Grüß Gott!
Ich möchte auch kurz auf Thema Kirche und deren Bezug zu gesellschaftlichen Ereignissen – hier: der Wirtschaftkrise – kurz eingehen.
Ich denke, dass das, was der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria angemerkt hat, trifft den Kern der Sache:
Dies beinhaltet genau das von Nikolaj angemerkte und dem ich zustimme:
Nikolaj hat geschrieben:Die Aufgabe der Kirche ist auch nicht Politik und Wirtschaft sondern die Verkündigung des Evangeliums.
Was bedeutet das eigentlich nun konkret? Warum ist das so? Ich will es mal mit einem naturwissenschaftlichen Beispiel – hier aus der Medizin – verdeutlichen.
Wenn ein Organismus krank ist, dann sehen wir sehr deutlich die Symptome bzw. wenn wir selbst eine Krankheit haben, dann spüren wir deren Auswirkungen sehr deutlich. Wenn wir genauer hinschauen, dann stellen wir fest, dass in der Regel irgendetwas mit den Bestandteilen des Organismus nicht in Ordnung ist. So können Zellen von Schädlingen befallen sein oder aus irgendwelchen Gründen funktioniert der Stoffwechsel einzelner oder mehrerer Zellen nicht.
Wie heile ich dann am besten den Organismus? Mit Sicherheit hilft es nur eingeschränkt, an den Symptomen ‚herumzudoktorn‘. Was dagegen eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Heilung hat, ist, die einzelnen Zellen wieder in Ordnung zu bringen, ihren korrekten Stoffwechsel wieder zu gewährleisten, sie von den Schädlingen zu befreien.
Genau diesen Ansatz verfolgt auch gemäß ihrem göttlichen Auftrag die Kirche. Sie hilft uns (den „Zellen“) in der Gesellschaft (dem „Organismus“) gesund zu werden, uns von unserem durch Sünde etc. („Schädlinge“) gestörten Lebenswandel („Stoffwechsel“) wieder zum funktionieren zu bringen, in dem sie uns mittels der Mysterien reinigt und zu Gott führt. Wenn das bei möglichst vielen „Zellen“ zum Erfolg führt, dann genest auch der „Organismus“ – die Gesellschaft. Das Aufzeigen der Kopfschmerzen etc. ist dagegen weniger hilfreich und zielführend.
Einige
Worte des Patriarchen von Moskau und ganz Russland Kyrill zur Themenstellung:
Wir müssen nicht nur die Wirtschaft aus der Krise hinausführen, sondern auch die menschlichen Seelen, meint der Heiligste Patriarch Kyrill
Der Patriarch von Moskau und ganz Russland Kyrill erklärte, dass die Mittel aus dem finanz-wirtschaftlichen Bereich nicht ausreichen, um die Globalkrise zu bewältigen.
„Die Krise kann auf der Bewusstseinsebene der Verhaltensmotivation und in dem Herzen des Menschen geheilt werden“, – sagte der Heiligste Patriarch Kyrill am Mittwoch auf dem Ostertreffen in dem Außenministerium der Russischen Föderation.
Seinen Worten nach, werden zur Zeit die meisten Antikrisenprogramme auf einer wirtschaftszentrierten Grundlage konzipiert – sie schlagen die Annahme neuer Gesetze und die Unterstützung konkreter Wirtschaftszweige vor.
Dies alles ist, nach der Meinung des Patriarchen „wichtig, jedoch unzureichend.“ „Wir müssen die Aufmerksamkeit auf den Zustand des modernen Menschen richten. Ist er bereit zu arbeiten, zu erschaffen, Familie zu gründen?“ – sagte seine Heiligkeit.
[…]
Seinen Worten nach, hat sich „die Weltordnung in dem letzten Jahrzehnt weniger auf die Moral und geistliche Werte gestützt, weil sie diese für realitätsfern hielt.“
Der Heiligste Patriarch betonte, dass die Orthodoxe Kirche, wie die anderen traditionellen Religionen, „schon immer über das Wissen verfügte, um aus der Krise der menschlichen Seele zu führen.“
Die "
Grundlagen der Sozialdoktrin der Russisch-Orthodoxen Kirche", geht auch, vor allem in Kapitel VI und VII, auf die Wirtschaftsthematik ein, s.a.
http://orthpedia.de/index.php/Datei:Kas ... 4-1-30.pdf bzw.
http://orthodoxeurope.org/page/3/16.aspx.
Das auf dem VIII. Gesamtrussischen Nationalkongress im Moskauer Danilov-Kloster (04.02.2004) verabschiedete Dokument "Verhaltensregeln zu ethischen Grundsätzen in der Wirtschaft" (Übersetzung veröffentlicht in "Stimme der Orthodoxie",
Ausgabe 1/2004) passt diesbezüglich auch ganz gut zur Fragestellung, wie die Kirche dazu steht. Dazu hatten wir
in diesem Strang schon eine kleine Diskussion.
Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf das Evangelium, welches wir heute, am dritten Sonntag nach Pfingsten, gelesen haben und das „zufällig“ sehr gut passt:
Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.
(Mt 6,31-34)
Die passende Predigt des Anthony (Bloom), Metropolitan of Sourozh, dazu ist hier zu finden:
Sorgt euch nicht …
Alles, was wir haben, gehört nicht uns. Alles, was wir gebrauchen, und was unser Nötigstes überschreitet, nehmen wir anderen weg, ja wir stehlen es ihnen. Alles, was wir nicht aus freiem Willen und aus Liebe hergeben, nehmen wir heraus, ja entreißen wir, aus dem Wunder der Liebe des Gottesreiches …
Ich denke, das zeigt uns klar die Zielsetzung und die Herangehensweise zu dieser Problematik auf
In Christo
Igor