Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Maria72
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Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Beitrag von Maria72 »

Ich wollte hier ein Problem schildern, was mein Gewissen sehr beunruhigt. Ich bin Mitwisserin von einem Betrugsfall, was das Erschleichen von Sozialleistungen monatlich in großer Höhe betrifft. Es sind Bekannte von mir die das tun und keinerlei Reue empfinden, ganz im Gegenteil.
Die eine Hälfte von mir sagt, dass das nicht in Ordnung ist, aber die andere Hälfte meint, es ist Gottesangelegenheit, er wird richten und ich sollte mich gar nicht einmischen.
Was meint ihr dazu? Ist es in Ordnung, dass ein orthodoxer Christ zusieht wie der Staat abgezockt wird?
Ich habe es meinen Bekannten mehrmals angedeutet, dass ihr Verhalten eine Sünde ist, aber das hat nichts gebracht!
Natürlich könnte man den Betrug anzeigen, aber ich kann das nicht tun, nicht weil ich Mitleid mit den Betrügern habe, sondern weil ich Gott liebe und fürchte und nichts gegen seinen Willen tun möchte, oder im schlimmsten Fall Gott erzürnen. Das sei fern von mir!
Was würde ein guter Christ in diesem Fall machen? Welches Verhalten würde Gott gefallen? Ist meine Mitwisserschaft eine große Sünde?

LG:)
Zuletzt geändert von Maria72 am 11.03.2012, 17:23, insgesamt 1-mal geändert.
holzi
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Re: Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Beitrag von holzi »

Du hast deine Pflicht getan, die Leute auf ihr schmarotzerhaftes Verhalten hinzuweisen. Sie waren uneinsichtig. Zeig sie an! Diese Abzockerhaltung hat ganz Europa an den Rand des Kollaps' gebracht. Es wäre eher Sünde, wenn du weiter schweigen würdest, dadurch werden die Mittel den echt Bedürftigen vorenthalten.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)
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Igor
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Re: Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Beitrag von Igor »

Liebe Maria!
Maria72 hat geschrieben:Was meint ihr dazu? Ist es in Ordnung, dass ein orthodoxer Christ zusieht wie der Staat abgezockt wird?
Ich habe es meinen Bekannten mehrmals angedeutet, dass ihr Verhalten eine Sünde ist, aber das hat nichts gebracht!
Natürlich könnte man den Betrug anzeigen, aber ich kann das nicht tun, nicht weil ich Mitleid mit den Betrügern habe, sondern weil ich Gott liebe und fürchte und nichts gegen seinen Willen tun möchte, oder im schlimmsten Fall Gott erzürnen. Das sei fern von mir!
Was würde ein guter Christ in diesem Fall machen? Welches Verhalten würde Gott gefallen? Ist meine Mitwisserschaft eine große Sünde?
Natürlich ist es – von außen betrachtet – nicht in Ordnung, was Deine Bekannten da veranstalten und Du hast völlig richtig gehandelt, also Du sie auf diesen Umstand, dass sie hier Unrecht tun, hinwiesest. Das war schon mal außerordentlich wichtig, denn Du hast damit Deine Liebe ihnen gegenüber bewiesen, indem Du sie vor möglicherweise harten Konsequenzen damit schützen wolltest. Letztendlich werden damit – wie Holzi im Vorbeitrag schon schrieb – anderen Bedürftigen Mittel vorenthalten und die Allgemeinheit geschädigt.

So ist nun die berechtigte Frage: Wie nun weiter in dieser Sache? Auch hier gibt uns Christus Hilfestellung, so finden wir in Mt 18,15-22:
Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein. Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.
Also, würde ich hier vorerst einen anderen Schluss ziehen, als es Holzi im vorherigen Beitrag tat. Da es aber nicht so einfach ist, in derartig individuellen Situationen in einem öffentlichen Forum die richtigen Ratschläge zu geben (mir steht das sowieso nicht zu), würde ich Dir ans Herz legen, mit Deinem Beichtvater über diese Sache zu sprechen und ihn um Rat zu fragen. Schließe Deine Bekannten auch in Dein Gebet ein, dass Gott ihnen die Augen öffnet und sie die richtigen Schlüsse aus ihrem Handeln ziehen.

In Christo
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)
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Maria72
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Re: Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Beitrag von Maria72 »

Lieber Igor, lieber Holzi,

Danke für eure Antworten!
Ich liebe Gott und Menschen die Gott lieben und ehren, aber es fällt mir extrem schwer für Ungläubige, Betrüger und Gottesverachter zu beten, wie Igor es mir vorgeschlagen hat. Das ist mein ehrliches Gefühl. Leider bin ich nicht so ein frommer Mensch, der jeden ohne Vorbehalte lieben kann.
Solche Schmarotzer verdienen es angezeigt zu werden, wir Holzi es meint, aber ich empfinde eine große Angst vor Gott allein, denn ich bin mir nicht sicher, ob Er das will. Wenn ich seinen Willen wüsste, hätte ich keinen Augenblick gezögert, diesen Betrug ans Tageslicht zu bringen.
Mit meinem Beichtvater habe ich darüber nicht gesprochen, weil ich mich schäme ihm zu sagen, dass es in meinem Bekanntenkreis solche Menschen gibt.

LG:)
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Igor
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Re: Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Beitrag von Igor »

Ja, liebe Maria, es ist nicht leicht, wie Du schreibst
Maria72 hat geschrieben: für Ungläubige, Betrüger und Gottesverachter zu beten.
Vielleicht gibt Dir das dabei Unterstützung:
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.
(Mt 5,43-48)

Was die Beichte betrifft: Der Beichtvater ist in erster Linie Mittler zwischen dem Beichtenden und Gott - Du vertraust Dich also Gott an; s.a. :arrow: hier:
Igor hat geschrieben:Ich habe z.B. erfahren, dass ein Priester sich selbst darüber in einem Gespräch mit seinem geistigen Kind wunderte, was er ihm während der Beichte gesagt hatte. Nicht, dass er Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis hatte; nein, Gott sprach durch und mit ihm während des Mysteriums.
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Re: Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Beitrag von Lazzaro »

Liebe Maria!
Du hast genau richtig gehandelt als Du Deine Bekannte auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht hast. Wenn solche Menschen kein schlechtes Gewissen haben, kann man häufig nicht mehr tun, als ihnen die Konsequenzen im Falle des erwischt Werdens aufzuzählen: Rückzahlungen, Gefängnis, ... aber meist wissen sie das schon.
Wende Dich an die Behörden bitte nur dann, wenn Du nagelfeste Beweise hast. Allein die Sache bloß zu wissen, reicht auf keinen Fall aus. (Ich weiß auch, wer .... ) Solltest Du selbst in der öffentlichen Finanzverwaltung arbeiten, sieht die Sache eventuell etwas anders aus, aber das ist ein anderes Thema.

Ob diese Menschen es "verdienen" angezeigt zu werden, mag Gott allein entscheiden. Ich denke nicht, daß Du dich für die Taten Deiner Bekannten schämen mußt. Es ist deren Straftat, nicht Deine.
Wenn Du diese Menschen liebst, dann liebe sie als Deine Nächsten, denn Gott liebt uns Sünder ja auch. Sündigen tun wir ja alle: Ich, Du, der Nachbar, der Pastor, der Polizist und Gott liebt uns trutzdem alle. Deine Bekannten haben den Vorteil, daß Ihre Sünden offenbar sind, und den Nachteil, daß ihre guten Taten nur Gott sieht.
Das Gebet für sie, ist eine wichtige Hilfestellung für sie, wie auch für Dich. Natürlich fällt es Dir schwer. Aber wenn es dir bloß „schwer fällt“, dann hast Du ja schon den zweiten Schritt in der Überwindung geschafft. (Glüchwunsch!) Beim ersten Schritt würdest Du nämlich - entschuldige bitte den Ausdruck - das Kotzen bekommen. Ich weiß wovon ich rede. Gott ist auch dazu da, daß wir ihm die die Ungerechtigkeit der Welt im wahrsten Sinne des Wortes vor die Füße werfen können. Jammert nicht irgendwo der Psalmist, darüber daß es den Freflern so gut geht, aber er bittet Gott zu handeln.

Der dritte Punkt, den ich noch ansprechen möchte ist, daß wir Menschen doch noch gar nicht wissen, was Gott mit Deinen Bekannten und auch anderen öffentlich bekannten Sündern noch vor hat. Jetzt im Augenblick sind sie wirklich keine Vorbilder, was wird aber später werden? Werden sie eine von Gott gegebene Möglichkeit zur Buße annehmen? Auch einige Heilige waren in unsaubere Geschäfte verwickelt: Der hl. Willibald von Eichstädt schmuggelte und wußte sehr genau was er da tat. (Und mein ev. Kollege wußte sehr genau warum er ihn um Fürsprache anrief.) Der heilige Mose der Starke war mit weltlichen Beruf Räuberhauptmann: http://www.orthodoxe-kirche-albstadt.de ... äthiopier/
Selbst der Heilige der Bibel ( http://www.orthodoxe-kirche-albstadt.de ... -schächer/ ) fand erst im Sterben den Weg zu Christus: HERR GEDENKE MEINER IN DEINEM REICHE singen wir jeden Sonntag zu Beginn der Seligpreisungen. Das sagte ein allseits bekannter Schwerverbrecher. Und die Antwort Jesu lautete: HEUTE NOCH WIRST DU MIT MIR IM PARADIESE SEIN.(Lk 23,42ff )

Das waren so ein paar Gedanken von mir. Gute Nacht!
Lazarus (criminologicus)
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Mirjanin
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Registriert: 04.07.2009, 11:38

Re: Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Beitrag von Mirjanin »

Ein kleiner Einwurf von mir: Es ist gesellschaftlich OK, wenn der Staat von mir (Arbeitnehmer) stiehlt. Ist es dann nicht konsequent, wenn Marias Bekannte XY das selbe tun?

Finde ich einen interessanten Gedanken, losgelöst vom konkreten Problem (auf das IMO schon gute Antworten kamen) ...
Was sie nicht verstehen können, ist das wir keine politische Partei bekämpfen, sondern die Mörder der spirituellen Kultur.
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Maria72
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Re: Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Beitrag von Maria72 »

Liebe Brüder und Schwester,

ich danke euch für eure Antworten! Ich habe mir Gedanken darüber gemacht und habe entschieden diese Sache vollkommen Gott zu überlassen. Ich werde betten, dass Gott mir hilft und meinen vor Wut verfinsterten Verstand erleuchtet. Es hat mir aber gut getan diese Last meiner Seele mit euch zu teilen.
Liebe Grüße

Maria
Stefan
Beiträge: 135
Registriert: 06.09.2010, 08:30
Religionszugehörigkeit: georgisch-orthodox

Re: Erschleichen von Sozialleistungen - Mitwisserschaft

Beitrag von Stefan »

Mirjanin hat geschrieben:Ein kleiner Einwurf von mir: Es ist gesellschaftlich OK, wenn der Staat von mir (Arbeitnehmer) stiehlt. Ist es dann nicht konsequent, wenn Marias Bekannte XY das selbe tun?

Finde ich einen interessanten Gedanken, losgelöst vom konkreten Problem (auf das IMO schon gute Antworten kamen) ...

Hallo Mirjanin,

wie meinst Du das mit dem Stehlen des Staates? Indem er mehr als den Zehnt nimmt (z.B. durch Einkommensteuer)?

Grüße
Stefan
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