Menschen - auch der Philosophen/Wissenschaftler - begrenzt ist.