Nationale Kirchen und Patriotismus

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Marian
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Marian »

Schaun wir mal was Vater Roman (bayr. Volksangehöriger) sagt.
holzi
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von holzi »

Lieber Marian, ich fürchte, ich schaffe das heute nicht. Macht bitte viele Fotos.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)
Marian
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Marian »

Grüß Gott Holzi,
hab deine Nachricht erst später gelesen. Außerdem käme ich mir echt wie ein Touri vor, wenn ich als Neuling in der Gemeinde wärend der Göttlichen Liturgie mit der Kamera rumlaufen würde.

Ich werde aber beim nächsten Mal den Segen dafür bei Vater Romanos erbitten und Fotos machen.

D.h. nächstes Mal ist am Feiertag des Hl. Nikolaus des Wundertäters, beginnend mit dem Abendgottesdienst am 5.12. um 17.30 Uhr. Am 6.12. wird dann die Göttliche Liturgie um 10.00 beginnen.

Bis bald Dank Gott.

Marian
holzi
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von holzi »

Ok. Verstehe, herumlaufen ist blöd. Aber in St. Leonard gibt's doch eine Empore, von der aus man auch diskret Bilder machen kann. Am 6.12. könnte ich sogar kommen.
Feiert ihr jetzt den hl. Nikolaus nach dem gregorianischen Kalender?
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Kai
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Kai »

Wenn es um Vater Romanos Werner geht, der ist doch bei den Rumänen und die haben den neuen Kalender?!
holzi
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von holzi »

Kai hat geschrieben: 25.11.2020, 19:17 Wenn es um Vater Romanos Werner geht, der ist doch bei den Rumänen und die haben den neuen Kalender?!
Ah! Jetzt ist das Zehnerl gefallen - danke für den Hinweis. Ich war immer fixiert auf die Russen von der Maria-Schutz-Kirche.
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Marian
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Marian »

Grüß Gott,
ja tatsächlich ist der Priester rumänische Kirche. Ich kenne zwar seinen Familiennamen noch nicht, doch der wird es schon sein, den du vermutest Kai. Die orthodoxe Priesterschaft in Deutschland ist ja auch kein Millionenheer.
Vermutlich waren aber die Rumänen an diesem Abend in der Minderheit, wenn überhaupt vertreten.
Die Gottesdienste waren in 2/3 deutscher und 1/3 englischer Sprache. Der Chor war bemerkenswert sehr gut eingeübt. Zumindest war ich überaus positiv überrascht, dass es eben nicht die oben beschriebene deutsche Laiengruppe ist, die von der "Pieke auf" die fremdländische Tradition einzudeutschen versucht. Das war richtig Kirche, echter Lobpreis Gottes, der Gottesmutter und der Heiligen.
Sollte jemand da draußen sein, der mit dem Gedanken spielt nach Regensburg zu pilgern und da mal teilzuhaben, in meinem Haus stehen allermeistens 2 Gästezimmer leer.
Coronafreier Wohnraum! Meine Frau ist Krankenschwester und wird alle paar Tage negativ getestet!
Marian
Kai
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Kai »

Marian hat geschrieben: 27.11.2020, 05:32 Der Chor war bemerkenswert sehr gut eingeübt.
Das ist die absolut untrügliche Bestätigung dafür, dass es sich um Vater Romanos Werner handelt. :D
Grüße
Kai
holzi
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von holzi »

Kai hat geschrieben: 27.11.2020, 09:44
Marian hat geschrieben: 27.11.2020, 05:32 Der Chor war bemerkenswert sehr gut eingeübt.
Das ist die absolut untrügliche Bestätigung dafür, dass es sich um Vater Romanos Werner handelt. :D
Grüße
Kai
Ich war heute dort. Es war wunderbar. Was zwei geübte Sänger an Musik hervor bringen, das ist phantastisch.
@Marian: danke für den Tipp. Warst du auch dort?
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Marian
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Marian »

Grüß Gott und gesegneten guten Morgen,

ganz gut, dass es das jetzt gibt. Und ganz wunderbar wie sie geübt sind und die Gottesdienste zelebrieren.

Und ganz im Gegenteil zur Musik, die zur Unterhaltung bzw. Zerstreuung gemacht wird, singen sie die heiligen Gebete, wie sie die Kirchenväter zur Konzentration und Sammlung unseres Geistes formuliert und angeordnet haben, damit wir uns unserem Herrn und Gott Jesus Christus annähern und kommunizieren können.

Ich selbst war nur am Samstag bei der Abendmesse und es wird auch noch einige Besuche brauchen bis ich vollständig dem Text in deutscher Sprache folgen kann. Ich bin über Jahre an das Kirchenslawische gewöhnt, wo ich immer in etwa weiß was gerade gebetet wird aber nicht auf die einzelnen Worte höre. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich in dem Maß üben müsste, um den Gebeten vollständig zu folgen.

Nun weiß ich ja von meinem geistlichen Vater und auch von meiner geistlichen Entwicklung der 8 Jahre seit der Taufe, dass die Gottesdienste in fremder oder der eigenen Sprache die gleiche Wirkung auf die Seele haben. Doch dem Verständnis der Strophen der Kanones folgt natürlich auch das Verständnis und die herzliche Verherrlichung der Heiligen die besungen werden.
Die Mahnungen, harte Kritik, wenn nicht gar Schimpf des Hl. Paissios gegen das Vorhaben das Altgriechische in den Schulen nicht mehr zu lehren, steht damit auch im ganz anderen Licht.

Gesegnete Woche wünsche ich

Marian
holzi
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von holzi »

Marian hat geschrieben: 07.12.2020, 08:11 Die Mahnungen, harte Kritik, wenn nicht gar Schimpf des Hl. Paissios gegen das Vorhaben das Altgriechische in den Schulen nicht mehr zu lehren, steht damit auch im ganz anderen Licht.
Ich meine, diese Aussagen des Altvaters Paisios muss man im Kontext der griechischen Politik dieser Zeit sehen. Es gab die Tendenz unter den Sozialisten der PASOK, eine Art "Kulturrevolution light" durchzuführen und vieles Althergebrachte über Bord werfen zu wollen. Damit sollte auch der scheinbar nutzlose Unterricht in altem Griechisch und der Gebrauch der Katharevoussa, also einer eher altmodischen Form des Neugriechischen abgeschafft werden. Und die für die Sozialisten erwünschte Nebenwirkung war dann auch, dass die Menschen die kirchliche Sprache nicht mehr so gut verstehen sollten.

Der Gebrauch der Volkssprache allein garantiert aber noch lange nicht, dass das Volk die Geheimnisse der Eucharistie versteht, im Gegenteil. Ich sehe es ja am Beispiel der römischen Kirche nach 1965, wo zwar der Gebrauch von Latein fast vollständig abgekommen ist, dennoch ist auch das Glaubenswissen nahezu vollständig vertrocknet. Ich bin selbst ja erklärter Anhänger der altehrwürdigen Messe im tridentinischen Ritus, da sehe ich, was an Sprachkraft im Latein steckt, da schauen dich aus fast jedem Satz weit über tausend Jahre Geschichte an. Vieles davon ist in den Übersetzungen verloren gegangen. Entweder, weil manche kurze und prägnante Aussagen auf Latein im Deutschen einen unaussprechlich komplizierten und langatmigen Satzbau ergeben würde (was mir bei manchen liturgischen Übersetzungen aus dem Griechischen auch auffällt), wenn man sie wort- und sinngemäß übersetzen will, oder man lässt einfach die halbe Aussage weg und paraphrasiert nur ganz kurz, dann klingt das zwar schöner, ist aber oft banal in der Aussage.
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Lazzaro
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Lazzaro »

Hallo, Ihr Regensburger!

Wer ist Vater Romanos? Wieso habe ich noch nie etwas von ihm in dt.-orth. Kreisen gehöhrt?

Wie stemmt er eine deutschsprachigeGemeine von Null auf 100 und das mit einem "bemerkenswert sehr gut eingeübten" Chor, der gleich beim ersten Auftritt eine ganze Nachtwache stemmen kann?

Und wieso ist er nicht im Erzbistum der Gemeinden russ. Tradition, das gemäß der Panhäresie des Patriotismus, ähhhhmm ich wollte sagen: das gemäß der ethnischen Juristiktion (Ihr wißt schon was ich meine?!) für die autochonen Westeuropäer zuständig ist? Naja es gibt nun endlich eine Juristiktion, die für die Deutschen zuständig ist, und die Leute gehen woanders hin? Ich finde das etwas seltsam.

Lazarus teutonicus
Cantábiles mihi erant justificatiónes tuæ, * in loco peregrinatiónis meæ. - Ps.118:54
holzi
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von holzi »

Ich kannte den P. Romanos auch vorher nicht, aber einige mir bekannte kath. Priester kennen ihn von früher und sind auch nach wie vor mit ihm befreundet. Er war vor seiner Konversion römisch-katholischer Priester, soweit ich weiß als Mönch in Niederaltaich - das dürfte auch die Beziehungen zur Musik erklären - und ist dann zu den Rumänen gegangen. Deren Metropolit Serafim fördert in seinem Bistum (DE, AT) die deutschsprachige Liturgie sehr. Einen ehemaligen Lehrer von mir habe ich auch bei den Rumänen getroffen, als Diakon.
Deutschsprachige Gemeinde ist noch etwas übertrieben, es ist eine kleine Gruppe von orth. Gläubigen aus den anderen -ethnischen - Gemeinden, die sich ab und zu zu diesen Liturgien auf Deutsch treffen. Ist noch so ein bisschen Flüsterpropaganda.
Soweit mir bekannt ist, gibt es in Regensburg die Gemeinde der Russen (Auslandskirche), die Rumänen und die Serben, und ich glaube, die Bulgaren sind auch noch ab und zu unterwegs. Da die russ. Gemeinde hier schon seit 1945 besteht, wurde auch keine des MP hier gegründet, so denke ich. Mittlerweile ist zwar die Spaltung überwunden, aber für eine zweite Gemeinde reicht es glaub ich nicht.
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Marian
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Marian »

Servus Lazzaro,
so viele Fragen. Doch woher sollen wir es wissen, wenn du es nicht weißt. Ich werde das nach und nach aufklären.
Gibt es da eine Webseite vom Erzbischof russischer Tradition in Deutschland?
So weit ich weiß wird 14-tägig Gottesdienst sein. In jedem Fall aber zur Taufe des Herrn.

Klar wird der Hl. Paissios nicht ohne Anlass diese Meinung gehabt haben. Allerdings aus der Sicht von jemandem der jahrelang des Papstes Liturgie lauscht und im Anschluss jahrelang die Kanones in Kirchenslawisch nur nach der Qualität des Chores beurteilt, fühlt man sich als hätte man sein halbes Leben lang Fernsehen geschaut, ohne zu wissen, dass der Fernseher einen Lautsprecher hat. Dadurch denkt man, der Altvater liebt eben die uralte Sprache. Doch Nein! Er weiß, was alles verloren geht. Eben wie bei den Lateinern, natürlich ohne sie zu nennen.

Dass die meisten Deutschen nach 65 Ihre Gottesfurcht austrocknen ließen, liegt wohl nur zum geringeren Teil an der liturgischen Sprache. Beweis am Extrem: In den Staaten war es das ganz Gleiche quer durch alle Konfessionen, Sprachen und Ethnien.
Und da wären wir wieder beim Hl. Paissios, der immer wieder zum möglichst einfachen Leben rät. Ich bin der Meinung, dass es keinen Volksglauben mehr geben wird, solange umfassender Wohlstand mit Sozialversicherung besteht. Der Heilige empfindet das als ständige Korrosion an der Seele.

Marian
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Germanus
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Germanus »

Ist das denn nicht schon wieder eine "Häresie", wenn auf einmal nur noch ein "berechtigtes" Bistum für einen bestimmten Teil von Gläubigen zuständig wäre, die doch alle orthodox sind und alle zu einer Kirche, nämlich der einen, heiligen, katholischen (auch da steckt ja die Gemeinschaft drin) und apostolischen, gehören? Möge doch jede Gemeinde ihren Ort und ihre Möglichkeiten finden - Hauptsache, sie ist Teil des Leibes Christi, ob nun kanonisch von rumänischen Bischöfen oder russischen abhängig, das ist doch erstmal recht nebensächlich (zumal die jeweiligen Bischöfe alle ""Westeuropa" im Namen tragen)! Zumal es so eine Sache ist, von "autochthonen" Gläubigen zu sprechen... Wie autochthon sind wir denn wirklich durch die Bank??? Es wäre übrigens doch viel schöner, wenn sich einfach alle Bischöfe eines Landstrichs gegenseitig die Ehre erweisen und es wieder so machen könnten, wie vor 1000 Jahren überall, oder wie noch vor gut 100 Jahren in Nordamerika, wo sich der russische und griechische Erzbischof einfach abgesprochen haben und ein Bischof im Land selbst für alle zuständig war (es war der russische, ohne dass sich jemand auf den Schlips getreten oder ethnisch vernachlässigt fühlte...).
Gruß G.
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