Aber können wir uns denn wirklich erlauben, uns überhaupt nicht mit diesem Thema zu beschäftigen? In der Bibel gibt es einen Schöpfungsbericht. Im ersten Kapitel steht nicht nur dass Gott die Welt geschaffen hat. Denn ansonsten wäre die Formulierung in etwa - "Gott hat den Himmel und die Erde geschaffen. Und er schuf zuerst die Wasser, dann das Festland, dann die Lichter, dann die Fögel... und letzt endlich die Welt." Aber es steht viel mehr. Es gibt Hinweiße auf die Prozesse, die Gott einleitete (Genesis 1:2 der Geist Gottes schwebte über den Wassern., Genesis 1:4 und Gott schied das Licht von der Finsternis. Genesis 1:7 Und Gott machte die Wölbung und schied die Wasser, die unterhalb der Wölbung von den Wassern, die oberhalb der Wölbung waren. Und es geschah so.) Auf die Bewertung durch Gott von dem, was er getan hat (Genesis 1:4 nd Gott sah das Licht, daß es gut war). Es gibt ganz klar definierte Zeitabschnitte (Genesis 1:13 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein dritter Tag.) Bei den einzelnen Abschnitten gibt es von Gott sozusagen Anweißungen, was die Schöpfung zu tun hat, bzw. wie sie sein soll: (Genesis 1:22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt das Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde!)
Das Hexaemeron ist also eine systematische Erzählung. Die Frage ist, wie wir diese Erzählung interpretieren und was sie in wirklichkeit bedeutet. Aber - sie steht in der Bibel. Ein gläubiger Christ, wenn er genug Glauben hat und nicht Neugierig ist, kann seine Augen verschließen und keine Fragen stellen. Was ist aber, wenn ein ungläubiger Christ anfängt, sich mit der Bibel zu beschäftigen und das erste Kapittel ließt? Hat euch nie jemand gefragt, wieso die Welt nach der Bibel in nur 6
Tagen erschaffen wurde, wenn die Wissenschaft etwas ganz anderes beweißt? Wie konnte es vor dem vierten Tag "Tage" mit Morgen und Abenden geben, wenn Tag und Nacht erst zum vierten Tag getrennt wurden? Wie konnten die Pflanzen wachsen, wenn es vor dem vierten Tag keine Sonne gab? Warum heißt der erste Tag "Tag eins" und die anderen Tage "zweiter Tag, dritter Tag"? Was ist das für ein Gewölbe, welches das Wasser vom Wasser trennt? Denn auf der Erde gibt es so eine Trennung nicht. Und warum gibt es unterschiede zwischen den Beiden berichten, in dem zweiten Kapitel Genesis wird, so scheint es, zuerst der Mensch geschaffen, und dann erst die Bäume. Hat der Mensch zuerst auf einem kalen Felsen gelebt? Was ist das für ein Dunst, der die Oberfläche der Erde bewässerte? Und zulezt, meine ketholische Relligionslehrerin in der Schule wollte den Schöpfungsbericht auf folgende Art bloßstellen - wenn Gott dem Mann eine Rippe genommen hat, um Eva zu schaffen, dann müsste der Mann doch eine Rippe weniger haben!
Ihr Lieben, das sind Fragen, die ich nicht erfunden habe, sondern welche, die tatsächlich gestellt werden. Wenn ich also eine solche Frage gestellt bekomme, soll ich antworten: "Lieber Bruder, ich glaube, dass Gott die Welt geschaffen hat, aber der Schöpfungsbericht in der Bibel, der ist wissenschaftlich nicht tragbar hat im Prinzip auch gar keiner Bedeutung, außer der Wichtigsten: Gott hat die Welt und den Menschen geschaffen." Viele heilige Väter haben aber genau das Gegenteil getan, sie haben diesen Bericht von allen Seiten untersucht und ihm eine wichtige Bedeutung zugesprochen.
- Märtyrer Irenäus von Lyon (II. Jahrhundert) schrieb: „Gott schöpfte die Welt mit Hilfe seines „künstlerischen“ Logos in Übereinstimmung mit dem Maß, der Zahl (dem Rhythmus), der Rheinfolge und der Harmonie (Contr. Haer. II, 26, 3).
- Origenes: „Mooses Erzählung enthält in sich mehr, als nur den historischen Bericht, sie enthält in sich einen großen geistlichen Sinn, und unter einem gewissen Schutz von Buchstaben verbergen sich mysteriöse und tiefsinnige Dinge; doch nichtsdestotrotz zeigt die Ausdrucksweise des Erzählers, dass alles Sichtbare in einer bestimmten Zeit erschaffen wurde.“
- Hl. Athanasios der Große schreibt: „Es gibt unter den Geschöpfen keine selbständigen, keine erstgeschaffenen, doch alles hat den Anfang seines Seins mit allen anderen, auch wenn es unter ihnen einen Unterschied der Ehre gibt. Jeder Stern und jedes der großen Himmelskörper sind nicht so erschienen, dass das eine als erstes und das andere als zweites erschien, sondern an einem Tag und durch die selbe Anordnung sind alle zur Existenz berufen. So ist der Anfang von Vierbeinern, Fischen, Nutztieren und Pflanzen gelegt, so wurde auch das Menschengeschlecht nach dem Abbild Gottes geschaffen.“
- Hl. Ephräm der Syrer: „Niemand soll denken, dass die sechstägige Schöpfung allegorisch ist; es ist ebenfalls nicht erlaub zu sagen, dass das, was nach der Beschreibung innerhalb von sechs Tagen geschaffen wurde, in einem Augenblick geschaffen wurde, oder als ob in der Beschreibung nur Benennungen gegeben sind, die nichts bedeuten, oder etwas anderes bedeuten. Im Gegenteil, man muss wissen, dass der Himmel und Erde, die am Anfang geschaffen wurden, wirklich Himmel und Erde sind, und nicht irgendetwas anderes unter dem Namen Himmel und Erde. Auch all das, was über die anderen Dinge gesagt wurde, die geschaffen und zur Ordnung geführt wurden, nach dem Erschaffen des Himmels und Erde, sind keine leeren Benennungen. Vielmehr entspricht der Kraft dieser Benennungen das Sein der geschaffenen Naturen selbst.“
- Hl. Gregor von Nyssa: Als Folge „haben einige das Ziel des Geschriebenen nicht gut verstanden, und beschuldigen ihn (Basilius) deshalb, nichts Eindeutiges zur Sonnen gesagt zu haben, warum dieser Himmelskörper nach drei Tagen speziell errichtet werden musste.“ Denn „unmöglich ist es, dem täglichen Maß mit Morgen und Abend bestimmt zu werden, wenn die Sonne den Abend nicht mit ihrem Untergehen, und den Morgen nicht mit ihrem Aufgehen hervorruft.“ „Auch schließen sie die Schöpfung zweier Himmel aus,“ denn „zuerst ist ein Himmel geschaffen, und dann die Erde.“ „Aber Paulus erwähnt auch einen dritten Himmel, über den bei der Beschreibung der Schöpfung nicht berichtet wird.“
- Hl. Gregor der Theologe: „Alles wurde am Anfang geschaffen, als die Welt so, wie sie jetzt ist, nicht existierte, als sie diese Ordnung und diese funktionierende Form nicht besaß; damals war alles vermischt und verwickelt, und wartete auf die Hand und die einrichtende Allmächtigkeit.“
- sel. Augustinus „Zuerst ist die Substanz geschaffen, vermischt und nicht eingerichtet, und aus ihr ist alles hervorgegangen, was im Nachhinein getrennt und eingerichtet war“.
- Johannes Chrysostomus: „Vielleicht werden die, die aus ihrer Weisheit heraus zu sprechen mögen, auch hier nicht in Erwägung ziehen, dass Flüsse – wirkliche Flüsse sind, und dass Wasser – wirklich Wasser.“
- Die heiligen Efrem der Syrer, Maximus der Bekenner, Filoret von Moskau und viele andere schrieben zu diesem Thema, Basilius der Große ein ganzes Buch. („Denn die Stimme von damals [das Wort Gottes] und jener erste Befehl wurde gleichsam ein Gesetz der Natur, blieb in der Erde und gab ihr für die Folge die Kraft, zu gebären und Früchte zu bringen.“, „Was bedeuten die Worte: der Geist Gottes schwebte über dem Wasser? Ich glaube sie bedeuten, dass den Wassern eine bestimmte Lebenshandlung gegeben wurde, und dass es nicht einfach stehendes und sich nicht bewegendes Wasser war, sondern ein sich bewegendes und bestimmte Lebenskraft habendes.“ // Basilius der Große. Homilien über das Hexaemeron)
Es haben sich also sehr viele bekannte Kirchenväter mit dem Thema beschäftigt. Sie haben theologische und auch naturwissenschaftliche Auslegungen gemacht. Wenn wir das also tun, verbleiben wir durchaus in der orthodoxen Tradition, und erfinden nichts neues.
Liebe Maria, wenn jemand Fragen hat, soll er auch eine gute Antwort bekommen. Ich würde niemals auf der absoluten Richtigkeit der einen oder anderen Auslegung oder wissenschaftlichen Theorie beharren. Aber, ich würde auf jeden Fall zeigen, dass die Schöpfungsberichte nicht etwas ausgedachtes sind, sondern eine naturwissenschaftliche Anwedung
haben können, logisch und untereinader abgestimmt sind.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.